Rezension: Hermien Stellmacher – „Cottage mit Kater“

image

Fakten:
Taschenbuch, insel-Taschenbuch (it), erschienen: 06.07.2015, 256 Seiten, 8,99€ – auch als eBook erhältlich

Autorin:
Hermien Stellmacher wurde am 07.05.1959 in der niederländischen Universitätsstadt Leiden geboren und wuchs zunächst in Amsterdam auf. Im Alter von 15 Jahren zog sie mit ihren Eltern nach Deutschland ins fränkische Dorf Naila. Später studierte sie an der Hochschule für Grafik-Design in Würzburg und arbeitete danach in der Werbebranche sowie als Designerin beim Spielzeughersteller Sigikid. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Joachim Schultz gründete sie Ende der 1980er Jahre einen kleinen Verlag. Seit 1998 ist sie mit großem Erfolg als Kinder- und Jugendbuch-Illustratorin und -Autorin tätig; in der Tätigkeit ist besonders die erfolgreiche Kinderbuchreihe „Moritz Moppelpo“ zu erwähnen. Außerdem übte sie eine Lehrtätigkeit an einer Fachoberschule für Gestaltung aus. Unter dem Pseudonym Fanny Wagner schreibt sie seit 2012 lustige Frauen-Romane mit fränkischem Charme – 2012: „George Clooney, Tante Renate und ich“; 2013 – gemeinsam mit Co-Autorin Carolin Birk (alias Katharina Wieker): „Garantiert wechselhaft“ und 2014 die Fortsetzung davon „Überwiegend fabelhaft“. Hermien Stellmacher und lebt mit ihrem Mann und zwei Katern in der Fränkischen Schweiz.

Handlung:
Nora Beck, Ende 40, Krimiautorin aus Berlin, hat an einigen Schicksalsschlägen der letzten Jahre immer noch zu knabbern – u. a. der Demenz-Erkrankung ihrer Mutter und deren Tod und dann der Tatsache, von ihrem Partner in dieser schwierigen Lebenssituation verlassen worden zu sein. Dies waren auch die Gründe, warum sie bei ihrem Verlag den Abgabetermin für aktuelles Krimi-Manuskript immer weiter nach hinten verschoben hat. Da kommt das Angebot ihres Freundes Paul, der für eine Weile nach Kanada zu seinem neuem Lover zieht, gerade recht: Er bietet ihr an, sein Cottage in Cornwall zu hüten und sich dort zu erholen und in Ruhe die Arbeit an ihrem Kriminalroman zu beenden. Nora muss nicht lange überlegen, nimmt das Angebot freudig an und setzt ihre Vorsätze gleich in die Tat um. Auf einem Wanderausflug rettet sie einen kleinen Kater von einer Klippe, der fortan nicht mehr von ihrer Seite weicht – und das, obwohl Nora alles andere als eine Katzenliebhaberin ist. Doch schon bald kann sich Nora ein Leben ohne den kleinen Vierbeiner nicht mehr vorstellen. Der kleine Mann, den sie Smuggler nennt, stellt ihr ganzes Leben auf den Kopf, obwohl sie das eigentlich keinem Mann mehr zugestehen wollte. Und dann ist ja da auch noch Phil, der nette und hilfsbereite Nachbar von Paul, ein Kameramann aus Bochum – von Paul als ein wenig rau und merkwürdig angekündigt, der immer mehr Raum in Noras Gedanken einnimmt. Aber der ist doch ein Ex-Freund von Paul, oder hatte Nora da etwas falsch verstanden …?!

Fazit:
Das Cover zeigt ein sehr einladendes Cottage mit Reetdach unter blauem Himmel, vor türkisblauem Meer und grünen Hügeln – genauso wie man sich das Cottage im Buch vorstellt. Der Kater ist nur als Schattengraphik im Titel vertreten. Insgesamt ein sehr harmonisches, stimmiges Cover, das auf einen Urlaubsroman hindeutet.

