Rezension: Petra Hülsmann – „Glück ist, wenn man trotzdem liebt“

Fakten:
Taschenbuch, Bastei Lübbe, erschienen: 10.06.2016, 415 Seiten, 9,99€ – auch als eBook und Hörbuch erhältlich

Autorin:
Petra Hülsmann, wurde 1976 in Lohne/Niedersachsen geboren, wo sie auch aufwuchs. Nach dem Abitur studierte sie – bis zum Abbruch – Germanistik und Kulturwissenschaften in Bremen. Sie absolvierte dann erfolgreich eine Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin und arbeitete einige Jahre als Sekretärin in Anwaltskanzleien. 2013 reiste sie 1/2 Jahr lang mit dem Rucksack durch Südostasien. Mit ihrem Mann lebt sie in Hamburg. Ihr sehr erfolgreicher Debüt-Roman und zudem Spiegel-Beststeller war 2014 „Hummeln im Herzen“, danach erschien bei Bastei Lübbe von ihr noch „Wenn Schmetterlinge Loopings fliegen“ und „Glück ist, wenn man trotzdem liebt“ (10.06.2016) sowie am 26.05.2017 „Das Leben fällt wohin es will“.

Handlung:
Isabelle klammert sich mit ihren 28 Jahren geradezu an ihr geregeltes Leben: Ihr Mittagessen ist immer eine Nudelsuppe im vietnamesischen Imbiss von Mr. Lee, abends schaut sie ihre Lieblingssoap „Liebe, Liebe, Liebe“ und ihre sonstigen Abende sind gerecht verteilt auf den Friedhofsbesuch am Grab ihres Vaters, ein Treffen mit ihrer Mutter, ihren Sport-Kurs, Wohnung saubermachen und Freunde treffen. Und für die Zukunft weiß sie auch schon ganz genau, dass sie später einmal den Blumenladen, in dem sie seit ihrer Ausbildung arbeitet, übernehmen wird und wie ihr Traummann und das erste Aufeinandertreffen ist. Als gleich mehrere dieser festen Konstanten in ihren Leben wegbrechen, muss sie sich gezwungenermaßen den Veränderungen stellen. Inwiefern Jens, der Besitzer des Restaurant „Thiels – dem Nachfolge-Lokal von Mr. Lee – ihr dabei hilft und vielleicht trotz vieler Differenzen vielleicht sogar eine neue Konstante in ihr Leben bringen kann, bleibt abzuwarten …

Fazit:
Also gleich zu Beginn kann ich sagen: Ich glaube, es gibt einfach kein Buch von Petra Hülsmann, das mir nicht gefällt. Dieses hier war einfach wieder toll!
Aber zuerst mal zum Cover: Sowohl Farbauswahl als auch die Blumen passen herrlich zu dieser sommerlichen Geschichte, zumal die Protagonistin ja in einem Blumenladen arbeitet. Die Farben sind einfach perfekt und toll anzuschauen.
Das Buch ist aufgeteilt in insgesamt 20 – zumeist etwas längere – Kapitel, in einem normalen Schriftbild.
Am Ende werden die Leser dann auch noch mit einem „Schokoladenmalheur“, wie es im Buch vorkommt, verwöhnt – oder zumindest mit dem Rezept dafür, damit sich Schokoliebhaber einmal selbst daran versuchen können 😉
Hach, ich weiß gar nicht, wie Petra Hülsmann es immer wieder schafft, aber auch dieses Buch lässt mich, wie seine beiden Vorgänger, wieder mit einem wohligen Seufzer zurück. Die Geschichte ist einfach schön und irgendwie auch mitten aus dem Leben. Und das ist – neben ihrem humorvollen Schreibstil und sprachlicher Authentizität – auch sicher eines der Erfolgsgeheimnisse der Autorin: Die Protagonisten sind immer einfache, bodenständige Charaktere mit ganz normalen Berufen (dieses Mal Floristin und Koch) und kleinen, liebenswürdigen Macken und echten Problemen (wie Angst vor Jobverlust, Trauerbewältigung, Familienproblemen und natürlich Liebeskummer) – das könnten wir selbst oder jemand aus unserem Freundeskreis sein. So, wie auch in dieser Geschichte Isabelle, mit der man lacht, leidet, hofft und sich freut. Ihr Problem sind ihre Verlustängste und sich an alles Beständige zu klammern und ihr ganzes Leben im Voraus zu planen – wohl, weil sie damals bereits als Baby ihren Vater verloren hat. Dies ist auch der Grund, warum sie sich nicht nur von ihrem Vater, sondern auch gleich von ihrem Traummann ein ganz eigenes Bild erschaffen hat. Veränderungen zuzulassen fällt ihr unglaublich schwer und sie muss lernen, dass etwas Neues durchaus auch viel Positives mit sich bringen kann, aber sie hat tolle Freunde, die ihr dabei helfen. Sehr schön fand ich, dass zu ihrem Freundeskreis auch der Taxifahrer Knut gehört, der in den ersten beiden Büchern von Petra Hülsmann bereits jeweils ein kurzes Gastspiel hatte. Nun lernt man ihn endlich etwas besser kennen und er bekommt hier sogar seine eigene kleine (Love-)Story. Sehr erfrischend fand ich auch die 16jährige Merle, die die Geschichte noch lockerer machte.
Am Ende hat es mir mal wieder so richtig leid getan, diese liebgewonnen Charaktere zurückzulassen: Man will unbedingt wissen, wie die Geschichte ausgeht, aber man will gleichzeitig, dass dieses Buch niemals zu Ende ist. Wieder einmal literarische Wellness für die Seele – ich hoffe, dass Petra Hülsmann niemals die Ideen für solche wunderbaren Geschichten ausgehen werden, denn davon kann man einfach nicht genug bekommen, zumal sie auch immer wieder ohne gängige und häufig verwendete Klischees auskommt.
Und Sterne kann man dafür auch gar nicht genug geben, aber das Höchste sind nun leider nur mal 5***** Sterne und die hat dieser wunderbare Roman absolut mehr als verdient ❤

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Rezension: Marie Merburg – „Wellenglitzern“

Fakten:
Taschenbuch, Bastei Lübbe, erschienen: 16.03.2017, 430 Seiten, 10,00€ – auch als eBook erhältlich

Autorin:
Marie Merburg ist das Pseudonym der deutschen Autorin Janine Wilk, die bereits im Genre Jugendbuch und Fantasy sehr bekannt ist. Sie wurde am 07.07.1977 in Mühlacker geboren, studierte an der Hochschule für Bibliotheks- und Informationswesen. Literatur war immer eines der wichtigsten Dinge in ihrem Leben: Mit 11 Jahren schrieb sie bereits erste Geschichte, mit 20 begann sie ihren 1. Roman. Mit ihrem Mann, den beiden Kindern, Hund und Katze lebt sie in der Nähe von Heilbronn. Der nächste Marie Merburg-Roman „Inselleuchten“ erscheint am 23.02.2018.

