Rezension: Judith Pinnow – „Läuft da was?“

Fakten:
Paperback (doppelter Taschenbuch-Einband, broschiert), Krüger (Fischer-Verlag), erschienen: 23.04.2015, 364 Seiten, 14,99€ – auch als eBook & Hörbuch erhältlich

Autorin:
Judith Pinnow wurde am 11.03.1973 in Tübingen als Judith Halverscheid geboren. Sie ist eigentlich gelernte Schauspielerin und lernte ihr Handwerk an der Schauspielschule Ulm und am Lee Strasberg Institute in New York. Von 1994 bis 1997 moderierte sie zunächst den „Disney Club“ und im Anschluss die Nachfolge-Show „Tigerenten-Club“, wo sie ein Moderationsduo mit ihrem heutigen Ehemann Stefan Pinnow bildete. Mit ihm, den drei gemeinsamen Kindern und dem Hund lebt sie idyllisch in der ländlichen Nähe zu Köln. Neben einigen Moderationsjobs und Mitwirkung in  (TV-)Filmen, veröffentlicht sie bereits seit 1997 Publikationen – zunächst Kinderbücher, später auch Kurzgeschichten/Ratgeber. „Läuft da was?“ ist ihr Debüt im Frauenroman-Genre. 2016 erschien von ihr ebenfalls bei Fischer/Krüger der 2. Roman „Versprich mir, dass es großartig wird“ und im August 2017 folgt „Die Phantasie der Schildkröte“.

Handlung:
Die Moderatorin Annabel Förster, 39, hat eigentlich so ziemlich alles im Leben bekommen, was sie sich immer gewünscht hat: Sie ist mit ihrem Traummann, dem Schauspieler Tom, verheiratet, hat drei Wunschkinder und lebt sogar in ihrem Haus mit den blauen Fensterläden, das sie sich immer gewünscht hat. Nur eines bekommt sie nach einem Casting leider nicht: Den heiß ersehnten Moderationsjob einer Samstag-Abend-Show im TV, wo sie doch schon so lange im Nachtprogramm eines eher unbekannten Senders rumkrebst. Und das alles, weil sie nach jahrelanger Familien-Auszeit nun zu alt sein soll für die Prime Time?! Sie beginnt ihr ganzes Leben in Frage zu stellen: Angefangen bei ihrem Aussehen, ihrem Job, der Familie und überhaupt. Und dann taucht auch noch ein jüngerer Mann in ihrem Leben auf, in den sie sich verliebt. Wer oder was kann Annabel wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholen, bevor sie noch vollends die Bodenhaftung verliert?

Fazit:
Wenn es dem Cover nach gegangen wäre, hätte ich das Buch wahrscheinlich eher nicht gewählt, weil mich diese Frau auf sandigem Hintergrund, die sich in künstliche Deko-Wellen aus Papier stürzt eher weniger anspricht, auch, wenn man beim Lesen feststellt, dass es durchaus Bezug zur Story hat.
Die 364 Seiten verteilen sich auf 20 (manchmal recht lange) Kapitel mit einem etwas kleineren Schriftbild.
Ich muss sagen, dass ich das Buch erstmal auf mich wirken lassen musste und ein wenig mit mir gehadert habe, was die Rezension anging, weil mich die ganze Geschichte geschmacklich ein wenig hin- und hergerissen hat.
Den Schreibstil von Judith Pinnow mochte ich von Anfang sehr, absolut angenehm, fesselnd und man kommt leicht in die Geschichte rein – bei mir war es so, dass ich ständig weiterlesen wollte, was noch so alles passiert.
Annabel als Protagonistin mochte ich aber irgendwie nicht so sehr: Ich fand sie mit dem Fortschreiten der Story immer noch ein Stück nerviger, oberflächlicher und egoistischer als zu Beginn des Buches – also kurzum: ziemlich anstrengend. Manchmal hätte man sie gern mal durchgeschüttelt und in die Realität zurückbefördert. Eigentlich genau der Typ Frau, den ich nicht so mag: Nur aufs Aussehen fixiert, das natürlich an allem Schuld ist, was in ihrem Leben anders läuft als gewünscht.
Sehr interessant fand ich die kleinen, interessanten, wenn auch wahrscheinlich leicht überzogenen Einblicke in die (scheinbar) glamouröse TV- und Medienwelt. Man merkt beim Lesen, dass sich die Autorin in dieser Welt bestens auskennt und fragt sich sowieso ziemlich oft, wieviel von Judith Pinnow selbst in diesem Buch stecken mag …
Für einen ChickLit-Roman hatte der Roman für meinen Geschmack ein paar Sex-Szenen zuviel, denn ein wirklich guter ChickLit-Roman braucht das gar nicht und lebt vom Weniger an Mehr 😉
Auch, wenn ich zeitweilig sehr genervt von der Protagonistin war und zum Ende hin fand, dass die Geschichte immer unrealistischer und an den Haaren herbeigezogen war, hatte ich allerdings doch auch so meinen Lesespaß bei dieser Lektüre.
Daher gibt es von mir – zwar recht knappe – aber immerhin doch 4**** Sterne.

Rezension: Gabriella Engelmann – „Inselsommer“

Fakten:
Taschenbuch, Knaur, erschienen: 02.05.2013, 428 Seiten, 9,99€ – auch als eBook erhältlich

Autorin:
Gabriella Engelmann wurde 1966 in München geboren und lebt heute in Hamburg. Sie machte zunächst eine Ausbildung zur Buchhändlerin und blieb der Literatur-Branche auch auf ihrem weiteren Berufsweg als Lektorin, Verlagsleiterin, Literatur-Scout und Autorin treu. Sie schreibt ebenso Kinder- und Jugendbücher wie vor Allem auch Romane für Erwachsene und entwickelt Stoff für Fernsehverfilmungen. Ein Pseudonym von ihr ist „Rebecca Fischer“. Mit ihren Kurzgeschichten ist sie immer wieder in Anthologien vertreten. Fast alle ihrer Romane spielen im hohen Norden Deutschlands – so, wie auch diese Reihe um das „Büchernest“ in Keitum auf Sylt. „Inselzauber“ ist der 1. Teil dieser Reihe; die 2013 erschienene Fortsetzung nennt sich „Inselsommer“ und 2016 erschien der Weihnachtsroman aus dieser Reihe mit dem Titel „Wintersonnenglanz“ – Band 4 ist derzeit in Arbeit.

