Rezension: Marlen Gardner – „Himbeereisprinz“

Fakten:
Kindle eBook, erschienen: 20.12.2016, 194 Seiten, 2,49€ oder als Taschenbuch, Create Space Independent Publishing, 6,99€

Autorin:
Die deutsche Selfpublisherin Marlen Gardner landete, wie viele ihrer Kolleg(inn)en, zunächst in einem „zivilen Beruf“ – bei ihr ist es Diplom-Verwaltungswissenschaftlerin – und arbeitete in Banken, bevor sie sich ganz der Schriftstellerei widmete. Sie ist sehr reisefreudig und veröffentlichte zunächst zwei Bücher ihrer Reisekrimi-Reihe, bevor sie jetzt mit „Himbeereisprinz“ ein neues Genre für sich entdeckte. Sie lebt mit Mann und Hund in der Nähe von Stuttgart.

Handlung:
Die 19jährige Vanessa aus Stuttgart ist als AuPair in Toronto bei der superreichen Familie Hampton, um deren Sohn zu betreuen, der es allen nicht ganz einfach macht. Als sich die Eltern nach einer weiteren Eskapade ihres Filius entschließen, diesen doch lieber fernab der Heimat in einem Schweizer Internat erziehen zu lassen, darf Vanessa dennoch in Toronto bleiben, erhält weiterhin ihr Geld und hat neben der Sprachschule ganz viel Zeit. Mit ihrer mexikanischen Freundin Catalina schließt sie eine Wette ab, den neuen Eishockey-Superstar bei den Toronto Ice Kings, Tony Taranti, zu erobern. Aber sie scheint da nicht die einzige Interessentin zu sein …

Fazit:
Das Cover ist sehr schön gestaltet, hat eine tolle Farbauswahl und nimmt mit der Skyline von Toronto auch direkt Bezug auf die Geschichte – ein echter Hingucker.
15 Kapitel mit normalem eBook-Schriftbild auf insgesamt 194 Seiten – die Leselänge ist nur in wenigen Kapiteln etwas lang. Entgegen sonstiger Buchgestaltungen wurde hier kein Blocksatz verwendet.
Ich muss gestehen, dass der hauptsächliche Kaufanreiz für mich war, dass das Buch in Toronto spielt (wann hat man sowas schon mal) und mit Eishockey zu tun hat. Ich war selbst schon 4x in Toronto und bin großer Fan der Toronto Maple Leafs und habe mir in Toronto auch immer Spiele der Leafs oder des kanadischen Eishockey-Nationalteams live angeschaut und die großartige Atmosphäre aufgesogen. Schon seit meinem 1. Besuch in Toronto liebe ich diese Stadt und habe viel gesehen dort und in der wunderbaren Umgebung Ontarios.
Tja, und irgendwie hatte ich gedacht, dass von dieser irrsinnig tollen Stadt und dem besonderen Flair, der Herzlichkeit der Kanadier und dieser spannenden Atmosphäre beim Eishockey in diesem Buch viel mehr rüberkommt, wo sich die Protagonistin doch in einen Eishockey-Star verliebt …
Meine Erwartungen sind allerdings weit zurückgeblieben – leider 😦
Die Basis-Geschichte um die junge, schwäbische Au-Pair Vanessa, die sich in den großen Eishockey-Superstar verliebt, klingt erstmal ganz nett. Auch mit Sprachwitz spart die Autorin nicht, was den Schreibstil angenehm macht und die Geschichte auflockert, aber insgesamt bleibt alles ein wenig oberflächlich und hätte auch in jeder anderen Stadt der Welt spielen können.
Man hätte soviel Lokalkolorit dieser wunderbaren Stadt in die Geschichte einfließen lassen können – das liegt doch nahe, wenn ein Au-Pair erstmals in so einer Stadt ist, dass man sich auch etwas mehr als Shopping-Center anschaut. Es gibt so viel in Toronto: CN-Tower, Hockey Hall of Fame, China Town, Greek Town, Little Italy, Kensington Market, Yorkville, tolle Museen, Musicals, die unterirdischen Shopping-Zonen „PATH“, die tolle Umgebung hin bis nach Niagara Falls und Niagara on the Lake, der Algonquin Provincial Park (der immerhin kurz Erwähnung findet). Besonders unverständlich fand ich, dass wirklich alles Mögliche umbenannt wurde – selbst die Eishockey-Teams oder gar Straßen. Ich hatte mich sehr auf diese Geschichte gefreut – bin aber irgendwie ziemlich enttäuscht zurückgeblieben nach der Lektüre. Auch, was die Story an sich anging, hat mir da noch irgendwas gefehlt – das wäre auf jeden Fall noch ausbaufähig gewesen, auch die Charaktere und Emotionen hatten noch Entwicklungspotenzial. Der Schreib- und Sprachstil der Autorin hat doch einen positiven Eindruck gegeben.
Vielleicht ist ja in Band 2 dieser Reihe noch mehr Pep – gern lasse ich mich überzeugen, diesen dann noch zu lesen.
Für diesen Band hier gibt es allerdings leider nur 3*** Sterne von mir.

Rezension: Kirsten Wendt – „Back to Love“

Fakten:
Kindle eBook, erschienen: 11.03.2017, 244 Seiten, derzeit leider nicht mehr erhältlich

Autorin:
Kirsten Wendt, Jahrgang 1970, ist gebürtige Nordfriesin und auf Baltrum aufgewachsen. Die Mutter von zwei erwachsenen Kindern arbeitete als Rechtsanwaltsgehilfin, Chefsekretärin und Vertrieblerin, bevor sie sich vor 5 Jahren mit ihrem großen Traum, dem Schreiben, selbstständig machte. Seither veröffentlichte sie (sowohl unter ihrem echten Namen als auch unter Pseudonym) diverse Ratgeber, Erfahrungsberichte, Romane und gemeinsam mit ihrem Partner, dem Krimi-Autor Marcus Hünnebeck (mit dem sie sich mitten im Umzug von Norddeutschland nach Leipzig befindet) neuerdings auch Thriller.

