Rezension: Gabriella Engelmann / Jakob M. Leonhardt – „Im Pyjama um halb vier“

Autoren:

Gabriella Engelmann:
1966 in München geboren, wohnhaft in Hamburg. Sie machte zunächst eine Ausbildung zur Buchhändlerin und blieb diesem Metier auch auf ihrem weiteren Berufsweg als Lektorin, Verlagsleiterin, Literatur-Scout und Autorin treu. Sie schreibt sowohl Kinder- und Jugendbücher als auch Romane für Erwachsene. Im Bereich Jugendbuch hat sie in den letzten Jahren vor allem durch die Adaption von Märchen in die heutige Zeit auf sich aufmerksam gemacht. Als Romane sind besonders ihre „Insel“-Romane zu erwähnen. Sie schreibt zudem auch noch unter dem Pseudonym Rebecca Fischer und entwickelt Stoff für Fernsehverfilmungen.

Jakob M. Leonhardt:
Vollständiger Name: Jakob Musashi Leonhardt, Jahrgang 1975, sowohl in Tokyo als auch in Hamburg beheimatet. Geht neben seiner Tätigkeit als Jugendbuchautor weiteren Tätigkeiten als Musiker und Sounddesigner nach.

Handlung:
Die 16jährige Lulu aus Hamburg macht sich via facebook auf die Suche nach Ben Schumann, dem besten Freund ihres großen Schwarms Marco.
Sie findet zwar einen Ben Schumann, der aber, wie sich dann rausstellt, in München lebt und nicht der Gesuchte ist.
Dennoch entsteht zwischen den beiden Teenies ein inniger Chat-Kontakt, der keinen von beiden mehr los lässt, aber auch Geheimnisse birgt …

Fazit:
Das Buch umfasst 237 recht großzügig bedruckte Seiten, die als locker durchzulesenden Chat-Schriftwechsel verfasst sind.
Meine ersten Bücher in diesem Stil, die ich gelesen habe, waren „E-Mail für Holly“ und „Liebe per Mausklick – noch mehr E-Mails für Holly“, die ich ebenfalls klasse und sehr angenehm zu lesen fand, weil man die Geschichte in dieser Form wirklich gut mitleben kann.
Ähnlich geartete Bücher im E-Mail-Stil, wie „Gut gegen Nordwind“ / „Alle sieben Wellen“ von Daniel Glattauer, deren Zielgruppe ich alterstechnisch auf jeden Fall eher entspreche, fand ich trotz der ganzen guten Kritiken nicht so schön und berührend wie „Im Pyjama um halb vier“, bin aber froh, dass ich mittlerweile noch einige andere Leser gefunden habe, denen es damit ähnlich erging.
Bei diesem Buch hier habe ich mir bewusst viel Zeit gelassen und das Ende des Buches so lange wie möglich hinausgezögert (ist immer ein gutes Zeichen bei mir 😉 ) – ganz einfach aus dem Grunde, weil ich es so schön fand und Lulu und Ben ungern wieder loslassen wollte. Die Protagonisten Lulu und Ben wecken bestimmt bei vielen älteren Leser/innen sowas wie einen Beschützerinstinkt, so auch bei mir. Manchmal möchte die Beiden einfach mal zur Seite nehmen, trösten und beraten. Dabei kann ich mit Anfang 40 gut und gern die Mutter der Beiden sein und entspreche ja eigentlich auch nicht der Zielgruppe des Buches …
Beim Lesen der 1. Seite dachte ich noch: „So einfach war das Leben mit 16.“ – ein paar Seiten später allerdings: „Ja, so kompliziert war das damals alles mit 16.“ Das Buch spiegelt meiner Meinung nach die ganze Bandbreite des typischen Achterbahn-Gefühlslebens von Jugendlichen wieder – ich glaube daran, wird sich auch bei allen Generationen wenig verändern …
Sehr schön finde ich die Idee der Autoren, die beiden sympathischen Charaktere Lulu und Ben auf facebook weiterleben und den interessierten Leser weiterhin an deren Leben teilhaben zu lassen. Im Übrigen schreit dieses Buch, aber auch geradezu nach einer Fortsetzung 🙂
Mich hat vor Allem das Ende der Geschichte sehr nachdenklich gestimmt und sehr berührt.
Empfohlen wird dieses Jugendbuch vom Verlag ab 12 Jahren, aber so richtig erfreuen können sich auch Alle daran, die im Herzen und im Geist jung geblieben sind 🙂
5 von 5 möglichen Punkten – ich freue mich, Lulu und Ben durch facebook nicht ganz aus den Augen zu verlieren.