Der Roman hat 256 Seiten (inkl. Danksagung) mit 24 Kapiteln von bester Leselänge und angenehm lesbarem Schriftbild. Der Schreibstil ist locker und leicht zu lesen. Lediglich die Zeitsprünge in die Vergangenheit sowie die Wechsel von der realen Erzählung in Noras Krimi haben mich manchmal ein wenig verwirrt und hätten ein wenig deutlicher gekennzeichnet sein können
Zu allererst ist mir beim Lesen die außergewöhnliche Begabung für die sehr plastische Beschreibung von Räumen und Orten durch die Autorin aufgefallen: Ohne jemals zuvor in Cornwall gewesen zu sein, konnte ich mir anhand der sehr detaillierten Beschreibungen genau vorstellen, wie es dort aussieht – und als ich mal eine Internet-Seite des Handlungsortes Cadgwith besucht habe, war ich verblüfft wie dicht der Ort in Wirklichkeit an meine Vorstellungen gelangt. Ebenso habe ich mich gefühlt, als beschrieben wird, wie Nora zum ersten Mal das Cottage von Paul betritt – das war irgendwie so, als würde man gemeinsam mit Nora (oder der Autorin) eine Führung durch das Cottage machen und alles mit eigenen Augen sehen: Die Einrichtung ist so exakt beschrieben, dass ich mich wahrscheinlich anhand dieser Beschreibungen selbst dort zurechtfinden könnte 😉
Hermien Stellmacher hat diesen Frauen-Roman erstmals nicht unter ihrem Pseudonym Fanny Wagner, sondern unter ihrem eigenen Namen veröffentlicht, was auch richtig ist so: Der Name Fanny Wagner steht eher für die humorvollen, fränkischen Frauen-Romane, während dieser Roman sich auch mit sehr ernsten Themen befasst: Die Ü40-Generation, in der sich die „Kinder“ mit Erkrankungen und Pflegebedürftigkeit der Eltern und dem damit verbundenen Rollenwechsel innerhalb der Familie auseinandersetzen müssen, Verlustängste, Panik-Attacken, Existenzsorgen, Albträume. Ich kann mich sehr gut mit Nora identifizieren, weil ich einige Dinge selbst erlebt habe: Der Ablauf einer Demenz-Erkrankung ist mir bestens geläufig: Auch mein Vater ist damals an Demenz erkrankt und 2009 an den Folgen der Erkrankung verstorben, nachdem er erst immer nur zeitweilig und dann irgendwann vollkommen in seiner eigenen, längst vergangenen Welt verschwunden ist und uns irgendwann nicht mehr erkannt hat. Die Diskussionen, ob längst verstorbene Angehörige wie Mutter oder Bruder den Demenzkranken besuchen oder er in die Schule muss, kenne ich ebenfalls – die Beratungsstelle für Angehörige von Demenzkranken hatte dazu die Patentlösung: „Bloß nicht versuchen vom Gegenteil zu überzeugen. Faustregel: Der Demenzkranke hat immer recht!“