Handlung:
Sandra Brauer ist 46 J. alt und etwas unzufriedene Ehefrau von Robi und Mutter des 9jährigen Moritz. Eines Morgens erwacht sie im Körper ihres 19jährigen Ichs im August 1989 auf – allerdings mit den Erfahrungen und dem Wissen ihrer heutigen Persönlichkeit. Damals ist sie glücklich und frisch verliebt in Chris, der allerdings ihr Herz gebrochen hat damals. Beruflich ist sie damals sehr unglücklich in ihrer Ausbildung zur Rechtsanwaltsgehilfin mit ihrer herrschsüchtigen Chefin. Hat sie etwa die Möglichkeit, durch diese kleine Zeitreise die Vergangenheit nochmal zu durchleben und die Weichen für ihre Zukunft ganz neu zu stellen? Aber wie kommt sie wieder zurück zu ihrem Sohn, den sie so schmerzlich vermisst?

Fazit:
Das Cover ist zwar hübsch und ansprechend, hat aber meiner Meinung mit der Zeit um 1989/90 leider zu wenig zu tun.
Die für das eBook angegebenen 244 Seiten sind in großzügigem Schriftbild auf 25 Kapitel von allerbester Leselänge aufgeteilt.
Schon als die Autorin das Buch erstmals auf ihrer Facebook-Seite angekündigt, hat war ich wahnsinnig neugierig auf die Umsetzung der Story. Ich bin, wie die Autorin, selbst ein Kind der 80er Jahre (also in den 80er Jahren aufgewachsen und erwachsen geworden) und im Dialog mit der Autorin via Facebook haben wir so gar ein paar Parallelen festgestellt.
Sobald ich begonnen hatte, dieses Buch zu lesen, konnte ich gar nicht mehr damit aufhören. Die Geschichte hat mich total gefesselt und ich konnte mich voll und ganz auf diese kleine Zeitreise einlassen. Es war immer Spannung da, wie es wohl weitergeht und welche Auswirkungen die Zeitreise auf Sandras späteres Ich wohl noch so haben wird. Man wird nochmal daran erinnert, dass so viele Dinge, die für uns heute absolut selbstverständlich sind, damals schlichtweg nicht vorhanden oder unmöglich waren, so dass man damals noch fantasiereich improvisieren musste in vielen Bereich des alltäglichen Lebens – und man hat trotzdem gelebt.
Natürlich denkt man automatisch an die eigene Vergangenheit im Jahr 1989 und was man für sein eigenes Leben rückwirkend verändern könnte, wenn man die Möglichkeit hätte. Ich hätte wohl meine Heimatstadt Köln viel eher verlassen, hätte mich nicht von meiner dominanten Mutter in einen Beruf drängen lassen, den ich nie wollte und womit ich noch sehr unglücklich werden sollte und hätte Abitur und Studium durchgezogen. Außerdem hätte ich zeitgeschichtliche Ereignisse wie den Mauerfall gerne live vor Ort erlebt (genau, wie Sandra sich das im Buch gewünscht hat).
Besonders originell fand ich auch die Wendung zum Ende der Geschichte hin! Das Buch ist so toll geschrieben und ich hätte noch ewig weiterlesen können, leider war die Geschichte ziemlich abrupt zu Ende und ein zweiter Teil wurde angekündigt.
In der Vorbereitung zu meiner Rezension habe ich dann erfahren, dass die Autorin das Buch mittlerweile vom Markt genommen hat, weil es auf Verlagsinteresse gestoßen ist. Wer es also gern lesen möchte, muss jetzt stark sein und noch eine ganze Weile Geduld aufbringen, weil die Planung bei Verlagen ja meist schon ein paar Jahre im Voraus getroffen wird. Aber ich freue mich für das Buch, die Autorin und für die Fortsetzung, dass Verlage auf diese großartige Geschichte aufmerksam geworden sind – das ist absolut verdient. Ich bin so neugierig, wie Sandras Vergangenheit und ihr zukünftiges Leben weitergehen …
Ich habe mich grandios unterhalten gefühlt und hatte sehr viel Spaß bei dieser Zeitreise – daher gibt es von mir höchste Punktzahl: Eine 5*****-Leseempfehlung!

Rezension: Claudia Thesenfitz – „Meer Liebe auf Sylt“

Fakten:
Taschenbuch, Ullstein, erschienen: 10.03.2017, 266 Seiten, 9,99€ – als eBook erhältlich

Autorin:
Claudia Thesenfitz wurde 1967 in Berlin geboren. Schon während ihres Germanistik- und Anglistik-Studiums an der Universität Hamburg war sie freie Mitarbeiterin bei diversen Zeitschriften. Ihre Pressearbeit setzte sich danach fort mit Tätigkeiten als Volontärin, Redakteurin, Ressortleiterin und freie Journalistin und Autorin mit ganz unterschiedlichen Arbeiten für Frauen-, Promi- und Lifestyle-Magazine. Zudem ist sie Absolventin der Hamburger Drehbuchautoren-Schule. In Anthologien veröffentlichte Kurzgeschichten und ist Co-Autorin verschiedener Promi-Biographien (Nena, Dieter Wedel, Uwe Ochsenknecht u. a.). Mit „Sylt oder Selters“ veröffentlichte sie im Mai 2015 sehr erfolgreich ihren ersten (Glücks-)Roman im Ullstein-Verlag. „Meer Liebe auf Sylt“ ist ihr zweiter Roman.

Handlung:
Die 27jährige Alexandra hat einen Sommer-Job als Yoga-Lehrerin auf Sylt, während ihr Mann Marcus in New York Karriere als Jurist macht. Als der Verdacht aufkommt, dass Marcus Alexandra in NY betrügt, macht sich diese kurzentschlossen auf den Weg dorthin, um ihre Ehe zu retten. Die Betreuung ihrer 2jährigen Tochter Emma drückt sie kurzerhand ihrer Mutter und Schwiegermutter aufs Auge, die eigentlich nur zum Geburtstag ihrer Enkelin nach Sylt gereist sind. Die beiden Omas könnten nicht unterschiedlicher sein: Henrietta, Alexandras mondäne Mutter ist 59 J. alt, verheiratet, immer gestylt und gepflegt als erfolgreiche Chefredakteurin bei einer Frauenzeitschrift in Hamburg; ihre beiden Töchter waren mehr so nebenher in ihrem Leben vertreten. Ulla, die Schwiegermutter, ist ein paar Jahre jünger, überzeugte Veganerin, Esoterikerin, Yoga-Anhängerin und eher so ein naturbelassener Typ. Zur Unterstützung reist dann auch noch Alexandras 39jährige Schwester Jana an. Alle miteinander verbindet die Liebe zu Emma. Aber was bringt die gemeinsame Zeit auf Sylt den drei Frauen sonst noch an Veränderungen im Leben?!