Handlung:
Sophie ist 44 Jahre und ihre Söhne sind mittlerweile aus dem Haus und beide im Studium. Ein idealer Zeitpunkt um ihrer Ehe neuen Drive zu geben und gemeinsam mit ihrem Mann den schon so lange anvisierten Segelkurs zu machen, denkt sie. Doch ihr Mann Felix, ein langweiliger Steuerberater, denkt überhaupt nicht daran und somit wirft die schon lange unglückliche Sophie gleich mal ihre Ehe über Bord und startet alleine nach Rügen zu ihrem Segelkurs, als einzige Frau unter Männern mit einem sehr attraktiven Segellehrer. Sie schließt neue Freundschaften auf der wunderschönen Insel und merkt schon bald, dass nicht nur ihre Ehe, sondern auch ihr sonstiges Leben in den letzten Jahren etwas seekrank war und wie groß der Wunsch ist, ihren Kompass des Lebens nochmal ganz neu auszurichten …

Fazit:
Ein wunderschönes, maritimes Cover, mit Strand(-korb), Meer und der Küste Rügens sowie eine geschmacklich sehr hübsche Farbauswahl und dem Titel in Glitzerbuchstaben lacht die Leser an – sehr gelungen und weckt den Wunsch, so bald wie möglich mal wieder nach Rügen zu fahren.
Die Story ist auf insgesamt 37 Kapitel + Epilog aufgeteilt, das alles bei perfekter Leselänge der Kapitel und angenehm lesbarem Schriftbild.
Das hier war mal wieder ein Buch, das bei der damaligen Durchsicht der Verlagsvorschauen sowohl durch Titel als auch durch Klappentext direkt den Weg auf meine Wunschliste gefunden hat – zumal ich selbst sehr großer Fan von Rügen bin und dort bereits selbst mehrere Urlaube verbracht habe.
Dieser Roman hatte irgendwie alles, was mein Leserinnen-Herz begehrt: Eine herrlich unperfekte und etwas chaotische Protagonistin, liebenswerte Missgeschicke, viel Humor, nette Nebencharaktere, Romantik und ein bisschen Drama – und das alles vor der wunderschönen Kulisse der Trauminsel Rügen. Nebenher erfährt man noch ein wenig übers Segeln und lernt durch die liebevollen und detaillierten Beschreibungen einzelne Orte der Insel noch ein wenig besser kennen. Bei meinem nächsten Besuch auf Rügen werde ich mir daher ganz sicher auch Glowe, Breege und Bergen endlich mal anschauen.
Ein wirklich schöner und zudem sehr unterhaltsamer Roman, der mich besonders durch die vielen humorvollen Szenen, aber auch dadurch, dass Gefühle nicht zu kurz kommen, überzeugt hat und den ich besonders für die Zielgruppe der Frauen ab 35 sehr empfehlen kann. Das Buch hat das Zeug zum TV-Film. Ich hatte wirklich schöne Lesestunden – wieder so eine Geschichte, von der man sich ungern trennt. Was hier allerdings gar nicht so schlimm ist, denn in der Fortsetzung „Inselleuchten“, die am 23.02.2018 erscheint, wird es um Sophies Schwester Jule gehen, die auf Rügen zu Gast ist. Darauf freue ich mich schon sehr. Aber erstmal gibt es für „Wellenglitzern“ eine 5*****-Sterne Leseempfehlung von mir.

Rezension: Janina Venn-Rosky – „Liebe in Teedosen“

Fakten:
Taschenbuch, Independently Publishing (Amazon), erschienen 22.11.2016, 296 Seiten, 9,99€ – auch als eBook erhältlich

Autorin:
Janina Venn-Rosky wurde in Kiel geboren. Dort und in Hamburg studierte sie nach dem Abitur Literatur, Anglistik, Design und Kunstgeschichte. Nicht nur in ihren Büchern, sondern auch privat hat sie eine Schwäche für Teestunden und England, ebenso für das Meer und Earl Grey-Martinis. Gemeinsam mit ihrem Mann veröffentlichte sie bereits mehrere Fachbücher über Farbtrends, Wohnen und Design. 2015 folgte ihr 1. Roman im Selfpublishing „Die Fee im Absinth“, 2016 dann „Der perfekte Kuss“. Für  „Liebe in Teedosen“ (2016) und die Fortsetzung „Kein Tee für Mr. Darcy“ (2017) wurde sie 2017 für die Longlist des Deutschen Selfpublishing-Preises nominiert. Mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern lebt sie heute in Berlin.

Handlung:
Olivia ist die Besitzerin des Teeladens „Tea Time“ in Berlin-Mitte, wo eines Tages die Möbel-Restauratorin Anastasia aufschlägt, die ganz in der Nähe ihre Werkstatt hat, in der sie in hübschen Pastellfarben alten Möbeln neues Leben einhaucht. Die Beiden freunden sich an und kurze Zeit später stößt die neu nach Berlin gezogene Jane Austen-Bloggerin Jane dazu. Als Olivia nach der endgültigen Trennung von ihrem Ex-Mann ihre Existenz neu erfinden muss, stehen ihr die Freundinnen gemeinsam mit Anastasias 80jähriger, sehr patenter Großmutter zur Seite und sie erweitern gemeinsam das „Tea Time“ um einen Tee-Salon. Obwohl die Frauen eigentlich dem Thema Männer erstmal den Rücken gekehrt haben, können sie sich den Avancen des ein oder anderen männlichen Tee-Freundes nicht so ganz entziehen. Wer wird da wohl zuerst schwach …?

