Gedanken über das Leben …

… macht man sich nicht einfach so, sondern hat leider meist einen Anlass dafür.
Da ich ja jemand bin, der ziemlich offen mit seinen Gedanken und Gefühlen umgeht (für manche vielleicht sogar zu offen), muss ich mir das einfach mal von der Seele schreiben.

In meinem Fall war der Anlass die Diagnose „Thrombose im re. Unterschenkel“, die ich am Montag-Nachmittag bestätigt bekam.
Seit Samstag Morgen hatte ich starke Schmerzen in der Wade – vor Allem wenn ich gesessen oder gelegen hatte, konnte ich kaum auftreten. Ich hab das aber erstmal auf einen unbemerkten nächtlichen Wadenkrampf geschoben, der sich nicht löste. Aber jede Berührung kurz unterhalb der Kniekehle war sehr schmerzhaft und ein Muskelrelaxantium zeigte auch keine Wirkung. Ein kleiner Bluterguss hatte sich auch unter der Kniekehle gebildet.
Sonntag Abend war ich dann doch irgendwie ein wenig alarmiert, ganz einfach, weil Gefäß- und Venenerkrankungen leider in meiner biologischen Familie sehr verbreitet waren und eine Thrombose im Bein bei meinem Vater Anfang 2001 einen schweren Schlaganfall ausgelöst hatte, weil sich nach einer Katheterbehandlung der Blutpfropfen einen neuen Weg Richtung Gehirn gesucht hat.

Mein Mann war auch krank vor Sorge und hat die Nacht von Sonntag auf Montag gar nicht geschlafen.
Meine Hausärztin hatte mir vorsorglich Heparin zur Blutverdünnung gespritzt und mich gleich zur sonographischen Diagnostik zu einem Radiologen überwiesen, wo ich als Notfall behandelt wurde. Die erste Vermutung hat sich dann leider bestätigt.
Ich habe dann gleich mal 8 Röhrchen Blut abgenommen bekommen und musste einer genetischen Blutuntersuchung schriftlich zustimmen, um der Sache auf den Grund zu gehen, ob eine bestimmte Erbkrankheit nicht vielleicht ursächlich ist.

Jetzt bin ich erstmal gezwungen, blutverdünnende Medikamente einzunehmen – ob dauerhaft, wird dann die Blutuntersuchung zeigen. Die Schmerzen im Bein werden seit gestern zwar langsam besser, aber erst jetzt realisiere ich, dass das auch alles hätte schlimmer ausgehen können, wenn ich vielleicht nicht so schnell reagiert hätte – und habe ständig die Situation mit meinem Vater damals vor Augen. Ich habe das bisher echt versucht zu verdrängen und zu überspielen. Ich schwanke mit meinen Gefühlen derzeit immer zwischen Angst und munterem Überspielen der Situation, was aber bei meinem Mann wohl den Eindruck erweckt, ich würde meine gesundheitliche Lage nicht ernst genug nehmen. Ich denke dann immer noch: Es ist ja nichts Lebensbedrohliches wie z. B. Krebs – aber ist es das wirklich?! Eigentlich doch, denn ich weiß ja um die Folgeerkrankungen, die damit verbunden sein können …! Dabei bin ich gerade mental einfach total verunsichert, wie ich diese Erkrankung für mich selbst am besten verarbeiten kann.

Irgendwie fühle ich mich mental viel jünger als derzeit körperlich – daher ist es ein wenig unfair vom Leben, auch, wenn ich immer noch das Glück habe, immer wieder jünger geschätzt zu werden, als ich tatsächlich bin 😉

Und eigentlich geht es mir so gut, wie nie zuvor in meinem Leben: Ich lebe und liebe in meiner Traumstadt Berlin, die Katzen sind derzeit gesund, ich habe den ganz Kölner Ballast hinter mir gelassen, habe mich nach 25 J. getraut, einen unliebsamen Arbeitgeber hinter mir zu lassen, bin aus einer vor mehr als 2 J. aussichtslosen Situation gestärkt rausgegangen, wechsle in meinen Lieblingskiez und habe viele nahestehende Herzensmenschen, die mich – teilweise schon sehr lange – durchs Leben begleiten. Und dann kommt so etwas wieder dazwischen …