Fazit:
Die Gestaltung des Covers ist maritim, sommerlich und so, das man in der Buchhandlung garantiert nach diesem Buch greift – auch, wenn das Foto ein wenig unproportional zusammengesetzt wirkt. Das Cover orientiert sich optisch am ersten Sylt-Roman von Claudia Thesenfitz „Sylt oder Selters“.
Das Schriftbild ist sehr großzügig und die 45 Kapitel (wenn ich richtig gezählt habe) sind schön kurz, so dass man sie einfach mal zwischendurch lesen kann. Meist wird aus der Perspektive einer einzelnen Protagonistin erzählt, zum Ende hin mischt sich das dann immer mehr, so dass aus der Sicht aller berichtet wird und die Kapitel allgemeiner gehalten sind.
Zuerst dachte ich: Oh, wie toll – dieser Roman führt mich mit Sylt, Mallorca und New York ja offenbar an einige der schönsten Fleckchen der Erde, aber dann konzentrierte sich die gesamte Handlung nur noch in Richtung Sylt – und zwar ausschließlich auf die Schicki-Micki-Version von Sylt mit Austern, Strand, FKK, Yoga und einer ganze Menge Klischees. Bis zur Buchmitte fand ich die Geschichte noch ganz lustig, aber irgendwann hatte ich das Gefühl, dass irgendwie sämtliche Ressorts von Frauenzeitschriften den Protagonistinnen klischeehaft zugeschoben werden: Make-Up, Pflege, Mode, Reise, Ernährung/Veganismus, Lifestyle, SUVs, ältere Frau/jüngerer Mann, Ehebruch, das Ticken der biologischen Uhr von Frauen um die 40, Yoga, Umstyling usw., vielleicht auch, weil die Autorin ja selbst freie Journalistin für Frauen- und Lifestyle-Magzine ist.
Der Aktionsradius der Protagonistinnen wird im Verlauf der Geschichte leider immer kleiner und damit flacht auch die Story ab. Ich konnte mich auch mit keiner Person aus dem Roman irgendwie identifizieren oder die Story mitleben – dazu war mir alles ein wenig zu abwegig. Unrealistisch fand ich auch, dass Alexandra ohne ihre 2jährige Tochter nach New York abreist und gleich mehrere Wochen fortbleibt. Und auch aus dem Konflikt der beiden so unterschiedlichen Omas hätte man sicher noch einiges mehr auf witzige Weise herausarbeiten können.
Eigentlich hatte ich mich sehr auf das Erscheinen des Buches gefreut, aber so richtig als „Glücksroman“ habe ich das Buch jetzt nicht empfunden, auch wenn am Ende nicht mit Happy Ends gespart wird und das Ende mich wieder ein wenig versöhnt mit dem Rest der Story.
In meiner persönlichen Bewertungsskala sind das sehr gute 3*** Sterne (leider knapp an den 4 Sternen vorbei).
Ich werde auf jeden Fall „Sylt oder Selters“ von Claudia Thesenfitz auch unbedingt noch lesen.

Rezension: Adriana Altaras – „Das Meer und ich waren im besten Alter – Geschichten aus meinem Alltag“

Fakten:
Taschenbuch, Kiepenheuer & Witsch (KiWi), erschienen 09.03.2017, 215 Seiten, 8,99€

Autorin:
Adriana Altaras wurde 1960 in Zagreb geboren, verbrachte Kindheit und Jugend und Italien, der Schweiz und in Deutschland. Ihr Schauspielstudium absolvierte sie in Berlin und New York. Sie ist Schauspielerin, Theaterregisseurin und Autorin und hat für ihre kulturelle Arbeit bereits viele Preise erhalten. Mit ihrem Mann und ihren beiden Söhnen lebt sie in Berlin. Dieser Kurzgeschichten-Band ist nach „Titos Brille“ (2011), wo sie über die Lebensgeschichte ihrer Eltern berichtet und „Doitscha“ (2014), in dem sie das Leben ihrer eigenen deutsch-jüdischen Familie schildert, nun ihr drittes Buch.

Handlung:
In ganz unterschiedlichen Kurzgeschichten – über die vier Jahreszeiten verteilt – berichtet Adriana Altaras mit ihrem ganz besonderen Humor und ihrer besonderen Beobachtungsgabe für ihre Umgebung über allerlei Geschehnisse aus ihrem Alltag und nimmt die Leser mit auf eine Reise in ihre Jugend, zu politischen Ereignissen, zu Familienfesten.

