Rezension: Julia K. Stein – „Liebe kann man nicht googeln“

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Fakten:
Taschenbuch, Gmeiner-Verlag, erschienen: 05.02.2014, 440 Seiten, 9,99€ – auch als eBook erhältlich

Autorin:
Julia K. Stein wurde im nordrhein-westfälischen Dinslaken im Ruhrgebiet geboren. Gleich mit 18 zog es sie nach dem Abitur in die USA, wo sie in Berkeley/Kalifornien und an der Wesleyan University ihren Bachelor in Englischer Literatur machte. Sie legte dann noch einen Magister in Philosophie in Bonn nach und promovierte. Schon während des Studiums gründete sie einen kleinen Sachbuchverlag und verlegte Ratgeber – schrieb auch später selbst Ratgeber und Sachbücher –  und gab mein Magazin für USA-Interessierte heraus. Es folgte ein Umzug nach Berlin, wo sie als Werbetexterin und Online-Redakteurin tätig war. Dann veröffentlichte und übersetzte sie Ratgeber, Sachbücher und Gedichte und lebte nochmal zwei weitere Jahre in den USA – dieses Mal an der Ostküste. Nach ihrer Rückkehr nach Deutschland unterrichtete sie u. a. an der Uni Bonn und der VHS München die Kurse „Kreatives Schreiben“ und „Gedichte schreiben“. Im November 2013 veröffentlichte sie als Selfpublisherin über Amazon CreateSpace ihren Jugendroman „Ich und andere uncoole Dinge in New York“. Im Februar 2014 erschien dann mit „Liebe kann man nicht googeln“ bei Gmeiner ihr erster ChickLit-Roman, zu dem sie sowohl eigene Erfahrungen als auch Gespräche mit ihren internetaffinen Freundinnen inspirierten. Die Fortsetzung heißt „Vergoogelt“ und ist jetzt gerade im August 2015 ebenfalls bei Gmeiner erschienen. Julia K. Stein ist lebt mit ihrer Familie in München.

Handlung:
Lena Heister, 33 J. alt, Journalistin beim Münchener Frauenmagazin „Grace“, ist nach einer 11jährigen Beziehung wieder Single. Da sie sich eh schon den ganzen Tag im Internet aufhält, dort leidenschaftlich gerne shoppt und sich auf Facebook rumtreibt, kommt ihr die Idee, einen Blog zu betreiben, auf dem sie von ihren Erlebnissen als Neu-Single berichtet. Sie hat sich vorgenommen, mal wieder so richtig auf den Putz zu hauen und da kommt ihr der Junggesellinnen-Abschied ihrer Freundin Caro auf Sylt mehr als gelegen. Blöd nur, dass sie ausgerechnet auf Sylt ihrem neuen Traummann, Björn aus Hamburg, begegnet, der sie dort gleich mal in der ein oder anderen peinlichen Situation erlebt. Leider versäumt sie es, mit ihm die Kontaktdaten auszutauschen – das einzige, das sie von ihm weiß, ist dass er in Kürze einen Job in München antritt und eigentlich vergeben ist. Auch ihre groß angelegte Suche im Internet bleibt erfolglos, bis sie Björn in München plötzlich zufällig in einem Restaurant wiederbegegnet – leider tatsächlich in Begleitung. Ab sofort setzt Lena alles daran, ihren Traummann zu erobern, pimpt ihr Profil Björn-gerecht auf mit Interessen wie Bergwandern und Segeln und stellt sich als ernstzunehmende, karriereorientierte Journalistin dar – obwohl sie viel lieber shoppt, Muffins futtert und sie längst nur noch „freie Mitarbeiterin“ bei „Grace“ ist, die sich langsam zum Schmierblatt entwickelt. Aber sie lässt auf so ziemlich allen Ebenen im Leben kein Fettnäpfchen aus, um endlich Björns Freundin zu werden …

