Rezension: Luisa Binder – „Friede, Freude, Pfefferkuchen“

Fakten:
Taschenbuch, Knaur, Erscheinungsdatum: 02.10.2017, 302 Seiten, 9,99€ – auch als eBook erhältlich

Autorin:
Luisa Binder studierte nach dem Abitur verschiedene geisteswissenschaftliche Fächer und arbeitet in einer Werbeagentur. Nebenher schreibt sie Bücher und lernt schwedisch – daher auch ihre Schwäche für Zimtschnecken. Mit ihrem Mann lebt sie in der Rhein-Neckar-Region in einer Kleinstadt. Im Knaur-Verlag sind vor diesem Weihnachtsroman bereits die Romane „Eigentlich sind wir nicht so“ (07/2015) und „Darf ich Dir das Sie anbieten?“ (05/2017) von ihr erschienen.

Handlung:
Noëlle Christmann – allein der Name klingt wie Weihnachten. Kein Zufall, ihre Eltern sind Weihnachtsfreaks, ihr Sohn heißt Nikolaus und ab Spätsommer dreht sich alles nur noch um Weihnachtsbeleuchtung, Weihnachtsgebäck und Krippenspiele. Ein Grund für Noëlle, Weihnachten zu hassen und schon zum Studium von Hildesheim nach Frankfurt/Main zu flüchten – ihre Familie besucht sie nur noch selten. Über ihren Job in der Werbebranche hat sie ihren neuen Freund Erik, Eishockey-Spieler in Frankfurt, kennengelernt. Ein besonderer Kavalier, wie man ihn kaum noch findet. Noëlle ist überglücklich und stimmt unbedarft Eriks Vorschlag zu, am 1. Adventswochenende seine Familie im Dörfchen Krummenau im Hunsrück zu besuchen. Nie hätte sich die Weihnachtshasserin vorstellen können, was sie dort erwartet: Krummenau will DIE internationale Lebkuchen-Metropole werden und ehe sie sich versieht, hat Eriks Mutter, Geschäftsführerin der örtlichen Lebkuchen-Fabrik, Noëlle in einer Gemeindesitzung als ehrenamtliche Marketing-Referentin für den Ort verpflichtet. Sie hasst aber nicht nur Weihnachten, sondern auch Lebkuchen wie die Pest! Für Noëlle und Erik bricht in Krummenau ein ganz neues, nicht gerade einfaches Kapitel der jungen Beziehung an …

Fazit:
Das türkisfarbene Cover mit dem unzufriedenen Lebkuchen-Mädchen (das könnte glatt Noëlle sein) und den anderen Lebkuchen-Baumanhängern war sicherlich das, was meinen Blick bei der Durchsicht der damaligen Verlagsvorschau auf dieses Buch gelenkt und mich neugierig gemacht hat. Ich finde das Cover echt toll gelungen – allein die Farbe ist schon ein echter Blickfang, ebenso wie plastische Schrift des Titels und der plastisch dargestellte Zuckerguss.
Auf die 302 Seiten des Romans verteilen sich 20 Kapitel, Epilog und Danksagung und jedes neue Kapitel hat eine Lebkuchen-Figur am Start.
Ich hatte bisher noch kein Buch von Luisa Binder gelesen, obwohl sich die Vorgänger des Weihnachtsromans auf meinem SuB befinden. Das wird sich auf jeden Fall ändern, denn der Schreibstil ist humorvoll und man hat wirklich Spaß beim Lesen.
Eines ist sicher: Ich werde den Begriff „Krummenauer Lebkuchen“ wohl meinen Lebtag lang nicht vergessen – wenn das tatsächlich existierende Dorf im Hunsrück wirklich Lebkuchen produzieren würde, dann hätte Luisa Binder hiermit die allerbeste Werbekampagne überhaupt ins Leben gerufen 😉
Noëlle ist eine liebenswürdige, realistische Protagonistin, die neben ihrem Hass auf Weihnachten und Lebkuchen noch ein weiteres Problem hat: Wie so viele von uns kann sie einfach nicht „Nein“ sagen und lässt sich dauernd zu Sachen überreden, um sich im nächsten Moment darüber und vor Allem auch über sich selbst unendlich zu ärgern. Harmoniebedürftig wie sie ist, zieht sie die Sachen dann durch, nur um keinen Ärger zu machen und niemand Anderen vor den Kopf zu stoßen. Mit ihr kann man sich einfach gut identifizieren und ich muss zugeben, dass es mir lange Zeit selbst so ging und ich das Nein-Sagen erst spät gelernt habe.
Auch Erik und seine Familie sind gar nicht so übel – nur eben ein wenig schrullig und eben ziemlich speziell, aber auch ziemlich anstrengend.
Witzig skizziert mit ihren Macken und Intrigen hat Luisa Binder auch die übrigen Dorfbewohner, wo es ein wenig zugeht wie bei „Dallas“ oder „Denver Clan“ – nur, dass es sich eben nicht um Öl sondern um Lebkuchen dreht.
Ganz interessant fand ich auch die Erwähnung von Noëlles Erkrankung, dem Raynaud-Syndrom, einer Durchblutungsstörung vor allem der Hände, die ich selbst auch habe und die wirklich lästig ist – zumal ich selbst eben so schnell friere wie Noëlle.
Ich hatte eine unterhaltsame Lesezeit und musste oft lachen bei der Lektüre dieses recht ungewöhnlichen Weihnachtsromans.
Wer zur Abwechslung zu den vielen romantischen und manchmal auch etwas kitschigen Weihnachtsromanen noch etwas Lustiges lesen möchte, sollte sich diesen von mir mit 4**** Sternen bewerteten Weihnachtsroman unbedingt noch zulegen 🙂

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Rezension: Gabriella Engelmann – „Wintersonnenglanz“

Fakten:
Taschenbuch (eigentlich Paperback), Knaur, erschienen: 04.10.2016, 251 Seiten, 9,99€ – auch als eBook und Hörbuch erhältlich

Autorin:
Gabriella Engelmann wurde 1966 in München geboren und lebt heute in Hamburg. Sie machte zunächst eine Ausbildung zur Buchhändlerin und blieb der Literatur-Branche auch auf ihrem weiteren Berufsweg als Lektorin, Verlagsleiterin, Literatur-Scout und Autorin treu. Sie schreibt ebenso Kinder- und Jugendbücher wie vor Allem auch Romane für Erwachsene und entwickelt Stoff für Fernsehverfilmungen. Ein Pseudonym von ihr ist „Rebecca Fischer“. Mit ihren Kurzgeschichten ist sie immer wieder in Anthologien vertreten. Fast alle ihrer Romane spielen im hohen Norden Deutschlands – so, wie auch diese Reihe um das „Büchernest“ in Keitum auf Sylt. „Inselzauber“ ist der 1. Teil dieser Reihe; die 2013 erschienene Fortsetzung nennt sich „Inselsommer“ und 2016 erschien dieser Weihnachtsroman mit dem Titel „Wintersonnenglanz“. Band 4 mit dem Titel „Strandkorbträume“ erscheint am 03.04.2018.