Fazit:
Der Name Adriana Altaras begleitet mich tatsächlich schon seit meiner Jugend. Sie hat zu Beginn ihrer Schauspielkarriere Mitte/Ende der 90er mitgewirkt in diversen Episoden der Kurz-Serie „Die Vier aus der Zwischenzeit“ im Berliner Jugendmagazin „45 Fieber“ vom Berliner SFB und studierte an jener Hochschule Schauspiel (bzw. lehrte dort auch später), an der ich selbst seit 2014 arbeite. Und in diversen Talkshows habe ich immer ihre lebhaften Buchvorstellungen bewundert.
„Das Meer und ich waren im besten Alter“ ist nun das erste Buch, das ich von ihr gelesen habe, obwohl „Doitscha“ auch noch – bisher leider ungelesen, was aber sicher nicht mehr lange so bleibt – in meinem Bücherregal vertreten ist.
Dieser Kurzgeschichten Band trägt den Untertitel „Geschichten aus meinem Alltag“ – jedoch eines ist der Alltag von Adriana Altaras ganz sicher nicht: Alltäglich 😉
Das Cover ist in Wellen in unterschiedlichem Hellblau gehalten mit einem Porträtfoto der Autorin und Fisch und Fahrrad, die in dem Buch auch ihren Platz haben.
Das 215 Seiten starke Büchlein ist auf 37 äußerst kurzweilige und sehr facettenreiche Kapitel aufgeteilt, die über Familiäres, Politisches, Historisches, Literarisches und Persönliches berichten. Die Geschichten wecken beim Lesen alle möglichen Emotionen – man kann sowohl herzhaft lachen, wird aber auch zum Nachdenken angeregt und mit deutscher Geschichte konfrontiert. Immer wieder setzt sich Adriana Altaras auch mit der deutsch-jüdischen Geschichte auseinander. Sowohl lustig und unterhaltsam sind die Geschichten über die 95jährige, demente Tante der Autorin, die in mir Erinnerungen an meinen Vater wachrufen.
Wenn es überhaupt eine deutsche Stadt mit New York aufnehmen kann, dann ist es einzig und alleine Berlin und für mich bildet Adriana Altaras mit ihren äußerst lebhaften Erzählungen aus Berlin und ihrem Umfeld in diesem Buch sowie ihrem jüdischen Background ein wunderbares Berliner Pendant zu Lily Brett mit ihren beiden Kurzgeschichten-Bänden aus und über New York (der sie auch äußerlich ein ganz klein wenig ähnelt).
Ich muss allerdings zugeben, dass das Erzähltempo für mein persönliches Empfinden an manchen Stellen doch so rasant war, dass ich nicht so ganz folgen konnte, obwohl mir der Schreibstil sehr gefallen hat. Aber wer Frau Altaras schon mal live erlebt hat, weiß, dass das eben genau sie selbst ist – diese ungebrochene Lebhaftigkeit ;-).
Von mir gibt es für dieses Buch eine wirklich sehr gute 4****-Leseempfehlung – ideal, um es einfach zwischendurch zu lesen und ein wenig Abwechslung in den eigenen Alltag zu bringen.
Vielen Dank auch an Kiepenheuer & Witsch für dieses Rezensionsexemplar 🙂

Rezension: Tanja Wekwerth – „Madame Cléo und das große kleine Glück“

Fakten:
Hardcover (Einband), Harper Collins, erschienen 06.03.2017, 304 Seiten, 14,00€

Autorin:
Tanja Wekwerth, geboren in Berlin, studierte zunächst Sprachen in Paris, wo sie auch eine Zeit lang als Übersetzerin und Model arbeitete und sich in Paris verliebte. Ein späterer Job als Stewardess lieferte ihr nach Beendigung dieser Tätigkeit ausreichend Stoff für ihren ersten Roman „Emma über den Wolken“ (2001). Weitere Romane von ihr sind:  „Das Haus der Hebamme“ (2004), „Esthers Garten“ (2006), „Mitternachtsmädchen“ (2008) und „Ein Hummer macht noch keinen Sommer“ (2013). Über ihr turbulentes Familienleben mit Mann, drei Kindern und zwei Hunden schrieb sie 10 Jahre lang eine Kolumne für die Zeitschrift „Laura“, die ebenfalls in Buchform, in 6 Bänden, erschienen ist. Nicht nur als Autorin beweist sie großes künstlerisches Talent, sondern ebenso als Fotografin und Malerin.

Handlung:
Madame Cléo, ehemals erfolgreiches Model bei Coco Chanel in Paris, lebt in einer Altbauwohnung in Berlin-Schöneberg und weiß nicht, wie sie – trotz ihrer Französisch-Schüler – die Kosten für die nächste Mieterhöhung nach einer Renovierung aufbringen soll. Kurzentschlossen sucht sie sich Untermieter: Der italienische Witwer Adamo, ein Koch, und seine 8jährige Tochter Mimi ziehen bei ihr ein. Als Mimi Cléo eines Tages gesteht, einen Rucksack voller Geldscheine im Park gefunden zu haben, steht das Leben Kopf. Alte Träume und die Sehnsucht nach Paris werden in Cléo wieder geweckt, aber Cléo liegt eigentlich noch viel mehr am Glück anderer …