Auch die Themen Panik-Attacken und Albträume sind mir vertraut, denn interessanterweise plagt mich seit vielen Jahren ein ähnlicher Prüfungsalbtraum wie Nora, den ich immer wieder in verschiedenen Varianten träume: Ich habe eine wichtige Prüfung und habe aufgrund meiner Zahlenphobie und Dyskalkulie als Thema ein mathematisches und einen totalen Black Out und fange erst in den letzten 5 Min. an, panisch noch ein paar Aufgaben zu lösen; Variante davon: ich habe meinen Taschenrechner vergessen oder meiner funktioniert nicht mehr. Oder: Ich habe die letzte Unterrichtsstunde vor der Prüfung verpasst und erreiche niemanden, der mir sagen kann, was ich für die Prüfung noch lernen muss. Oder: Die Prüfungseinladung erreicht mich erst am Prüfungstag und ich schaffe es nicht rechtzeitig zur Prüfung und werde nicht mehr zugelassen. Oder: Ich habe meinen Prüfungstermin und finde keinen Parkplatz und muss weit außerhalb parken. Und das waren noch längst nicht alle Varianten dieses Traums – eine Fachfrau hat mir verraten, dass das ein Hinweis auf Angst vor Kontrollverlust sei.
Hermien Stellmacher beweist in diesem Roman, dass sie über sehr langjährige und vielfältige Erfahrungen verfügt: Zum Einen natürlich als Autorin, denn dieser Roman gibt auch interessante Einblicke in das Leben eines Autors und räumt ein wenig mit der Romantik vom Schreiben auf: Autoren stehen oft unter Zeitdruck; sie sind an Vertragsbindungen geknebelt und Lektoren und Verlagen ausgeliefert; sie müssen nicht selten ihre eigenen Ideen opfern, um marktgerechter zu schreiben und haben Existenz-Sorgen, wenn die Ideen mal ausbleiben. Dieses Buch zeigt sehr interessante Insider-Aspekte aus dem Autoren-Leben auf.
Auch die jahrzehntelange Erfahrung als Katzenhalterin von Hermien Stellmacher wird in diesem Buch deutlich: Die Anekdoten über das Zusammenleben mit Katzen kann man in dieser Form nur niederschreiben, wenn man sie selbst erlebt hat 😉 – sowas kann man sich gar nicht ausdenken, das muss man selbst erlebt haben. Genau so wie in dem Buch beschrieben und manchmal sogar noch ein wenig schräger und verrückter gestaltet sich das Leben mit Katzen – jeder Katzenbesitzer kann da jeden Tag wieder eine neue Geschichte zu beisteuern und wird öfter als einmal genickt haben, wenn Kater Smuggler wieder irgendwas angestellt hat. Hermien Stellmacher, die auf Facebook auch in einem sehr regen Austausch mit ihren Leser(inne)n steht, hat auch dort mit ihrem ganz besonderen Humor schon die ein oder andere nächtliche Überraschung gepostet, die sie mit ihren Katern so erlebt hat und mir damit schon oft früh morgens ein Lächeln ins Gesicht gezaubert ❤
Trotz der in diesem Buch auch angesprochenen ernsteren Themen, kommt der Humor hier nicht zu kurz und macht das Buch mit seiner sympathischen, realistischen Protagonistin und den liebevoll entwickelten Nebencharakteren zu einer wunderbaren Urlaubs- bzw. Sommerlektüre, die sich leicht weglesen lässt und große Lust auf einen Urlaub in Cornwall macht! Ich hatte sehr angenehme Lesestunden, habe Smuggler sehr ins Herz geschlossen und gebe 5***** für diesen besonderen Roman, mit dem ich sehr viel Lesefreude hatte 🙂