Klar ist, dass diese blöde Diagnose  jetzt schon irgendwie mein Leben verändern wird und ich jetzt mehr auf mich selbst achtgeben muss: Täglich gesundes Laufen bzw. Gehen (obwohl ich ja von je her ein allseits bekannter Sporthasser bin – aber mein Mann will sich ja leider nicht auf den Deal einlassen, wie sehr mir ein Mops beim täglichen gesunden Gehen helfen könnte), alle Nebenwirkungen der Einnahme des Blutverdünners immer wieder bedenken – und das in ganz banalen Lebenslagen: beim Gemüse-Schnipseln, Insektenstiche aufkratzen, keine spontane Zahnbehandlung (wenn es mal eine Plombe nicht mehr an ihrem Platz hält), Vorsicht im Umgang mit Papier und Pappe (womit ich mir sonst eigentlich immer Schnitte zufüge), regelmäßiges Tragen von sexy hautfarbenen Kompressionsstrümpfen usw.

Ich muss sagen, dass man über Facebook sagen kann, was man will – auch ich habe ja durchaus meine schlechten Erfahrungen dort gemacht mit einer psychopathischen Stalkerin damals. Aber mir hat es diese Woche wirklich sehr geholfen, dass ich meine Krankheit dort gepostet habe und soviel Zuspruch  und Mut vermittelt bekommen habe von Mädels, die selbst schon die gleiche Diagnose hatten! Denen möchte ich hier einfach mal Allen von Herzen danken ❤

Tja, jetzt werde ich einfach mal schauen, was die Zeit bringt und wie ich lerne damit umzugehen – aber irgendwie hat es mir schon ein wenig geholfen, das jetzt mal hier niederzuschreiben.

 

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3 Kommentare zu “Gedanken über das Leben …

  1. Alles Gute fuer Dich. Ich kann mir sehr gut vorstellen, wie aufgeruettelt Du Dich fuehlst. Solche ploetzlichen, schmerzhaften Warnsignale, die unser Koerper uns setzt, konfrontieren uns mit unserer Sterblichkeit – und das ist schwer hinzunehmen, vor allem, wenn man keine zwanzig mehr ist. Man kann sich das auch nicht schoenreden, Durchhalteparolen kommen mir zumindest vor wie Spott („Alles wird gut“ etc. – wer weiss denn das?). Dennoch habe ich (pferdegesund bis 2014, dann ebenfalls ein solches Warnzeichen) festgestellt, dass etwas sehr Starkes, Schoenes damit im Schlepptau geht: eine geradezu wuetende Liebeserklaerung ans Leben, eine wilde Entschlossenheit, es zu nehmen, bei den Schultern zu packen und mit allen Sinnen auszukosten. Wir haben ein so schoenes Jahr wie 2015 seit den Geburten unserer Kinder nicht erlebt – und schuld daran ist dieses physische Spueren: es ist endlich. Unsere Sommer sind gezaehlt, und die Zahl bestimmen nicht wir. Was wir von der Welt noch sehen wollen, muessen wir jetzt sehen, wen wir umarmen wollen, umarmen wir besser heut‘ nacht.

    Ich wuensche Dir und Deiner Familie Kraft und Beistand und gute Gedanken.
    Charlie

  2. Ach Liebes… Immer diese blöde Gesundheit… Das kann einem schon was vermiesen! Aber ich weiß ja aus eigener Erfahrung, dass man erstaunlicher Weise doch mehr verarbeiten kann, als man selbst glaubt.

    Ich kann Dir nur wünschen, dass Du aus dieser Situation auch wieder was positives ziehen kannst und auch das Dich stärkt! Von ganzem Herzen!

    Bewegung soll ja gut sein, jo, das sagt man mir auch, sowohl für die Bandscheibensache, als auch für meine Autoimmunerkrankung, die Diabetes…alles *lach* Ich fahr mit Schwimmen da wirklich ganz gut, aber wenn Du laufen sollst, versuchs doch mal mit Walken. Gibt doch nette Grüppchen, da müsste doch auch in Deinem Beritt was zu machen sein 🙂

    Halt mich mal auf dem Laufenden, wies Dir so geht…. ich glaub, ich muss mich mal wieder zwingen, anders zu korrespondieren, als über Whatsapp 😉

    Liebste Grüße, auch an Jens, gutste Besserung und Knuddels für die Mädels :*

    Bine

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