Fazit:
Ein absolutes WOW-Buch! Ich muss zugeben, dass ich zunächst – bedingt durch den Untertitel „Großstadt-MÄRCHEN“ ein wenig skeptisch war, weil Märchen für mich immer mit einer Portion Grausamkeit verbunden waren. Aber die fehlt hier zum Glück gänzlich und die Story ist einfach nur bezaubernd und ein wenig mystisch <3. Daher musste ich erstmal ein paar Tage mit meiner Rezension warten, weil ich diese wundervolle Geschichte noch ein wenig nachwirken lassen und nachspüren wollte. 
Das erste, was mir beim Blick auf das Cover in den Kopf kam, war „Bohème“ – das ist das, was dieser schnörkelige alte Vogelkäfig mit den Blumen ausstrahlt – und den kann man sich sowohl perfekt auf einem Altbau-Balkon mit schmiedeeiserner, verschnörkelter Brüstung in Paris als auch auch ebenso gut in Berlin-Schöneberg vorstellen. Der Hintergrund des Fotos und der des Schriftzugs sind in warme Rot- und Orange-Töne gehüllt und strahlen Wärme aus. Tanja Wekwerth hat die Geschichte in Berlin-Schöneberg im wirklich hübschen Akazien-Kiez angesiedelt – eine Gegend, die ich selbst kenne und mag.
Der 304 Seiten starke Roman hat 22 Kapitel + Epilog und am Ende als ganz besonderes Schmankerl ein Rezept für Spaghetti Puttanesca à la Adamo, wie sie auch im Buch vorkommen. Die Leselänge der Kapitel sowie das Schriftbild waren für meinen Geschmack wirklich perfekt. Der Schreibstil von Tanja Wekwerth hat etwas blumiges, fast poetisches, dennoch ist die Sprache leicht verständlich und man fliegt geradezu durch die Geschichte. Die Charaktere sind hinreißend gezeichnet – vor Allem die kleine Mimi, die zwar für ihre 8 Jahre ziemlich weise und altklug wirkt, aber auch einen trockenen Humor hat, ist für mich der Star dieses Buches – aber natürlich auch Madame Cléo, die durch den Kontakt zu Mimi ganz neue Ansätze für ihr Leben findet. Das Buch zeigt auf, wie man Selbstzweifel über Bord wirft und – egal, wie alt man ist oder was einem widerfahren ist – man den Mut für einen Neuanfang aufbringt! Und man kann auch das Glück in Dingen und durch Personen finden, wo man es nicht gleich auf Anhieb vermutet. Das Glück der Vergangenheit muss in der Gegenwart nicht mehr das gleiche Gefühl erzeugen, kann einem aber zu einem anderen neuen Glück verhelfen.
Gesellschaftskritisch ist das Buch auch ein wenig: Die Rolle der Senioren in der heutigen Gesellschaft wird hier am Beispiel der (ehemals) mondänen Madame Cléo, aber auch der ärmlichen „Brötchen-Oma“ aufgezeigt. Sehr schön finde ich, wie Tanja Wekwerth in dem Buch auf das typische Multi-Kulti-Miteinander hier in Berlin eingeht: Die Französin Madame Cléo, der Italiener Adamo, der türkische Bauarbeiter Jussuf, der finnische Nachbar, die Alt-Berliner Brötchen-Oma, die indische Restaurant-Besitzerin – und alle haben ein friedliches Miteinander – dit is Berlin 😉
Sehr geschmunzelt habe ich beim Namen des Zahnarztes „Dottore Crisafulli“ – ich habe den Namen so oft gehört, wenn Max Raabe ihn in seinen Konzerten mit einem wunderschön rollenden „R“ ausspricht und seine Geigerin, die so heißt, vorstellt. Der Mann von Tanja Wekwerth ist nämlich Pianist im Palast Orchester von Max Raabe 😉
Dieses Buch hat mich be- und verzaubert! Ich mochte mich gar nicht mehr von Charakteren trennen, weil sie mir alle so sehr ans Herz gewachsen sind! Und wenn ich mal wieder im Akazien-Kiez bin, werde ich bestimmt an die Protagonisten aus diesem Buch denken <3. Das Ende war so schön, dass ich einen Kloß im Hals und Tränchen im Auge hatte und mit einem warmen Gefühl im Herzen zurück geblieben bin.
Für mich persönlich ist dieses Buch jetzt schon eines der (wenn nicht sogar DAS) Lese-Highlight(s) 2017!
Daher gibt es von mir für dieses tolle, außergewöhnliche Buch eine 5*****+++ Leseempfehlung!

Rezension: Martha Sophie Marcus – „Kaffeeklatsch mit Goldfisch“

img_3747Fakten:
Taschenbuch, Goldmann, Erscheinungsdatum: 16.02.2015, 318 Seiten, 8,99€ – auch als eBook erhältlich

Autorin:
Die Autorin Martha Sophie Marcus wurde 1972 im Schaumburger Landkreis geboren. Schon in ihrer Kindheit waren Bücher – ebenso wie Haustiere – reichlich vertreten. Nach dem Abitur studierte sie in Hannover Germanistik, Pädagogik und Soziologie – Schwerpunkt: Geschichtliche Aspekte. Danach lebte sie 2 J. in der historischen Stadt Cambridge/GB. Seit 2010 hat sie als Autorin erfolgreich einige historische Romane veröffentlicht und ein Kinder-/Jugendbuch. „Kaffeeklatsch mit Goldfisch“ ist ihr erster Roman im Genre „Frauenliteratur“. Mit ihrer Familie, die Mann, zwei Kinder, Hund und Katze umfasst, lebt sie im malerischen Lüneburg.

Handlung:
Die Apothekerin Antonia, 42 J., zernagen kurz vor dem 20. Hochzeitstag Selbstzweifel: Liebt ihr Mann Monty sie noch, war ihr Weg in die Selbstständigkeit mit der eigenen Apotheke richtig oder kommen ihre beiden pubertierenden Töchter seither zu kurz? Und auch ihre beste Freundin Helen hat Eheprobleme, während das Problem „kein Mann“ eher die 6fache Mutter und ehem. Mitschülerin Petra sehr belastet, die mit ihrer Großfamilie in sozial schwachen Verhältnissen lebt. Und Antonias junge PTA Carolin hat sehr mit ihrer Schüchternheit gegenüber Männern zu kämpfen. Doch so unterschiedlich diese Frauen sind: Als in ihrer Heimat Jeetzeburg die Elbe über die Ufer tritt, tun sie sich zusammen, um der alten Grundschullehrerin, Frau Lilienthal, dabei tatkräftig zu helfen, ihr geliebtes Fachwerkhaus und deren Erinnerungen vor den Fluten zu schützen. Auf einmal setzt das Leben ganz neue Prioritäten und fordert Zusammenhalt und alle verstehen, was wirklich wichtig ist im Leben.