Handlung:
Larissa vom Sylter Büchernest liebt die Advents- und Weihnachtszeit, die geprägt ist von Gemütlichkeit, Kerzenschein, winterlicher Deko und leuchtenden Kinderaugen – denn ihre kleine Tochter erlebt das Weihnachtsfest erstmals bewusst. Die Stimmung wird jedoch verhagelt, als es zunächst ihrer Tante Bea nicht gut geht und sie sich ganz eigenartig verhält und es dann im „Büchernest“ einen heftigen Wasserschaden gibt, der die ganze künftige Existenz des Bücher-Cafés bedroht. Aufgefangen von ihrem Mann Leon, von ihrer besten Freundin Nele, die wieder auf Sylt weilt, und vielen anderen guten Freunden, die in der Not helfen, kann Larissa vielleicht doch noch auf ein Weihnachtswunder hoffen …

Fazit:
Das Cover ist der Jahreszeit angepasst und enthält mit der weißen Holztischplatte (dazu passt gut die geriffelte Oberflächenstruktur des Umschlags)einen kalten Farbton, dem durch den heißen, orangefarbenen Tee und dem vereisten roten Zweig aber auch etwas Warmes gegeben wird. Ich nehme an, der Zweig soll die im Buch erwähnten Krähenbeeren darstellen.
Der Umschlag des Buches ist – obwohl Taschenbuch-Format – eigentlich ein höherwertigeres Paperback (doppelter Taschenbuch-Umschlag) – der Innenumschlag ist u. a. bedruckt mit einem Interview mit Gabriella Engelmann.
Die 251 Seiten enthalten insgesamt 22. Kapitel der Fortsetzung der Büchernest-Reihe in allerbester Leselänge und angenehmem Druckbild. Da dies wieder ein Buch ist, bei dem jedes Kapitel auf der rechten Seite beginnt, gibt es insgesamt 12 unbedruckte Seiten. Der eigentliche Roman endet auf Seite 213 – als besonderes Geschenk gibt es in diesem Roman nach dem Dankeswort dann noch einen Adventskalender zum Lesen in natürlich 24 kleinen Kapiteln, der Gedichte, Deko-Tipps, Infos über Weihnachtsbräuche und gleich mehrere Koch- und Back-Rezepte aus dem Buch enthält. Das ist wirklich eine ganz zauberhafte Idee, die das Buch zusätzlich nochmal zu etwas Besonderem macht.
Gabriella Engelmann führt ihre Leserinnen nun bereits zum 3. Mal nach Sylt und lässt uns am Leben der wunderbar authentischen und sympathischen Haupt- und Nebencharaktere aus dem Büchernest teilhaben – dieses Mal in der Vorweihnachtszeit. Die Geschichte spielt dieses Mal rund 2 Jahre nach dem letzten Buch und ich habe dem Lesen wirklich entgegengefiebert, nachdem ich in diesem Jahr bereits die beiden ersten Bände lesetechnisch verschlungen habe.
Die Romane von Gabriella Engelmann sind nicht nur Heile Welt-Geschichten, sondern beschäftigen sich auch immer ein wenig mit persönlichen Sorgen und dem Schicksal der Protagonisten, ohne jedoch zu melodramatisch zu werden. Auch dieses Mal wurde mit der Angst vor Demenz etwas thematisiert, das in vielen Familien mit älteren Familienmitgliedern leider immer öfter zum Alltag gehört. Ebenso wird man mit den Sorgen und Existenznöten von Selbstständigen konfrontiert. Trotz Erwähnung von traurigen Begebenheiten, die aber aufgefangen werden von so schönen Dingen wie Freundschaft, Zusammenhalt, Gemeinschaft, ist der Autorin hier ein stimmungsvoller (Vor-)Weihnachtsroman in idyllisch, romantischer verschneiter Sylt-Kulisse gelungen. Lediglich der Name Liuna-Marie von Larissas Tochter wurde manchmal ein wenig zu häufig erwähnt, manchmal 5x pro Seite – wenn auch auf manchen Seiten dann gar nicht; das fand ich zuweilen etwas anstrengend, hat aber meiner Lesefreude ansonsten keinen Abbruch getan. Die Autorin hat mich übrigens wieder – wie auch bereits in anderen ihrer Bücher – sehr beeindruckt mit ihren Kenntnissen der Pflanzenwelt. Ich recherchiere dann oft, wenn ich in ihren Büchern Pflanzennamen lese – ich hätte z. B. mal wieder nicht gewusst, was Ilex und Krähenbeeren sind.
Ich habe mich mal wieder bestens unterhalten gefühlt und freue mich schon riesig auf den 03.04.2018, wo dann endlich Band 4 der Reihe erscheint und bin sehr gespannt, mit welcher Handlung die Autorin uns da wieder überrascht. Ohne diese Reihe würde mir mittlerweile etwas fehlen – die Mitwirkenden sind mir wie gute alte Freunde inzwischen sehr ans Herz gewachsen.
Auch für diesen weihnachtlichen 3. Band der Sylter Büchernest-Serie gibt wieder eine 5*****-Sterne Leseempfehlung von mir.

Rezension: Wladimir Kaminer – „Einige Dinge, die ich über meine Frau weiß“

Fakten:
Hardcover (Einband), Wunderraum (Verlagsgruppe Random House), erschienen: 28.08.2017, 190 Seiten, 20,00€

Autor:
Wladimir Kaminer wurde am 19.07.1967 in Moskau geboren, wo er nach der Schule eine Ausbildung als Toningenieur für Theater und Rundfunk und ein Dramaturgie-Studium am Moskauer Theaterinstitut absolvierte. Seit 1990 lebt er in Berlin-Prenzlauer Berg, wo er 1995 auch seine Frau Olga kennenlernte und mit ihr eine Familie gründete. Zu dieser Familie gehören die inzwischen erwachsenen Kinder Nicole und Sebastian, die Familien-Katzen und Wladimirs Mutter, die eine Wohnung im gleichen Haus bewohnt. Bekannt wurde er durch die legendäre Russendisko im „Kaffee Burger“ in Berlin, die er mittlerweile auch weltweit veranstaltet. „Russendisko“ war der Titel seines Erstlings im Jahr 2002, 2012 mit Matthias Schweighöfer in der Hauptrolle verfilmt. Es folgten über 20 weitere Bücher zu den unterschiedlichsten Themen, Tätigkeiten als Radio-Moderator, Kolumnist und Autor für verschiedene Zeitschriften und Magazine. Wladimir Kaminer ist auch ein beliebter Gast in Talkshows. Seine Hörbucher hat er alle selbst eingelesen und seine Lesungen sind ein besonderes Event.