Handlung:
Eine Midlife-Crisis scheint die Ursache zu sein, dass sich die Hamburger Galeristin Paula nicht mehr wohl in ihrem Leben fühlt: Obwohl sie mit ihrem Mann Patrick, trotz ungewollter Kinderlosigkeit, immer glücklich war, fühlt sie sich auf einmal zu ihrem deutlich jüngeren Galerie-Kollegin Vincent und dessen kleiner Tochter hingezogen, vielleicht auch, weil sie damit ihren Wunsch nach einer eigenen Familie kompensieren könnte. Um wieder klare Gedanken fassen zu können, nimmt sie die Einladung von Bea und Larissa, die sie auf der Vernissage von Nele Sievers kennengelernt hat, auf die Insel Sylt wahr. Obwohl sie nur eine kurze Auszeit nehmen wollte, entdeckt sie ganz neue Seiten an sich und steht auf einmal vor der Möglichkeit, ihrem Leben noch einmal ganz neue Impulse zu geben und auf Sylt heimisch zu werden …

Fazit:
Das Cover dieser Fortsetzung zu „Inselzauber“ hat ein Corporate Design und lässt „Inselsommer“ sofort als Teil der Reihe erkennen mit seinem friesischen Motiv, das besonders wieder von Reetdach-Haus und Leuchtturm geprägt ist.
Die 428 Seiten des Romans sind perfekt verteilt auf 65 herrlich kurze Kapitel (so mag ich das sehr) mit einem normalen gängigen Schriftbild. Als besonderes Goodie befinden sich am Ende des Buches noch zwei nachahmenswerte Rezepte: Eines für „Kartoffel-Zucchini-Tomaten-Gratin“ und das andere für „Tee auf friesische Art“. Beendet wird das Buch von einem reizenden Dank der Autorin, die auch in diesem Roman wieder mit ihrem überaus angenehmen Schreibstil glänzt.
Nachdem mir der 1. Teil „Inselzauber“ so super gefallen hat, habe ich direkt im Anschluss daran diesen 2. Teil „Inselsommer“ gelesen und habe es nicht bereut, wieder lesetechnisch – zusammen mit Paula – zu Gast in Keitum zu sein 😉
Dieser 2. Teil spielt nun bereits 7 Jahre später und in der Zwischenzeit ist natürlich einiges passiert. Es gibt sowohl ein Wiederlesen mit vielen im 1. Band bereits lieb gewonnenen Charakteren, aber man lernt auch viele neue Persönlichkeiten kennen, die diese Geschichte angenehm bereichern. Während Nele und Leon (Larissas Mann) hier nur kurz erwähnt werden dieses Mal, schafft es die Autorin allen neuen Gesichtern in dem Buch jeweils eine nicht unwichtige Rolle zukommen und interessante Nebenhandlungen entstehen zu lassen. Ich möchte da jetzt nicht zu viel vorweg nehmen und verraten – lesen sollen andere das Buch schließlich selbst. Sehr geschmunzelt habe ich allerdings bei den Namen der beiden Gast-Autorinnen im Büchernest: Swantje Zillert und Corinna Hartmann – hm, die kenne ich doch irgendwie …
Wirklich super finde ich, dass hier auch ein – nicht nur für Sylt, sondern auch für andere Urlaubsregionen an Nord- und Ostsee – immer wieder aktuelles Thema aufgegriffen wird – nämlich, dass immer mehr echte Insel-Bewohner zugunsten von Tourismus vertrieben werden, weil sie sich das Leben in den beliebten Urlaubsregionen im deutschen Norden schon lange nicht mehr leisten können. Ich finde es sehr wichtig, dass darauf aufmerksam gemacht wird.
Bis ich jetzt den 3. Band aus der „Büchernest“-Reihe lese, muss ich leider noch warten, das ist nämlich ein Weihnachtsroman und der passt jetzt im Sommer nicht so. Aber ich bin schon wieder sehr gespannt, wie es weiter geht.
Dies ist eine moderne, watteweiche Sommerlektüre – hineinfallen lassen und sich wohlfühlen: Das ist mir wieder eine 5*****-Sterne Leseempfehlung wert.

Rezension: Gabriella Engelmann – „Inselzauber“

Fakten:
Taschenbuch, Knaur, erschienen: 02.05.2013 (Neuauflage mit neuem Cover zur Erscheinung der Fortsetzung „Inselsommer“), 384 Seiten, 9,99€ – auch als eBook erhältlich – ich habe das Buch in der rechts abgebildeten Auflage von 2009 gelesen; die Erstauflage erschien bereits 2007 wiederum mit einem anderen Cover)

Autorin:
Gabriella Engelmann wurde 1966 in München geboren und lebt heute in Hamburg. Sie machte zunächst eine Ausbildung zur Buchhändlerin und blieb der Literatur-Branche auch auf ihrem weiteren Berufsweg als Lektorin, Verlagsleiterin, Literatur-Scout und Autorin treu. Sie schreibt ebenso Kinder- und Jugendbücher wie vor Allem auch Romane für Erwachsene und entwickelt Stoff für Fernsehverfilmungen. Ein Pseudonym von ihr ist „Rebecca Fischer“. Mit ihren Kurzgeschichten ist sie immer wieder in Anthologien vertreten. Fast alle ihrer Romane spielen im hohen Norden Deutschlands – so, wie auch diese Reihe um das „Büchernest“ in Keitum auf Sylt. „Inselzauber“ ist der 1. Teil dieser Reihe; die 2013 erschienene Fortsetzung nennt sich „Inselsommer“ und 2016 erschien der Weihnachtsroman aus dieser Reihe mit dem Titel „Wintersonnenglanz“ – Band 4 ist derzeit in Arbeit.

Handlung:
Die junge Larissa Wagner, genannt Lissy, ist enttäuscht vom Leben: Ihr langjähriger Freund, der Kardiologe Stefan, hat sich entschieden, sein Leben anstatt mit ihr, doch lieber mit seiner jungen Arzthelferin und dem gemeinsamen Kind zu gestalten und auch ihre Arbeit in einem Hamburger Hotel füllt Lissy schon länger nicht mehr aus. Da kommt es gerade gelegen, dass sie ihrer geliebten Tante Bea auf Sylt versprochen hatte, sie während ihrer mehrmonatigen Weltreise in deren Keitumer Buchhandlung zu vertreten und wieder ein wenig gesunde Heimatluft zu schnuppern, um den Kopf freizubekommen. Neben dem sympathischen Jung-Journalisten Leon und dem Inselschreiber Marco lernt sie auf der Insel auch die zickige Nele kennen, die das Café neben Tante Beas Buchhandlung führt. Kann sich Lissy nochmal auf Sylt einleben und heimatlich niederlassen oder erwartet sie doch noch etwas Anderes vom Leben?!

