Review zur Lesung von Abini Zöllner – „Hellwach – gute Nachtgeschichten und andere Schlaflosigkeiten“ am 28.10.2015 in Berlin

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imageimageNachdem wir jetzt längere Zeit nicht mehr auf Lesungen waren, gibt es nun heute endlich mal wieder einen Lesungsbericht von mir.

Am gestrigen Mittwoch, 28.10.2015, fand um 19:30 Uhr in der legendären Karl-Marx-Buchhandlung in Berlin-Mitte – deren Exterieur manchen zumindest aus dem Film „Goodbye Lenin“ bekannt sein dürfte – eine Lesung von Abini Zöllner statt.

Ich hatte ja gerade erst vor ein paar Wochen ihre Biographie „Schokoladenkind“ gelesen und rezensiert und war da schon vollkommen begeistert von ihrem mitreißenden Schreibstil und ihrer Sprache und hatte direkt ihr neues Buch auf meine Wunschliste gesetzt: „Hellwach – gute Nachtgeschichten und andere Schlaflosigkeiten“ – ein Kurzgeschichten-Band, der sich auf humorvolle Weise mit den Schlafproblemen der Autorin, die im täglichen Leben Redakteurin und Kolumnistin bei der „Berliner Zeitung“ ist, beschäftigt. Aus diesem Buch wurde auch bei der Lesung vorgetragen.

Vorher wollten wir eigentlich noch ins fast benachbarte „Café Sibylle“ – gleichnamig mit DER Frauenzeitschrift der ehem. DDR), das auch ein kleines DDR-Museum beherbergt und absolut retro ist. Doch leider schloss das Café natürlich ausgerechnet an jenem Abend wegen einer Grundreinigung die Türen bereits um 19 Uhr, so dass wir leider nur einen ganz kleinen Einblick in diese sicherlich interessante Location bekamen.

Bis zum Einlass sind wir dann noch ein wenig die architektonisch sehr beeindruckende Karl-Marx-Allee hoch und runter gewandert, die gesäumt ist von Bauten im „Zuckerbäcker-Stil“ – irgendwo zwischen Bauhaus, Stalinismus und Art Déco – eine spannende Gegend, die allerdings – zu unserer Enttäuschung – wirklich eine gastronomische Einöde ist 😉 – aber gern würde ich in diese Ecke Berlins mal eine Zeitreise machen in die Zeit vor der Wende.

Die dunklen Holz-Bücherregale in der ehem. Buchhandlung, die heute nur noch als Literatur-Salon bzw. für Veranstaltungen und Filmaufnahmen dient, gehen in die Wandvertäfelung über und sind bestückt mit unzähligen Gebraucht-Büchern, die wohl als Deko dienen. In den Räumlichkeiten gibt es eine kleine Bar, an der es vor der Lesung Wasser und auch Wein gab.

imageimageKurz nach 19:30 Uhr begann dann die Lesung, die Abini Zöllner mit einer kurzen Vorstellung des Buches und darüber, wie dieses Buch entstanden ist, sowie einem kleinen, sehr schön zusammengeschnittenen Einspielfilm über die Nächte in Berlin einleitete. Dann folgten die ersten Kapitel aus dem Buch, die Abini Zöllner mit ihrer angenehmen Stimme vortrug und das Publikum der sehr gut besuchten Lesung mitriss und immer wieder zum Lachen brachte mit ihrer humorvollen Art.

Aber auch traurige Kapitel, wie die nächtliche Todesnachricht von Abinis über alles geliebter Mutter – liebevoll Mamel genannt – werden erwähnt. Hierzu hat Abini Zöllner einen wundervollen, mit viel Herz und Seele gestalteten Einspielfilm als Hommage an ihre Mutter gezeigt, der mich zu Tränen gerührt hat. Man merkt der Autorin an, welch große Lücke sie in ihrem Herzen hinterlassen hat. Schon als ich „Schokoladenkind“ gelesen habe, habe ich gedacht, wie stolz Abini Zöllner sein kann auf ihre so liebevolle Mamel – denn ich weiß aus eigener Erfahrung, dass sowas leider nicht immer selbstverständlich ist. Natürlich werden auch Abinis Mann Tommy und ihre Kinder Rubini und Raoul in dem Buch ebenfalls immer wieder herzlich erwähnt.

Mit einer großen Portion Humor, aber auch mit viel Stolz geht Abini Zöllner – zu Recht – mit ihrer Hautfarbe um, einem Geschenk aus den Genen ihres Vaters, die aber, wie sie in einem Kapitel mit Augenzwinkern verrät, schon oft zu Verwechslungen geführt hat und womit sie in Deutschland für eine Ausländerin – oder im Ausland für eine Einheimische – aber auch Kellnerin, Verkäuferin usw. gehalten wurde.

Die Gäste der Lesung bekamen an diesem Abend sehr viele abwechslungsreiche Geschichten aus einem tollen, sehr schön aufgemachten Buch geboten – von den über 60 kleinen Kapiteln des Buches (die sich durchaus eignen, um sie selbst in schlaflosen Nächten zwischendurch zu lesen 😉 ) wurden 18 vorgetragen und es gab sogar noch Zugaben. Man hätte ewig zuhören können.

Abini Zöllner ist genau so, wie ich sie nach der Lektüre von „Schokoladenkind“ eingeschätzt habe: Eine sehr offene, ehrliche und herzliche Person mit einem ansteckenden Lachen und einem großen Herzen, die man einfach auf Anhieb gern hat :-). Sie steht mit beiden Beiden fest im Leben, ist sehr natürlich und nicht abgehoben und eine hellwache Persönlichkeit ;-). Ich habe mich sehr gefreut, dass ich sie an diesem Abend persönlich kennenlernen durfte und sie auch noch Zeit für ein kurzes Gespräch hatte und meine beiden Bücher von ihr mit einer so netten Widmung signiert hat.

Und um eines beneide ich sie ein klein wenig – und zwar um ihren Job, der auch immer mein Traumjob war und den ich mir durchs Bloggen wenigstens noch zu einem kleinen Teil erfüllen kann …

Danke für diesen wirklich tollen Lesungsabend – ich hoffe sehr, dass es ganz bald Nachschub gibt mit lesens- und hörenswerten Geschichten in dieser Art 🙂

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