Fazit:
Dieser Roman lag jetzt ziemlich lange auf meinem SuB und ich kann ehrlich gesagt nicht verstehen, dass ich ihn nicht schon früher gelesen habe, denn er hat mir wirklich super gefallen.
Das Cover ist hübsch gestaltet, reisst mich aber jetzt auch nicht total in Begeisterung, was wohl eher am persönlichen Geschmack liegt, weil ich so gar kein Fan der Farbe Gelb bin 😉
Wenn ich richtig gezählt habe, sind die 318 Seiten auf 29 Kapitel + Nachwort verteilt. Das Schriftbild ist normal und die Kapitellänge für mein Leseverhalten wirklich meist (bis auf auf wenige Ausnahmen) optimal.
Sehr gefallen hat mir bei der Kapitel-Aufteilung, dass sich jedes Kapitel einer der Protagonistinnen widmet und somit immer als Überschrift deren Namen trägt.
Da Martha Sophie Marcus bisher im Genre der historischen Romane bekannt ist, ein Genre, das ich selbst nicht so gerne lese, war mir die Autorin auch noch nicht bekannt.
Der Klappentext lässt zunächst einen typischen Frauen-Roman vermuten – ich finde allerdings, dass dieser Roman sehr viel mehr ist und bietet: Ein Generationen-Roman, Lebensratgeber und irgendwie ein Herzensbuch, obwohl es sich hier nicht um einen Liebesroman handelt. Martha Sophie Marcus ist es gelungen, die 2013 aktuellen Hochwasserereignisse mit einer hübschen fiktiven Stadt (Jeetzeburg), sehr realistischen Charakteren mit Problemen, wie sie auch jede der Leserinnen im eigenen Leben haben könnte, viel Lebensweisheit und einem Schreibstil sprachlich dicht am echten Leben zu einer wundervollen Wohlfühlgeschichte zusammenzufügen.
Die Autorin hat hier gezeigt, dass ein Roman auch noch toll ist und nachhaltig wirkt, wenn man nicht auf allen Ebenen ein Happy End erzielt – so, wie das Leben eben ist 🙂
Ich habe diese Geschichte, die zeigt dass Zusammenhalt, Freundschaft, Anerkennung und Respekt sich jenseits von Alter, Generationsunterschieden, sozialem Status oder familiärer Situation abspielen können und sollten, wirklich sehr gemocht und vergebe hierfür – auch, wenn sie mal kleine Längen hatte – eine 5*****-Leseempfehlung.
Sollte die Autorin noch weitere Romane in diesem Genre schreiben, werde ich ganz sicher wieder etwas von ihr lesen.

Rezension: Sophie Kinsella – „Shopaholic & Family“

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Taschenbuch (Paperback = Doppelumschlag), Goldmann, erschienen 13.06.2016, 379 Seiten, 9,99€ – auch als eBook und Hörbuch erhältlich.

Autorin:
Die britische Autorin Sophie Kinsella, geb. am 12.12.1969 in London, schrieb ihre ersten Werke mit 24 J. unter ihrem realen Namen Madeleine Wickham. Sie arbeitete zunächst als Wirtschaftsjournalistin und schrieb in dieser Zeit unter dem Pseudonym “Sophie Kinsella” ihren ersten großen Beststeller “Die Schnäppchenjägerin” (Original: “Shopaholic”) aus der mit diesem vorerst letzten Band nunmehr 8 Titel umfassenden Reihe um die romantische, leicht anstrengende und chronisch shopping-süchtige Chaotin Becky Bloomwood (verheiratete Brandon). Der 1. und 2. Teil wurde sogar in einem Film sehr erfolgreich auf die internationalen Kino-Leinwände gebracht, mit der Schauspielerin Isla Fisher in der Hauptrolle – siehe auch dieses Cover. Viele weitere romantische Frauen-Komödien summieren sich dazu und jede Neuerscheinung der Autorin wird ein Bestseller. Mit „Schau mir in die Augen, Audrey“ veröffentlichte sie im Juli 2015 bei cbj ihren ersten Jugendroman in Deutschland. Ihre Schwester, Gemma Townley, hat vor einer Weile ebenfalls einige beliebte Frauen-Romane veröffentlicht. Sophie Kinsella lebt mit Mann und vier Kindern in London.

Handlung:
Während Becky Brandon und ihr Mann Luke versucht haben, in Hollywood geschäftlich Fuß zu fassen, hat ihr Vater andere Probleme: In Erinnerung an alte Zeiten hat er sich auf den Weg Richtung Las Vegas gemacht, um einem alten Freund einen Gefallen zu tun. Mehr weiß die Familie nicht – außer, dass er in Begleitung von Tarkie, dem leicht labilen Mann von Beckys bester Freundin Suze, und Bryce, einem Wellness-Guru aus dem „Golden Peace“, dem Yoga-Imperium von Beckys Erzfeindin Alicia unterwegs ist. Luke, Becky, Töchterchen Minnie, Beckys Mum mit Nachbarin Janice, Suze sowie Erzfeindin Alicia begeben sich in einem Caravan auf den Roadtrip ihres Lebens nach Las Vegas, um Beckys Dad und Tarkie zu finden. Aber, ist die Suche nach den Beiden wirklich von Erfolg gekrönt? Wird Beckys Dad es schaffen, Fehler aus der Vergangenheit beizulegen? Oder verändert dieser Roadtrip sogar das Leben aller Betroffenen nochmal nachhaltig?

Fazit:
Auch dieses Taschenbuch ist wieder als Paperback (doppelter Umschlag) für günstige 9,99€ in wirklich hochwertiger Qualität erschienen.
Das Cover ist zwar farblich sehr hübsch gestaltet, hat aber mit dem Titel und der Story leider irgendwie gar nichts zu tun – also anders, als bei den bisherigen Bänden.
Die 379 Seiten beinhalten 19 Kapitel in angenehmem Schriftbild mit einigen originellen Briefwechseln von Becky – u. a. mit ihrem pensionierten Bank-Berater Derek Smeath – plus Dankeswort. Die Kapitel hätten für meinen Geschmack gern manchmal etwas kürzer sein dürfen – vor Allem das ziemlich lange 10. Kapitel.
Dieser Roman hat mich zwar wieder bestens unterhalten, dennoch muss ich zugeben, dass mich die „Schnäppchenjägerin“-Romane lange nicht mehr so mitreißt, wie die ersten Bände damals.
Während der letzte Band „Shopaholic in Hollywood“ ja irgendwie so ein Übergangsbuch zu dieser Geschichte hier war, ist dieses Buch hier jetzt nun offenbar das Finale. Sophie Kinsella hat bei ihrer Buchvorstellung in Berlin angekündigt, dass dies vorerst der letzte „Shopaholic“-Band sein wird und sie sich erstmal den vielen anderen Buch-Ideen widmen möchte, die sie noch verwirklichen möchte.
Da die Geschichten um Becky immer aberwitziger und unrealistischer wurden, hatte man auch manchmal das Gefühl, dass die Geschichten aus Beckys Leben langsam wirklich ausgeschöpft sind.
Für dieses Finale hat sich Sophie Kinsella ein schönes Ende einfallen lassen, mit dem man als Leserin gut lebt und Becky und ihre Familie und Freunde erstmal in guter Erinnerung behält. Und vielleicht gibt es in einigen Jahren ja doch nochmal ein Wiederlesen …
Von mir gibt es für alle eingefleischten Fans von Sophie Kinsella und Becky Brandon eine 4****-Sterne-Leseempfehlung – das Finale ist ein Must Have, eben auch, weil es der vorerst letzte Band dieser Reihe ist.