Handlung:
Man sollte meinen, dass Wladimir Kaminer nach mehr als 20 Jahren Ehe alles über seine Frau Olga weiß, aber sie überrascht ihn dennoch seit so vielen Jahren immer wieder aufs Neue. Sowohl was ihre Kindheit auf der russischen Insel Sachalin angeht, aber auch ihre Hobbies wie Stricken, Pilze sammeln, ihre Liebe zu Grünpflanzen, zum Kochen, zu Katzen und ihrer Familie, bleibt sie für ihren Mann manchmal ein Mysterium. All diese kleinen Geheimnisse und den Reim, den sich ihr Mann darauf macht sind hier in 27 sehr heiteren und besonderen Geschichten vereint.

Fazit:
Dieses Buch von Wladimir Kaminer ist nun nach Manhattan und Goldmann erstmals bei „Wunderraum“ erschienen – einem neuen Unterverlag der Random House-Gruppe und hat somit auch ein ganz anderes Design als seine Vorgänger: Sowohl die Zeichnung auf dem Cover, wie auch Schrift und das matte Papier des Einbands, aber auch der Leinen-Rücken des Buches haben Retro-Style und erinnern an die Bücher der 50er und 60er Jahre, die man heute noch auf Flohmärkten oder in Antiquariaten sieht. Ein außergewöhnlich hübsches und sehr hochwertiges Design, das aber meiner Meinung nach dennoch nicht so ganz den hohen Preis von 20 € für ein Buch mit weniger als 200 Seiten rechtfertigt.

Wladimir Kaminer hat in seinen Büchern bereits über seine ganze Familie geschrieben – zuerst über wie weiter entfernten Verwandten im Kaukasus oder in Moskau, bevor er sich dann vorsichtig an die allernächste Verwandtschaft – zuerst mit einem Buch über seine Kinder, später über seine Mutter, nun an auch literarisch an seine Frau herangewagt hat.
In 27 äußerst unterhaltsamen Kurzgeschichten auf 190 Seiten hat er auf seine sehr spezielle Art die unterschiedlichsten Begebenheiten und Beobachtungen um seine Frau Olga mit seinem besonderen Humor und die Art zu schreiben, wie nur er es kann, zusammengetragen. Entstanden ist hier eine einzigartige Liebeserklärung, die einem aber nicht nur die Tränen aus purer Romantik in die Augen treibt, sondern vor Allem auch oft vor lauter Lachen – einfach, weil es wieder so göttlich geschrieben ist. Russische Geschichte, Kulturelles, Politisches, Persönliches, ein wenig Poesie, außergewöhnlicher Humor und immer wieder auch ein paar sprachliche „Klöpse“ sind seit Jahren das Erfolgsrezept von Wladimir Kaminer, das sich auch hier wieder bewährt hat.
Ich habe wieder sehr viel gelacht, wurde bestens unterhalten und habe mir gewünscht, dass das Buch noch ein bisschen länger ist.
Von mir bekommt dieses Werk eine volle 5***** Sterne-Leseempfehlung 🙂

Ganz herzlichen Dank an das Blogger-Portal der Random House-Verlagsgruppe für dieses Rezensionsexemplar!

Rezension: Kerstin Hohlfeld – „Bevor die Stadt erwacht“

Fakten:
Taschenbuch, Ullstein Verlag, erschienen: 13.10.2017,  250 Seiten, 9,99€ – auch als eBook erhältlich

Autorin:
Kerstin Hohlfeld wurde 1965 in Magdeburg geboren und absolvierte erfolgreich ein Theologie-Studium in Naumburg und Berlin. Nach unterschiedlichen Jobs und weiteren Berufsausbildungen widmet sie sich heute ausschließlich der Leidenschaft, der sie bereits als Kind nachging und mit der sie sich – nur 50 km von der ehem. Zonen-Grenze entfernt lebend – in fremde Welten träumen konnte: Dem Schreiben. Sie lebt mit ihrem Mann, zwei Töchtern, einem Sohn und zwei Katern in Berlin. Neben der „Rosa Redlich“-Reihe im Gmeiner-Verlag, um die junge Berliner Schneiderin, mit “Glückskekssommer” (erschienen: 07.02.2011), “Herbsttagebuch” (09.07.2012), “Winterwünsche” (01.07.2013) und „Kirschblütenfrühling“ (04.03.2015) sind noch folgende Bücher von ihr erschienen: „Ein Weg zurück“ (bookshouse, 20.06.2014) und “Ich heirate einen Arsch” (03.11.2014 bei Knaur – gemeinsam mit dem Co-Autor Leif Lasse Andersson), „Wenn das Glück anklopft“ (05.12.2014) und „Morgen ist ein neues Leben“ (11.09.2015) – letztere bei Ullstein.

Handlung:
Ephraim Sasse, Misanthrop, Choleriker und seit nunmehr 24 Jahren Komponist der Berliner Weihnachtsphantasie, ist ein absoluter Weihnachtshasser. Schuld daran ist unter anderem der Weihnachtsmarkt, der sich in unmittelbarer Nähe zu seinem Haus befindet und ihn mit seinem Gedudel am Komponieren hindert. Zu allem Überfluss fällt auch noch seine langjährige Haushaltshilfe verletzt aus und mit der Vertretung, einer Ur-Berlinerin, rasselt auch immer aneinander. Und dann jubelt ihm Amelie, eine Mitarbeiterin seines Feinkostlieferanten, ihm offenbar auch noch klammheimlich den Wunschzettel ihres Sohnes Elias unter, der nur den Wunsch hat, dass seine Mama, die mit zwei Jobs nachts und in der Frühe den Lebensunterhalt finanziert, nicht immer so müde ist. Auf der Suche nach der Geschichte der kleinen Familie begegnet er vielen Menschen, die – bevor die Stadt erwacht – schon als Dienstleister für ihre Mitmenschen tätig sind. Aber vor Allem begegnet er sich selbst. Er lernt, dass die Welt außerhalb seiner Villa doch gar nicht so schlecht ist, ebenso wie die Menschen, und auch, dass sogar er – gerade in der Weihnachtszeit – eigentlich seinen Teil dazu beitragen könnte, die Welt noch ein Stück weit besser zu machen …