Fazit:
Das Cover, das von der Autorin selbst gestaltet wurde, ist wunderschön und ein echter Blickfang: Würde das Buch im Buchhandel liegen, wäre das auf jeden Fall ein Cover mit hoher Anziehungskraft, nach dem direkt greift. Man sieht, dass die Autorin selbst sehr viel von Farben und Design versteht. Sowohl die Farben (blassblauer Hintergrund und ansonsten überwiegend Pink und Rosa) als auch die sonstige Gestaltung harmonieren perfekt miteinander, zudem nimmt die Cover-Gestaltung Bezug zur Geschichte – die drei Protagonistinnen sind in Scherenschnitt-Optik auf dem Cover zu erkennen, aber auch das Tea-Time und die Blüten Anastasias Großmutter sind in harmonischer, symmetrischer Anordnung vertreten.
Die Geschichte ist aufgeteilt auf 27 Kapitel von sehr angenehmer Leselänge bei normalem Schriftbild. Als besonderen „Leckerbissen“ – im wahrsten Sinn des Wortes – gibt es am Ende noch drei süße Gebäck-Rezepte zu Backwaren, die im Roman oft erwähnt werden.
Das Buch trägt den Untertitel „ein Liebesroman“, wobei die Love-Story nicht aufdringlich im Vordergrund steht, sondern sich eher nebenbei bzw. zum Ende hin erst entwickelt. In dem Buch geht es vielmehr um Freundschaften, Generationen, Neuanfänge und natürlich um Tee. Die Protagonistinnen sind – ebenso wie die meisten Nebencharaktere – allesamt liebenswürdig und extrem nett. Das ist leider auch mein einziger Kritikpunkt: Das Ganze ist fast schon zu nett, übertrieben freundlich und perfekt. Die Geschichte ist wirklich eine absolut entspannende Lektüre und kommt – ebenso wie die Figuren – leider irgendwie auch ohne jegliche Ecken und Kanten und ohne ein wenig Spannung aus und plätschert manchmal einfach so vor sich hin. Mir hat da ein wenig humorvolles Chaos und zumindest ein kleiner Spannungsbogen gefehlt, auch wenn ich die Geschichte nicht ungern gelesen habe. Da hat irgendwie der zündende Funke gefehlt. Schade fand ich auch, dass die Örtlichkeiten in Berlin nur so schwammig (nur Hauptstraße und Berlin-Mitte wurden genannt) erwähnt wurden und es keine richtigen örtlichen Beschreibungen  gab, weil ich es auch immer interessant finde, welche Lokalitäten Vorbild waren und zu einer Geschichte inspirierten – gerade, wenn man selbst auch aus Berlin kommt.
Ich werde in jedem Fall auch noch den 2. Band „Kein Tee für Mr. Darcy“ lesen, der bereits auf meinem SuB liegt, zumal ich auch unbedingt wissen will, wie es bei den drei Mädels und Oma Katharina weiter gehen wird.
Auch, wenn ich Kritikpunkte hatte, so war das Buch sehr angenehm zu lesen und bekommt von mir knappe 4**** Sterne.

Rezension: Anne Töpfer – „Das Brombeerzimmer“

Fakten:
Taschenbuch, List (Ullstein Buchverlage), erschienen: 10.03.2017, 412 Seiten, 9,99€ – auch als eBook und Hörbuch erhältlich

Autorin:
Anne Töpfer ist – neben Anne Barns, Anna Rosendahl, Juliane Albrecht und Claire Bonamy – ein weiteres Pseudonym der Autorin Andrea Russo, die 1968 in Hanau geboren wurde. Trotz ihrer großen Leidenschaft fürs Backen, Kochen und Genießen – vor Allem von süßen Sachen, ist die ehemalige Förderschullehrerin sehr sportlich und läuft regelmäßig. Sie hat eine erwachsene Tochter und lebt gemeinsam mit ihrem Mann und ihrem Labrador in Oberhausen. Seit 2014 ist sie hauptberuflich Autorin.

Handlung:
Die Ernährungswissenschaftlerin Nora ist noch keine 30 und bereits Witwe, nachdem ihr geliebter Ehemann Julian, mit dem sie bereits fast ihr halbes Leben verbracht hat, beim Joggen an Herzversagen stirbt. Auch ein Jahr nach seinem Tod versinkt sie in Trauer und hat in Hund Watson, ihrer besten Freundin Katharina und ihrer Familie große Unterstützung – ebenso hilft ihr weiterhin das Kochen von neuen Marmeladen, die Julian so geliebt hat und die Nora nun zu hunderten Gläsern hortet. Durch Zufall erfährt sie, dass Julian kurz vor seinem Tod Kontakt zu einer bis dahin von der Familie totgeschwiegenen Großtante Klara in Mecklenburg-Vorpommern aufgenommen hat, die ebenso gern Marmeladen kocht und wollte Nora mit deren Rezepten zu überraschen. Nora ist Feuer und Flamme, mehr über diesen Teil der Familie zu erfahren und macht sich auf den Weg nach Vorpommern. Sie findet nicht nur Klara, eine neue Freundin und eine wunderschöne Landschaft, sondern auch langsam wieder sich selbst und stößt zudem auf lange gehütete Geheimnisse …

Fazit:
Die Gestaltung dieses Covers ist herrlich gelungen und ein echter Eye-Catcher: Das weiße Holz auf dem matten Natur-Papier als Hintergrund, dann die glänzenden Brombeeren und Blaubeeren sowie die rosafarbenen Macarons (die im Übrigen nichts mit der Geschichte zu tun haben) sind optisch einfach eine hübsche Mischung. Auch der Innenumschlag ist bedruckt mit einem Marmeladenrezept aus dem Buch und einem Autorenporträt.
Die Geschichte selbst umfasst 27. Kapitel, aber auf den 412 Seiten befinden sich auch einige ganz tolle sowohl süße als auch hochprozentige Rezepte aus der Geschichte und natürlich ein Dankeswort der Autorin. Das Schriftbild ist normal gehalten und angenehm lesbar.
Bisher hatte ich leider noch keine Bücher der Autorin gelesen, was sich nach dieser Lektüre ganz sicher ändern wird. Vom ersten Moment an an habe ich den sehr plastischen und detailverliebten Schreibstil der Autorin gemocht und konnte direkt in die Geschichte eintauchen und mit Nora mitfühlen. Für die Story wurden wirklich wunderbare und sympathische Charaktere entwickelt und jeweils passend impliziert. Sehr interessant fand ich auch die eher ungewöhnlichen Handlungsorte Oberhausen und die mecklenburgische Boddenlandschaft. Obwohl sehr viele Personen die Geschichte bereichern, bin ich erst am Ende bei der Auflösung der verwandtschaftlichen Zweige ein wenig gedanklich ins Schleudern geraten. Und minimal verwirrend fand ich noch, dass sehr oft im Anschluss an die wörtliche Rede, unausgesprochene Gedanken standen (meist bei Nora), die aber auf den ersten Blick wirkten, als gehörten sie zur wörtlichen Rede und wobei nicht gleich klar war, ob das gesagt oder nur gedacht war.
Das hat aber keinen Einfluss darauf, dass ich hier eine wirklich liebevoll und einfühlsam erzählte Geschichte mit vielen kleinen Details, tollen Figuren, interessanten Örtlichkeiten lesen durfte, die ich gar nicht mehr aus der Hand legen mochte, weil sie auch noch fesselnd geschrieben war. Ich fand vor Allem Noras, aber auch Klaras Geschichte sehr berührend – zwei wirklich starke Frauen – und Geschichten mit Ost-West-Background interessieren mich persönlich – auch durch die eigene Familiengeschichte – immer besonders. Ich habe jedoch irgendwie das Gefühl, dass die Geschichte hier noch lange nicht auserzählt ist und das eher plötzliche Ende auf jeden Fall noch nach einer Fortsetzung verlangt, die ich natürlich auch gerne lesen würde.
Ein toller Roman über Trauerarbeit, Loslassen, Freundschaft, Neuanfang, Generationen, Familien und ihre Geheimnisse, der mir selbst auf jeden Fall eine 5*****-Sterne Leseempfehlung wert ist, wenn er evtl. auch nicht jeden Geschmack so gut trifft wie meinen eigenen.