 

Rezension: Ines Thorn – „Ein Stern über Sylt“

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Hardcover (Einband), Rütten & Löning im Aufbau-Verlag Berlin, Erscheinungsdatum: 19.09.2016, 144 Seiten, 12,00 €  (auch als eBook erhältlich)

Autorin:
Die 1964 in Leipzig geborene Autorin Ines Thorn machte im Anschluss an ihre Kindheit in Leipzig zunächst eine Ausbildung zur Volksbuchhändlerin bevor sie heiratete und in eine Familienphase startete. Nach dem Ende ihrer 1. Ehe begann sie in Frankfurt/Main mit einem Studium in Germanistik und Slawistik, das sie jedoch ohne Abschluss beendete und dann als Werbetexterin, Bibliothekarin und Korrektorin arbeitete. 2000 veröffentlichte sie ihren ersten historischen Roman im Heyne-Verlag, auf den noch sehr viele weitere folgten, ebenso wie ein Studium der Kulturwissenschaften und der Schritt in die Selbstständigkeit. Seit 2003 widmet sich die Autorin gänzlich dem Schreiben historischer Romane und Krimis.

Handlung:
Thiemo, Student aus Bremen, entscheidet sich, die Weihnachtsfeiertage mit seinen reichen Freunden von der Uni im Ferienhaus von deren Eltern in Kampen auf Sylt zu verbringen. Er schlägt damit gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Zum Einen ist sein Schwarm, die verwöhnte Victoria, ebenfalls mit dabei; zum Anderen kann er in seiner ehemaligen Heimat Sylt gleich ein wenig Forschung für sein Geowissenschaft-Studium betreiben. Schnell bekommt er Zweifel an seinen wohlhabenden, sorglosen Freunden, aber dennoch stiehlt er in einem unbeobachteten Moment einer alten Dame Geld, um Victoria mit einem teuren Geschenk für sich gewinnen zu können. Als er seinen Diebstahl der alten Dame beichten und gut machen will, behandelt diese ihn wie ein lang erwartetes Familienmitglied und Thiemos Leben geht auf einmal ganz andere Wege.

Fazit:
Eine eingeschneite Laterne auf einem Dünenweg zum Meer hin als Wegweiser auf dem Cover, kann man im übertragenen Sinne auf Thiemos Geschichte beziehen. Das Cover wirkt ruhig und romantisch.
Ruhig war ich leider nicht mehr, als ich gemerkt habe, was der Verlag bei diesem verhältnismäßig hohen Preis von 12 € für ein mit 144 Seiten angegebenes Buch, dem Leser tatsächlich für eine Mogelpackung untergejubelt hat! Normalerweise bin ich nicht so kleinlich, aber hier wurde ein Buch, das normalerweise wahrscheinlich als Kurzgeschichte mit 50 bis 70 Seiten auskommt, künstlich in die Länge gezogen durch ein sehr großzügiges Schriftbild; 4 Seiten Vorlauf mit Impressum, Titel, Autorenporträt; 9 Seiten auf die ausschließlich die jeweilige Kapitel-Nr. gedruckt war; 15 gänzlich unbedruckte Seiten zwischen den Kapiteln und dann noch eine 8seitige Leseprobe eines anderen Romans – also 36 von 144 Seiten sinnlos verschwendet; außerdem beginnt jedes Kapitel im erst mittleren Drittel einer Seite! Das ist wirklich ein ziemlich mieses Preis-/Leistungsverhältnis – nur weil es ein Hardcover ist, kostet dieses Büchlein (mehr ist es echt nicht) 12 €! Eine ziemlich üble Preispolitik des Verlages!
Die Grundidee der Story ist wirklich nett gedacht und auch angenehm und schön geschrieben, aber einige Seiten mehr hätten diesem Roman wirklich sehr gut getan! Es ist wirklich schade, denn hier wäre so viel mehr möglich gewesen. Stattdessen fliegt man im Eiltempo durch eine wirklich schöne Geschichte, die aber an einigen Stellen – obwohl schon so kurz – auch nochmal extra gekürzt und stückweise fast unlogisch wirkt. Mit ein paar erklärenden Ausschmückungen mehr, ein paar Rückblicken – z. B. auf Thiemos Kindheit oder seine Familie, oder auch die seiner Freunde, würden viele Gedanken und Handlungen der Protagonisten vielleicht viel schlüssiger. Auch die Dialoge haben irgendwie was Gestelztes. Die Geschichte wirkt auf mich eher wie ein Exposé und hat für mich etwas Unvollständiges. Das Ende wird dann im Eiltempo, ohne nochmal groß Zeit mit Text zu verlieren, geradezu herbeigaloppiert und ist total irrwegig konstruiert nach dem Motto „Hauptsache Happy End“.
Die 3*** gibt es von mir für die nette Basis, aus der aber leider viel, viel zu wenig herausgeholt wurde.

Rezension: Ira Severin – „Lebkuchenküsse“

img_3692Fakten:
Hardcover (Einband in Schutzumschlag), Lübbe, Erscheinungsdatum: 10.09.2015,
253 Seiten, 10,00 €  (auch als eBook erhältlich)

Autorin:
Ira Severin ist eine deutsche Autorin, die nach ihrem Studium in Anglistik und Germanistik zunächst in „normalen“ Berufen arbeitete, bevor sie sich letztlich ganz dem Schreiben – ihrer größten Leidenschaft – hingab. Sie lebt zusammen mit Mann und Hund in einer niedersächsischen Kleinstadt. Ebenfalls bei Lübbe erschien im Dezember 2016 ihr Katzen-Krimi „Jamie und die Schlange im Paradies“.