Fazit:
Bei diesem Cover, das zwar eine wunderschöne Winter-Atmosphäre ausstrahlt, ist es ein wenig schade, dass hier „nur irgendeine Stadt“ abgebildet wurde und nicht Berlin, weil in dem Buch soviel Berliner Lokalkolorit vertreten ist und es sicherlich auch ein paar schöne Berliner Winter-Motive gibt.
Die 250 Seiten haben insgesamt 16 Kapitel von perfekter Leselänge in einem angenehm, etwas großzügigerem Schriftbild.
Tja, was soll ich sagen?! Das hier ist auf jeden Fall einer der Weihnachtsromane, die mich mit einem verzückten Seufzer zurückgelassen haben. Der Schreibstil ist toll und der Plot ein wenig ungewöhnlich. Die Charaktere sind gut ausgearbeitet und weitestgehend liebenswürdig – na ja, vielleicht bis auf Ephraim Sasse. Sehr schön fand ich an dieser Geschichte, dass Kerstin Hohlfeld in diesem Roman ganz einfachen Personen in alltäglichen Berufen (wie dem Straßenkehrer, dem Boten des Anzeigenblattes, der Kiosk-Besitzerin, der Putzfrau, den Verkäuferinnen im Feinkost-Laden usw.) ein Forum gegeben hat. Diese Menschen sind so wichtig in unserem Alltag und sie gehen so leicht unter, weil ihre Anwesenheit und ihre Arbeit als so selbstverständlich hingenommen werden und man sich dadurch vielleicht mal bewusster macht, was diese Leute für uns leisten und wann. Ganz bezaubernd fand ich auch die Idee, das aktuelle Flüchtlingsthema mit in die Geschichte aufzunehmen. Natürlich habe ich mich auch sehr gefreut, dass diese Geschichte in meiner Heimat Berlin spielt und soviel Berliner Lokalkolorit und Herz und Schnauze enthält. Jede der sehr authentischen Charaktere hat sein eigenes Schicksal: Alltagsstress, Geldsorgen, Einsamkeit im Alter, Analphabetismus, ein krankes Haustier, Integration in einem fremden Land. Ein wenig verwirrend fand ich lediglich, dass immer wieder neue Personen Teil der Geschichte wurden – da habe ich mir manchmal ein Personenverzeichnis gewünscht. Dieses Buch ist so gefühlvoll und warmherzig mit so viel Liebe geschrieben und eine perfekte Lektüre für kalte Wintertage, von der man sich wünscht, sie wäre noch ein wenig länger gewesen.  Das Buch hat mich glücklich gemacht und sehr gut unterhalten und zum Nachdenken angeregt.
Ich gebe eine 5*-Leseempfehlung für diesen außergewöhnlich schönen Weihnachtsroman, der ein bisschen was von Charles Dickens‘ Weihnachtsgeschichte und dem Grinch hat.

Herzlichen Dank an den Ullstein-Verlag und Kerstin Hohlfeld für die Übersendung dieses Rezensionsexemplars!

Rezension: Hanna Linzee – „Für immer auf den ersten Blick“

Fakten:
Taschenbuch, Piper, erschienen: 02.10.2017, 304 Seiten, 10,00€ – auch als eBook erhältlich

Autorin:
Hanna Linzee wurde 1979 geboren und wuchs im Münsterland auf. Nach Abitur, Bankausbildung und BWL-Studium zog sie zunächst in die nordrhein-westfälische Bankenmetropole Düsseldorf und später nach Kaarst, wo sie auch aktuell mit Mann und Sohn lebt. Obwohl die ersten Sätze ihres Debüt-Romans „Für immer auf den ersten Blick“ bereits 5 Jahre zuvor geschrieben wurden, entschied sie sich, das Schreiben als Handwerk zunächst bei Autor und Schreibcoach Rainer Wekwerth professionell zu erlernen. Wenn es ihre Zeit erlaubt, versucht sie, jede freie Minute zum Schreiben zu nutzen.

Handlung:
Anna Kronenberg ist Mitte 30 und verfügt über eine besondere Gabe: Wie ihr Großvater, der als Optiker durch einen bloßen Blick Brillen und Menschen zusammengebracht und glücklich gemacht hat, bringt Anna in ihrer Schicksalsagentur Liebespaare zusammen, die ihre Gabe ihr als einzig wahre Liebe vorausgesagt hat. Nur bei ihr selbst funktioniert diese Vorhersehung nicht. Seitdem durch einen dummen Fehler ihrerseits vor über 20 Jahren die tiefe Freundschaft zum Nachbarsjungen Benjo für immer zerbrochen ist und ihr Verlobter Gregor sie hintergangen hat, ist sie nicht mehr glücklich gewesen. Sie lebt ihr recht zurückgezogenes, stilles Leben. Doch plötzlich steht sie eines Tages auf einer Feier ihrer Eltern nach so vielen Jahren wieder Benjo gegenüber. Ist es möglich, eine Freundschaft nach so einer Verletzung vor etlichen Jahren nochmal wiederzubeleben oder sogar noch mehr …?!

