Rezension: Charly von Feyerabend – „Tieffliegende Liebe“

imageFakten:
Taschenbuch, Montlake Romance, erschienen: 15.03.2016, 339 Seiten, 9,99€ (auch als eBook zu 4,99€ erhältlich)

Autorin:
Charly von Feyerabend ist schon rumgekommen: Geboren in Baden, wo sie auch aufwuchs und ihr Abitur absolvierte, dann im süddeutschen Ländle eine Ausbildung im Hotelfach machte, studierte sie dann in Bielefeld Literaturwissenschaften, Medienpädagogik und Texttechnologie. Danach arbeitete sie im PR- und Marketing-Bereich. 2007 zog es sie dann für 5 Jahre  nach Norwegen, wo auch ihr erster Roman „Ich glaub, mich knutscht ein Troll“ (erschienen am 01.07.2013 bei Schwarzkopf & Schwarzkopf, 9,95€, als eBook 6,99€) entstanden ist und auch dort spielt. Nach ihrer Rückkehr nach Deutschland verschlug es sie nach Berlin, u. a. in die Mode-Branche. Neben ihrer Tätigkeit als Autorin, erfindet sie Spiele und führt erfolgreich einen Blog und mehrere Websites und ist sehr aktiv in den sozialen Netzwerken.

Handlung:
Fritzi Willibald, kinderlose Thirtysomething Single-Frau wider Willen, von Beruf Grafikerin, verliert ihren Job, weil sie gegen eine der von ihr so verhassten Blondinen „eingespart“ wird. Um sich abzulenken, fährt sie aus dem badischen Bühl kurzfristig zu ihrer langjährigen Freundin Anna, einer Stylistin, die sich gerade ihr Business aufbaut, nach Berlin. Allerdings hat Anna schon kurz nach Fritzis Ankunft einen Unfall verbunden mit einem Klinikaufenthalt. Dies zwingt Fritzi aus ihrer Lethargie und sie versucht nicht nur als Ersatzmutter für Annas Töchter Cecilia und Ottilie da zu sein, sondern auch so gut es geht Annas Job als Stylistin fortzuführen – und das, obwohl sie von Mode ebensowenig Ahnung hat wie von Kids, die im Kindergarten- und Teenie-Alter sind. Unterstützung findet sie durch den gutaussehenden Kindergarten-Papi Dario und Annas Nachbarn Tristan. Durch eine Namensverwechslung zieht Fritzi in Annas Namen mehrere Jobs, u. a. einen Job auf der Fashion Week an Land, kann aber nicht vermeiden, den Stylisten, dem dieser Job eigentlich galt, zufällig kennenzulernen und ihn zudem nicht gerade unattraktiv zu finden. Weitere Verstärkung bekommt sie im Job- und Gefühlschaos dann noch durch ihren nicht minderchaotischen Bruder Olaf. Gerade als Fritzi sich in dem Chaos einigermaßen einzurichten versucht, fordert das Leben sie erneut …