Ganz lieben Dank an Hermien Stellmacher für die nette Überraschung ❤

Rezension: Fanny Wagner & Carolin Birk – „Überwiegend fabelhaft“

IMG_2023Fakten:
Taschenbuch, rororo, erschienen: 01.10.2014, 299 Seiten, 9,99€

Autorinnen:
FANNY WAGNER
ist das Pseudonym der bisher hauptsächlich als Autorin und Illustratorin von Kinderbüchern tätigen, studierten Grafik-Designerin und aus Amsterdam stammenden Hermien Stellmacher. Am 01.12.2012 erschien von ihr ebenfalls bei rororo der ebenso tolle Frauen-Roman „George Clooney, Tante Renate und ich“. Hermien Stellmacher lebt selbst bereits seit vielen Jahren mit Mann und Katern in der Fränkischen Schweiz und arbeitete zuerst in der Werbebranche.
Unter dem Pseudonym CAROLIN BIRK schreibt in diesem Buch die ebenfalls als Kinderbuchautorin und Illustratorin bekannte Katharina Wieker, die zudem auch als Dramaturgin und Drehbuchautorin für ein bekanntes Berliner Trickfilmstudio tätig ist. Katharina Wieker wurde im Frankenland geboren und zog später nach Berlin, wo sie auch aktuell noch mit Tochter und Kater in Kreuzberg lebt. Mehr über ihre Kinderbücher ist auf ihrer Internet-Seite zu finden: http://www.katharinawieker.de.
Mehr über die beiden Autorinnen findet man auch auf deren gemeinsamen facebook-Seite: https://www.facebook.com/pages/Fanny-Wagner-Carolin-Birk/115306275300395?fref=ts.
Bei facebook sind beide Autorinnen auch unter ihren realen Namen im sehr aktiven Austausch mit ihren Leserinnen und Lesern.

Handlung:
Nina Lindner kann ihr Glück kaum fassen: Seit sie zusammen mit ihrer Tochter Marie Berlin den Rücken gekehrt hat und nach ihrer Erbschaft des Gasthofes ihres Onkels ins beschauliche, fränkische Örtchen Wiestal gezogen ist, scheint die Sonne in ihrem Leben. Ihr Mode-Label „Zwiebellook“, das sie gemeinsam mit den Dorf-Schnepfen, die ihr als Schneiderinnen zur Hand gehen, gegründet hat, erfreut sich allergrößter Beliebtheit und das Geschäft brummt. Ihre Beziehung zu dem smarten Schreiner Christian erweist sich als ganz großer Glücksfall und auch sein kleiner Sohn Julian vergöttert sie und umgekehrt. Und nicht zuletzt hat sich Tochter Marie trotz ihrer abklingenden Gothic-Leidenschaft super ins Dorfleben integriert und mit Mario einen zuverlässigen Freund an ihrer Seite gefunden. Doch plötzlich ziehen Wolken in Nina’s Leben auf: Das Geschäft läuft so gut, dass Nina sich die Hilfe eines Assistenten suchen muss, Plagiate ihrer Modelle tauche bei der Konkurrenz auf und Christian verbringt nach einem Unfall von Julian plötzlich viel zu viel Zeit mit seiner Ex-Frau. Bleibt nur zu hoffen, dass Nina mit ihrem sonnigen Gemüt und ihrer Energie auch diesen Unwettern im Leben trotzt und von ihren Lieben nicht im Regen stehen gelassen wird …

Fazit:
Das Cover hat eine harmonische Farbgestaltung und die Zeichnung nimmt Bezug auf die neue Story und ist in Anlehnung an den 1. Band gestaltet.
Wie auch schon im 1. Band steht als Einleitung zu jedem Kapitel steht wieder eine kurze (Wetter-)Vorhersage zu den Ereignissen und dem Befinden von Nina im jeweiligen Kapitel mit einem Wetterfrosch als Header. Innerhalb der Kapitel sind noch einzelne Unterteilungen durch eine Wolke vorgenommen. Die innere optische Aufmachung des Buches ist identisch mit Band 1 – auch hinsichtlich Druckbild. Die 299 Seiten sind in 20 Kapitel in angenehmer Leselänge aufgeteilt.
Als ich die ersten Seiten dieses Buches gelesen habe, war das für mich wie ein Treffen mit alten Bekannten, die man längere Zeit nicht gesehen hatte und die man dann mal wieder besucht – und man hatte sich eine Menge zu erzählen.  Die Autorinnen haben es mit ihrer wunderbaren und ganz speziellen Art des Schreibens ganz schnell erreicht, den Leser so in die Geschichte einzubeziehen, dass man sich bald schon selbst als Teil dieser – wenn auch manchmal ein wenig skurrilen – Dorfgemeinschaft fühlt 😉
Selbst mit dem fränkischen Dialekt kommt man nach einer Weile wieder gut klar (auch, wenn ich zugeben muss, dass ich gerade am Anfang über manche Textpassagen in fränkischem Dialekt noch ein zweites Mal lesen musste 😉 …).
Wie auch schon beim 1. Band „Garantiert wechselhaft“ sind einem die Charaktere der Handlung fast ausnahmslos wieder ziemlich schnell ans Herz gewachsen – die Geschichte ist mit viel Herzblut und auch viel Humor erzählt.
Meine Rezension zu „Garantiert wechselhaft“ findet Ihr unter diesem Link: https://buecherunddiewelt.wordpress.com/2014/04/20/rezension-fanny-wagner-carolin-birk-garantiert-wechselhaft/.
Ganz begeistert hat mich auch, dass es sich nicht ausschließlich um einen Frauenroman handelt, bei dem ganz viel Liebe eine Rolle spielt, sondern auch ein kriminalistischer  Handlungsstrang diesen Roman bestens bereichert.
Ich freue mich schon sehr, die beiden Autorinnen wieder live im Dezember auf ihrer Lesung zu diesem Buch in einem kleineren privaten Rahmen erleben zu dürfen – das verspricht jetzt schon, wieder ein außerordentlich witziger Abend zu werden 🙂
Ich habe mich beim Lesen dieses Buches nicht nur „Überwiegend fabelhaft“ sondern ALLERBESTENS gefühlt und gebe diesem wundervollen Roman, den ich wirklich total geliebt habe zu lesen, 5*-Sterne Plus mit uneingeschränkter Leseempfehlung.

