Rezension: Rolf Brendel – „Nena – Geschichte einer Band“

imageFakten:
Hardcover (Einband), Blumenbar (Aufbau Verlag Berlin), erschienen: 20.10.2014, 224 Seiten, 36,00€

Autor:
Rolf Brendel, geboren am 13.06.1957 in Hagen, war als Schlagzeuger nicht nur Gründungsmitglied der legendären Nena-Band, sondern auch 8 Jahre lang der Lebensgefährte der Sängerin Nena und bereits Schlagzeuger in Nena’s erster, kommerziell agierender Band „The Stripes“. Er hat eine Tochter (Jahrgang 1978), einen Enkel und lebt heute mit seiner Frau Anja im niedersächsischen Cloppenburg. Mit der Nena-Band feierte er seit 1982 – vor Allem durch die Hits „Nur geträumt“ und „99 Luftballons“ – fünf Jahre lang Erfolge auf der ganzen Welt. Nach dem Ende der Band holte er sein Abitur nach und studierte in Los Angeles Schlagzeug. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland war er noch mit verschiedenen Bands unterwegs. Er gibt auch Schlagzeug-Unterricht und trat gemeinsam mit seinem ehem. Band-Kollegen, dem Bassisten Jürgen Dehmel, und dem Musiker Bernward Büker mit einer Nena-Cover-Band auf. Seine aktuelle Band heißt „Peter und der Rolf“.

Handlung:
Nachdem Rolf Brendel in Gesprächen mit Anderen immer wieder aufgefordert wurde, über seine Zeit und seine Erfolge mit der Nena-Band zu berichten, hat er vor zwei Jahren beschlossen seine Erinnerungen in einem Buch niederzuschreiben. Unterstützt wurde er dabei 27 Jahre nach dem inoffiziellen Ende der Band durch persönliche Schrift- und Tonaufzeichnungen, unendlich vielen Presse-Ausschnitten sowie den Erinnerungen ehemaliger Wegbegleiter und nicht zuletzt dem unerschöpflichen Foto-Archiv des „Leibfotografen“ und Ex-Managers Jim Rakete, der zahlreiche noch unveröffentlichte Fotos zu diesem Buch beisteuern konnte. Entstanden ist hier ein großartiger Bild- und Textband, der über die ersten Schritte im Musik-Business mit den Stripes in Hagen, den Umzug nach Berlin und die Zusammenarbeit mit Jim Rakete und Spliff, über die ganz großen Erfolge und auch damit verbundenen kleineren und größeren Abstürze, das Ende der Band und den heutigen Stand der Dinge berichtet. Gewidmet ist dieses Buch dem 2002 verstorbenen Nena-Gitarristen Carlo Karges.