Fazit:
Ich habe den Roman in der 2. Ausgabe von 2009 mit dem alten Cover mit blauem Farn und einem Insekt drauf gelesen, finde aber das neue Cover mit dem Friesenhaus und dem Leuchtturm, das anlässlich des Erscheinens der Fortsetzung „Inselsommer“ angepasst wurde, viel hübscher und besser zum Roman passend.
Der Roman hat in der von mir gelesenen alten Version 378 Seiten mit 19 zum Teil doch recht langen Kapiteln. Das Schriftbild ist von der Größe her etwas kleiner gewählt, aber noch erträglich für die Sehschwächeren wie mich.
Über den Schreibstil von Gabriella Engelmann, der mir damals erstmals in einer Weihnachtsanthologie sehr positiv aufgefallen ist, muss man eigentlich gar keine großen Worte mehr verlieren, außer vielleicht „wunderbar“.
Obwohl das Buch schon 10 Jahre alt ist, liest es sich immer noch ganz großartig und ist wirklich zeitlos. Die Hauptcharaktere sind allesamt freundlich und liebenswürdig gezeichnet, so dass man sich in dieser Story so richtig zu Hause und geborgen fühlt und gerne selbst mal wieder nach Sylt reisen möchte. Der Plot ist schlüssig und realistisch und der Schluss wie erwartet schön. Ein Buch mit absoluter Wohlfühlgarantie, das ich wahnsinnig gerne gelesen habe – es alles dabei, was die Geschichte rund macht.
Und dieses Mal musste ich auch keinen Abschiedsschmerz haben, als ich die liebgewonnenen Menschen in dieser Geschichte am Ende verlassen musste, denn es warten aktuell noch zwei bereits publizierte „Büchernest“-Fortsetzungen auf mich und eine weitere ist in Arbeit. Und, weil ich so wahnsinnig neugierig bin, wie es mit den Protagonisten so weitergeht und den 1. Teil schon so toll fand, habe ich direkt im Anschluss begonnen, die 7 Jahre später spielende Fortsetzung „Inselsommer“ zu lesen 🙂
Von mir gibt für diese warmherzige, liebevolle Geschichte, glatte 5***** Sterne und eine absolute Leseempfehlung, für diejenigen, die – wie ich – dieses Genre so besonders mögen.

Rezension: Katia Weber – „Kleine Lügen erhalten die Familie“

Fakten:
Taschenbuch, Ullstein, erschienen 16.06.2017, 383 Seiten, 10,00€ – auch als eBook erhältlich

Autorin:
Katia Weber wurde 1978 in Bonn geboren. Nach dem Abitur in Bonn-Beuel, wo sie auch heute wieder lebt, zog es sie zunächst hinaus in die weite Welt, wo sie 1 Jahr in Australien verbrachte im Work & Travel-Modus. Danach studierte sie Sprach- und Kulturwissenschaften in der Pfalz und machte sich 2006 als Übersetzerin, Texterin und Lektorin selbstständig. Zudem war sie 1 Jahr lang in Südamerika unterwegs und lebte ebenfalls 1 Jahr lang in Frankreich. „Kleine Lügen erhalten die Familie“ ist ihr Debüt im Unterhaltungsroman-Genre. Sie hat bereits zwei Krimis im Ullstein-Verlag, einen Band mit Kurzgeschichten über Menschen in Bonn und ein weiteres Buch im Selfpublishing veröffentlicht.

Handlung:
Franzi, examinierte Krankenschwester, Mutter von 3 Kindern verbleibt nach der Trennung von ihrem Mann Michael mit ihren Kindern und dem ehem. Polizei-Hund Werner in ihrem Haus. Die Trennung verläuft allerdings eher halbherzig, weil sich Franzi und ihr Mann immer noch für gewisse Stunden treffen, was ihr Geheimnis ist. Und auch die anderen Mitglieder der Familie wie die Kinder, Franzis Schwester oder auch ihre beste Freundin haben alle so ihre Geheimnisse. Aber Franzis Mutter Brunhilde hat das größte Geheimnis von Allen: Ihre Vergangenheit und Franzis leiblicher Vater. Wie lange kann sie ihr Leben noch vor dem Rest ihrer Familie verheimlichen und welche Geheimnisse haben die anderen so?

Fazit:
Dieses Buch stand schon lange auf meiner Wunschliste und ich hatte das Glück, diesen Roman bei vorablesen.de zu gewinnen.
Das Cover ist wirklich hübsch gestaltet in Brombeer-, Rosa- und Grün-Tönen auf rauem Papier und Ranken und Blumen auf dem Cover sind plastisch,  um ein Haus (das wohl für das Thema „Familie“ stehen soll) gerankt.
Die Story auf den 383 Seiten ist verpackt in Prolog, 48 Kapitel von wunderbar kurzer Leselänge, Erklärungen zur Geschichte und Dankeswort – das alles in einem großzügigen, augenfreundlichen Schriftbild.
Ich habe jetzt ein paar Tage mit mir gehadert, bevor ich mich an die Rezension des Buches begeben habe, weil das Buch irgendwie so ganz anders war als erwartet.
Der Beschreibung des Klappentextes ließ mich erstmal einen heiteren Familienroman vermuten, was für mich auch der Grund war, dass das Buch auf meine Wunschliste wanderte. Aber irgendwie wollte die Autorin wohl das Krimi-Genre nicht so ganz loslassen und hat Kunstraub, Dognapping, Identitätswechsel und Drogenhandel mit in die Geschichte einfließen lassen.
Wobei der Schreibstil der Autorin und der Umgang mit der Sprache sehr angenehm sind.
Das Buch hat durchaus positive Seiten und auch ein paar originelle Plots, wie z. B. den ehemaligen Polizeihund Werner, der Dealern ihre Drogen stiehlt. Ich mag auch sehr, dass das Buch sowohl in Bonn spielt (eine sehr hübsche Stadt, die ich sehr gut kenne) als auch in Berlin.
Doch insgesamt kamen bei mir während der Lektüre leider immer mehr Kritikpunkte auf, obwohl ich mich sehr auf das Buch gefreut habe:
Zu der Protagonistin Franzi konnte ich irgendwie nicht so rechte Sympathien entwickeln und konnte mich nicht wirklich mit ihr und ihrem Handeln identifizieren.
In der Story spielt eine Vielzahl von Personen mit, so dass man leicht den Überblick verlieren kann – manche sind nur sehr kurz vertreten und eher unbedeutend, so dass sie für die Handlung dramaturgisch eigentlich auch verzichtbar gewesen wären (wie z. B. Franzis älteste Tochter Maria).
Die mehrfachen unangekündigten Zeitsprünge sind verwirrend: Man beginnt ein neues Kapitel und muss selbst dann während des Lesens feststellen, dass das gar nicht in der Gegenwart spielt, sondern in den 60er oder 70er Jahren. Hier hätte ich es persönlich besser gefunden, wenn in der Überschrift eine Jahreszahl oder ein anderer Hinweis gestanden hätte.
Während der Geschichte werden eine Menge Nebenhandlungsstränge eröffnet – manche nur sehr kurz erwähnt, aber genau solche lassen einen als Leser am Ende mit einigen Fragezeichen zurück – ein Epilog am Ende wäre ganz gut gewesen.
Die Story wird durch die ganzen „Zufälle“, die darin zusammenlaufen, überladen und leider auch ziemlich unglaubwürdig. Manche Sachen erscheinen doch ziemlich unlogisch – ich möchte jetzt allerdings nicht noch mehr spoilern.
Der rote Faden, der eigentlich durch so eine Geschichte laufen sollte, ist hier leider ein wenig zerrissen und faserig, weil er einfach zu viel halten sollte.
In diesem Buch wäre ganz klar weniger mehr gewesen – vieles bleibt leider oberflächlich und der richtige Tiefgang hat hier ein wenig gefehlt.
Von mir gibt es hierfür dennoch recht gute 3***.