Fazit:
Dieses wunderschöne türkisfarbene Cover mit dem Paar im Feuerwerk vor dem Berliner Fernsehturm hat meinen Blick, bei der damaligen Durchsicht der neuen Verlagsvorschauen direkt auf sich gezogen und mich sehr neugierig auf den Inhalt des Buches gemacht, so dass ich es auch gleich auf meine Wunschliste gesetzt habe. Dass das Buch in der Vorweihnachtszeit in Berlin – ja sogar zum großen Teil in meinem Charlottenburger Heimat-Kiez – spielt, habe ich erst bei der Lektüre festgestellt. Passte also für mich persönlich eigentlich perfekt.
Die Geschichte verteilt sich auf 304 Seiten mit Prolog, 26 Kapitel und Epilog sowie ein umfangreiches Dankeswort. Das Druckbild ist normal bis großzügig gewählt, die Kapitel haben eine sehr angenehme Leselänge. Da jedoch jedes neue Kapitel auf der rechten Seite beginnt, hat das Buch insgesamt 14 gänzlich unbedruckte Seiten.
Dieser Roman bietet sehr interessante Facetten. In erster Linie hat er – bedingt durch die Gabe der Protagonistin – etwas Märchenhaftes und Mystisches. Dies spiegelt sich auch im Schreibstil, vor Allem bei der Sprachwahl der Autorin an manchen Stellen wider, da die Sprache stückweise schon mal ein wenig altmodisch wirkt und die Dialoge ein wenig unecht, weil man sich im tatsächlichen Leben nicht unbedingt so unterhalten würde – eben so, wie man es von Märchen her kennt. Dieses Mystische bewahrt sich auch bei den Nebencharakteren – hier besonders erwähnt „die alte Dame“, die leider im gesamten Verlauf der Geschichte keinen Namen erhält, aber vielleicht auch, weil sie auch etwas ganz Besonderes ist und um den Mythos um diese Person zu bewahren. Anna als Protagonistin hat etwas Schwermütiges an sich. Alle Charaktere sind jedoch realistisch entwickelt und größtenteils sympathisch. Manche Elemente der Geschichte haben mich unwillkürlich, wenn auch nur ein ganz kleines bisschen, an die „Nesthäkchen“-Geschichten erinnert: Berlin-Charlottenburg, reiche Familie, Kindermädchen, Internat – übertragen in die Neuzeit und ein späteres Erwachsenenleben.
Dieser Roman ist in seinem Plot mit vielen Zufällen und Begebenheiten zwar nicht immer realitätsnah, aber eben auch nicht alltäglich. Wenn man offen für solche Geschichten ist, kann man sich durchaus von dieser besonderen Magie, die von der Geschichte ausgeht, einfangen und bezaubern lassen – gerade jetzt in der Vorweihnachtszeit. Sie ist fesselnd geschrieben, unterhaltsam und hat einen besonderen Flair.
Von mir gibt es hierfür eine 4****-Sterne Leseempfehlung.

Rezension: Jana Lukas – „Landliebe“

Fakten:
Taschenbuch, Heyne, erschienen: 09.05.2017, 319 Seiten, 9,99€ – auch als eBook und Hörbuch erhältlich

Autorin:
Jana Lukas ist – neben Jane Luc, Joanne St. Lucas und Jenna Lux – eines der Pseudonyme der deutschen Autorin Jana Lukaschek. Mit den unterschiedlichen Pseudonymen bedient sie verschiedene Genres wie Love & Crime, in den USA spielende Liebesromane und Fantasy. Sie wurde im August 1976 in Freital/Sachsen geboren und absolvierte nach dem Abitur eine Ausbildung zur Polizeibeamtin. Neben ihrer Tätigkeit also Autorin arbeitet sie auch heute noch bei der Stuttgarter Kriminalpolizei. Für das deutsche humorvolle Liebesroman-Genre ist bereits ein neuer Roman in Arbeit.

Handlung:
Die junge Köchin Ellie aus München hat durch einen dummen Fehler ein massives Geldproblem und lässt sich von ihrer Freundin Alex, die für eine Agentur TV-Gesichter sucht, zur Teilnahme an der Dating-Show „Landliebe“ überreden, an deren Staffel-Ende eine ordentliche Geld-Summe winkt. Dafür muss sie lediglich 4 Wochen als blondes, bayerisches Dummchen mit dem Berufswunsch Fingernageldesignerin im Dirndl auf dem Weingut des Winzers Tom durchhalten. Dieser macht zwar optisch einen viel besseren Eindruck als erwartet, was allerdings durch seinen sturen und groben Charakter doch eher in den Hintergrund gerät. Und Ellie ist ja schließlich auch nicht dort, um die große Liebe zu finden, oder …?!

Fazit:
Farblich gesehen finde ich das Cover sehr ansprechend mit den Blumen in meinen Lieblingsfarben. Da die Story auf einem Weingut spielt, hätte ich mir allerdings auch im Cover gut einen Bezug dazu mit Weinreben usw. vorstellen können.
Der Buchinhalt umfasst 22 Kapitel + Epilog sowie als besonderes Schmankerl im Innenumschlag noch ein Rezept für Ellies Rieslingcreme, die auch im Buch vorkommt. Das Druckbild ist gut lesbar und recht großzügig gewählt, wodurch auch die Kapitel eine angenehme Leselänge haben.
Sehr reizvoll und ungewöhnlich fand ich auf den ersten Blick schon mal den Handlungsort – ein Weingut an der Mosel. Außerdem fand ich es sehr witzig, dass mal so ein Hirnfrei-Sendeformat wie „Bauer sucht Frau“ auf die Schippe genommen wird.
Der lockere Schreibstil der Autorin hat mir sehr gut gefallen und auch die Protagonistin Ellie muss man ins Herz schließen, ebenso wie einige Nebencharaktere des Buches. Sehr anstrengend fand ich über die Länge der temporeichen, spritzigen Geschichte lediglich Tom als Protagonist und auch das ständige Hin- und Hergeplänkel Beziehung ja/nein oder doch lieber Kurzzeit-Affäre. Das Thema hat das Buch leider so sehr dominiert, dass es für mich schon ein wenig zu viel war und ich mir da irgendwie mehr humorvolle, kleine Nebenhandlungen z. B. über skurrile Dorfbewohner oder Touristen auf Weinprobe oder ähnliches gewünscht hätte, um noch etwas Abwechslung in die Geschichte zu bringen. Das ist auch mein einziger Kritikpunkt, auch, wenn mich der Roman ansonsten super unterhalten hat. Und auch die Landschaftsbeschreibungen fand ich toll, weil die Weinanbauregion an der Mosel (wohin ich früher, als ich noch in Köln lebte, auch schon mal gern Wochenendausflüge hingemacht habe) wirklich ein hübsches Fleckchen Erde ist.
Von mir bekommt diese interessante Mischung aus „Falcon Crest“ in der Pfalz und „Bauer sucht Frau“ eine 4****-Sterne Leseempfehlung.

Vielen Dank an das Blogger-Portal von Random House für die Überlassung dieses Rezensionsexemplars!

Rezension: Petra Hülsmann – „Glück ist, wenn man trotzdem liebt“

Fakten:
Taschenbuch, Bastei Lübbe, erschienen: 10.06.2016, 415 Seiten, 9,99€ – auch als eBook und Hörbuch erhältlich

Autorin:
Petra Hülsmann, wurde 1976 in Lohne/Niedersachsen geboren, wo sie auch aufwuchs. Nach dem Abitur studierte sie – bis zum Abbruch – Germanistik und Kulturwissenschaften in Bremen. Sie absolvierte dann erfolgreich eine Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin und arbeitete einige Jahre als Sekretärin in Anwaltskanzleien. 2013 reiste sie 1/2 Jahr lang mit dem Rucksack durch Südostasien. Mit ihrem Mann lebt sie in Hamburg. Ihr sehr erfolgreicher Debüt-Roman und zudem Spiegel-Beststeller war 2014 „Hummeln im Herzen“, danach erschien bei Bastei Lübbe von ihr noch „Wenn Schmetterlinge Loopings fliegen“ und „Glück ist, wenn man trotzdem liebt“ (10.06.2016) sowie am 26.05.2017 „Das Leben fällt wohin es will“.

