Rezension: Claudia Brendler – „Fette Fee“

imageFakten:
Taschenbuch, dtv, erschienen: 01.01.2015, 299 Seiten, 9,95€

Autorin:
Claudia Brendler ist ein künstlerisches Multi-Talent: Sie studierte eigentlich Philosophie, Germanistik und Englisch in Frankfurt, wechselte dann aber ins musikalische Fach und studierte klassische Gitarre in Darmstadt. Dieses Studium schloss sie als staatl. geprüfte Instrumentalpädagogin ab. Sie spielte in diversen Bands unterschiedlicher musikalischer Richtungen von Punk bis Free Jazz und arbeitete als Dozentin für Gitarre an verschiedenen Musikschulen. Weiterhin ist sie eine Hälfte des nicht unbekannten Comedy-Duos „Queens of Spleens“, mit dem sie diverse Bühnenprogramme, TV- und Radio-Auftritte hatte und CDs veröffentlichte. Hinzu kommt ihre Begabung fürs Schreiben, die sie zunächst durch die Veröffentlichung von Kurzprosa, Mitarbeit an einem Bühnen-Drama sowie als Co-Autorin anderer Comedians auslebte. Seit 2012 sind verschiedene Romane (freche Frauen-Literatur) von ihr erschienen: „Eiertanz“ bei Droemer Knaur, die Fortsetzung davon „Paarungszeit“ im Frühjahr 2013, dann „Dösende Möwen“ bei Knaur im März 2014 und Anfang 2015 nun „Fette Fee“ bei dtv. Claudia Brendler lebt und arbeitet in Frankfurt am Main.

Handlung:
Jill G. hat eigentlich alles im Leben, was man nicht gebrauchen kann: Einen unliebsamen Vornamen, der eigentlich „Gundula“ lautet; das Alter befindet sich bereits jenseits der 40; eine gescheiterte Karriere als weiblicher Comedian; eine Wohnung in Berlin-Neukölln, die sie sich aufgrund chronischen Geldmangels schon lange nicht mehr leisten kann und eine ausgeprägte Leidenschaft für Rotwein. Was sie nicht hat, ist ein konkreter Plan B. Daher lässt sie Hals über Kopf in Berlin die wenige Habe zurück, sucht spontan einen Nachmieter für ihre Wohnung und macht sich auf den Weg nach Köln. Dort will sie sich dem bekannten Comedy-Regisseur Tom Schimmerlein anbieten und quartiert sich bei ihrem Ex-Freund Armin ein. Der lebt aber nicht mehr alleine, sondern gemeinsam mit seiner 15jährigen unehelichen Tochter Felicia, ein pubertierender, übergewichtiger in sich gekehrter Teenie. Mit ihrer humorvollen neugierigen Art lockt Jill Felicia aus der Reserve und zwischen den Beiden entsteht so etwas wie Freundschaft. Was Felicia nicht ahnt, ist, dass Jill schon viel zu neugierig war und Felicias großes Geheimnis, die Flucht in eine Fantasy-Welt, in der sie eine schlanke Elfe ist, in Form von schriftlichen Aufzeichnungen entdeckt hat, womit Felicia ungewollt und ungeahnt zum Bestandteil von Jills neuesten Comedy-Programm wird, was natürlich nicht ohne Folgen bleibt …

Fazit:
Bei der Durchsicht der Verlagsvorschauen für Herbst/Winter 2014/15 ist dieses Buch u. a. wg. des ungewöhnlichen Titels  (als Cover war zum damaligen Zeitpunkt noch ein anderes, eher unauffälligeres vorgesehen) und vor allem auch wegen der sehr ungewöhnlich klingenden Story auf meine Wunschliste gewandert. Der Klappentext hat mich gleich angesprochen und neugierig auf die Story gemacht, bei der es sich mal nicht um klassische ChickLit oder eine Love-Story handelt.. Zudem fand ich es spannend, dass die Story in meiner Ex-Heimat Köln spielt .
Das Cover ist sehr gut gelungen und hat abstrakten Bezug zum Buch.
Die 299 Seiten der Geschichte auf insgesamt 30 Kapitel verteilt sind ideal – für mich sind 300 Seiten immer die optimale Länge einer Story. Die Kapitel sind von perfekter Leselänge und das Schriftbild ist angenehm.
Die Story fängt eigentlich schon sehr ungewöhnlich an und man bekommt direkt einen Vorgeschmack wie unstrukturiert und spontan Jills Leben aussieht, was sie aber erstmal nicht unbedingt sympathisch macht und sich auch noch eine Weile im Buch fortsetzt, bis man dann feststellt, dass Jill auch schon einiges im Leben hinter sich hat, angefangen bei ihrer lieblosen Kindheit und Jugend und ihrer eigenen Familie, zu der sie so gut wie gar keinen Kontakt mehr hat, bis hin zu prägenden Erlebnissen innerhalb von Beziehungen. Und als ich etwas mehr über Jills bisheriges Leben wusste, habe ich sie auch besser verstanden, zumal ich ein Parallelen zu meinem Leben feststellen konnte. Dadurch kommen auch emotionale Momente in dem Buch nicht zu kurz.
Felicia ist auch – von ihrem Übergewicht mal abgesehen – kein untypischer Teenie: Unverstanden und unzufrieden mit sich und der Welt und umgeben von Menschen, die sie nicht verstehen – vor Allem einem besorgten Vater (Armin), der vorher nie großartig Kontakt zu seiner Tochter hatte und versucht alles aufzuholen und gutzumachen, was er in den Jahren zuvor versäumt hat. Hinzu kommt noch ihr Fantasy-Spleen, der auch einen großen Anteil an der an sich runden Geschichte hat. Da ich selbst nicht gerne Fantasy lese und damit nicht viel anfangen kann, war mir dieses Abdriften in Felicias Traumwelt manchmal ein wenig zu viel. Das ist aber auch der einzige Kritikpunkt.
Auch die Nebencharaktere sind realistisch entworfen und ergänzen die Geschichte bestens.
Man merkt beim Lesen auch, dass Claudia Brendler Ahnung von den Themen hat, die sie im Buch verwertet hat: die deutsche Comedy-Szene, Gitarre (Felicia spielt ja auch Gitarre), Schulen usw.
Insgesamt ein tolles Buch mit einem wahnsinnig interessanten und gut durchdachtem, sich entwickelnden Plot abseits des Mainstream.
Hierfür eine 4****-Leseempfehlung von mir.

DANKE an dtv für die Überlassung dieses Rezensionsexemplars!!!

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