Rezension: Mina Teichert – „Neben der Spur, aber auf dem Weg: Warum ADS und ADHS nicht das Ende der Welt sind“

Fakten:
Taschenbuch (Paperback), Eden Books, erschienen 06.04.2017, 288 Seiten, 14,95€ – auch als eBook erhältlich

Autorin:
Mina Teichert wurde im Januar 1978 in Bremen geboren. Über einige berufliche Umwege wurde sie zunächst Fotografin bevor sie dann als „Mina Kamp“ zwei Fantasy-Jugendromane veröffentlichte. Außerdem erschienen Kurzgeschichten von ihr in verschiedenen Anthologien zu ganz unterschiedlichen Themen. Im September 2016 publizierte sie im Self-Publishing ihren 1. Frauen-Roman „Finnischer Schnee von gestern“. Sie ist verheiratet und lebt mit ihrem Mann, ihrer nunmehr 14jährigen Tochter und zahlreichen Tieren auf einem landwirtschaftlichen Hof in der Nähe von Bremen. Mit ihrer persönlichen Lebensgeschichte „Neben der Spur, aber auf dem Weg“ über ihr Leben mit ADS landete sie einen Spiegel-Bestseller. Weitere literarische Werke von ihr sind in Arbeit.

Handlung:
Mina Teichert merkt schon im Kindesalter, dass ihr Leben anders ist: Sie ist verträumt, tollpatschig – neigt zu Missgeschicken und Unfällen, hat Konzentrationsschwächen und ist immer etwas chaotisch. All dies sind Dinge, die ihr in der Jugend und als junge Erwachsene zunehmend zu schaffen machen – so bricht sie gleich mehrere Ausbildungen ab, erkrankt an Magersucht und Bulimie und landet in einer psychiatrischen Klinik mit den Diagnosen „Borderline-Störung“ und „Depression“. Ihr bis dahin rasanter Lebensstil wird zudem geprägt vom Feiern, Drogen- und Alkohol-Konsum und wechselnden Beziehungen. Erst mit Mitte 20, nach zahlreichen Fehldiagnosen und dem Aufeinandertreffen mit etlichen empathielosen Personen, erhält sie nach einer Panik-Attacke die Diagnose „ADS“. Mit Humor nimmt Mina Teichert diese Diagnose an und kann endlich damit beginnen, ihr Leben entsprechend dieser Schwäche zu strukturieren und ganz neue Stärken an sich zu entdecken.

Fazit:
Kaufanreiz für dieses Buch war für mich der sehr sympathische Auftritt von Mina Teichert in der WDR-Talkshow „Kölner Treff“, wo sie ihr Buch vorstellte. So viele Dinge, die sie dort äußerte über ihr Leben mit ADS, kamen mir irgendwie sehr bekannt vor und haben mich neugierig gemacht, was da noch alles auf mich selbst zutreffen wird und ob mein eigenes, ebenfalls nicht immer so einfaches Leben auch irgendwas mit ADS zu tun haben könnte.
Dieses Buch ist in kein Genre so richtig einzuordnen und man bekommt von allem Etwas: Biographie, Erfahrungsbericht, (medizinischer) Ratgeber, Sachbuch, Lifestyle-Ratgeber und – Dank des wunderbar humorvollen Schreibstils von Mina Teichert zu diesem ernsten Thema – auch einen autobiographischen Roman.
Das Buch ist mit seinen 288 Seiten in 5 große Teilbereiche mit jeweils mehreren Unterkapiteln aufgeteilt + Anhang mit Tipps für das alltägliche Leben mit AD(H)S und dem Nachwort einer Psychologin. Das Schriftbild war für meine Augen ein wenig zu klein gewählt und ein paar Schreibfehler habe ich auch gefunden – darüber kann man bei dem unglaublich lesenswerten Inhalt des Buches auch mal hinwegsehen.
Auf dem Cover ist Mina Teichert selbst zu sehen, wie sie mit einem Koffer in der Hand auf Bahnschienen balanciert – versinnbildlichend für ihr Leben mit ADS: Mit schwerem Gepäck auf schmalem Grat immer vorwärts die Balance im Leben zu halten.
Für mich war das ein Buch mit Wow-Effekt! Ich habe mich selbst an so vielen Stellen darin wiedergefunden – Stichwort u. a. „Reizfilterschwäche“: Auch ich war immer verträumt, konnte mich nie besonders lange auf eine einzige Sache konzentrieren, war etwas grobmotorisch (Sport, Basteln und Ausmalen gehörten auch nie zu meinen Stärken), manchmal ein wenig verpeilt, fühle mich unwohl in großen Menschengruppen (angefangen bei Feiern usw.); nehme Gerüche, Geschmack und Töne außergewöhnlich intensiv wahr, kann mich sehr schlecht entspannen und abschalten – habe immer Einschlafstörungen, bin sehr sensibel, empathisch und eher ängstlich, mag Ruhe viel lieber als Trubel und hatte auch immer wieder ähnliche Probleme wie Mina Teichert im Berufsleben – hatte also das Gefühl, immer hinter den Erwartungen anderer zurückzubleiben, weil ich lange Zeit immer wieder Tätigkeiten ausgeübt habe, die mir so gar nicht lagen.
Der Schreibstil von Mina Teichert ist wirklich großartig: fesselnd, humorvoll, intelligent – irgendwie, wie auch ihre Persönlichkeit, vielleicht auch ein wenig ungewöhnlich, wenn man zunächst ein Buch erwartet, das zwischen Erfahrungsbericht, Sachbuch und Ratgeber liegen soll, einen aber dann mit einer sehr persönlichen Lebensgeschichte überrascht. Sie gibt sehr offen Einblick in ihre Kindheit und Jugend und in ihr Leben in der Zeit vor der Diagnose, als sie noch mit Fehldiagnosen und Falschbehandlungen kämpfte und sich in Depression und Magersucht verlor. Man erhält im Rahmen von Minas Lebensgeschichte sehr viele wertvolle Informationen zu ADS: Mir selbst war z. B. nicht bekannt, dass ADS die ruhige Version (ohne Hyperaktivität) von ADHS ist und so eher bei Mädchen oder Frauen zu finden ist und aufgrund ihres ruhigeren Verlaufs oft sehr spät erkannt wird. Auch die Tipps für Betroffene im Anhang sind hilfreich – und wem die nicht reichen, der findet darin wiederum weitere Internet-Links, wo er Hilfe findet.
Mina Teichert ist ein liebenswerter, beeindruckender Mensch, der zu seinen Schwächen steht und trotz zunächst vieler Rückschläge im Leben gerade daraus neue Stärke gewonnen hat. Glücklicherweise hat sie sich nie von ihrer eigentlichen Berufung, dem Schreiben, abbringen lassen – ich wünschte, ich wäre auch so konsequent gewesen. Sie hat meinen größten Respekt und Anerkennung, wie sie ihr Leben meistert und damit an die Öffentlichkeit geht und anderen Mut macht!
Ein sehr wertvolles Buch, nicht nur für unmittelbar von AD(H)S Betroffene, sondern auch für Menschen, die diese Erkrankung besser verstehen möchten.
Hierfür gibt es eine ganz besondere 5*****-Leseempfehlung meinerseits 🙂