Rezension: Tanja Janz – „Mit dir auf Düne sieben“

Fakten:
Taschenbuch, Mira Taschenbuch (mtb), erschienen: 12.06.2017, 295 Seiten, 9,99€

Autorin:
Tanja Janz, Jg. 1974, lebt mit 2 Katzen und Familie in Gelsenkirchen und ist Schalke-Fan. Über ein Lehramtsstudium der Anglistik, Germanistik und Erziehungswissenschaften in Essen, Tätigkeiten als Nachhilfelehrerin, Ltg. eines Nachhilfeinstitutes und VHS-Dozentin kam sie endgültig zum Schreiben. Über ihre lustigen und auch realen Erfahrungen aus dieser Zeit und den Mängeln des deutschen Bildungssystems hat sie 2013 „Der ist ja nicht doof, nur irgendwie hochbegabt – Unkorrigierte Geschichten aus der Nachhilfestunde“ veröffentlicht. Außerdem schreibt sie Kinder- und Jugendbücher, wie z. B. die „Pferdeinternat“-Reihe. Mit Heike Abidi veröffentlichte sie  unter dem Pseudonym „Maya Seidensticker“ die 3-bändige Jugendbuch-Reihe „We love Fashion“ und als ABBA-Fans unter dem gemeinsamen Pseudonym „Jana Fuchs“ mit „Dancing Queens“ einen Roman. „Strandperlen“ war 2015 der 1. St. Peter-Ording-Roman von Tanja Janz, 2016 folgten „Krabbe mit Rettungsring“, das Mini-eBook „Friesenknöllchen mit Meerblick“ und danach „Friesenherzen und Winterzauber“ und im Juni 2017 „Mit dir auf Düne sieben“. Der nächste Band der Reihe ist schon in Arbeit.

Handlung:
Jette steht mit ihren 36 Jahren mit beiden Beinen und Herz und Seele in ihrem Business als erfolgreiche Hochzeitsplanerin in St. Peter-Ording. Und nun hat sie auch noch den Mega-Auftrag an Land gezogen, die Hochzeit für einen Hamburger Fußballstar und ein Model auszurichten. Lange genug hat es gedauert, bis ihr beruflicher Erfolg sie etwas darüber hinwegtrösten konnte, dass sie selbst 2 Jahre zuvor von ihrem Verlobten Klaas vor dem Standesamt stehen gelassen wurde. Und nun taucht Klaas plötzlich wieder in seiner alten Heimat auf – nicht alleine: unwissend über die Vergangenheit beauftragt seine jetzige Verlobte ausgerechnet Jette mit der Planung ihrer kirchlichen Hochzeit. Eigentlich müsste Jette das ja Bauchschmerzen machen, wenn der Bauch denn nicht gerade voller Schmetterlinge für den neu engagierten Hochzeitssänger Marten wäre …

Fazit:
Das Cover verspricht wieder einen sommerlichen Roman und reiht sich optisch nahtlos in die „Ahnengalerie“ seiner Vorgänger aus dieser tollen Reihe ein. Dieses Cover greift ein wenig das Thema Liebe und Hochzeit auf.
Die 295 Seiten sind auf Prolog, 11 Kapitel, Epilog und Dankeswort verteilt. Ich muss allerdings leider sagen – und das ist mein einziger Kritikpunkt – dass das Buch künstlich verlängert wirkt: Es wurde ein eher ungewöhnlich großzügiges Schriftbild verwendet (1,5-zeiliger Druck) und zudem beginnt jedes neue Kapitel auf der rechten Seite, so dass insgesamt 6 linke Seiten unbedruckt sind. Dadurch ist die Geschichte leider eigentlich deutlich kürzer, als sie vielleicht auf den ersten Blick wirkt – das finde ich ein wenig schade.
Inhaltlich gibt es nichts zu bemängeln: Tanja Janz hat sich hier um die Hochzeitsplanerin Jette eine richtig schöne, sommerliche Geschichte mit viel Herz, Liebe, friesischem Lokalkolorit und einer frischen Meeresbrise einfallen lassen, die so angenehm ist, dass sie sich rasant weglesen lässt, auch als ideale Urlaubslektüre im Strandkorb geeignet. Auch hier gibt es ein Wiederlesen mit Protagonisten aus den anderen Büchern der Reihe – dieses Mal mit Britta, der Betreiberin des „Backhuus“ und zudem Jettes beste Freundin, die man hier auch etwas besser kennen lernt. Die anderen Charaktere lockern die Geschichte auf und bereichern sie – allen voran Jettes etwas skurrile Tante Gertrud.
Wie alle Bücher dieser wunderbaren Reihe habe ich auch diesen Roman wieder von Anfang bis Ende genossen und freue mich jetzt bereits auf die nächste Geschichte aus St. Peter-Ording. Diese wundervollen Geschichten gehören immer zum festen Bestandteil meines Lesejahres und werden immer schon sehr ungeduldig erwartet.
Trotz des kleinen Kritikpunktes kann ich nicht anders, als auch hier wieder eine 5***** Sterne-Leseempfehlung auszusprechen.