Fazit:
Das Buch ist in seiner Form einem Vinyl-LP-Cover nachempfunden, jedoch nicht ganz so groß.
Das Cover schwarz mit Schrift-Elementen in Türkis und Pink und Rillen-Optik.
Im Buch ist diese farbliche Gestaltung in Schwarz, Pink und Türkis fortgesetzt.
Das Buch ist untergliedert in vier große Themen-Bereiche: „Hagen“, „Berlin“, „Ganz oben“ und „Der Anfang vom Ende“ – die beiden letzteren in Anlehnung an Nena-Songtitel aus dieser Zeit. Jedes Kapitel hat einige kleiner Unterkapitel, die mit Geschichten und Anekdoten aus der jeweiligen Zeit gefüllt sind. Das Schriftbild ist sehr locker und sehr großzügig und der Sprachstil sehr einfach und normal gehalten – eben so, als würde man den Erzählungen eines guten Freundes über dessen Leben lauschen.
Meine Buchwunschliste steht eigentlich im Jahr immer schon ziemlich fest, aber manchmal purzelt einem plötzlich ein Buch mit aller Macht ins Leben, von dessen Existenz man kurz vorher noch gar nichts geahnt hatte – genauso ist es mir mit diesem Buch ergangen. Ich entdeckte die Vorankündigung für die Buch-Vorstellung hier in Berlin durch Zufall in der Zeitung und wusste – da musst Du hin und bestellte direkt Tickets vor (was aufgrund der großen Besucherzahl auch gut so war). Den Lesungsbericht findet Ihr auf dem Blog unter folgendem Link: https://buecherunddiewelt.wordpress.com/2014/10/19/review-zur-lesung-nena-geschichte-einer-band-mit-rolf-brendel-jim-rakete-am-16-10-2014-in-berlin/.
Das Buch beschäftigt sich nur mit der Geschichte meiner damaligen Lieblingsband, sondern führt mich auch ein ganzes Stück weit auf eine Zeitreise zurück in meine eigene Jugend. Vor der Buchvorstellung war ich noch ein wenig zweifelnd, ob es wirklich noch so viele Nostalgiker gibt, die sich so viele Jahre nach dem Ende der Band, die sich offiziell übrigens nie getrennt hat, nochmal zurück erinnern möchten – aber es gibt sie!
Ich erlebte meine Zeit als Nena-Fan im Alter zwischen 11 und 14 Jahren – also wirklich noch sehr jung. Damals sammelte ich jeden Schnipsel aus allen möglichen Zeitschriften über die ganze Band (mein Favorit war damals der Keyboarder Uwe), musste natürlich die gleiche Frisur haben, ähnliche Klamotten tragen, hörte die eingängigen Songs in Endlosschleife und ich würde auch sagen, dass sich da schon durch dieses Fan-Dasein für mich erstmals die Weichen in Richtung Berlin (wo ich heute lebe) gestellt haben. Schon damals hatte Berlin – besonders durch die Musik-Szene dort (wie Nena, Spliff, Ideal etc.) – etwas Mystisches für mich.
Mein eigenes Fan-Dasein endete allerdings schon 1985/86, weil mir Nena und auch die Band damals irgendwann zu zickig, arrogant und abgehoben wurden – sie waren irgendwann nicht mehr eine Band aus der Mitte, sondern wurden irgendwie immer glamouröser und unnahbarer, so war mein kindlicher Eindruck damals.
Rolf Brendel hat in diesem Buch mit viel Herzblut die Erinnerungen von damals niedergeschrieben und eben genau solche Dinge, die ich damals mit meinem kindlichen Verstand vielleicht nicht richtig verstanden und gedeutet habe, werden für mich dadurch viel klarer.
Bei einigen anderen Enthüllungen in diesem Buch ist es aber vielleicht auch ganz gut, dass ich davon heute erst erfahre, denn mit 13 Jahren hätten mich solche Geschichten über Sex, Drugs and Rock’n Roll wahrscheinlich eher verstört und verwirrt 😉
Man merkt bei der Lektüre dieses Buches genau, in welchem Kontext die Erinnerungen von Rolf Brendel mit den Veröffentlichungen in der Presse und den eigenen Wahrnehmungen bzw. Erinnerungen stehen und teilweise doch ein wenig auseinander klaffen …
Neben den ganzen positiven Gefühlen beim Sprung auf die ganz große Erfolgswelle, dem plötzlichen Reichtum, den Reisen in die USA und nach Japan sowie die harmonische Zusammenarbeit beim Texten und Komponieren, lässt uns Rolf Brendel aber auch an den negativen Gefühlen teilhaben, die damals nicht so in die Öffentlichkeit gelangt sind, z. B. Drogenerfahrungen, Nena’s Affären mit Markus und Udo Lindenberg, dem finanziellen Absturz (weil man damals nie und nimmer ans Finanzamt gedacht hat) und dem endgültigen Aus zwischen ihm und Nena und die leise Trennung der Band.
Sehr berührend ist der Part, in dem er über Carlos Verfall durch den Alkohol berichtet und seine schwere Erkrankung, die letztlich zu seinem Tod im Januar 2002 geführt hat.
Das Buch ist ehrlich, herzlich, berührend und in keinster Weise irgendwie reißerisch – ein Muss für jeden Fan!!!
An dieser Stelle einfach nochmal Danke, dass Rolf sich die Mühe gemacht hat, die ganzen Ereignisse und Erinnerungen von damals zu rekapitulieren und den Fans nach so vielen Jahren zugänglich zu machen, Jim Rakete dafür, dass er sein Nena-Foto-Archiv nochmal geöffnet hat für dieses Buch und vor Allem dem Blumenbar-Verlag (Aufbau Verlag Berlin), dass sie sich diesem großartigen Buchprojekt angenommen haben – mehr davon, bitte 🙂
Von mir gibt es hierfür eine 5*Sterne Plus-Leseempfehlung! Einfach nur toll!

Ganz, ganz lieben Dank an den Blumenbar-Verlag im Aufbau-Verlag Berlin, die mich unendlich glücklich gemacht haben, mir und meinem Blog speziell dieses Herzensbuch zur Rezension zu überlassen!!!
Ich habe Luftsprünge gemacht als das Päckchen ankam und mich unmittelbar ans Lesen (ich habe es zwischendurch nur gezwungenermaßen aus der Hand gelegt) und Rezensieren begeben – für mich war es eine Premiere, mal ein solches Buch zu rezensieren! Tausend Dank ❤

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