Rezension: Tanja Wekwerth – „Madame Cléo und das große kleine Glück“

Fakten:
Hardcover (Einband), Harper Collins, erschienen 06.03.2017, 304 Seiten, 14,00€

Autorin:
Tanja Wekwerth, geboren in Berlin, studierte zunächst Sprachen in Paris, wo sie auch eine Zeit lang als Übersetzerin und Model arbeitete und sich in Paris verliebte. Ein späterer Job als Stewardess lieferte ihr nach Beendigung dieser Tätigkeit ausreichend Stoff für ihren ersten Roman „Emma über den Wolken“ (2001). Weitere Romane von ihr sind:  „Das Haus der Hebamme“ (2004), „Esthers Garten“ (2006), „Mitternachtsmädchen“ (2008) und „Ein Hummer macht noch keinen Sommer“ (2013). Über ihr turbulentes Familienleben mit Mann, drei Kindern und zwei Hunden schrieb sie 10 Jahre lang eine Kolumne für die Zeitschrift „Laura“, die ebenfalls in Buchform, in 6 Bänden, erschienen ist. Nicht nur als Autorin beweist sie großes künstlerisches Talent, sondern ebenso als Fotografin und Malerin.

Handlung:
Madame Cléo, ehemals erfolgreiches Model bei Coco Chanel in Paris, lebt in einer Altbauwohnung in Berlin-Schöneberg und weiß nicht, wie sie – trotz ihrer Französisch-Schüler – die Kosten für die nächste Mieterhöhung nach einer Renovierung aufbringen soll. Kurzentschlossen sucht sie sich Untermieter: Der italienische Witwer Adamo, ein Koch, und seine 8jährige Tochter Mimi ziehen bei ihr ein. Als Mimi Cléo eines Tages gesteht, einen Rucksack voller Geldscheine im Park gefunden zu haben, steht das Leben Kopf. Alte Träume und die Sehnsucht nach Paris werden in Cléo wieder geweckt, aber Cléo liegt eigentlich noch viel mehr am Glück anderer …

Fazit:
Ein absolutes WOW-Buch! Ich muss zugeben, dass ich zunächst – bedingt durch den Untertitel „Großstadt-MÄRCHEN“ ein wenig skeptisch war, weil Märchen für mich immer mit einer Portion Grausamkeit verbunden waren. Aber die fehlt hier zum Glück gänzlich und die Story ist einfach nur bezaubernd und ein wenig mystisch <3. Daher musste ich erstmal ein paar Tage mit meiner Rezension warten, weil ich diese wundervolle Geschichte noch ein wenig nachwirken lassen und nachspüren wollte. 
Das erste, was mir beim Blick auf das Cover in den Kopf kam, war „Bohème“ – das ist das, was dieser schnörkelige alte Vogelkäfig mit den Blumen ausstrahlt – und den kann man sich sowohl perfekt auf einem Altbau-Balkon mit schmiedeeiserner, verschnörkelter Brüstung in Paris als auch auch ebenso gut in Berlin-Schöneberg vorstellen. Der Hintergrund des Fotos und der des Schriftzugs sind in warme Rot- und Orange-Töne gehüllt und strahlen Wärme aus. Tanja Wekwerth hat die Geschichte in Berlin-Schöneberg im wirklich hübschen Akazien-Kiez angesiedelt – eine Gegend, die ich selbst kenne und mag.
Der 304 Seiten starke Roman hat 22 Kapitel + Epilog und am Ende als ganz besonderes Schmankerl ein Rezept für Spaghetti Puttanesca à la Adamo, wie sie auch im Buch vorkommen. Die Leselänge der Kapitel sowie das Schriftbild waren für meinen Geschmack wirklich perfekt. Der Schreibstil von Tanja Wekwerth hat etwas blumiges, fast poetisches, dennoch ist die Sprache leicht verständlich und man fliegt geradezu durch die Geschichte. Die Charaktere sind hinreißend gezeichnet – vor Allem die kleine Mimi, die zwar für ihre 8 Jahre ziemlich weise und altklug wirkt, aber auch einen trockenen Humor hat, ist für mich der Star dieses Buches – aber natürlich auch Madame Cléo, die durch den Kontakt zu Mimi ganz neue Ansätze für ihr Leben findet. Das Buch zeigt auf, wie man Selbstzweifel über Bord wirft und – egal, wie alt man ist oder was einem widerfahren ist – man den Mut für einen Neuanfang aufbringt! Und man kann auch das Glück in Dingen und durch Personen finden, wo man es nicht gleich auf Anhieb vermutet. Das Glück der Vergangenheit muss in der Gegenwart nicht mehr das gleiche Gefühl erzeugen, kann einem aber zu einem anderen neuen Glück verhelfen.
Gesellschaftskritisch ist das Buch auch ein wenig: Die Rolle der Senioren in der heutigen Gesellschaft wird hier am Beispiel der (ehemals) mondänen Madame Cléo, aber auch der ärmlichen „Brötchen-Oma“ aufgezeigt. Sehr schön finde ich, wie Tanja Wekwerth in dem Buch auf das typische Multi-Kulti-Miteinander hier in Berlin eingeht: Die Französin Madame Cléo, der Italiener Adamo, der türkische Bauarbeiter Jussuf, der finnische Nachbar, die Alt-Berliner Brötchen-Oma, die indische Restaurant-Besitzerin – und alle haben ein friedliches Miteinander – dit is Berlin 😉
Sehr geschmunzelt habe ich beim Namen des Zahnarztes „Dottore Crisafulli“ – ich habe den Namen so oft gehört, wenn Max Raabe ihn in seinen Konzerten mit einem wunderschön rollenden „R“ ausspricht und seine Geigerin, die so heißt, vorstellt. Der Mann von Tanja Wekwerth ist nämlich Pianist im Palast Orchester von Max Raabe 😉
Dieses Buch hat mich be- und verzaubert! Ich mochte mich gar nicht mehr von Charakteren trennen, weil sie mir alle so sehr ans Herz gewachsen sind! Und wenn ich mal wieder im Akazien-Kiez bin, werde ich bestimmt an die Protagonisten aus diesem Buch denken <3. Das Ende war so schön, dass ich einen Kloß im Hals und Tränchen im Auge hatte und mit einem warmen Gefühl im Herzen zurück geblieben bin.
Für mich persönlich ist dieses Buch jetzt schon eines der (wenn nicht sogar DAS) Lese-Highlight(s) 2017!
Daher gibt es von mir für dieses tolle, außergewöhnliche Buch eine 5*****+++ Leseempfehlung!

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Ein Kommentar zu “Rezension: Tanja Wekwerth – „Madame Cléo und das große kleine Glück“

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