Handlung:
Isabelle klammert sich mit ihren 28 Jahren geradezu an ihr geregeltes Leben: Ihr Mittagessen ist immer eine Nudelsuppe im vietnamesischen Imbiss von Mr. Lee, abends schaut sie ihre Lieblingssoap „Liebe, Liebe, Liebe“ und ihre sonstigen Abende sind gerecht verteilt auf den Friedhofsbesuch am Grab ihres Vaters, ein Treffen mit ihrer Mutter, ihren Sport-Kurs, Wohnung saubermachen und Freunde treffen. Und für die Zukunft weiß sie auch schon ganz genau, dass sie später einmal den Blumenladen, in dem sie seit ihrer Ausbildung arbeitet, übernehmen wird und wie ihr Traummann und das erste Aufeinandertreffen ist. Als gleich mehrere dieser festen Konstanten in ihren Leben wegbrechen, muss sie sich gezwungenermaßen den Veränderungen stellen. Inwiefern Jens, der Besitzer des Restaurant „Thiels – dem Nachfolge-Lokal von Mr. Lee – ihr dabei hilft und vielleicht trotz vieler Differenzen vielleicht sogar eine neue Konstante in ihr Leben bringen kann, bleibt abzuwarten …

Fazit:
Also gleich zu Beginn kann ich sagen: Ich glaube, es gibt einfach kein Buch von Petra Hülsmann, das mir nicht gefällt. Dieses hier war einfach wieder toll!
Aber zuerst mal zum Cover: Sowohl Farbauswahl als auch die Blumen passen herrlich zu dieser sommerlichen Geschichte, zumal die Protagonistin ja in einem Blumenladen arbeitet. Die Farben sind einfach perfekt und toll anzuschauen.
Das Buch ist aufgeteilt in insgesamt 20 – zumeist etwas längere – Kapitel, in einem normalen Schriftbild.
Am Ende werden die Leser dann auch noch mit einem „Schokoladenmalheur“, wie es im Buch vorkommt, verwöhnt – oder zumindest mit dem Rezept dafür, damit sich Schokoliebhaber einmal selbst daran versuchen können 😉
Hach, ich weiß gar nicht, wie Petra Hülsmann es immer wieder schafft, aber auch dieses Buch lässt mich, wie seine beiden Vorgänger, wieder mit einem wohligen Seufzer zurück. Die Geschichte ist einfach schön und irgendwie auch mitten aus dem Leben. Und das ist – neben ihrem humorvollen Schreibstil und sprachlicher Authentizität – auch sicher eines der Erfolgsgeheimnisse der Autorin: Die Protagonisten sind immer einfache, bodenständige Charaktere mit ganz normalen Berufen (dieses Mal Floristin und Koch) und kleinen, liebenswürdigen Macken und echten Problemen (wie Angst vor Jobverlust, Trauerbewältigung, Familienproblemen und natürlich Liebeskummer) – das könnten wir selbst oder jemand aus unserem Freundeskreis sein. So, wie auch in dieser Geschichte Isabelle, mit der man lacht, leidet, hofft und sich freut. Ihr Problem sind ihre Verlustängste und sich an alles Beständige zu klammern und ihr ganzes Leben im Voraus zu planen – wohl, weil sie damals bereits als Baby ihren Vater verloren hat. Dies ist auch der Grund, warum sie sich nicht nur von ihrem Vater, sondern auch gleich von ihrem Traummann ein ganz eigenes Bild erschaffen hat. Veränderungen zuzulassen fällt ihr unglaublich schwer und sie muss lernen, dass etwas Neues durchaus auch viel Positives mit sich bringen kann, aber sie hat tolle Freunde, die ihr dabei helfen. Sehr schön fand ich, dass zu ihrem Freundeskreis auch der Taxifahrer Knut gehört, der in den ersten beiden Büchern von Petra Hülsmann bereits jeweils ein kurzes Gastspiel hatte. Nun lernt man ihn endlich etwas besser kennen und er bekommt hier sogar seine eigene kleine (Love-)Story. Sehr erfrischend fand ich auch die 16jährige Merle, die die Geschichte noch lockerer machte.
Am Ende hat es mir mal wieder so richtig leid getan, diese liebgewonnen Charaktere zurückzulassen: Man will unbedingt wissen, wie die Geschichte ausgeht, aber man will gleichzeitig, dass dieses Buch niemals zu Ende ist. Wieder einmal literarische Wellness für die Seele – ich hoffe, dass Petra Hülsmann niemals die Ideen für solche wunderbaren Geschichten ausgehen werden, denn davon kann man einfach nicht genug bekommen, zumal sie auch immer wieder ohne gängige und häufig verwendete Klischees auskommt.
Und Sterne kann man dafür auch gar nicht genug geben, aber das Höchste sind nun leider nur mal 5***** Sterne und die hat dieser wunderbare Roman absolut mehr als verdient ❤

Rezension: Marie Merburg – „Wellenglitzern“

Fakten:
Taschenbuch, Bastei Lübbe, erschienen: 16.03.2017, 430 Seiten, 10,00€ – auch als eBook erhältlich

Autorin:
Marie Merburg ist das Pseudonym der deutschen Autorin Janine Wilk, die bereits im Genre Jugendbuch und Fantasy sehr bekannt ist. Sie wurde am 07.07.1977 in Mühlacker geboren, studierte an der Hochschule für Bibliotheks- und Informationswesen. Literatur war immer eines der wichtigsten Dinge in ihrem Leben: Mit 11 Jahren schrieb sie bereits erste Geschichte, mit 20 begann sie ihren 1. Roman. Mit ihrem Mann, den beiden Kindern, Hund und Katze lebt sie in der Nähe von Heilbronn. Der nächste Marie Merburg-Roman „Inselleuchten“ erscheint am 23.02.2018.

