Rezension: Stefan Bonner & Anne Weiss – „Wir Kassettenkinder: Eine Liebeserklärung an die Achtziger“

imageFakten:
Paperback, Knaur, erschienen: 04.10.2016, 272 Seiten, 16,99€

Autoren-Team:
Stefan Bonner (Jahrgang 1975, lebt heute mit seiner Familie in Bergisch Gladbach) und Anne Weiss (Jahrgang 1974, wohnhaft in Köln) sind selbst beide in den 80er Jahren aufgewachsen und haben in diesem Buch ihre wichtigsten persönlichen Erinnerungen an diese tolle Zeit festgehalten, aber auch bedeutende Ereignisse, die die Generation der Kassettenkinder sehr geprägt haben. Während Stefan Bonner nach seinem Geschichtsstudium als Journalist und Lektor arbeitete, arbeitet Anne Weiss nach ihrer Lektoratstätigkeit (nach ihrem Studium) heute als freie Autorin und Übersetzerin. Gemeinsam haben sie schon mehrere humorvolle Sachbücher bei Bastei Lübbe veröffentlicht, von denen das bekannteste „Generation Doof“ ist.

Handlung:
Die 80er Jahre waren – nicht nur modisch, sondern auch musikalisch – ein kunterbuntes Jahrzehnt. Jedoch waren sie vor Allem eines: Die Kindheit und Jugend der in den 70er Jahre geborenen Kids mit all ihren Begleiterscheinungen: Musikaufnahmen vom Radio auf Kassetten-Recorder (damals noch eine große technische Errungenschaft), Hörspiele, Samstag-Abend-Unterhaltungsshows, Vorabend-TV-Serien, Umweltverschmutzung, kalter Krieg, Telespielen, AIDS, Aerobic, den ersten Heimcomputern, Tschernobyl, Familienurlauben und so vielem mehr. Und irgendwo zwischen all diesen Ereignissen wurden die 70er Jahre Kids in den 80ern erwachsen. Jeder hat diese Zeit auf unterschiedliche Weise gelebt und empfunden – hier erfahren wir, wie diese Zeit in der Rückschau von Stefan Bonner und Anne Weiss gesehen wird.

Fazit:
Das Cover ist so neon-bunt (fehlt nur noch neongrün) wie die Klamotten und der Nagellack in den 80ern war und zeigt einen Ausschnitt einer gezeichneten Kassette – also: Cover passend zum Titel des Buches.
Die 272 Seiten des Buches sind unterteilt in Einleitung sowie am Schluss das Nachwort und mittendrin in 4 große Kapitelbereiche, die sich folgenden Themenbereichen befassen: Schule und Freizeit; Ferien, Familie, Urlaub, Filme, TV; Tschernobyl, Umweltverschmutzung, Ernährung, politische Ereignisse, Mauerfall; Technik. Aufgelockert ist das Ganze zwischendurch mit Zeichnungen von Gegenständen, die uns durch das damalige Jahrzehnt begleitet haben und gleich mal nostalgische Erinnerungen wachrufen.
Jeder der Leser hat die 80er Jahre sicherlich anders er- und gelebt und andere Interessenschwerpunkte gehabt, von daher ist es schwierig, allen Lesern in Art und Umfang der Erinnerungen irgendwie gerecht zu werden.
Ich habe mich bei so vielen Dingen wiedergefunden und gerade im Hinblick auf die Schulzeit gestaunt, wie erschreckend ähnlich diese jeweils verlaufen ist – egal wo man diese Jahre, in denen man angeblich fürs Leben lernt, denn verbracht hat ;-). Der einzige Kapitelbereich, der für meinen Bedarf ein wenig kürzer hätte sein können, war das Kapitel über Technik (gerade Computer-Spiele), womit ich in den 80er Jahren noch nicht wirklich was anfangen konnte.
Gefreut habe ich mich sehr über die Erinnerung an bestimmte Radio-Sendungen (mit SWF3-Radiogott Elmar Hörig oder dem WDR2-Texaner Mal Sandock), TV-Serien, Filme (wobei ich meine heißgeliebten amerikanischen HighSchool-Komödien ein wenig vermisst habe), Roller Skates, die wundervollen Gesellschaftsspiele wie „Spiel des Lebens“ oder „Mankomania“ von MB, modische Entgleisungen, bestimmte Werbespots, vom Markt verschwundene Chips-Sorten (Trüller-Kartoffelchips – hm, die waren so lecker, schade, dass es die nicht mehr gibt – und die ersten LightChips „Ferechi“ von Bahlsen), Quench- und Ce-Frisch Getränkepulver, Sony-Walkman (den ich nie hatte) und Schneider-Stereoanlagen, Jugendzeitschriften wie Popcorn und Pop-Rocky, die es schon lange nicht mehr gibt (weil sie eigentlich nur ein Abklatsch von BRAVO waren) und vieles andere.
Es waren bestimmt einige Dinge damals weder gesund oder pädagogisch wertvoll (worauf ja heute mehr geachtet wird), aber wir haben dieses Jahrzehnt überlebt (ja, sogar das Fahren ohne Fahrradhelm und haben uns verabreden können, ohne vorher 20 What’sApp-Nachrichten deswegen zu versenden) und hatten meist noch mächtig Spaß dabei.
Natürlich hat man auch nicht an alles von damals so verklärte, harmonische Erinnerungen wie in dem Buch beschrieben: Familienurlaube mit den Eltern und Weihnachten (ja, tatsächlich Weihnachten) waren für mich immer nur die Hölle, wenn man immer nur die Billig-Imitationen der Dinge bekam, die man sich gewünscht hatte oder gleich irgendeinen Ramsch, den man nie wollte. Und der Urlaub ist gerade in der Pubertät grundsätzlich ist Streit ausgeartet.
Ich habe zwei Kritikpunkte an das Buch: Zum Einen sind mir einige Schreibfehler – wie z. B. Kojac (Kojak) oder Colt Sievers (Seavers) oder „LÜK – Lerne, übe, korrigiere“ (anstatt richtig: kontrolliere) und noch ein paar andere aufgefallen. Und das Zitat von Norbert Blüm über die Renten der Deutschen hieß doch eigentlich: „Die Rente ist sicher.“ Das hat mich als bekannte Rechtschreibpolizei doch ein wenig gestört 😉
Und den Preis von 16,99 € für ein Taschenbuch mit weniger als 300 großzügig bedruckten Seiten finde ich eigentlich recht teuer. Aber ich weiß ja, dass das Buch eigentlich als Einband (wegen des doppelten Taschenbuch-Umschlags) gewertet wird, was Verlage ja gerne schon mal machen, um sich damit auch auf der Spiegel-Bestsellerliste zu platzieren.
Dennoch hatte ich eine wunderbare Zeitreise – back in the 80ies – die mich an längst vergessene Dinge und Ereignisse (positiv wie negativ) erinnert hat.
Danke den beiden Autoren für ihre Erinnerungen an unsere Jugend.
Das war wirklich eine tolle, unterhaltsame Lektüre – bestens für hoffnungslose Nostalgiker geeignet und gebe hierfür eine 4****-Sterne-Leseempfehlung.
Eine Pflicht-Lektüre für alle Kinder der Achtziger 🙂

DANKE an Lovelybooks für dieses Buch und, dass ich an der Leserunde teilnehmen durfte 🙂

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