Rezension: Rieke Schermer – „Liebe wie gedruckt – ein Hiddensee-Roman“

imageFakten:
Taschenbuch, List (UllsteinVerlage), erschienen: 14.03.2016, 335 Seiten, 9,99€

Autorin:
Rieke Schermer ist ein Pseudonym der deutschen Autorin Susanne Lieder und gleichzeitig der Mädchenname ihrer Urgroßmutter, unter dem sie künftig Romane mit Inselflair publiziert. Susanne Lieder hat drei erwachsene Söhne und lebt mit Mann und vier Katzen bei Nienburg/Weser. Sie gehört zur Generation 50+, über die sie selbst sehr gerne schreibt und bereits zwei maritime Romane veröffentlicht hat, ebenso wie einen Krimi.

Handlung:
Hannah, Single, Mitte 30, hat bis zum Tode ihres Vaters in der elterlichen Konditorei mitgearbeitet, die sie gern wieder eröffnen würde. Sie liebt es, Hochzeitstorten zu entwerfen und Paare damit den „schönsten Tag ihres Lebens“ zu versüßen. Dazu müsste sie allerdings einen Konditormeister finden, der auf Hiddensee arbeiten würde oder oder selbst die Meisterprüfung ablegen – Hindernis ist, dass Hannah schon die Grundlage, die Konditoren-Ausbildung, fehlt und sie daher gar nicht erst die Meisterprüfung absolvieren kann. Sie ist Analphabetin, was sie immer gut kaschieren konnte. Als sich ein Konditormeister findet, den sie einstellt, scheint das Problem erstmal gelöst. Dennoch entscheidet Hannah, endlich einen Alphabetisierungskurs zu machen. Ihr Leben gerät vollkommen durcheinander, als sie bei der Anmeldung zum Kurs auf Arndt, ihren ehemaligen Jugendschwarm, trifft. Und zu allem Überfluss taucht auch noch ihr aufdringlicher Ex-Freund Jens wieder auf der Insel auf. Wie gut, dass ihre Angestellte Toni und ihre beste Freundin Silke mit Familie Hannah in diesem Gewühlswirrwarr zur Seite stehen …

Fazit:
Das Cover ist traumhaft schön und irgendwie zwischen maritim und romantisch anzusiedeln und sehr kontrastreich mit dem blauen Himmel, der grünen Wiese, dem Leuchtturm und dem sattroten Erdbeertörtchen – es lädt einfach zum Lesen ein.
Die 335 Seiten sind in 12 Kapitel, die jedoch teilweise ein wenig zu lang sind für meinen Geschmack + Danksagung unterteilt. Das Druckbild ist aber sehr angenehm und großzügig.
Als ich seinerzeit die Vorankündigung für diesen Roman in der Verlagsvorschau sah, ist er gleich auf meine Wunschliste gewandert. Das sehr mutige Thema „Analphabetismus“ als Aufhänger für diese Story fand ich sehr mutig und ungewöhnlich und hat mich sehr neugierig gemacht.
Schon während des Lesens ging mir sehr oft die Frage durch den Kopf, wie schwierig es für die Autorin beim Schreiben möglicherweise vielleicht manchmal war, ständig darauf zu achten, dass keine Tätigkeit, die mit Lesen und Schreiben annähernd zu tun hat (z. B. SMS oder E-Mails abrufen, eine Speisekarte oder Rezepte durchlesen, etwas unterschreiben etc.) in Zusammenhang mit der Protagonistin erwähnt wird?! Ich stelle mir das sehr schwer vor, da das eigentlich alles für uns so unglaublich selbstverständlich geworden ist. Ich habe dann auch nachgedacht, wie leer mein Leben wäre, wenn ich nicht lesen oder schreiben könnte, weil davon wirklich alles abhängt – sowohl meine ganzen Hobbys (wie Kochen, Briefe und E-Mails schreiben, Lesen, Bloggen, Kreuzworträtsel lösen, Reisen und vieles mehr), aber auch mein  Beruf, ohne den ich sozial nicht existieren könnte oder Auto zu fahren. Auf einer kleinen Insel wie Hiddensee, wo Hannah ihr ganzes Leben verbracht hat, ist es problemlos möglich, sich zu orientieren, aber wie funktioniert ein Leben als Analphabet z. B. in einer Großstadt, wenn man keine Wegweiser, kein U-Bahn-Beschilderungen, keine Hinweisschilder in Ämtern, keine Formulare usw. lesen kann?! Ich selbst hatte als Jugendliche in meinem allerersten Ausbildungsjahr als Sekretärin einmal mit einem Gärtnergehilfen in einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme zu tun, der Analphabet war und ebenfalls so gut wie möglich versuchte, sich das nicht anmerken zu lassen, was aber nur über begrenzte Zeit gelang.
Der Schreibstil der Autorin, von der ich bisher noch nichts gelesen hatte, hat mir sehr gut gefallen – eine sehr schön zu lesende Geschichte, in die man sich hineinfallen lassen kann und die man wirklich an einem sonnigen Nachmittag an Strand oder auf dem Balkon weglesen kann. Auch die Schilderungen über Hiddensee haben mich so neugierig gemacht, dass ich mir einen TV-Report über die Insel angeschaut habe, um eine bessere Vorstellung von dem Ort zu haben, über den ich da gerade lese. Die Protagonisten sind allesamt sehr schlüssig in ihrem Verhalten und charakterlich nahezu alle sehr sympathisch dargestellt, besonders Silke und ihre Familie und Toni und Markus.
Das Einzige, das mich an diesem Buch wirklich ein wenig gestört hat, ist die Form des Happy Ends, wie es in Frauen-Romanen leider immer wieder so gern ganz märchenhaft als Allheilmittel verwendet wird, auch wenn es dramaturgisch vielleicht ganz gut passt. Frauen können heutzutage noch so viel mehr und müssen gar nicht mehr, um glücklich zu werden, auf Kirche, Kerl und Kinder reduziert werden.
Ansonsten kann ich für diesen wirklich sehr schönen Roman eine 4*-Leseempfehlung aussprechen und hoffe, dass er anderen Leserinnen ebenso so schöne Lesestunden beschert, wie mir. Eine ideale Urlaubslektüre 🙂

Herzlichen Dank an den Ullstein-Verlag (List) und Susanne Lieder (alias Rieke Schermer) für die Überlassung dieses Rezensionsexemplars!

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