Fazit:
Ein passenderes Cover für einen Blogger-Roman hätte man kaum entwerfen können: Das Cover sieht aus wie ein Tablet und enthält im Bild Herzchen in verschiedenen Pink-Tönen, die die Verbindung zum ChickLit-Roman herstellen.
Der Roman hat 440 Seiten, die zwar nicht in Kapitel unterteilt sind, dafür aber in Lenas mal kürzere und mal recht lange Blog-Beiträge. Das Schriftbild finde ich persönlich ein wenig klein geraten.
Der Schreibstil der Autorin ist offen, ehrlich, witzig – ganz einfach Dialoge mitten aus dem Leben, wie sie wohl jeder schon mal irgendwann mit Freundinnen oder Eltern geführt hat – nur vielleicht eben nicht mit diesem speziellen Humor, weil es an manchen Stellen, wie es sich für einen echten ChickLit-Roman gehört, eben doch ein wenig überzogen dargestellt ist. Aber genau das mag ich an diesem Buch.
Natürlich hatte ich mich vor dem Lesen schon mit den Kritiken dieses Romans auf Amazon beschäftigt, die wahnsinnig unterschiedlich ausgefallen sind und hatte dann bei Lesebeginn schon ein wenig Bedenken, ob der Roman wirklich das Richtige für mich ist. Aber das ist schon gleich nach den ersten Zeilen wieder verflogen, weil das Buch schon so herrlich turbulent beginnt.
Schon nach wenigen Seiten finde ich mich erstmal in meinem ehem. Kölner Veedel, der Südstadt, in der Wohnung von Lenas Vater am Ubierring wieder (nur ein paar Meter Luftlinie von meinem Ex-Zuhause am Rhein entfernt), worüber ich gleich mal schmunzeln musste – aber nicht nur darüber 😉
Lena spiegelt für mich sehr gut das Bild vieler Thirty-Somethings wider: Trennung nach (langjähriger) Beziehung hinter sich, den Platz im Leben so ein bisschen verloren und nochmal dort loslegen, wo man mit 20 aufgehört hat (Discos, Partys, Kerle) – und dabei (vielleicht auch unbewusst) in Kauf nehmen, manchmal ein wenig peinlich rüberzukommen. Lena und ihre Freundinnen erfüllen so manche Klischees und sind manchmal auch ein wenig oberflächlich. Sie selbst ist manchmal ein wenig anstrengend, aber wer z. B. Roman-Heldinnen wie Becky Bloomwood, Bridget Jones oder Polly McLaren mochte, wird auch Lenas chaotisches, romantisches und manchmal unbedacht komisches Wesen einfach mögen.
„ChickLit as ChickLit can“ – fällt mir zu diesem Roman ein.
Das Buch bietet alle Facetten eines modernen ChickLit-Romans mit einer liebenswürdig-chaotischen und manchmal auch nervigen Protagonistin, mit etwas merkwürdigen, schrulligen Eltern, die den Traumprinzen quasi schon an der Angel hat und so manch bösen Nebencharakteren – das alles verpackt mit viel Humor in teilweise aberwitzige Situationen, die einen immer wieder aufs Neue zum Lachen bringen.
Ich hab in jeder freien Minute in diesem Buch geschmökert, mit Lena gelebt und gelitten und hätte sie auch manchmal gern vor dem ein oder anderen Fettnapf bewahrt, was mich aber sicherlich auch um viele unterhaltsame Szenen gebracht hätte …
Dieses Buch kann man sich auch bestens als Film vorstellen!
Für mich war es allerbeste Unterhaltung, geschrieben von einer deutschen Autorin, von der hoffentlich noch mehr Lektüre dieser Art erscheinen wird.
Weil mich zu jedem Zeitpunkt interessiert hat, wie es mit Lenas Leben so weitergeht, beginne ich jetzt – entgegen meiner eigentlichen Leseplanung – gleich nach diesem Buch mit der Fortsetzung „Vergoogelt“ und freue mich schon total darauf!
Erfrischend anders, abwechslungs- und temporeich und wirklich lustig, so muss ein humorvoller Frauenroman sein.
Dafür gibt es eine 5*****-Leseempfehlung von mir 🙂

Herzlichen Dank an den Gmeiner-Verlag für die Überlassung dieses Rezensionsexemplars 🙂

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