Rezension: Tania Krätschmar – „Clara und die Granny-Nannys“

Fakten:
Taschenbuch, Blanvalet, erschienen 20.10.2014, 384 Seiten, 9,99€ – auch als eBook erhältlich

Autorin:
Tania Krätschmar wurde 1960 in Berlin geboren. Nach einer Ausbildung zur Buchhändlerin studierte sie Germanistik. Schon das Studium führte sie auch nach Florida und New York, wo sie dann später auch als Bookscout in Manhattan arbeitete, zudem lebte sie in den Niederlanden und kehrte kurz vor dem Mauerfall in ihre Heimat zurück, wo sie auch heute noch lebt und als Autorin, Texterin, Übersetzerin und Rezensentin tätig ist. Sie hat einen erwachsenen Sohn. Ihr 8. Frauen-Roman steht kurz vor der Veröffentlichung, zudem erschienen von ihr Erzählungen in Anthologien und sie betrat berufliches Neuland (Bio-Bauernhof, Second-Hand-Boutique).

Handlung:
Drei Frauen jenseits der 50 und auch 60 mit unterschiedlicher Vergangenheit, die nochmal was Spannendes erleben wollen, landen als erste Kundinnen bei Clara Behrens aus Hamburg, die ganz frisch eine Granny-Nanny-Agentur – quasi für Senior-AuPairs – gegründet hat. Clara vermittelt die drei Frauen in ganz spezielle Familien nach Berlin: Single Suse, 55, Köchin im Restaurant ihres Bruders, aus Norddeutschland landet bei einem Restaurant- und Pferdebesitzer in ihrem Alter mit junger Frau und kleiner Tochter; Karen, 63, geschieden und frisch pensionierte Lehrerin aus Hessen, soll in den drei Monaten die drei Kinder (15, 9 und 7 J. alt) einer amerikanischen Diplomatenfamilie betreuen, die bald zurück nach Washington zieht, sowie Hanni, 60, verwitwet, aus Bayern, die bei Anja, einer alleinerziehenden Mutter von 12jährigen Zwillingsjungs – einer Karrierefrau – auf deren schickem Hausboot einzieht. Der zeitlich befristete Umzug nach Berlin soll nicht die einzige Veränderung im Leben der drei Frauen bleiben: An ihrem freien Montag treffen sich die Drei immer im Café Maiwald in Schöneberg und tauschen sich über ihr altes und neues Leben aus und müssen mit ganz neuen Problemen und Abenteuern klarkommen – eine unverzichtbare Freundschaft entsteht …

Fazit:
Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass das jetzt tatsächlich, das erste Buch von Tania Krätschmar war (neben Kurzgeschichten in Anthologien), das ich gelesen habe – es war ganz sicher nicht das letzte, denn es hat mich wirklich sehr begeistert. Und zwei Bücher der Autorin sowie das vorbestellte neue, das im August erscheint, warten noch in meinem SuB auf mich. Ein Anreiz zum Kauf der Bücher von Tania Krätschmar war für mich auch immer, dass sie hier in Berlin und der Brandenburger Umgebung spielen, wo es auch wunderschöne Eckchen gibt, die in der Literatur leider viel zu selten zum Handlungsort erklärt werden.
Auch diese Geschichte spielt im – weihnachtlichen – Berlin und die Autorin nimmt die Leser mit auf eine Entdeckungsreise mit den Granny-Nannys durch die zu jeder Jahreszeit faszinierende, wunderschöne Hauptstadt, wo die Fäden der drei Frauen aus Nord (Ostfriesland), Süd (Bayern) und West (Hessen) im Osten, also in Berlin, zusammenlaufen. Würde mich jetzt nicht wundern, wenn das Café Bilderbuch in Schöneberg Pate für das Café Maiwald im Buch gestanden hat, wo ich auch immer gern Mango-Joghurt-Torte esse 😉
Das Cover ist optisch ähnlich aufgebaut wie das seines Vorgängers bei Blanvalet „Eva und die Apfelfrauen“ – hübsch, ansprechend und die drei Teetassen haben ja irgendwie auch was mit dem Roman zu tun.
Das Buch ist auf 384 Seiten mit 34 Kapiteln von perfekter Leselänge + Nachwort bei sehr angenehmen Schriftbild aufgeteilt.
Zu Beginn der Story wird man als Leser mit Vergangenheit und Gegenwart im Leben der drei Protagonistinnen vertraut gemacht und erfährt, wer oder was jeweils ausschlaggebend war, eine neue Herausforderung im Leben als Granny-Nanny zu suchen. Unterschiedlicher wie diese drei Frauen könnten auch ihre Gastfamilien nicht sein. Tania Krätschmar hat sich hier wirklich einen wunderbaren Plot ausgedacht und man bekommt als Leserin gleich drei Geschichten in einer geboten. Und wie im echten Leben stoßen eine Vielzahl unterschiedlicher Charaktere aufeinander – fast alle sehr sympathisch, bis auf wenige Ausnahmen.
Fernab ihrer Heimat und ihrer bis dahin eigenen Probleme, lernen sie nochmal ganz andere Familienkonstellationen, neuzeitliche Probleme innerhalb junger Familien und dem Drang, etwas zu verändern, nicht nur bei und für sich selbst, kennen. Sie stellen sich den Herausforderungen ihres neuen Lebens, lernen, dass es nie zu spät für Freundschaften ist – und auch nicht für amouröse Abenteuer 😉 – und starten nochmal so richtig durch auf allen Linien – vielleicht bis auf eine der drei.
Auch die netten Zeilen von Clara Behrens an ihre allerersten Granny-Nannys lockern die Geschichte noch auf.
Dieses Buch liest sich wunderbar leicht und es ist einfach eine wunderschöne Geschichte, warmherzig erzählt und trotz weihnachtlichem Background auch im Sommer toll zu lesen! Ich habe dieses Buch wahnsinnig gerne gelesen und hätte nach dem Finale, das nochmal so richtig was fürs Herz war, noch ewig an dieser Geschichte weiterlesen wollen. Dies ist ein Roman, der generationenübergreifend so ziemlich alle Liebhaber(innen) dieses Genres begeistern kann. Für diese wirklich schöne Story eine 5*****-Leseempfehlung meinerseits 🙂

Rezension: Petra Hülsmann – „Wenn Schmetterlinge Loopings fliegen“

Fakten:
Taschenbuch, Bastei Lübbe, erschienen: 18.06.2015 (Erstausgabe), 414 Seiten, 9,99€ (auch als E-Book und Hörbuch erhältlich);
die Neuauflage mit dem neuen Cover ist am 23.09.2016 erschienen

Autorin:
Petra Hülsmann, wurde 1976 in Lohne/Niedersachsen geboren, wo sie auch aufwuchs. Nach dem Abitur studierte sie – bis zum Abbruch – Germanistik und Kulturwissenschaften in Bremen. Sie absolvierte dann erfolgreich eine Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin und arbeitete einige Jahre als Sekretärin in Anwaltskanzleien. 2013 reiste sie 1/2 Jahr lang mit dem Rucksack durch Südostasien. Mit ihrem Mann lebt sie in Hamburg. Ihr sehr erfolgreicher Debüt-Roman und zudem Spiegel-Beststeller war 2014 „Hummeln im Herzen“. Neben „Wenn Schmetterlinge Loopings fliegen“ erschienen bei Bastei Lübbe von ihr noch „Glück ist, wenn man trotzdem liebt“ (10.06.2016) und „Das Leben fällt wohin es will“ (26.05.2017).

