Rezension: Paula Fürstenberg – „Familie der geflügelten Tiger“

img_3539Fakten:
Einband, Kiepenheuer & Witsch Verlag (KiWi), Erscheinungsdatum: 11.08.2016, 239 Seiten, 18,99 €

Autorin:
Paula Fürstenberg, geboren im Jahr 1987 und aufgewachsen in Potsdam, lebt heute – studierend und schreibend – in Berlin. Nach einem 2jährigen Auslandsaufenthalt in Frankreich studierte sie ab 2008 für 3 Jahre am Schweizerischen Literaturinstitut in Biel. Ausgestattet mit Auszeichnungen und Stipendien veröffentlichte sie mit „Familie der geflügelten Tiger“ ihren Debüt-Roman.

Handlung:
Anfang 2008: Die 21jährige Johanna hat Abitur, eine Wohnung in Berlin, einen Ausbildungsplatz als Straßenbahnfahrerin bei der BVG mit einem Ausbilder, der immer wieder neue DDR-Witze parat hat, einen männlichen Schwarm im Kollegenkreis, eine Leidenschaft für Landkarten und eine Mutter in ihrer Heimat in der Uckermark, die mal Tierärztin war und dann nichts mehr aus ihrem Leben gemacht hat. Nur einen Vater hatte Johanna bis dato nie. Bis er Johanna – auf Initiative von Johannas Halbschwester Antonia – plötzlich anruft und sehen möchte: Er hat Krebs im Endstadium. Um sein Verschwinden knapp 1 Monat vor Mauerfall ranken sich verschiedene Gerüchte. Doch niemand will oder kann Johanna die Wahrheit darüber erzählen – nicht mal ihr Vater, der kurz nach dem Kennenlernen sein Sprachvermögen an die tödliche Krankheit verliert. War vielleicht die Stasi an seinem Verschwinden beteiligt? Johanna bleibt nur, sich aus den vielen Geschichten über ihren Vater ihr eigenes Bild von ihm zum basteln …

Fazit:
Wie so oft bei Werken, die mehr so ins klassisch Literarische gehen – ich würde das Buch hier auch eher in Richtung Novelle einordnen – ist das Cover eher neutral gehalten und verrät nichts über die Geschichte an sich.
Obwohl es sich bei den 239 Seiten, die sich in großzügigem Schriftbild auf 27 Kapitel plus Epilog verteilen, um nicht so leichte Kost handelt, wirkt die Handlung – zumindest anfangs noch – spannend und das Buch lässt sich gut lesen. Zwischen den Kapiteln sind immer mal wieder fiktive Stasi-Berichte über Johannas Vater Jens eingestreut. Der Schreibstil war ein wenig gewöhnungsbedürftig. Vor Allem hat mich immer wieder verwirrt (was sich auch störend auf den Lesefluss auswirkt), dass die wörtliche Rede nicht in Anführungszeichen gesetzt war.
Ich hatte mich eigentlich sehr auf das Buch gefreut, zumal die Vorabinfos versprachen, dass es sich nicht um einen verklärten Ostalgie-Roman handelt, sondern eher um die Aufklärung eines Familien-Schicksals jener Zeit. Jedoch fühlte ich mich am Ende mit dem ein oder anderen Fragezeichen zurückgelassen.
Die Charaktere des Buches sind mir nicht sonderlich sympathisch und niemand ist mir auf irgendeine Weise ans Herz gewachsen. Vor allem die Persönlichkeit von Johanna fand ich ein wenig bizarr und gestört und konnte mich eigentlich fast nie mit ihren Gedankengängen und ihrem Handeln in irgendeiner Weise identifizieren. Da ich selbst die (Nach-)Wendezeit sehr bewusst erlebt habe, selbst Familie in der ehemaligen DDR habe, diese auch zu DDR-Zeiten häufig besucht habe, bin ich davon ausgegangen, dass mein Draht zu dieser Geschichte besser sein würde. Wenn auch die Idee, wenn man zu wenig über seine Familie, deren Geschichte und seine eigene Herkunft weiß, sich einfach eine eigene Geschichte zusammen zu basteln doch ziemlich interessant und bemerkenswert ist. Leider fehlt der Story nach meiner persönlichen Ansicht irgendwie das gewisse Etwas.
Mich konnte die Geschichte leider nicht berühren und mitreißen – daher leider nur 3***.

Vielen Dank an Kiepenheuer & Witsch für die Überlassung des Rezensionsexemplar (der Umschlag sah leider schon bei Ankunft wie abgebildet aus)! 

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