Ein großer Dank geht an Hermien Stellmacher und Katharina Wieker sowie dem Rowohlt Verlag für dieses Rezensionsexemplar ❤

Rezension: Fanny Wagner & Carolin Birk – „Garantiert wechselhaft“

IMG_1687Fakten:
Taschenbuch, rororo, erschienen: 02.05.2013, 316 Seiten, 9,99€

Autorinnen:
FANNY WAGNER
ist das Pseudonym der bisher hauptsächlich als Autorin und Illustratorin von Kinderbüchern tätigen, studierten Grafik-Designerin und aus Amsterdam stammenden Hermien Stellmacher. Am 01.12.2012 erschien von ihr ebenfalls bei rororo der ebenso tolle Frauen-Roman „George Clooney, Tante Renate und ich“. Hermien Stellmacher lebt selbst bereits seit vielen Jahren mit Mann und Katern in der Fränkischen Schweiz und arbeitete zuerst in der Werbebranche.
Unter dem Pseudonym CAROLIN BIRK schreibt in diesem Buch die ebenfalls als Kinderbuchautorin und Illustratorin bekannte Katharina Wieker, die zudem auch als Dramaturgin und Drehbuchautorin für ein bekanntes Berliner Trickfilmstudio tätig ist. Katharina Wieker wurde im Frankenland geboren und zog später nach Berlin, wo sie auch aktuell noch mit Tochter und Kater in Kreuzberg lebt. Mehr über ihre Kinderbücher ist auf ihrer Internet-Seite zu finden: http://www.katharinawieker.de.
Die beiden Autorinnen kennen sich schon sehr lange und arbeiten derzeit an der Fortsetzung zu „Garantiert wechselhaft“ die „Vorübergehend fabelhaft“ heißen wird und schon im Oktober 2014 erscheinen soll. Mehr dazu findet man auf der gemeinsamen facebook-Seite der beiden Autorinnen: https://www.facebook.com/pages/Fanny-Wagner-Carolin-Birk/115306275300395?fref=ts.