Handlung:
Sophie ist 44 Jahre und ihre Söhne sind mittlerweile aus dem Haus und beide im Studium. Ein idealer Zeitpunkt um ihrer Ehe neuen Drive zu geben und gemeinsam mit ihrem Mann den schon so lange anvisierten Segelkurs zu machen, denkt sie. Doch ihr Mann Felix, ein langweiliger Steuerberater, denkt überhaupt nicht daran und somit wirft die schon lange unglückliche Sophie gleich mal ihre Ehe über Bord und startet alleine nach Rügen zu ihrem Segelkurs, als einzige Frau unter Männern mit einem sehr attraktiven Segellehrer. Sie schließt neue Freundschaften auf der wunderschönen Insel und merkt schon bald, dass nicht nur ihre Ehe, sondern auch ihr sonstiges Leben in den letzten Jahren etwas seekrank war und wie groß der Wunsch ist, ihren Kompass des Lebens nochmal ganz neu auszurichten …

Fazit:
Ein wunderschönes, maritimes Cover, mit Strand(-korb), Meer und der Küste Rügens sowie eine geschmacklich sehr hübsche Farbauswahl und dem Titel in Glitzerbuchstaben lacht die Leser an – sehr gelungen und weckt den Wunsch, so bald wie möglich mal wieder nach Rügen zu fahren.
Die Story ist auf insgesamt 37 Kapitel + Epilog aufgeteilt, das alles bei perfekter Leselänge der Kapitel und angenehm lesbarem Schriftbild.
Das hier war mal wieder ein Buch, das bei der damaligen Durchsicht der Verlagsvorschauen sowohl durch Titel als auch durch Klappentext direkt den Weg auf meine Wunschliste gefunden hat – zumal ich selbst sehr großer Fan von Rügen bin und dort bereits selbst mehrere Urlaube verbracht habe.
Dieser Roman hatte irgendwie alles, was mein Leserinnen-Herz begehrt: Eine herrlich unperfekte und etwas chaotische Protagonistin, liebenswerte Missgeschicke, viel Humor, nette Nebencharaktere, Romantik und ein bisschen Drama – und das alles vor der wunderschönen Kulisse der Trauminsel Rügen. Nebenher erfährt man noch ein wenig übers Segeln und lernt durch die liebevollen und detaillierten Beschreibungen einzelne Orte der Insel noch ein wenig besser kennen. Bei meinem nächsten Besuch auf Rügen werde ich mir daher ganz sicher auch Glowe, Breege und Bergen endlich mal anschauen.
Ein wirklich schöner und zudem sehr unterhaltsamer Roman, der mich besonders durch die vielen humorvollen Szenen, aber auch dadurch, dass Gefühle nicht zu kurz kommen, überzeugt hat und den ich besonders für die Zielgruppe der Frauen ab 35 sehr empfehlen kann. Das Buch hat das Zeug zum TV-Film. Ich hatte wirklich schöne Lesestunden – wieder so eine Geschichte, von der man sich ungern trennt. Was hier allerdings gar nicht so schlimm ist, denn in der Fortsetzung „Inselleuchten“, die am 23.02.2018 erscheint, wird es um Sophies Schwester Jule gehen, die auf Rügen zu Gast ist. Darauf freue ich mich schon sehr. Aber erstmal gibt es für „Wellenglitzern“ eine 5*****-Sterne Leseempfehlung von mir.

Rezension: Janina Venn-Rosky – „Liebe in Teedosen“

Fakten:
Taschenbuch, Independently Publishing (Amazon), erschienen 22.11.2016, 296 Seiten, 9,99€ – auch als eBook erhältlich

Autorin:
Janina Venn-Rosky wurde in Kiel geboren. Dort und in Hamburg studierte sie nach dem Abitur Literatur, Anglistik, Design und Kunstgeschichte. Nicht nur in ihren Büchern, sondern auch privat hat sie eine Schwäche für Teestunden und England, ebenso für das Meer und Earl Grey-Martinis. Gemeinsam mit ihrem Mann veröffentlichte sie bereits mehrere Fachbücher über Farbtrends, Wohnen und Design. 2015 folgte ihr 1. Roman im Selfpublishing „Die Fee im Absinth“, 2016 dann „Der perfekte Kuss“. Für  „Liebe in Teedosen“ (2016) und die Fortsetzung „Kein Tee für Mr. Darcy“ (2017) wurde sie 2017 für die Longlist des Deutschen Selfpublishing-Preises nominiert. Mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern lebt sie heute in Berlin.

Handlung:
Olivia ist die Besitzerin des Teeladens „Tea Time“ in Berlin-Mitte, wo eines Tages die Möbel-Restauratorin Anastasia aufschlägt, die ganz in der Nähe ihre Werkstatt hat, in der sie in hübschen Pastellfarben alten Möbeln neues Leben einhaucht. Die Beiden freunden sich an und kurze Zeit später stößt die neu nach Berlin gezogene Jane Austen-Bloggerin Jane dazu. Als Olivia nach der endgültigen Trennung von ihrem Ex-Mann ihre Existenz neu erfinden muss, stehen ihr die Freundinnen gemeinsam mit Anastasias 80jähriger, sehr patenter Großmutter zur Seite und sie erweitern gemeinsam das „Tea Time“ um einen Tee-Salon. Obwohl die Frauen eigentlich dem Thema Männer erstmal den Rücken gekehrt haben, können sie sich den Avancen des ein oder anderen männlichen Tee-Freundes nicht so ganz entziehen. Wer wird da wohl zuerst schwach …?

Fazit:
Das Cover, das von der Autorin selbst gestaltet wurde, ist wunderschön und ein echter Blickfang: Würde das Buch im Buchhandel liegen, wäre das auf jeden Fall ein Cover mit hoher Anziehungskraft, nach dem direkt greift. Man sieht, dass die Autorin selbst sehr viel von Farben und Design versteht. Sowohl die Farben (blassblauer Hintergrund und ansonsten überwiegend Pink und Rosa) als auch die sonstige Gestaltung harmonieren perfekt miteinander, zudem nimmt die Cover-Gestaltung Bezug zur Geschichte – die drei Protagonistinnen sind in Scherenschnitt-Optik auf dem Cover zu erkennen, aber auch das Tea-Time und die Blüten Anastasias Großmutter sind in harmonischer, symmetrischer Anordnung vertreten.
Die Geschichte ist aufgeteilt auf 27 Kapitel von sehr angenehmer Leselänge bei normalem Schriftbild. Als besonderen „Leckerbissen“ – im wahrsten Sinn des Wortes – gibt es am Ende noch drei süße Gebäck-Rezepte zu Backwaren, die im Roman oft erwähnt werden.
Das Buch trägt den Untertitel „ein Liebesroman“, wobei die Love-Story nicht aufdringlich im Vordergrund steht, sondern sich eher nebenbei bzw. zum Ende hin erst entwickelt. In dem Buch geht es vielmehr um Freundschaften, Generationen, Neuanfänge und natürlich um Tee. Die Protagonistinnen sind – ebenso wie die meisten Nebencharaktere – allesamt liebenswürdig und extrem nett. Das ist leider auch mein einziger Kritikpunkt: Das Ganze ist fast schon zu nett, übertrieben freundlich und perfekt. Die Geschichte ist wirklich eine absolut entspannende Lektüre und kommt – ebenso wie die Figuren – leider irgendwie auch ohne jegliche Ecken und Kanten und ohne ein wenig Spannung aus und plätschert manchmal einfach so vor sich hin. Mir hat da ein wenig humorvolles Chaos und zumindest ein kleiner Spannungsbogen gefehlt, auch wenn ich die Geschichte nicht ungern gelesen habe. Da hat irgendwie der zündende Funke gefehlt. Schade fand ich auch, dass die Örtlichkeiten in Berlin nur so schwammig (nur Hauptstraße und Berlin-Mitte wurden genannt) erwähnt wurden und es keine richtigen örtlichen Beschreibungen  gab, weil ich es auch immer interessant finde, welche Lokalitäten Vorbild waren und zu einer Geschichte inspirierten – gerade, wenn man selbst auch aus Berlin kommt.
Ich werde in jedem Fall auch noch den 2. Band „Kein Tee für Mr. Darcy“ lesen, der bereits auf meinem SuB liegt, zumal ich auch unbedingt wissen will, wie es bei den drei Mädels und Oma Katharina weiter gehen wird.
Auch, wenn ich Kritikpunkte hatte, so war das Buch sehr angenehm zu lesen und bekommt von mir knappe 4**** Sterne.