Handlung:
Seit die 30jährige Laura vor ein paar Jahren zu Weihnachten ihren langjährigen Freund Sven in flagranti mit ihrer bis dahin noch besten Freundin erwischte, hasst sie verständlicherweise Weihnachten wie die Pest. Daher erklärt sie sich auch bereit, sich in der Vorweihnachtszeit um das Lokal ihrer Mutter auf der Schwäbischen Alb zu kümmern, damit ihre Mutter zu ihrem neuen Freund in die Schweiz reisen kann. Wie es im Dorf so ist, wissen fast alle Bewohner, was Laura damals widerfuhr. Und zu allem Überfluss begegnet ihr bei jeder Gelegenheit Niklas, ehemaliger Mitschüler und der Hotelierssohn des Ortes, mit dem sie schon seit der Kindheit eine stille Feindschaft verbindet. Und trotzdem überkommt Laura bei jeder Begegnung mit ihm plötzlich ein wohliges Gefühl. Sollte er sich wirklich so sehr geändert haben?

Fazit:
Auf dem Cover ist ein niedliches Lebkuchenfiguren-Pärchen zu sehen, drumherum Schnörkel und Mistelzweige – das Ganze auf braunem, pack- oder auch backpapierähnlichem Hintergrund – hübsch und weihnachtlich.
Der Roman umfasst 17 Kapitel, Prolog, Nachwort mit Danksagung und als besonderes Goodie fünf weihnachtliche Rezepte, die zum Nachkochen, Nachbacken und Trinken einladen und die auch in dem Buch vorkommen. Jeder Kapitel-Beginn wird am oberen Rand von dem süßen Lebkuchen-Pärchen begleitet.
Eigentlich ist dies eine Story, bei der man ziemlich schnell weiß, in welche Richtung das Ganze gehen wird.
Die mitwirkenden Charaktere sind durchweg sympathisch und realistisch gezeichnet und man fühlt sich gleich wohl im fiktiven schwäbischen Örtchen Trillingen. Auch die Story ist nicht abwegig, wenn auch typisch weihnachtlich süß mit viel watteweichem Schnee.
Der Schreibstil der Autorin ist angenehm und das Buch lässt sich dadurch auch schnell weglesen. Ich bin auf jeden Fall gespannt, ob die Autorin nach ihrem gerade erschienenen Katzen-Krimi, auch mal wieder in diesem Genre hier etwas schreibt. Ich würde es gern lesen.
Eine Lese-Empfehlung mit 5***** weihnachtlichen Sternen für diesen netten Weihnachtsroman.

Rezension: Anne Blum – „Hasen feiern kein Weihnachten“

img_3634Fakten:
Taschenbuch, Berlin Verlag (Ullstein Gruppe), Erscheinungsdatum: 04.10.2016, 235 Seiten, 9,00 €

Autorin:
Anne Blum wurde, wie ihre aktuelle Roman-Heldin, ebenfalls an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste geboren. Sie studierte Theaterwissenschaft und Literatur. Nach dem Studium arbeitete sie zunächst als freie Hörfunk-Journalistin. Inzwischen ist sie Drehbuchautorin und verwirklicht Komödien für die öffentlich-rechtlichen TV-Sender. Mit „Hasen feiern kein Weihnachten“ veröffentlichte sie ihren Debüt-Roman.

Handlung:
Die 35jährige Tessa verbringt mit ihrem Freund, dem Weihnachtsmuffel und erfolglosen Schauspieler Ole, die Feiertage schon seit Jahren immer in Thailand. Als sie kurz vor dem geplanten Strandurlaub von der Firmenweihnachtsfeier heimkommt und ihn mit neuen Dessous überraschen will, erlebt sie eine – sehr unangenehme – Überraschung: Ole in flagranti mit der Nachbarin. Tessa schmeißt ihn kurzerhand aus der gemeinsamen Wohnung und verbringt Weihnachten mit ihrer Familie im heimischen Kappeln an der Schlei, die echte Weihnachtsjunkies sind. Auch, wenn es ein wenig Zwist unter den drei Schwestern gibt, so merkt Tessa doch bald, was ihr so lange gefehlt hat. Ole, der plötzlich dort im Hasenkostüm vor der Türe steht, scheint es nicht zu sein, aber beim Wiedersehen mit ihrem ehemaligen Mitschüler Sven schlägt ihr Herz deutlich schneller. Mitten im Gefühlsgewirr muss Tessa dann erfahren, was wirklich wichtig ist im Leben …

Fazit:
Das Cover zeigt einen Hasen im Schnee, der im entfernteren Sinn auch etwas mit der Story zu tun hat und ziemlich neugierig macht auf den Inhalt des Buches.
Die 235 Seiten sind in einem großzügigen, für die Augen angenehmen Schriftbild bedruckt und jeder Kapitel-Anfang ist mit einigen Schneeflocken verziert.
Durch den sehr angenehmen Schreibstil kommt man leicht in die Geschichte hinein und langweilt sich zu keinem Moment der Lektüre.
Ich bin durch die Tipps einiger anderer Blogger auf diesen Weihnachtsroman aufmerksam geworden und irgendwann konnte ich gar nicht mehr anders, als das Buch selbst zu lesen. Ich mag Weihnachtsgeschichten, allerdings nur, wenn sie nicht zu schnulzig und süßlich-klebrig gestrickt sind. Und genau das habe ich bei dieser Geschichte gefunden: Die Story ist sehr realistisch geplottet, die Charaktere sind liebenswürdig und lebensecht und man kann die Geschichte mitleben und fühlt sich auf Anhieb wohl in Tessas Familie – vor Allem, wenn man selbst immer eine solches Familienleben vermisst hat. Obwohl ich noch jede Menge Weihnachtsromane auf dem SuB habe, war es genau dieses Buch, das ich exakt jetzt lesen musste und das mich wirklich von Anfang bis Ende begeistert hat. Eine Geschichte mitten aus dem Leben mit tollen Charakteren, warmherzig erzählt. Ich würde mich freuen, wenn dies nicht der letzte Roman der Autorin bleibt und würde gerne mehr in diesem Stil von ihr lesen.
5***** Sterne für diese wirklich schöne Weihnachtsgeschichte und eine Leseempfehlung für die Feiertage 🙂