Handlung:
Nina Lindner, Grafikerin, alleinerziehend und am Beginn ihrer Wechseljahre geplagt von Hitzewallungen, lebt mit ihrer Tochter Marie, die sich gerade auf dem Gothic-/Grunge-Trip befindet, in Berlin-Kreuzberg. Die Information, dass sie in der Fränkischen Schweiz den alten Gasthof ihres verstorbenen Onkel Hubert, wo sie als Kind oft die Ferien verbracht hat, geerbt hat, kommt gerade zur rechten Zeit. Kurzfristig entscheidet Nina gemeinsam mit Marie, ihr Erbe anzutreten und in den alten Gasthof nach Wiestal zu ziehen. Somit schlägt sie buchstäblich zwei Fliegen bzw. Ex-Partner mit einer Klappe: Ihren unverschämten Ex-Mann Volker, der sie immer noch als Notnagel für seine Werbeagentur einspannt und ihren Ex-Freund Stefan, der partout nicht kapieren will, dass er eigentlich in Nina’s Wohnung – und nicht umgekehrt – eingezogen ist und sich als sehr „anhänglich“ erweist. Nina und Marie machen sich samt Umzugswagen auf den Weg Richtung Wiestal und finden den Gasthof, den Nina in so romantischer Erinnerung hatte, als Bruchbude vor. Lediglich Nachbarin Gundi und der gut aussehende Schreiner Christian stehen ihr bei, während sich die First Ladies des Dorfes, die Ehefrauen der von Nina so dringend benötigten ortsansässigen Handwerker (die Haus und Gasthof bewohnbar machen sollen) sich offenbar alle übel gegen sie verschworen haben. Nina versucht es, wie in Berlin, zunächst wieder Allen Recht zu machen bevor es so richtig scheppert und die Powerfrau aufdreht, um ganz neue Zeiten einzuläuten …

Fazit:
Die Cover-Gestaltung ist von der Farbgebung her sehr angenehm und nimmt Bezug auf die Story – die Damen hinter der Hecke sehen schon so aus, als sei mit ihnen „nicht gut Kirschen essen“.
Der Inhalt ist einem sehr angenehm lockeren Schriftbild gedruckt, welches zwischendurch durch eine kleine Regenwolke zwischen den Abschnitten zusätzlich aufgelockert wird.
Die Geschichte verteilt sich auf 313 Seiten (+ 2 Seiten Nachwort) und ist in 30 Kapitel von sehr angenehmer Länge unterteilt, die sich sehr gut und flüssig lesen lassen.
Somit ist die gesamte Gestaltung des Buches in Bild bzw. Schriftbild schon mal rundum gelungen.
Als Einleitung zu jedem Kapitel steht eine kurze Wettervorhersage zu den Ereignissen und der persönlichen Befindlichkeit von Nina.
Nina Lindner ist eine Frau wie Du und ich, die neben ihren Wechseljahres-Problemen auf allen Kanälen versucht, es ihren Mitmenschen Recht zu machen und dann für sich und ihre Tochter die Chance ergreift, ein neues Leben anzufangen. Auch in diesem neuen Leben ist sie erstmal zahlreichen Hindernissen ausgesetzt, die sie letztlich nur stärken, Missverständnisse aus dem Weg räumen lassen, um dann nochmal so richtig durchzustarten. so dass nicht nur Andere etwas davon haben, sondern auch endlich mal sie selbst.
Mit Nina und ihrer Tochter Marie haben die beiden Autorinnen zwei sehr sympathische Protagonistinnen mitten aus dem Leben geschaffen. Ich habe das Buch von der ersten Zeile an geliebt und wollte an jedem Punkt der Geschichte wissen, wie es weiter geht. Der Schreibstil ist trotz des immer wiederkehrenden fränkischen Dialekts flüssig und verständlich. Die Story lebt man wirklich von der ersten Seite an mit und leidet mit Nina mit bei ihren Integrationsschwierigkeiten als Großstädterin in die Dorfgemeinschaft.
Ich hatte ja Anfang 2014 das große Glück, die beiden Autorinnen live auf ihrer Lesung zu diesem Buch in einem kleineren privaten Rahmen erleben zu dürfen, was wirklich ein absolutes  Highlight war, weil sie den unterschiedlichen Protagonisten fränkisches Leben einhauchten.
Für dieses Buch gibt es von mir eine uneingeschränkte 5 Punkte-Leseempfehlung mit Sternchen 😉 – ich hatte wirklich viel Freude beim Lesen und kann es kaum noch erwarten, dass im Oktober 2014 dann endlich die Fortsetzung mit dem Titel „Vorübergehend fabelhaft“ erscheint – ich hätte an diesem Buch schon gerne noch weiter gelesen 🙂 … – Danke an die beiden zauberhaften Autorinnen für diesen tollen Lese-Spaß ❤