Rezension: Anne Töpfer – „Das Brombeerzimmer“

Fakten:
Taschenbuch, List (Ullstein Buchverlage), erschienen: 10.03.2017, 412 Seiten, 9,99€ – auch als eBook und Hörbuch erhältlich

Autorin:
Anne Töpfer ist – neben Anne Barns, Anna Rosendahl, Juliane Albrecht und Claire Bonamy – ein weiteres Pseudonym der Autorin Andrea Russo, die 1968 in Hanau geboren wurde. Trotz ihrer großen Leidenschaft fürs Backen, Kochen und Genießen – vor Allem von süßen Sachen, ist die ehemalige Förderschullehrerin sehr sportlich und läuft regelmäßig. Sie hat eine erwachsene Tochter und lebt gemeinsam mit ihrem Mann und ihrem Labrador in Oberhausen. Seit 2014 ist sie hauptberuflich Autorin.

Handlung:
Die Ernährungswissenschaftlerin Nora ist noch keine 30 und bereits Witwe, nachdem ihr geliebter Ehemann Julian, mit dem sie bereits fast ihr halbes Leben verbracht hat, beim Joggen an Herzversagen stirbt. Auch ein Jahr nach seinem Tod versinkt sie in Trauer und hat in Hund Watson, ihrer besten Freundin Katharina und ihrer Familie große Unterstützung – ebenso hilft ihr weiterhin das Kochen von neuen Marmeladen, die Julian so geliebt hat und die Nora nun zu hunderten Gläsern hortet. Durch Zufall erfährt sie, dass Julian kurz vor seinem Tod Kontakt zu einer bis dahin von der Familie totgeschwiegenen Großtante Klara in Mecklenburg-Vorpommern aufgenommen hat, die ebenso gern Marmeladen kocht und wollte Nora mit deren Rezepten zu überraschen. Nora ist Feuer und Flamme, mehr über diesen Teil der Familie zu erfahren und macht sich auf den Weg nach Vorpommern. Sie findet nicht nur Klara, eine neue Freundin und eine wunderschöne Landschaft, sondern auch langsam wieder sich selbst und stößt zudem auf lange gehütete Geheimnisse …

Fazit:
Die Gestaltung dieses Covers ist herrlich gelungen und ein echter Eye-Catcher: Das weiße Holz auf dem matten Natur-Papier als Hintergrund, dann die glänzenden Brombeeren und Blaubeeren sowie die rosafarbenen Macarons (die im Übrigen nichts mit der Geschichte zu tun haben) sind optisch einfach eine hübsche Mischung. Auch der Innenumschlag ist bedruckt mit einem Marmeladenrezept aus dem Buch und einem Autorenporträt.
Die Geschichte selbst umfasst 27. Kapitel, aber auf den 412 Seiten befinden sich auch einige ganz tolle sowohl süße als auch hochprozentige Rezepte aus der Geschichte und natürlich ein Dankeswort der Autorin. Das Schriftbild ist normal gehalten und angenehm lesbar.
Bisher hatte ich leider noch keine Bücher der Autorin gelesen, was sich nach dieser Lektüre ganz sicher ändern wird. Vom ersten Moment an an habe ich den sehr plastischen und detailverliebten Schreibstil der Autorin gemocht und konnte direkt in die Geschichte eintauchen und mit Nora mitfühlen. Für die Story wurden wirklich wunderbare und sympathische Charaktere entwickelt und jeweils passend impliziert. Sehr interessant fand ich auch die eher ungewöhnlichen Handlungsorte Oberhausen und die mecklenburgische Boddenlandschaft. Obwohl sehr viele Personen die Geschichte bereichern, bin ich erst am Ende bei der Auflösung der verwandtschaftlichen Zweige ein wenig gedanklich ins Schleudern geraten. Und minimal verwirrend fand ich noch, dass sehr oft im Anschluss an die wörtliche Rede, unausgesprochene Gedanken standen (meist bei Nora), die aber auf den ersten Blick wirkten, als gehörten sie zur wörtlichen Rede und wobei nicht gleich klar war, ob das gesagt oder nur gedacht war.
Das hat aber keinen Einfluss darauf, dass ich hier eine wirklich liebevoll und einfühlsam erzählte Geschichte mit vielen kleinen Details, tollen Figuren, interessanten Örtlichkeiten lesen durfte, die ich gar nicht mehr aus der Hand legen mochte, weil sie auch noch fesselnd geschrieben war. Ich fand vor Allem Noras, aber auch Klaras Geschichte sehr berührend – zwei wirklich starke Frauen – und Geschichten mit Ost-West-Background interessieren mich persönlich – auch durch die eigene Familiengeschichte – immer besonders. Ich habe jedoch irgendwie das Gefühl, dass die Geschichte hier noch lange nicht auserzählt ist und das eher plötzliche Ende auf jeden Fall noch nach einer Fortsetzung verlangt, die ich natürlich auch gerne lesen würde.
Ein toller Roman über Trauerarbeit, Loslassen, Freundschaft, Neuanfang, Generationen, Familien und ihre Geheimnisse, der mir selbst auf jeden Fall eine 5*****-Sterne Leseempfehlung wert ist, wenn er evtl. auch nicht jeden Geschmack so gut trifft wie meinen eigenen.