Rezension: Anne Töpfer – „Das Brombeerzimmer“

Fakten:
Taschenbuch, List (Ullstein Buchverlage), erschienen: 10.03.2017, 412 Seiten, 9,99€ – auch als eBook und Hörbuch erhältlich

Autorin:
Anne Töpfer ist – neben Anne Barns, Anna Rosendahl, Juliane Albrecht und Claire Bonamy – ein weiteres Pseudonym der Autorin Andrea Russo, die 1968 in Hanau geboren wurde. Trotz ihrer großen Leidenschaft fürs Backen, Kochen und Genießen – vor Allem von süßen Sachen, ist die ehemalige Förderschullehrerin sehr sportlich und läuft regelmäßig. Sie hat eine erwachsene Tochter und lebt gemeinsam mit ihrem Mann und ihrem Labrador in Oberhausen. Seit 2014 ist sie hauptberuflich Autorin.

Handlung:
Die Ernährungswissenschaftlerin Nora ist noch keine 30 und bereits Witwe, nachdem ihr geliebter Ehemann Julian, mit dem sie bereits fast ihr halbes Leben verbracht hat, beim Joggen an Herzversagen stirbt. Auch ein Jahr nach seinem Tod versinkt sie in Trauer und hat in Hund Watson, ihrer besten Freundin Katharina und ihrer Familie große Unterstützung – ebenso hilft ihr weiterhin das Kochen von neuen Marmeladen, die Julian so geliebt hat und die Nora nun zu hunderten Gläsern hortet. Durch Zufall erfährt sie, dass Julian kurz vor seinem Tod Kontakt zu einer bis dahin von der Familie totgeschwiegenen Großtante Klara in Mecklenburg-Vorpommern aufgenommen hat, die ebenso gern Marmeladen kocht und wollte Nora mit deren Rezepten zu überraschen. Nora ist Feuer und Flamme, mehr über diesen Teil der Familie zu erfahren und macht sich auf den Weg nach Vorpommern. Sie findet nicht nur Klara, eine neue Freundin und eine wunderschöne Landschaft, sondern auch langsam wieder sich selbst und stößt zudem auf lange gehütete Geheimnisse …

Fazit:
Die Gestaltung dieses Covers ist herrlich gelungen und ein echter Eye-Catcher: Das weiße Holz auf dem matten Natur-Papier als Hintergrund, dann die glänzenden Brombeeren und Blaubeeren sowie die rosafarbenen Macarons (die im Übrigen nichts mit der Geschichte zu tun haben) sind optisch einfach eine hübsche Mischung. Auch der Innenumschlag ist bedruckt mit einem Marmeladenrezept aus dem Buch und einem Autorenporträt.
Die Geschichte selbst umfasst 27. Kapitel, aber auf den 412 Seiten befinden sich auch einige ganz tolle sowohl süße als auch hochprozentige Rezepte aus der Geschichte und natürlich ein Dankeswort der Autorin. Das Schriftbild ist normal gehalten und angenehm lesbar.
Bisher hatte ich leider noch keine Bücher der Autorin gelesen, was sich nach dieser Lektüre ganz sicher ändern wird. Vom ersten Moment an an habe ich den sehr plastischen und detailverliebten Schreibstil der Autorin gemocht und konnte direkt in die Geschichte eintauchen und mit Nora mitfühlen. Für die Story wurden wirklich wunderbare und sympathische Charaktere entwickelt und jeweils passend impliziert. Sehr interessant fand ich auch die eher ungewöhnlichen Handlungsorte Oberhausen und die mecklenburgische Boddenlandschaft. Obwohl sehr viele Personen die Geschichte bereichern, bin ich erst am Ende bei der Auflösung der verwandtschaftlichen Zweige ein wenig gedanklich ins Schleudern geraten. Und minimal verwirrend fand ich noch, dass sehr oft im Anschluss an die wörtliche Rede, unausgesprochene Gedanken standen (meist bei Nora), die aber auf den ersten Blick wirkten, als gehörten sie zur wörtlichen Rede und wobei nicht gleich klar war, ob das gesagt oder nur gedacht war.
Das hat aber keinen Einfluss darauf, dass ich hier eine wirklich liebevoll und einfühlsam erzählte Geschichte mit vielen kleinen Details, tollen Figuren, interessanten Örtlichkeiten lesen durfte, die ich gar nicht mehr aus der Hand legen mochte, weil sie auch noch fesselnd geschrieben war. Ich fand vor Allem Noras, aber auch Klaras Geschichte sehr berührend – zwei wirklich starke Frauen – und Geschichten mit Ost-West-Background interessieren mich persönlich – auch durch die eigene Familiengeschichte – immer besonders. Ich habe jedoch irgendwie das Gefühl, dass die Geschichte hier noch lange nicht auserzählt ist und das eher plötzliche Ende auf jeden Fall noch nach einer Fortsetzung verlangt, die ich natürlich auch gerne lesen würde.
Ein toller Roman über Trauerarbeit, Loslassen, Freundschaft, Neuanfang, Generationen, Familien und ihre Geheimnisse, der mir selbst auf jeden Fall eine 5*****-Sterne Leseempfehlung wert ist, wenn er evtl. auch nicht jeden Geschmack so gut trifft wie meinen eigenen.

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