Handlung:
Karoline Maus aus Bochum hat mit ihren 28 J. schon einiges erreicht: abgeschlossene Berufsausbildung, Abi auf dem Abendgymnasium und nun im Fernstudium den Bachelor in Wirtschaftswissenschaften mit Traum-Note. Ein tolles Job-Angebot lässt sie nach Hamburg ziehen, wo sie wegen eines kriminellen Chefs direkt erstmal arbeitslos ist. Nach Wochen erhält sie dann ein Angebot beim Fußball-Bundesligisten Eintracht Hamburg im Management mitzuwirken – doch eigentlich ist Karo dort nur als Fahrerin und „Wachhund“ des Fußball-Profis Patrick Weidinger engagiert, der sich als arrogante, allürengeplagte Diva erweist. Aber Karo wäre nicht Karo, wenn das nicht erneut den Ehrgeiz bei ihr weckt: Zum Einen will Karo beweisen, dass sie durchaus mehr kann und einen besseren Job im Verein verdient hätte und zum Anderen scheint sie – Dank der Schmetterlingsmädels im Bauch – ganz neue persönliche Ziele zu haben, je mehr Zeit sie mit Patrick verbringt …

Fazit:
Wie schon „Hummeln im Herzen“ war das wieder so ein richtiges „Hach …“-Buch von Petra Hülsmann. Ich mag ihren Schreib-/Sprachstil und den Aufbau ihrer Geschichten sehr und ich war mir ziemlich sicher, dass mich auch dieses Buch nicht enttäuschen kann – was dann ja auch der Fall war 😉
Ich habe das Buch noch mit dem alten Cover mit dem flauschigen Häkelschmetterling gelesen – dessen Häkelanleitung man dort im Innenumschlag des Buches findet. 2016 hat Bastei Lübbe die bisherigen Bücher der Autorin dann nochmal mit einem neuen Cover veröffentlicht – angepasst an das Cover von „Glück ist, wenn mann trotzdem liebt“, das ein paar Monate zuvor erschienen ist. Da die Cover mit der ausgestanzten Hummel und dem ausgestanzten Schmetterling sehr empfindlich waren und zu Beschädigungen neigten, war der Wechsel auf die neuen Cover sicher eine gute Entscheidung.
Die Story ist auf 414 Seiten mit 20 – manchmal ein wenig langen – Kapiteln verteilt. Den Beginn eines jeden Kapitels ziert der Häkelschmetterling und daneben gibt es einen „weisen“ Spruch aus der Fußballwelt. Am Ende befindet sich ein nicht ganz ernst gemeintes Plätzchenrezept und – zumindest zum Nachlesen – der Soundtrack der Story um Karo und Patrick.
Der Plot ist für eine Love-Story mal was Neues, denn so viele Romane, die im Profisport spielen, gibt es nun mal nicht. Die Charaktere sind mal wieder klasse entwickelt und man schließt sie gleich ins Herz. Ob es nun Karos WG in Hamburg ist oder ihre reizende Familie mit Eltern und Oma in Bochum – ich hab beim Lesen der Dialoge von Karos Eltern und der Omi direkt den Ruhrpott-Dialekt im Ohr gehabt – klasse 🙂 – das hat dann noch was Bodenständiges in die Geschichte eingebracht.  Und der Humor kam auch in diesem Buch wieder nicht zu kurz – genau so, wie ich es an Romanen dieser Art so sehr mag ❤
Dann gab es auch noch ein Wiederlesen mit Knut dem Taxi-Fahrer aus „Hummeln im Herzen“.
Wie auch schon beim Vorgänger hab ich das Ende des Buches wieder ziemlich hinausgezögert, weil ich einfach nicht wollte, dass die Geschichte zu Ende ist und ich mich von den tollen Protagonisten verabschieden muss. Das Finale war dann noch so richtig was fürs Herz.
Tröstlich ist für mich jetzt nur, dass ich noch zwei ungelesene Bücher von Petra Hülsmann im Regal habe, auf die ich mich weiter freuen kann 🙂
Eine sehr begeisterte Leseempfehlung mit 5***** Sternen gibt es für diesen Roman von mir, der Wellness für Herz und Seele ist und einen auch oft zum Lachen bringt.


Rezension: Marlen Gardner – „Himbeereisprinz“

Fakten:
Kindle eBook, erschienen: 20.12.2016, 194 Seiten, 2,49€ oder als Taschenbuch, Create Space Independent Publishing, 6,99€

Autorin:
Die deutsche Selfpublisherin Marlen Gardner landete, wie viele ihrer Kolleg(inn)en, zunächst in einem „zivilen Beruf“ – bei ihr ist es Diplom-Verwaltungswissenschaftlerin – und arbeitete in Banken, bevor sie sich ganz der Schriftstellerei widmete. Sie ist sehr reisefreudig und veröffentlichte zunächst zwei Bücher ihrer Reisekrimi-Reihe, bevor sie jetzt mit „Himbeereisprinz“ ein neues Genre für sich entdeckte. Sie lebt mit Mann und Hund in der Nähe von Stuttgart.