Rezension: Fanny Wagner – „George Clooney, Tante Renate und ich“

Autorin:
Fanny Wagner ist ein Pseudonym der Autorin Hermien Stellmacher, die 1959 in Leiden/Niederlade geboren wurde und seit 1974 in Deutschland lebt. Sie studierte in Würzburg Grafik-Design mit Diplom und ist bisher hauptsächlich als Illustratorin und Autorin von Kinder- und Jugendbüchern in Erscheinung getreten. Mit Mann und Katzen lebt sie in der Nähe von Bayreuth.


Handlung:

Die 34jährige Eva hat immer wieder Pech mit Männern und lebt zusammen mit ihren Freundinnen Antonia und Bettina in einer WG, in die auch Eva’s 59jährige Tante Renate nach einem Wasserrohrbruch als Gast aufgenommen wird. Die rüstige Tante Renate hat den Glauben an die große Liebe noch nicht verloren und geht im Internet auf der Suche nach Männerbekanntschaften. Eva hingegen begegnet im Treppenhaus einem geheimnisvollen Fremden, der aussieht wie eine jüngere Ausgabe von George Clooney und belegt seinetwegen sogar einen teuren Atmungskurs in der zwielichtigen Esoterik-Schule in ihrem Haus, um ihn wiederzusehen.

Die Handlung nimmt eine turbulente Wendung, weil zwei überraschende Erzählstränge aus einem weiteren Genre, die man zunächst für nebensächlich hält, geschickt mit der Hauptstory verflochten werden und zum erwarteten Happy-End beitragen. Ich möchte jedoch nicht allzu viel von der Handlung vorweg nehmen, weil die Leser/innen sich selbst an der Geschichte erfreuen sollen.


Fazit:

Das Taschenbuch hat 288 Seiten – für mich eine ideale Lese-Länge –

und ist in 17 Kapitel, ebenfalls nicht zu kurz oder zu lang – aufgeteilt. Das Schriftbild ist sehr angenehm. Der Schreibstil leicht und flüssig, so dass man das Buch locker weglesen kann. Die Story ist zwar zumindest teilweise vorhersehbar, jedoch werden Leser/innen überrascht, von einer Wendung in der Geschichte aus einem weiteren Genre, die humorvoll in die Hauptstory einfließt, was mir besonders gut gefallen hat. Während der ganzen Geschichte kommt nie Langeweile auf, weil die Autorin durch ihren die Geschichte führenden und witzigen Erzählstil die Leser/innen zu fesseln weiß.
Einen ganz kleinen Punktabzug gibt es von mir, weil ich mindestens 2x zurückschlagen musste, weil auf einmal Nebencharaktere auftauchten, an die ich mich nicht erinnern konnte, weil sie meiner Meinung nach nur zu kurz und wenig einprägsam erwähnt wurden. Schade fand ich auch, dass nirgendwo erwähnt war – es sei denn, ich habe es möglicherweise selbst irgendwie übersehen – wo die Geschichte spielt und man selbst durch Hinweise auf bestimmte Straßen und Örtlichkeiten darauf kam, dass der Handlungsort München sein muss.
Insgesamt ein tolles Debüt von Fanny Wagner im Genre „Frauenromane“, das viel Spaß beim Lesen bietet und uneingeschränkt von mir weiterempfohlen wird und Vorfreude auf weitere Bücher von ihr macht.
4 von 5 möglichen Punkten gibt es von mir 🙂