Fazit:
Das Cover finde ich wirklich toll – und das, obwohl meine Hass-Farbe Gelb dort vertreten ist – die jedoch in der hier verwendeten außergewöhnlichen Nuance mit Magenta zusammen super harmoniert, dann die Skyline von Berlin im Hintergrund und der kleinen Ninja-Kämpferin als Comic-Figur – womit auch der Bezug zum Roman gegeben ist – echt ein Blickfang.
339 Seiten Länge ist für einen Roman Normalmaß und perfekt, allerdings hätte ein größeres, nicht so enges Schriftbild gewählt werden können. Die Kapitellänge ist sehr unterschiedlich – manchmal ein wenig zu lang. Es gibt jedoch innerhalb der Kapitel Unterteilungen in Abschnitte, die Leseunterbrechungen erleichtern. Zudem sind die Kapitel durch niedliche Illustrationen aufgelockert (irgendwie erinnert mich das ein wenig an die TV-Serie „Berlin, Berlin“ damals). Jedes Kapitel wird eingeleitet durch den Spruch einer berühmten Persönlichkeit. Etwas störend im Lesefluss fand ich die vielen Fußnoten, die sich zum Großteil auf im Buch erwähnte Zitate aus „Asterix und Obelix“-Heften beziehen. Der Schreibstil der Autorin ist klasse: Ich mag die flotte Sprache, Wortspielereien und die kleinen Anspielungen (mein Favorit: „Dario blickte Tristan an, als hätte er einen längst verstorbenen Dinosaurier gesichtet.“ – das werden auf jeden Fall die Berliner verstehen, da der T-Rex „Tristan“ ja gerade hier im Naturkundemuseum steht).
Fritzi ist liebenswürdig, chaotisch und ein wenig verpeilt und bringt sich selbst immer wieder in turbulente und aberwitzige Situationen. Vom beschaulichen Bühl in Baden in die quirlige Großstadt Berlin wird sie raus aus ihrem Kummer rein ins Leben geschubst und versucht aus jeder Situation, ja selbst aus dem Unfall von Anna, das Beste zu machen – nicht für sich selbst, sondern für Anna, deren Töchter, Annas Kunden und überhaupt. Mit ihr würde ich auch gern – wie ihre Kundin Elisabeth – eine Tour durch den Prenzlauer Berg machen, wobei ich viele Dinge dort auch empfehle: „Kahrmanns Own“ im Bötzow-Viertel (super leckere weiße Trinkschokolade!), das DDR-Alltagsmuseum in der Kulturbrauerei (sehenswert, Eintritt frei, da es ein Ableger ist vom „Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland“ in Bonn, das selbst eh eines der tollsten deutschen Museen ist), der Möbelladen (Fischers Lagerhaus – auch in anderen deutschen Städten mit außergewöhnlichen Möbeln und Deko aus allen Kontinenten) und noch so Einiges. Sie ist menschlich, macht Fehler und denkt oft erst über ihr Handeln nach, wenn es fast zu spät ist. Ich mag Fritzi gerade deshalb, weil sie keine so glatte Protagonistin ist, wie sie durch Verlage schon mal gerne marktgerecht in Romanen platziert werden und die Handlung oft vereinheitlichen (oft die gleichen Berufe, Handlungsstränge, Love-Stories und HappyEnds), was hier ganz und gar nicht der Fall ist. In der Handlung und Fritzis Leben gibt es immer wieder Brüche, die zwar nicht immer realistisch, aber unglaublich unterhaltsam sind, und trotz des Titels handelt es sich hier nicht um eine Liebesschnulze. Fein auch, dass Fritzi eine Protagonistin ist, die sich nicht gleich mit jedem im Roman auftauchenden Kerl einlässt, sondern in dieser Hinsicht entgegen ihrem sonstigen Naturell eher vorsichtig durchs Leben geht 😉
Bei dem Ende habe ich doch ein wenig mit mir gehadert, ob das in dieser krassen Form wirklich sein musste und nach kurzer Überlegung muss ich sagen: Ja! Respekt vor der Autorin, auch hier einen Bruch zu begehen und ein Ende zu wählen, das man nicht unbedingt erwartet und ein Thema anzusprechen, dass man sonst eher aus medizinischen Infosendungen oder den Nachrichten kennt! Aber genau ist das Leben: Es schlägt manchmal mit voller Breitseite zu, egal was man zuvor für Vorstellungen hatte und dazu gehören nun mal nicht immer die zuckersüßen Situationen …
Sehr oft habe ich mir beim Lesen die Frage gestellt, wieviel Charly in Fritzi steckt 😉
Von mir gibt es eine 5*****-Leseempfehlung – dieser Roman hat echt irre viele Facetten von witzig, über mutig bis traurig!
Ich hoffe sehr, dass es aus dem Leben von Fritzi noch eine Fortsetzung gibt – neben dem bereits erschienen eBook „Stänkern über Blond: Gute Gründe, Blondinen nicht mehr zu grüßen“, ein „Sachbuch“, das aus diesem Roman hervorgegangen ist 🙂

Ganz lieben Dank an Charly von Feyerabend für die Überlassung dieses Rezensionsexemplars 🙂


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