Rezension: Maria Linke – „Mitten rein ins Leben“

Fakten:
Taschenbuch, Ullstein, erschienen: 08.04.2015, 326 Seiten, 8,99€ – auch als eBook erhältlich

Autorin:
Maria Linke ist ein Pseudonym einer erfolgreichen deutschen Übersetzerin und Redakteurin. Die stolze Mutter und Großmutter lebt mit ihrer Familie in der Nähe von Köln. Weiterhin hat sie unter dem Pseudonym Charlotte Baumann ebenfalls schon mehrere Romane veröffentlicht. Im Januar 2018 erscheint der neue Roman von Maria Linke auch wieder im Ullstein-Verlag „Weiberwirtschaft“.

Handlung:
Hildegard, 49, hat trotz Abitur nie eine Ausbildung gemacht und seit etlichen Jahren als ungelernte Bürokraft in der Firma ihres Ex-Schwiegervaters gearbeitet. Als dieser stirbt und ihr Ex-Mann das Unternehmen übernimmt, ist sein 1. Schritt, Hilde vor die Türe zu setzen. Die schlechten beruflichen Voraussetzungen in der Eifel sorgen dafür, dass Hilde nach Köln zieht und sich als Reinigungskraft selbstständig macht. Hier lernt sie neben der ein oder anderen Person, für die sie doch nur Personal ist, auch ein paar ganz besondere Persönlichkeiten kennen mit ihren speziellen Sorgen und Nöten: Die 90jährige, alleinstehende Gertrud Schmitz und Antonia Lengsdorf, 39 J. alt, an MS erkrankt und dadurch meist wenig mobil. Antonia würde gern wieder am öffentlichen Leben teilhaben und bei Hilde, die sich schnell mit Antonia anfreundet, schlägt das Helfer-Syndrom mit einer großartigen Idee zu. Sie gründen einen Supper-Club und holen regelmäßig interessante Gäste in Antonias großes Haus. Und das Leben warte noch mit ganz anderen Überraschungen auf …

Fazit:
Das Cover mit dem rosafarbenen Fahrrad mit dem Korb voller Blumen und dem grünen Hintergrund sieht ansprechend aus, kein bisschen kitschig und stellt Bezug zur Story her.
Die eigentliche Geschichte verteilt sich auf 317 Seiten mit 17 teilweise etwas zu langen Kapiteln mit einem eher klein gehaltenen Schriftbild.
Am Ende des Buches befinden sich ein paar typische rheinische Rezepte, die auch in dem Buch erwähnt werden – sowas als Goodie zum Abschluss finde ich immer gut.
Der Schreibstil der Autorin – von der ich bisher noch nichts gelesen hatte – ist toll, sprachlich auch überhaupt nicht gestelzt, sondern sehr lebensnah. Man kommt leicht in die Story hinein und sie vermag es, den Leser so zu fesseln, dass man ohne Pause weiterlesen kann. Ich habe das Buch für meine Begriffe ziemlich schnell ausgelesen.
Die Mitwirkenden sind sehr realistisch gezeichnet und der Plot ist sehr authentisch und facettenreich. Hildegard habe ich mich sehr nahe gefühlt, weil ich ihr menschlich ähnlich bin und eher um die Probleme anderer als um meine eigenen besorgt bin. Der Roman befasst sich sehr eingehend mit den Problemen des Älterwerdens: Arbeitslosigkeit mit fast 50; alt sein in der anonymen Großstadt ohne Familienangehörige; der Wunsch auch trotz Krankheit nicht vom öffentlichen Leben abgeschnitten zu sein; alt werden auf dem Land ohne große Infrastruktur; aber auch mit dem Wunsch den Partner fürs Leben vor dem 50 Lebensjahr zu finden und die verzweifelte Suche danach im Internet; Stalking; ungünstige Familienstrukturen usw.
Der Titel lautet zwar „Mitten rein ins Leben“, aber die Geschichte ist auch mitten aus dem Leben. Sie hat sowohl lustige als auch traurige, aber auch spannende Abschnitte und regt an manchen Stellen zum Nachdenken an.
Mich hat das Buch sehr begeistert und ich habe es sehr gern gelesen – nicht zuletzt auch, weil es an meinem ehemaligen Wohnort in der Kölner Südstadt spielte und ich wirklich vieles wiedererkannt habe.
Insgesamt eine wirklich tolle Story, für die ich gerne 5***** Sterne als Leseempfehlung gebe – ich muss allerdings sagen, dass das Buch eher für die Generation 40+ passt. In jedem Falle eine schöne Geschichte, die sich ein wenig abhebt vom Rest und Vorfreude macht, auf den neuen Roman von Maria Linke „Weiberwirtschaft“, der am 12.01.2018 erscheint.

Rezension: Judith Pinnow – „Läuft da was?“

Fakten:
Paperback (doppelter Taschenbuch-Einband, broschiert), Krüger (Fischer-Verlag), erschienen: 23.04.2015, 364 Seiten, 14,99€ – auch als eBook & Hörbuch erhältlich

Autorin:
Judith Pinnow wurde am 11.03.1973 in Tübingen als Judith Halverscheid geboren. Sie ist eigentlich gelernte Schauspielerin und lernte ihr Handwerk an der Schauspielschule Ulm und am Lee Strasberg Institute in New York. Von 1994 bis 1997 moderierte sie zunächst den „Disney Club“ und im Anschluss die Nachfolge-Show „Tigerenten-Club“, wo sie ein Moderationsduo mit ihrem heutigen Ehemann Stefan Pinnow bildete. Mit ihm, den drei gemeinsamen Kindern und dem Hund lebt sie idyllisch in der ländlichen Nähe zu Köln. Neben einigen Moderationsjobs und Mitwirkung in  (TV-)Filmen, veröffentlicht sie bereits seit 1997 Publikationen – zunächst Kinderbücher, später auch Kurzgeschichten/Ratgeber. „Läuft da was?“ ist ihr Debüt im Frauenroman-Genre. 2016 erschien von ihr ebenfalls bei Fischer/Krüger der 2. Roman „Versprich mir, dass es großartig wird“ und im August 2017 folgt „Die Phantasie der Schildkröte“.

