Rezension: Ines Thorn – „Ein Stern über Sylt“

img_3694Fakten:
Hardcover (Einband), Rütten & Löning im Aufbau-Verlag Berlin, Erscheinungsdatum: 19.09.2016, 144 Seiten, 12,00 €  (auch als eBook erhältlich)

Autorin:
Die 1964 in Leipzig geborene Autorin Ines Thorn machte im Anschluss an ihre Kindheit in Leipzig zunächst eine Ausbildung zur Volksbuchhändlerin bevor sie heiratete und in eine Familienphase startete. Nach dem Ende ihrer 1. Ehe begann sie in Frankfurt/Main mit einem Studium in Germanistik und Slawistik, das sie jedoch ohne Abschluss beendete und dann als Werbetexterin, Bibliothekarin und Korrektorin arbeitete. 2000 veröffentlichte sie ihren ersten historischen Roman im Heyne-Verlag, auf den noch sehr viele weitere folgten, ebenso wie ein Studium der Kulturwissenschaften und der Schritt in die Selbstständigkeit. Seit 2003 widmet sich die Autorin gänzlich dem Schreiben historischer Romane und Krimis.

Handlung:
Thiemo, Student aus Bremen, entscheidet sich, die Weihnachtsfeiertage mit seinen reichen Freunden von der Uni im Ferienhaus von deren Eltern in Kampen auf Sylt zu verbringen. Er schlägt damit gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Zum Einen ist sein Schwarm, die verwöhnte Victoria, ebenfalls mit dabei; zum Anderen kann er in seiner ehemaligen Heimat Sylt gleich ein wenig Forschung für sein Geowissenschaft-Studium betreiben. Schnell bekommt er Zweifel an seinen wohlhabenden, sorglosen Freunden, aber dennoch stiehlt er in einem unbeobachteten Moment einer alten Dame Geld, um Victoria mit einem teuren Geschenk für sich gewinnen zu können. Als er seinen Diebstahl der alten Dame beichten und gut machen will, behandelt diese ihn wie ein lang erwartetes Familienmitglied und Thiemos Leben geht auf einmal ganz andere Wege.

Fazit:
Eine eingeschneite Laterne auf einem Dünenweg zum Meer hin als Wegweiser auf dem Cover, kann man im übertragenen Sinne auf Thiemos Geschichte beziehen. Das Cover wirkt ruhig und romantisch.
Ruhig war ich leider nicht mehr, als ich gemerkt habe, was der Verlag bei diesem verhältnismäßig hohen Preis von 12 € für ein mit 144 Seiten angegebenes Buch, dem Leser tatsächlich für eine Mogelpackung untergejubelt hat! Normalerweise bin ich nicht so kleinlich, aber hier wurde ein Buch, das normalerweise wahrscheinlich als Kurzgeschichte mit 50 bis 70 Seiten auskommt, künstlich in die Länge gezogen durch ein sehr großzügiges Schriftbild; 4 Seiten Vorlauf mit Impressum, Titel, Autorenporträt; 9 Seiten auf die ausschließlich die jeweilige Kapitel-Nr. gedruckt war; 15 gänzlich unbedruckte Seiten zwischen den Kapiteln und dann noch eine 8seitige Leseprobe eines anderen Romans – also 36 von 144 Seiten sinnlos verschwendet; außerdem beginnt jedes Kapitel im erst mittleren Drittel einer Seite! Das ist wirklich ein ziemlich mieses Preis-/Leistungsverhältnis – nur weil es ein Hardcover ist, kostet dieses Büchlein (mehr ist es echt nicht) 12 €! Eine ziemlich üble Preispolitik des Verlages!
Die Grundidee der Story ist wirklich nett gedacht und auch angenehm und schön geschrieben, aber einige Seiten mehr hätten diesem Roman wirklich sehr gut getan! Es ist wirklich schade, denn hier wäre so viel mehr möglich gewesen. Stattdessen fliegt man im Eiltempo durch eine wirklich schöne Geschichte, die aber an einigen Stellen – obwohl schon so kurz – auch nochmal extra gekürzt und stückweise fast unlogisch wirkt. Mit ein paar erklärenden Ausschmückungen mehr, ein paar Rückblicken – z. B. auf Thiemos Kindheit oder seine Familie, oder auch die seiner Freunde, würden viele Gedanken und Handlungen der Protagonisten vielleicht viel schlüssiger. Auch die Dialoge haben irgendwie was Gestelztes. Die Geschichte wirkt auf mich eher wie ein Exposé und hat für mich etwas Unvollständiges. Das Ende wird dann im Eiltempo, ohne nochmal groß Zeit mit Text zu verlieren, geradezu herbeigaloppiert und ist total irrwegig konstruiert nach dem Motto „Hauptsache Happy End“.
Die 3*** gibt es von mir für die nette Basis, aus der aber leider viel, viel zu wenig herausgeholt wurde.

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