Rezension: Katharina Herzog – „Immer wieder im Sommer“

Fakten:
Paperback, Rowohlt Polaris, erschienen: 22.04.2017, 382 Seiten, 12,99€ (auch als eBook und Hörbuch erhältlich)

Autorin:
Katharina Herzog ist das Pseudonym der Autorin Katrin Koppold. Sie wurde 1976 geboren und wollte nach ihrem Abitur in Rheinland-Pfalz zunächst Journalistin werden, entschied sich dann aber doch – aus einer Lehrerfamilie kommend – ebenfalls dazu, Lehrerin zu werden. Erst nach der Geburt ihres zweiten Kindes begann sie wieder mit dem Schreiben. Ihre ersten Verlagsverträge erhielt sie allerdings erst, nachdem ihre Romane im Selfpublishing Erfolg hatten. Mit Mann, zwei Kindern und zwei Katzen lebt die Pferdeliebhaberin in der Nähe von München.

Handlung:
Anna, Mitte 30, lebt mit ihren beiden Töchtern Sophie (14) und Nelly (8) in München, wo sie seit der Scheidung von ihrem Mann Max, einem Piloten, als Zimmermädchen arbeitet. Ihm und den Kindern zuliebe, hat sie damals ihren Traum, Modedesign zu studieren, aufgegeben. Max, den sie schon seit ihrer Kindheit kannte, hat sie in der Ehe massiv hintergangen. Als Anna in einer Zeitschrift ihre Jugendliebe Jan entdeckt, der auf Amrum eine soziale Kinder- und Jugendeinrichtung betreibt, beschließt sie kurzerhand, die Pfingstferien auf Amrum zu verbringen, nachdem sie ihre Kinder bei Max abgegeben hat. Auf dem Weg will sie noch einen Abstecher zu ihrer Mutter Frieda in der Nähe von Mainz machen, von der sie kurz vor ihrer Reiseplanung nach 18 J. ohne Kontakt eine sehr merkwürdige Nachricht erhalten hat. Doch alles verläuft anders und auf einmal befindet sie sich mit ihren Töchtern, ihrem Ex-Mann, ihrer dementen Mutter und deren Hund auf dem Weg an die Nordsee. Und wie es aussieht, ergeben sich Veränderungen in Annas Leben auch noch über die Ferien hinaus …

Fazit:
Dieser Roman stand schon seit Vorstellung in der Frühjahrsverlagsvorschau 2017 von Rowohlt auf meiner Wunschliste – und wie ich beim Vorablesen im Rahmen einer LovelyBooks-Leserunde feststellen durfte, vollkommen zurecht.
Das wirklich wunderschöne Cover auf rauem Papier ist im Aquarell-Stil gestaltet mit Blumen und Muscheln in Pastelltönen, die sowohl eine maritime als auch eine ländliche Seite zeigen. Der Titel ist auf einem blauen Farblecks quasi wie auflackiert und wirkt plastisch. Insgesamt ein sehr gelungenes, hübsches Cover, das zwar sommerlich ist, aber dennoch nicht viel über den Inhalt verrät und ein wenig geheimnisvoll wirkt.
Das Schriftbild ist angenehm großzügig. Jedes der 58 Kapitel + Prolog + Epilog und Dankeswort wird mit einer Muschel oder einer Blume, je nachdem ob gerade aus der Sicht von Anna, Sophie oder Frieda berichtet wird (die Erzählperspektive wechselt immer), eingeleitet. Die Leselänge ist, wie der Schreibstil, optimal und man fliegt geradezu durch die Geschichte – ich würde eher sagen, man wird von Anna auf ihre Reise mitgenommen 😉
Das Buch ist keineswegs leichte Kost und befasst sich auch gleich mit einigen nicht so einfachen Themen des Lebens, wie z. B. Friedas Demenzerkrankung, was mich emotional sehr berührt hat, weil mein Vater ebenfalls an den Folgen seiner Demenz verstorben ist und da Erinnerungen hochkamen.
Die Charaktere und deren ganz persönlicher Background sind realistisch.
Am Anfang habe ich ein wenig gezweifelt, wo das Ganze wohl hinführen mag, wenn auf einmal so viele sture, aber wahnsinnig unterschiedliche Persönlichkeiten und Generationen auf engstem Raum die Zeit miteinander verbringen. Aber der Autorin ist es hier perfekt gelungen, in ihrem Plot sachliche Verbindungen herzustellen, ohne zu dramatisch zu werden, was mir sehr gut gefallen hat. Die Geschichte bietet so viele Facetten. Anna fand ich als Persönlichkeit sehr impulsiv, weil sie oft Entscheidungen trifft ohne darüber nachzudenken, dass diese auch mit Konsequenzen nicht nur für sie selbst verbunden sind. Aber im Verlauf des Buches habe ich sie immer besser verstanden.
Das war für mich wieder eine Geschichte, die ich sehr ungern losgelassen habe, weil sie mir so an Herz gewachsen ist und ich würde mir tatsächlich nochmal ein Wiederlesen mit dieser Familie wünschen.
Am Ende findet sich – ohne Kitsch und Schmalz – alles so zusammen, wie man es sich wünscht und ich finde mich in der Aussage wieder, dass man nur etwas versuchen kann, aber keine Garantie hat, ob es funktioniert. Ich bin der Meinung, wenn man etwas nicht versucht, weiß man nie, ob es geklappt hätte oder ob man mit seiner Entscheidung glücklicher wäre – man sollte es eben einfach ausprobieren.
Ich kann das berührende, emotionale und dennoch unterhaltsame Buch wirklich von Herzen weiterempfehlen. Von mir gibt hierfür glatte 5***** Sterne!

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Ein Kommentar zu “Rezension: Katharina Herzog – „Immer wieder im Sommer“

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