Handlung:
Die Moderatorin Annabel Förster, 39, hat eigentlich so ziemlich alles im Leben bekommen, was sie sich immer gewünscht hat: Sie ist mit ihrem Traummann, dem Schauspieler Tom, verheiratet, hat drei Wunschkinder und lebt sogar in ihrem Haus mit den blauen Fensterläden, das sie sich immer gewünscht hat. Nur eines bekommt sie nach einem Casting leider nicht: Den heiß ersehnten Moderationsjob einer Samstag-Abend-Show im TV, wo sie doch schon so lange im Nachtprogramm eines eher unbekannten Senders rumkrebst. Und das alles, weil sie nach jahrelanger Familien-Auszeit nun zu alt sein soll für die Prime Time?! Sie beginnt ihr ganzes Leben in Frage zu stellen: Angefangen bei ihrem Aussehen, ihrem Job, der Familie und überhaupt. Und dann taucht auch noch ein jüngerer Mann in ihrem Leben auf, in den sie sich verliebt. Wer oder was kann Annabel wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholen, bevor sie noch vollends die Bodenhaftung verliert?

Fazit:
Wenn es dem Cover nach gegangen wäre, hätte ich das Buch wahrscheinlich eher nicht gewählt, weil mich diese Frau auf sandigem Hintergrund, die sich in künstliche Deko-Wellen aus Papier stürzt eher weniger anspricht, auch, wenn man beim Lesen feststellt, dass es durchaus Bezug zur Story hat.
Die 364 Seiten verteilen sich auf 20 (manchmal recht lange) Kapitel mit einem etwas kleineren Schriftbild.
Ich muss sagen, dass ich das Buch erstmal auf mich wirken lassen musste und ein wenig mit mir gehadert habe, was die Rezension anging, weil mich die ganze Geschichte geschmacklich ein wenig hin- und hergerissen hat.
Den Schreibstil von Judith Pinnow mochte ich von Anfang sehr, absolut angenehm, fesselnd und man kommt leicht in die Geschichte rein – bei mir war es so, dass ich ständig weiterlesen wollte, was noch so alles passiert.
Annabel als Protagonistin mochte ich aber irgendwie nicht so sehr: Ich fand sie mit dem Fortschreiten der Story immer noch ein Stück nerviger, oberflächlicher und egoistischer als zu Beginn des Buches – also kurzum: ziemlich anstrengend. Manchmal hätte man sie gern mal durchgeschüttelt und in die Realität zurückbefördert. Eigentlich genau der Typ Frau, den ich nicht so mag: Nur aufs Aussehen fixiert, das natürlich an allem Schuld ist, was in ihrem Leben anders läuft als gewünscht.
Sehr interessant fand ich die kleinen, interessanten, wenn auch wahrscheinlich leicht überzogenen Einblicke in die (scheinbar) glamouröse TV- und Medienwelt. Man merkt beim Lesen, dass sich die Autorin in dieser Welt bestens auskennt und fragt sich sowieso ziemlich oft, wieviel von Judith Pinnow selbst in diesem Buch stecken mag …
Für einen ChickLit-Roman hatte der Roman für meinen Geschmack ein paar Sex-Szenen zuviel, denn ein wirklich guter ChickLit-Roman braucht das gar nicht und lebt vom Weniger an Mehr 😉
Auch, wenn ich zeitweilig sehr genervt von der Protagonistin war und zum Ende hin fand, dass die Geschichte immer unrealistischer und an den Haaren herbeigezogen war, hatte ich allerdings doch auch so meinen Lesespaß bei dieser Lektüre.
Daher gibt es von mir – zwar recht knappe – aber immerhin doch 4**** Sterne.

Rezension: Gabriella Engelmann – „Inselsommer“

Fakten:
Taschenbuch, Knaur, erschienen: 02.05.2013, 428 Seiten, 9,99€ – auch als eBook erhältlich

Autorin:
Gabriella Engelmann wurde 1966 in München geboren und lebt heute in Hamburg. Sie machte zunächst eine Ausbildung zur Buchhändlerin und blieb der Literatur-Branche auch auf ihrem weiteren Berufsweg als Lektorin, Verlagsleiterin, Literatur-Scout und Autorin treu. Sie schreibt ebenso Kinder- und Jugendbücher wie vor Allem auch Romane für Erwachsene und entwickelt Stoff für Fernsehverfilmungen. Ein Pseudonym von ihr ist „Rebecca Fischer“. Mit ihren Kurzgeschichten ist sie immer wieder in Anthologien vertreten. Fast alle ihrer Romane spielen im hohen Norden Deutschlands – so, wie auch diese Reihe um das „Büchernest“ in Keitum auf Sylt. „Inselzauber“ ist der 1. Teil dieser Reihe; die 2013 erschienene Fortsetzung nennt sich „Inselsommer“ und 2016 erschien der Weihnachtsroman aus dieser Reihe mit dem Titel „Wintersonnenglanz“ – Band 4 ist derzeit in Arbeit.

Handlung:
Eine Midlife-Crisis scheint die Ursache zu sein, dass sich die Hamburger Galeristin Paula nicht mehr wohl in ihrem Leben fühlt: Obwohl sie mit ihrem Mann Patrick, trotz ungewollter Kinderlosigkeit, immer glücklich war, fühlt sie sich auf einmal zu ihrem deutlich jüngeren Galerie-Kollegin Vincent und dessen kleiner Tochter hingezogen, vielleicht auch, weil sie damit ihren Wunsch nach einer eigenen Familie kompensieren könnte. Um wieder klare Gedanken fassen zu können, nimmt sie die Einladung von Bea und Larissa, die sie auf der Vernissage von Nele Sievers kennengelernt hat, auf die Insel Sylt wahr. Obwohl sie nur eine kurze Auszeit nehmen wollte, entdeckt sie ganz neue Seiten an sich und steht auf einmal vor der Möglichkeit, ihrem Leben noch einmal ganz neue Impulse zu geben und auf Sylt heimisch zu werden …

