Rezension: Katia Weber – „Kleine Lügen erhalten die Familie“

Fakten:
Taschenbuch, Ullstein, erschienen 16.06.2017, 383 Seiten, 10,00€ – auch als eBook erhältlich

Autorin:
Katia Weber wurde 1978 in Bonn geboren. Nach dem Abitur in Bonn-Beuel, wo sie auch heute wieder lebt, zog es sie zunächst hinaus in die weite Welt, wo sie 1 Jahr in Australien verbrachte im Work & Travel-Modus. Danach studierte sie Sprach- und Kulturwissenschaften in der Pfalz und machte sich 2006 als Übersetzerin, Texterin und Lektorin selbstständig. Zudem war sie 1 Jahr lang in Südamerika unterwegs und lebte ebenfalls 1 Jahr lang in Frankreich. „Kleine Lügen erhalten die Familie“ ist ihr Debüt im Unterhaltungsroman-Genre. Sie hat bereits zwei Krimis im Ullstein-Verlag, einen Band mit Kurzgeschichten über Menschen in Bonn und ein weiteres Buch im Selfpublishing veröffentlicht.

Handlung:
Franzi, examinierte Krankenschwester, Mutter von 3 Kindern verbleibt nach der Trennung von ihrem Mann Michael mit ihren Kindern und dem ehem. Polizei-Hund Werner in ihrem Haus. Die Trennung verläuft allerdings eher halbherzig, weil sich Franzi und ihr Mann immer noch für gewisse Stunden treffen, was ihr Geheimnis ist. Und auch die anderen Mitglieder der Familie wie die Kinder, Franzis Schwester oder auch ihre beste Freundin haben alle so ihre Geheimnisse. Aber Franzis Mutter Brunhilde hat das größte Geheimnis von Allen: Ihre Vergangenheit und Franzis leiblicher Vater. Wie lange kann sie ihr Leben noch vor dem Rest ihrer Familie verheimlichen und welche Geheimnisse haben die anderen so?

Fazit:
Dieses Buch stand schon lange auf meiner Wunschliste und ich hatte das Glück, diesen Roman bei vorablesen.de zu gewinnen.
Das Cover ist wirklich hübsch gestaltet in Brombeer-, Rosa- und Grün-Tönen auf rauem Papier und Ranken und Blumen auf dem Cover sind plastisch,  um ein Haus (das wohl für das Thema „Familie“ stehen soll) gerankt.
Die Story auf den 383 Seiten ist verpackt in Prolog, 48 Kapitel von wunderbar kurzer Leselänge, Erklärungen zur Geschichte und Dankeswort – das alles in einem großzügigen, augenfreundlichen Schriftbild.
Ich habe jetzt ein paar Tage mit mir gehadert, bevor ich mich an die Rezension des Buches begeben habe, weil das Buch irgendwie so ganz anders war als erwartet.
Der Beschreibung des Klappentextes ließ mich erstmal einen heiteren Familienroman vermuten, was für mich auch der Grund war, dass das Buch auf meine Wunschliste wanderte. Aber irgendwie wollte die Autorin wohl das Krimi-Genre nicht so ganz loslassen und hat Kunstraub, Dognapping, Identitätswechsel und Drogenhandel mit in die Geschichte einfließen lassen.
Wobei der Schreibstil der Autorin und der Umgang mit der Sprache sehr angenehm sind.
Das Buch hat durchaus positive Seiten und auch ein paar originelle Plots, wie z. B. den ehemaligen Polizeihund Werner, der Dealern ihre Drogen stiehlt. Ich mag auch sehr, dass das Buch sowohl in Bonn spielt (eine sehr hübsche Stadt, die ich sehr gut kenne) als auch in Berlin.
Doch insgesamt kamen bei mir während der Lektüre leider immer mehr Kritikpunkte auf, obwohl ich mich sehr auf das Buch gefreut habe:
Zu der Protagonistin Franzi konnte ich irgendwie nicht so rechte Sympathien entwickeln und konnte mich nicht wirklich mit ihr und ihrem Handeln identifizieren.
In der Story spielt eine Vielzahl von Personen mit, so dass man leicht den Überblick verlieren kann – manche sind nur sehr kurz vertreten und eher unbedeutend, so dass sie für die Handlung dramaturgisch eigentlich auch verzichtbar gewesen wären (wie z. B. Franzis älteste Tochter Maria).
Die mehrfachen unangekündigten Zeitsprünge sind verwirrend: Man beginnt ein neues Kapitel und muss selbst dann während des Lesens feststellen, dass das gar nicht in der Gegenwart spielt, sondern in den 60er oder 70er Jahren. Hier hätte ich es persönlich besser gefunden, wenn in der Überschrift eine Jahreszahl oder ein anderer Hinweis gestanden hätte.
Während der Geschichte werden eine Menge Nebenhandlungsstränge eröffnet – manche nur sehr kurz erwähnt, aber genau solche lassen einen als Leser am Ende mit einigen Fragezeichen zurück – ein Epilog am Ende wäre ganz gut gewesen.
Die Story wird durch die ganzen „Zufälle“, die darin zusammenlaufen, überladen und leider auch ziemlich unglaubwürdig. Manche Sachen erscheinen doch ziemlich unlogisch – ich möchte jetzt allerdings nicht noch mehr spoilern.
Der rote Faden, der eigentlich durch so eine Geschichte laufen sollte, ist hier leider ein wenig zerrissen und faserig, weil er einfach zu viel halten sollte.
In diesem Buch wäre ganz klar weniger mehr gewesen – vieles bleibt leider oberflächlich und der richtige Tiefgang hat hier ein wenig gefehlt.
Von mir gibt es hierfür dennoch recht gute 3***.

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