Handlung:
Die 19jährige Vanessa aus Stuttgart ist als AuPair in Toronto bei der superreichen Familie Hampton, um deren Sohn zu betreuen, der es allen nicht ganz einfach macht. Als sich die Eltern nach einer weiteren Eskapade ihres Filius entschließen, diesen doch lieber fernab der Heimat in einem Schweizer Internat erziehen zu lassen, darf Vanessa dennoch in Toronto bleiben, erhält weiterhin ihr Geld und hat neben der Sprachschule ganz viel Zeit. Mit ihrer mexikanischen Freundin Catalina schließt sie eine Wette ab, den neuen Eishockey-Superstar bei den Toronto Ice Kings, Tony Taranti, zu erobern. Aber sie scheint da nicht die einzige Interessentin zu sein …

Fazit:
Das Cover ist sehr schön gestaltet, hat eine tolle Farbauswahl und nimmt mit der Skyline von Toronto auch direkt Bezug auf die Geschichte – ein echter Hingucker.
15 Kapitel mit normalem eBook-Schriftbild auf insgesamt 194 Seiten – die Leselänge ist nur in wenigen Kapiteln etwas lang. Entgegen sonstiger Buchgestaltungen wurde hier kein Blocksatz verwendet.
Ich muss gestehen, dass der hauptsächliche Kaufanreiz für mich war, dass das Buch in Toronto spielt (wann hat man sowas schon mal) und mit Eishockey zu tun hat. Ich war selbst schon 4x in Toronto und bin großer Fan der Toronto Maple Leafs und habe mir in Toronto auch immer Spiele der Leafs oder des kanadischen Eishockey-Nationalteams live angeschaut und die großartige Atmosphäre aufgesogen. Schon seit meinem 1. Besuch in Toronto liebe ich diese Stadt und habe viel gesehen dort und in der wunderbaren Umgebung Ontarios.
Tja, und irgendwie hatte ich gedacht, dass von dieser irrsinnig tollen Stadt und dem besonderen Flair, der Herzlichkeit der Kanadier und dieser spannenden Atmosphäre beim Eishockey in diesem Buch viel mehr rüberkommt, wo sich die Protagonistin doch in einen Eishockey-Star verliebt …
Meine Erwartungen sind allerdings weit zurückgeblieben – leider 😦
Die Basis-Geschichte um die junge, schwäbische Au-Pair Vanessa, die sich in den großen Eishockey-Superstar verliebt, klingt erstmal ganz nett. Auch mit Sprachwitz spart die Autorin nicht, was den Schreibstil angenehm macht und die Geschichte auflockert, aber insgesamt bleibt alles ein wenig oberflächlich und hätte auch in jeder anderen Stadt der Welt spielen können.
Man hätte soviel Lokalkolorit dieser wunderbaren Stadt in die Geschichte einfließen lassen können – das liegt doch nahe, wenn ein Au-Pair erstmals in so einer Stadt ist, dass man sich auch etwas mehr als Shopping-Center anschaut. Es gibt so viel in Toronto: CN-Tower, Hockey Hall of Fame, China Town, Greek Town, Little Italy, Kensington Market, Yorkville, tolle Museen, Musicals, die unterirdischen Shopping-Zonen „PATH“, die tolle Umgebung hin bis nach Niagara Falls und Niagara on the Lake, der Algonquin Provincial Park (der immerhin kurz Erwähnung findet). Besonders unverständlich fand ich, dass wirklich alles Mögliche umbenannt wurde – selbst die Eishockey-Teams oder gar Straßen. Ich hatte mich sehr auf diese Geschichte gefreut – bin aber irgendwie ziemlich enttäuscht zurückgeblieben nach der Lektüre. Auch, was die Story an sich anging, hat mir da noch irgendwas gefehlt – das wäre auf jeden Fall noch ausbaufähig gewesen, auch die Charaktere und Emotionen hatten noch Entwicklungspotenzial. Der Schreib- und Sprachstil der Autorin hat doch einen positiven Eindruck gegeben.
Vielleicht ist ja in Band 2 dieser Reihe noch mehr Pep – gern lasse ich mich überzeugen, diesen dann noch zu lesen.
Für diesen Band hier gibt es allerdings leider nur 3*** Sterne von mir.

Rezension: Kirsten Wendt – „Back to Love“

Fakten:
Kindle eBook, erschienen: 11.03.2017, 244 Seiten, derzeit leider nicht mehr erhältlich

Autorin:
Kirsten Wendt, Jahrgang 1970, ist gebürtige Nordfriesin und auf Baltrum aufgewachsen. Die Mutter von zwei erwachsenen Kindern arbeitete als Rechtsanwaltsgehilfin, Chefsekretärin und Vertrieblerin, bevor sie sich vor 5 Jahren mit ihrem großen Traum, dem Schreiben, selbstständig machte. Seither veröffentlichte sie (sowohl unter ihrem echten Namen als auch unter Pseudonym) diverse Ratgeber, Erfahrungsberichte, Romane und gemeinsam mit ihrem Partner, dem Krimi-Autor Marcus Hünnebeck (mit dem sie sich mitten im Umzug von Norddeutschland nach Leipzig befindet) neuerdings auch Thriller.

Handlung:
Sandra Brauer ist 46 J. alt und etwas unzufriedene Ehefrau von Robi und Mutter des 9jährigen Moritz. Eines Morgens erwacht sie im Körper ihres 19jährigen Ichs im August 1989 auf – allerdings mit den Erfahrungen und dem Wissen ihrer heutigen Persönlichkeit. Damals ist sie glücklich und frisch verliebt in Chris, der allerdings ihr Herz gebrochen hat damals. Beruflich ist sie damals sehr unglücklich in ihrer Ausbildung zur Rechtsanwaltsgehilfin mit ihrer herrschsüchtigen Chefin. Hat sie etwa die Möglichkeit, durch diese kleine Zeitreise die Vergangenheit nochmal zu durchleben und die Weichen für ihre Zukunft ganz neu zu stellen? Aber wie kommt sie wieder zurück zu ihrem Sohn, den sie so schmerzlich vermisst?

Fazit:
Das Cover ist zwar hübsch und ansprechend, hat aber meiner Meinung mit der Zeit um 1989/90 leider zu wenig zu tun.
Die für das eBook angegebenen 244 Seiten sind in großzügigem Schriftbild auf 25 Kapitel von allerbester Leselänge aufgeteilt.
Schon als die Autorin das Buch erstmals auf ihrer Facebook-Seite angekündigt, hat war ich wahnsinnig neugierig auf die Umsetzung der Story. Ich bin, wie die Autorin, selbst ein Kind der 80er Jahre (also in den 80er Jahren aufgewachsen und erwachsen geworden) und im Dialog mit der Autorin via Facebook haben wir so gar ein paar Parallelen festgestellt.
Sobald ich begonnen hatte, dieses Buch zu lesen, konnte ich gar nicht mehr damit aufhören. Die Geschichte hat mich total gefesselt und ich konnte mich voll und ganz auf diese kleine Zeitreise einlassen. Es war immer Spannung da, wie es wohl weitergeht und welche Auswirkungen die Zeitreise auf Sandras späteres Ich wohl noch so haben wird. Man wird nochmal daran erinnert, dass so viele Dinge, die für uns heute absolut selbstverständlich sind, damals schlichtweg nicht vorhanden oder unmöglich waren, so dass man damals noch fantasiereich improvisieren musste in vielen Bereich des alltäglichen Lebens – und man hat trotzdem gelebt.
Natürlich denkt man automatisch an die eigene Vergangenheit im Jahr 1989 und was man für sein eigenes Leben rückwirkend verändern könnte, wenn man die Möglichkeit hätte. Ich hätte wohl meine Heimatstadt Köln viel eher verlassen, hätte mich nicht von meiner dominanten Mutter in einen Beruf drängen lassen, den ich nie wollte und womit ich noch sehr unglücklich werden sollte und hätte Abitur und Studium durchgezogen. Außerdem hätte ich zeitgeschichtliche Ereignisse wie den Mauerfall gerne live vor Ort erlebt (genau, wie Sandra sich das im Buch gewünscht hat).
Besonders originell fand ich auch die Wendung zum Ende der Geschichte hin! Das Buch ist so toll geschrieben und ich hätte noch ewig weiterlesen können, leider war die Geschichte ziemlich abrupt zu Ende und ein zweiter Teil wurde angekündigt.
In der Vorbereitung zu meiner Rezension habe ich dann erfahren, dass die Autorin das Buch mittlerweile vom Markt genommen hat, weil es auf Verlagsinteresse gestoßen ist. Wer es also gern lesen möchte, muss jetzt stark sein und noch eine ganze Weile Geduld aufbringen, weil die Planung bei Verlagen ja meist schon ein paar Jahre im Voraus getroffen wird. Aber ich freue mich für das Buch, die Autorin und für die Fortsetzung, dass Verlage auf diese großartige Geschichte aufmerksam geworden sind – das ist absolut verdient. Ich bin so neugierig, wie Sandras Vergangenheit und ihr zukünftiges Leben weitergehen …
Ich habe mich grandios unterhalten gefühlt und hatte sehr viel Spaß bei dieser Zeitreise – daher gibt es von mir höchste Punktzahl: Eine 5*****-Leseempfehlung!