Fazit:
Das Cover dieser Fortsetzung zu „Inselzauber“ hat ein Corporate Design und lässt „Inselsommer“ sofort als Teil der Reihe erkennen mit seinem friesischen Motiv, das besonders wieder von Reetdach-Haus und Leuchtturm geprägt ist.
Die 428 Seiten des Romans sind perfekt verteilt auf 65 herrlich kurze Kapitel (so mag ich das sehr) mit einem normalen gängigen Schriftbild. Als besonderes Goodie befinden sich am Ende des Buches noch zwei nachahmenswerte Rezepte: Eines für „Kartoffel-Zucchini-Tomaten-Gratin“ und das andere für „Tee auf friesische Art“. Beendet wird das Buch von einem reizenden Dank der Autorin, die auch in diesem Roman wieder mit ihrem überaus angenehmen Schreibstil glänzt.
Nachdem mir der 1. Teil „Inselzauber“ so super gefallen hat, habe ich direkt im Anschluss daran diesen 2. Teil „Inselsommer“ gelesen und habe es nicht bereut, wieder lesetechnisch – zusammen mit Paula – zu Gast in Keitum zu sein 😉
Dieser 2. Teil spielt nun bereits 7 Jahre später und in der Zwischenzeit ist natürlich einiges passiert. Es gibt sowohl ein Wiederlesen mit vielen im 1. Band bereits lieb gewonnenen Charakteren, aber man lernt auch viele neue Persönlichkeiten kennen, die diese Geschichte angenehm bereichern. Während Nele und Leon (Larissas Mann) hier nur kurz erwähnt werden dieses Mal, schafft es die Autorin allen neuen Gesichtern in dem Buch jeweils eine nicht unwichtige Rolle zukommen und interessante Nebenhandlungen entstehen zu lassen. Ich möchte da jetzt nicht zu viel vorweg nehmen und verraten – lesen sollen andere das Buch schließlich selbst. Sehr geschmunzelt habe ich allerdings bei den Namen der beiden Gast-Autorinnen im Büchernest: Swantje Zillert und Corinna Hartmann – hm, die kenne ich doch irgendwie …
Wirklich super finde ich, dass hier auch ein – nicht nur für Sylt, sondern auch für andere Urlaubsregionen an Nord- und Ostsee – immer wieder aktuelles Thema aufgegriffen wird – nämlich, dass immer mehr echte Insel-Bewohner zugunsten von Tourismus vertrieben werden, weil sie sich das Leben in den beliebten Urlaubsregionen im deutschen Norden schon lange nicht mehr leisten können. Ich finde es sehr wichtig, dass darauf aufmerksam gemacht wird.
Bis ich jetzt den 3. Band aus der „Büchernest“-Reihe lese, muss ich leider noch warten, das ist nämlich ein Weihnachtsroman und der passt jetzt im Sommer nicht so. Aber ich bin schon wieder sehr gespannt, wie es weiter geht.
Dies ist eine moderne, watteweiche Sommerlektüre – hineinfallen lassen und sich wohlfühlen: Das ist mir wieder eine 5*****-Sterne Leseempfehlung wert.

Rezension: Gabriella Engelmann – „Inselzauber“

Fakten:
Taschenbuch, Knaur, erschienen: 02.05.2013 (Neuauflage mit neuem Cover zur Erscheinung der Fortsetzung „Inselsommer“), 384 Seiten, 9,99€ – auch als eBook erhältlich – ich habe das Buch in der rechts abgebildeten Auflage von 2009 gelesen; die Erstauflage erschien bereits 2007 wiederum mit einem anderen Cover)

Autorin:
Gabriella Engelmann wurde 1966 in München geboren und lebt heute in Hamburg. Sie machte zunächst eine Ausbildung zur Buchhändlerin und blieb der Literatur-Branche auch auf ihrem weiteren Berufsweg als Lektorin, Verlagsleiterin, Literatur-Scout und Autorin treu. Sie schreibt ebenso Kinder- und Jugendbücher wie vor Allem auch Romane für Erwachsene und entwickelt Stoff für Fernsehverfilmungen. Ein Pseudonym von ihr ist „Rebecca Fischer“. Mit ihren Kurzgeschichten ist sie immer wieder in Anthologien vertreten. Fast alle ihrer Romane spielen im hohen Norden Deutschlands – so, wie auch diese Reihe um das „Büchernest“ in Keitum auf Sylt. „Inselzauber“ ist der 1. Teil dieser Reihe; die 2013 erschienene Fortsetzung nennt sich „Inselsommer“ und 2016 erschien der Weihnachtsroman aus dieser Reihe mit dem Titel „Wintersonnenglanz“ – Band 4 ist derzeit in Arbeit.

Handlung:
Die junge Larissa Wagner, genannt Lissy, ist enttäuscht vom Leben: Ihr langjähriger Freund, der Kardiologe Stefan, hat sich entschieden, sein Leben anstatt mit ihr, doch lieber mit seiner jungen Arzthelferin und dem gemeinsamen Kind zu gestalten und auch ihre Arbeit in einem Hamburger Hotel füllt Lissy schon länger nicht mehr aus. Da kommt es gerade gelegen, dass sie ihrer geliebten Tante Bea auf Sylt versprochen hatte, sie während ihrer mehrmonatigen Weltreise in deren Keitumer Buchhandlung zu vertreten und wieder ein wenig gesunde Heimatluft zu schnuppern, um den Kopf freizubekommen. Neben dem sympathischen Jung-Journalisten Leon und dem Inselschreiber Marco lernt sie auf der Insel auch die zickige Nele kennen, die das Café neben Tante Beas Buchhandlung führt. Kann sich Lissy nochmal auf Sylt einleben und heimatlich niederlassen oder erwartet sie doch noch etwas Anderes vom Leben?!

Fazit:
Ich habe den Roman in der 2. Ausgabe von 2009 mit dem alten Cover mit blauem Farn und einem Insekt drauf gelesen, finde aber das neue Cover mit dem Friesenhaus und dem Leuchtturm, das anlässlich des Erscheinens der Fortsetzung „Inselsommer“ angepasst wurde, viel hübscher und besser zum Roman passend.
Der Roman hat in der von mir gelesenen alten Version 378 Seiten mit 19 zum Teil doch recht langen Kapiteln. Das Schriftbild ist von der Größe her etwas kleiner gewählt, aber noch erträglich für die Sehschwächeren wie mich.
Über den Schreibstil von Gabriella Engelmann, der mir damals erstmals in einer Weihnachtsanthologie sehr positiv aufgefallen ist, muss man eigentlich gar keine großen Worte mehr verlieren, außer vielleicht „wunderbar“.
Obwohl das Buch schon 10 Jahre alt ist, liest es sich immer noch ganz großartig und ist wirklich zeitlos. Die Hauptcharaktere sind allesamt freundlich und liebenswürdig gezeichnet, so dass man sich in dieser Story so richtig zu Hause und geborgen fühlt und gerne selbst mal wieder nach Sylt reisen möchte. Der Plot ist schlüssig und realistisch und der Schluss wie erwartet schön. Ein Buch mit absoluter Wohlfühlgarantie, das ich wahnsinnig gerne gelesen habe – es alles dabei, was die Geschichte rund macht.
Und dieses Mal musste ich auch keinen Abschiedsschmerz haben, als ich die liebgewonnenen Menschen in dieser Geschichte am Ende verlassen musste, denn es warten aktuell noch zwei bereits publizierte „Büchernest“-Fortsetzungen auf mich und eine weitere ist in Arbeit. Und, weil ich so wahnsinnig neugierig bin, wie es mit den Protagonisten so weitergeht und den 1. Teil schon so toll fand, habe ich direkt im Anschluss begonnen, die 7 Jahre später spielende Fortsetzung „Inselsommer“ zu lesen 🙂
Von mir gibt für diese warmherzige, liebevolle Geschichte, glatte 5***** Sterne und eine absolute Leseempfehlung, für diejenigen, die – wie ich – dieses Genre so besonders mögen.

Rezension: Katia Weber – „Kleine Lügen erhalten die Familie“

Fakten:
Taschenbuch, Ullstein, erschienen 16.06.2017, 383 Seiten, 10,00€ – auch als eBook erhältlich

Autorin:
Katia Weber wurde 1978 in Bonn geboren. Nach dem Abitur in Bonn-Beuel, wo sie auch heute wieder lebt, zog es sie zunächst hinaus in die weite Welt, wo sie 1 Jahr in Australien verbrachte im Work & Travel-Modus. Danach studierte sie Sprach- und Kulturwissenschaften in der Pfalz und machte sich 2006 als Übersetzerin, Texterin und Lektorin selbstständig. Zudem war sie 1 Jahr lang in Südamerika unterwegs und lebte ebenfalls 1 Jahr lang in Frankreich. „Kleine Lügen erhalten die Familie“ ist ihr Debüt im Unterhaltungsroman-Genre. Sie hat bereits zwei Krimis im Ullstein-Verlag, einen Band mit Kurzgeschichten über Menschen in Bonn und ein weiteres Buch im Selfpublishing veröffentlicht.

Handlung:
Franzi, examinierte Krankenschwester, Mutter von 3 Kindern verbleibt nach der Trennung von ihrem Mann Michael mit ihren Kindern und dem ehem. Polizei-Hund Werner in ihrem Haus. Die Trennung verläuft allerdings eher halbherzig, weil sich Franzi und ihr Mann immer noch für gewisse Stunden treffen, was ihr Geheimnis ist. Und auch die anderen Mitglieder der Familie wie die Kinder, Franzis Schwester oder auch ihre beste Freundin haben alle so ihre Geheimnisse. Aber Franzis Mutter Brunhilde hat das größte Geheimnis von Allen: Ihre Vergangenheit und Franzis leiblicher Vater. Wie lange kann sie ihr Leben noch vor dem Rest ihrer Familie verheimlichen und welche Geheimnisse haben die anderen so?

Fazit:
Dieses Buch stand schon lange auf meiner Wunschliste und ich hatte das Glück, diesen Roman bei vorablesen.de zu gewinnen.
Das Cover ist wirklich hübsch gestaltet in Brombeer-, Rosa- und Grün-Tönen auf rauem Papier und Ranken und Blumen auf dem Cover sind plastisch,  um ein Haus (das wohl für das Thema „Familie“ stehen soll) gerankt.
Die Story auf den 383 Seiten ist verpackt in Prolog, 48 Kapitel von wunderbar kurzer Leselänge, Erklärungen zur Geschichte und Dankeswort – das alles in einem großzügigen, augenfreundlichen Schriftbild.
Ich habe jetzt ein paar Tage mit mir gehadert, bevor ich mich an die Rezension des Buches begeben habe, weil das Buch irgendwie so ganz anders war als erwartet.
Der Beschreibung des Klappentextes ließ mich erstmal einen heiteren Familienroman vermuten, was für mich auch der Grund war, dass das Buch auf meine Wunschliste wanderte. Aber irgendwie wollte die Autorin wohl das Krimi-Genre nicht so ganz loslassen und hat Kunstraub, Dognapping, Identitätswechsel und Drogenhandel mit in die Geschichte einfließen lassen.
Wobei der Schreibstil der Autorin und der Umgang mit der Sprache sehr angenehm sind.
Das Buch hat durchaus positive Seiten und auch ein paar originelle Plots, wie z. B. den ehemaligen Polizeihund Werner, der Dealern ihre Drogen stiehlt. Ich mag auch sehr, dass das Buch sowohl in Bonn spielt (eine sehr hübsche Stadt, die ich sehr gut kenne) als auch in Berlin.
Doch insgesamt kamen bei mir während der Lektüre leider immer mehr Kritikpunkte auf, obwohl ich mich sehr auf das Buch gefreut habe:
Zu der Protagonistin Franzi konnte ich irgendwie nicht so rechte Sympathien entwickeln und konnte mich nicht wirklich mit ihr und ihrem Handeln identifizieren.
In der Story spielt eine Vielzahl von Personen mit, so dass man leicht den Überblick verlieren kann – manche sind nur sehr kurz vertreten und eher unbedeutend, so dass sie für die Handlung dramaturgisch eigentlich auch verzichtbar gewesen wären (wie z. B. Franzis älteste Tochter Maria).
Die mehrfachen unangekündigten Zeitsprünge sind verwirrend: Man beginnt ein neues Kapitel und muss selbst dann während des Lesens feststellen, dass das gar nicht in der Gegenwart spielt, sondern in den 60er oder 70er Jahren. Hier hätte ich es persönlich besser gefunden, wenn in der Überschrift eine Jahreszahl oder ein anderer Hinweis gestanden hätte.
Während der Geschichte werden eine Menge Nebenhandlungsstränge eröffnet – manche nur sehr kurz erwähnt, aber genau solche lassen einen als Leser am Ende mit einigen Fragezeichen zurück – ein Epilog am Ende wäre ganz gut gewesen.
Die Story wird durch die ganzen „Zufälle“, die darin zusammenlaufen, überladen und leider auch ziemlich unglaubwürdig. Manche Sachen erscheinen doch ziemlich unlogisch – ich möchte jetzt allerdings nicht noch mehr spoilern.
Der rote Faden, der eigentlich durch so eine Geschichte laufen sollte, ist hier leider ein wenig zerrissen und faserig, weil er einfach zu viel halten sollte.
In diesem Buch wäre ganz klar weniger mehr gewesen – vieles bleibt leider oberflächlich und der richtige Tiefgang hat hier ein wenig gefehlt.
Von mir gibt es hierfür dennoch recht gute 3***.