Rezension: Claudia Thesenfitz – „Meer Liebe auf Sylt“

Fakten:
Taschenbuch, Ullstein, erschienen: 10.03.2017, 266 Seiten, 9,99€ – als eBook erhältlich

Autorin:
Claudia Thesenfitz wurde 1967 in Berlin geboren. Schon während ihres Germanistik- und Anglistik-Studiums an der Universität Hamburg war sie freie Mitarbeiterin bei diversen Zeitschriften. Ihre Pressearbeit setzte sich danach fort mit Tätigkeiten als Volontärin, Redakteurin, Ressortleiterin und freie Journalistin und Autorin mit ganz unterschiedlichen Arbeiten für Frauen-, Promi- und Lifestyle-Magazine. Zudem ist sie Absolventin der Hamburger Drehbuchautoren-Schule. In Anthologien veröffentlichte Kurzgeschichten und ist Co-Autorin verschiedener Promi-Biographien (Nena, Dieter Wedel, Uwe Ochsenknecht u. a.). Mit „Sylt oder Selters“ veröffentlichte sie im Mai 2015 sehr erfolgreich ihren ersten (Glücks-)Roman im Ullstein-Verlag. „Meer Liebe auf Sylt“ ist ihr zweiter Roman.

Handlung:
Die 27jährige Alexandra hat einen Sommer-Job als Yoga-Lehrerin auf Sylt, während ihr Mann Marcus in New York Karriere als Jurist macht. Als der Verdacht aufkommt, dass Marcus Alexandra in NY betrügt, macht sich diese kurzentschlossen auf den Weg dorthin, um ihre Ehe zu retten. Die Betreuung ihrer 2jährigen Tochter Emma drückt sie kurzerhand ihrer Mutter und Schwiegermutter aufs Auge, die eigentlich nur zum Geburtstag ihrer Enkelin nach Sylt gereist sind. Die beiden Omas könnten nicht unterschiedlicher sein: Henrietta, Alexandras mondäne Mutter ist 59 J. alt, verheiratet, immer gestylt und gepflegt als erfolgreiche Chefredakteurin bei einer Frauenzeitschrift in Hamburg; ihre beiden Töchter waren mehr so nebenher in ihrem Leben vertreten. Ulla, die Schwiegermutter, ist ein paar Jahre jünger, überzeugte Veganerin, Esoterikerin, Yoga-Anhängerin und eher so ein naturbelassener Typ. Zur Unterstützung reist dann auch noch Alexandras 39jährige Schwester Jana an. Alle miteinander verbindet die Liebe zu Emma. Aber was bringt die gemeinsame Zeit auf Sylt den drei Frauen sonst noch an Veränderungen im Leben?!

Fazit:
Die Gestaltung des Covers ist maritim, sommerlich und so, das man in der Buchhandlung garantiert nach diesem Buch greift – auch, wenn das Foto ein wenig unproportional zusammengesetzt wirkt. Das Cover orientiert sich optisch am ersten Sylt-Roman von Claudia Thesenfitz „Sylt oder Selters“.
Das Schriftbild ist sehr großzügig und die 45 Kapitel (wenn ich richtig gezählt habe) sind schön kurz, so dass man sie einfach mal zwischendurch lesen kann. Meist wird aus der Perspektive einer einzelnen Protagonistin erzählt, zum Ende hin mischt sich das dann immer mehr, so dass aus der Sicht aller berichtet wird und die Kapitel allgemeiner gehalten sind.
Zuerst dachte ich: Oh, wie toll – dieser Roman führt mich mit Sylt, Mallorca und New York ja offenbar an einige der schönsten Fleckchen der Erde, aber dann konzentrierte sich die gesamte Handlung nur noch in Richtung Sylt – und zwar ausschließlich auf die Schicki-Micki-Version von Sylt mit Austern, Strand, FKK, Yoga und einer ganze Menge Klischees. Bis zur Buchmitte fand ich die Geschichte noch ganz lustig, aber irgendwann hatte ich das Gefühl, dass irgendwie sämtliche Ressorts von Frauenzeitschriften den Protagonistinnen klischeehaft zugeschoben werden: Make-Up, Pflege, Mode, Reise, Ernährung/Veganismus, Lifestyle, SUVs, ältere Frau/jüngerer Mann, Ehebruch, das Ticken der biologischen Uhr von Frauen um die 40, Yoga, Umstyling usw., vielleicht auch, weil die Autorin ja selbst freie Journalistin für Frauen- und Lifestyle-Magzine ist.
Der Aktionsradius der Protagonistinnen wird im Verlauf der Geschichte leider immer kleiner und damit flacht auch die Story ab. Ich konnte mich auch mit keiner Person aus dem Roman irgendwie identifizieren oder die Story mitleben – dazu war mir alles ein wenig zu abwegig. Unrealistisch fand ich auch, dass Alexandra ohne ihre 2jährige Tochter nach New York abreist und gleich mehrere Wochen fortbleibt. Und auch aus dem Konflikt der beiden so unterschiedlichen Omas hätte man sicher noch einiges mehr auf witzige Weise herausarbeiten können.
Eigentlich hatte ich mich sehr auf das Erscheinen des Buches gefreut, aber so richtig als „Glücksroman“ habe ich das Buch jetzt nicht empfunden, auch wenn am Ende nicht mit Happy Ends gespart wird und das Ende mich wieder ein wenig versöhnt mit dem Rest der Story.
In meiner persönlichen Bewertungsskala sind das sehr gute 3*** Sterne (leider knapp an den 4 Sternen vorbei).
Ich werde auf jeden Fall „Sylt oder Selters“ von Claudia Thesenfitz auch unbedingt noch lesen.