Review zur Lesung „Nena – Geschichte einer Band“ mit Rolf Brendel & Jim Rakete am 16.10.2014 in Berlin

 

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IMG_2034IMG_2024Donnerstag, 16.10.2014, kurz nach 20 Uhr, im „Roten Salon“ der Volksbühne Berlin am Rosa-Luxemburg-Platz – ein Termin, dem ich seit einigen Tagen absolut entgegen gefiebert habe:
Nicht nur einfach eine Autoren-Lesung, sondern für mich eine Zeitreise in meine frühe Jugend – der unbeschwerten Zeit, in der ich Fan von Nena war – und zwar nicht nur von Nena als Sängerin (klar, wollten ungefähr 80% der Mädels zwischen 12 und 18 damals so sein wie Nena, die gleiche Frisur und die gleichen Klamotten tragen und überhaupt so sein wie sie), sondern vor Allem auch von den Jungs ihrer Band. Meine erste große Teenie-Schwärmerei sozusagen 😉 …

Vor Beginn der Veranstaltung dudelten im Hintergrund Nena-Songs aus der guten alten Zeit – es tat richtig gut, diese Mal wieder zu hören. Zwar war ich auch in den letzten Jahren noch ein paar Mal auf Konzerten von Nena, muss aber leider zugeben, dass mich mit ihrem heutigen, teilweise leicht spacigem und abgehobenen Sound irgendwie nichts mehr verbindet …

Nach einer kurzen Begrüßung durch die betreuende Lektorin des Aufbau-Verlages Berlin, zu dem auch der Blumenbar-Verlag als Ableger gehört, betritt Rolf Brendel, Ex-Drummer der Nena-Band und Ex-Freund von Nena, unter großem Applaus die Bühne. Begleitet wurde er von Anja Caspary von Radio Eins des RBB, die den Abend moderierte. Die Blumenbar-Lektorin hatte schon bei der Begrüßung erwähnt, dass sich vor Allem die weibliche Belegschaft des Verlages immer riesig gefreut hat, wenn mal wieder ein Termin mit Rolf Brendel anstand und dieser den Verlag besuchte – verständlich, denn er sieht mit seinen nunmehr 57 Jahren immer noch unglaublich  smart und jugendlich aus.

IMG_2025IMG_2029Rolf begrüßte die anwesenden Besucher, die wirklich sehr zahlreich erschienen waren, mit einer kurzen persönlichen Ansprache und plauderte ein wenig über den Anlass dafür, dass er sich nach so langer Zeit entschlossen hat, die Ereignisse und die Geschichte um die Band Nena niederzuschreiben. Ein Grund dafür war ganz niedlich – nämlich sein Enkel Henry, der mit Rolf’s Tochter Verena (viele Fans haben sicher noch die süßen Konzert-Fotos, als Verena als Kleinkind mit Nena bei einem Open-Air auf der Bühne stand, im Kopf – übrigens auch im Buch zu finden) und Rolf’s Frau gleich vor uns in der 2. Reihe saß. Der Saal war ausverkauft (sowohl männliche als auch weibliche Besucher) und ich war ehrlich gesagt froh, Tickets reserviert gehabt zu haben, Keine Ahnung, wie ich daran zweifeln konnte, ob sich außer mir 28 Jahre nach der Auflösung der Band überhaupt noch jemand für die Begebenheiten von damals interessiert und nostalgische Anwandlungen hat 😉 …

Während im Hintergrund via Beamer eine Dia-Show lief mit Fotos von Jim Rakete, die natürlich auch im Buch zu finden sind, wurde zunächst über die Anfänge als Garagen-Band in Hagen ein wenig geredet, zu der sehr bald auch Nena als Sängerin stieß, die damals noch Auszubildende als Goldschmiedin war und nebenher in einer Disco jobbte. Rolf berichtete über die unglaubliche Präsenz und das mitreißende Wesen von Nena, in die er sich sehr bald, obwohl er jung verheiratet und gerade Vater geworden, verliebte. Es erfolgte die Gründung der „Stripes“ (Anja Caspary hatte sogar eine LP der Stripes dabei – soweit ich erkennen konnte, waren bei der Lesung auch einige Gründungsmitglieder der „Stripes“ anwesend), der 1. Plattenvertrag bei CBS und dann der Umzug von Rolf und Nena gemeinsam nach Berlin. wo man fortan in der Fabrik Rakete – einer alten, ehemaligen Fabrikhalle am Kreuzberger Segitzdamm – unter die Fittiche genommen und von und mit musikalischen Größen wie Spliff (Ex-Band von Nina Hagen) musikalisch betreut und beraten wurde.

Jim Rakete, der übrigens nur 6 Jahre älter ist als Rolf, und damals quasi als Band-Papa fungierte, betrat die Bühne und wusste auch noch so einige Anekdoten aus der Zeit damals zu berichten: Von Nena’s Arbeit als Bürohilfe in der Fabrik, vom 1. Auftritt der jungen Band beim „Musikladen“ und den danach emporschnellenden Verkaufszahlen, dass an Nena eben niemand mehr vorbei kam. Aber auch vom schnellen Ruhm, dem Leben auf der Überholspur und dem Bruch zwischen ihm und der Band und dem banalen Grund damals dafür: Dass die Band-Mitglieder nicht fürs Alter vorsorgen wollten, sondern ihr Geld damals (anstatt in die Künstler-Sozialkasse einzuzahlen) gleich für Autos und Immobilien auf den Kopf hauten. Carlo Karges, der Gitarrist der Band, der 2002 – eben auch durch das krasse Leben auf der Überholspur mit viel Alkohol – starb, verfügte wohl nie in seinem Leben über so etwas wie eine Krankenversicherung.

IMG_2030IMG_2033Zu Wort kam dann auch noch der ehemalige Bassist der Nena-Band, Jürgen Dehmel, der gemeinsam mit dem ehemaligen NDW-Sänger Bernward Büker (großer Hit: „Wilde Abenteuer in der Nacht“) im Publikum saß. Erst durch Google habe ich erfahren, dass Rolf, Jürgen und Bernward gemeinsam mit einer Sängerin namens Mandy in einer Nena-Coverband gespielt haben . Ich muss aber gestehen, dass ich Jürgen beim besten Willen nicht mehr erkannt hätte.
Sehr schade fand ich übrigens, dass – mein damaliger Schwarm aus der Nena-Band – Uwe Fahrenkrog-Petersen, der Band-Keyboarder, der heute auch noch u. a. in Berlin lebt, nicht bei der Lesung dabei war, denn er hätte sicherlich auch noch so einiges beisteuern können. Aber Rolf hatte schon berichtet, dass er ihn wohl eingeladen hatte, Uwe aber da schon nicht wirklich daran interessiert war, dabei zu sein.
Rolf hatte vor der Veröffentlichung allen Band-Mitgliedern – inklusive Nena – seine Aufzeichnungen zum Lesen gegeben; Nena hatte wohl auch den Wunsch, das ein oder andere erwähnte nicht darin zu finden.

Rolf berichtete außerdem noch, dass er ohne seinen älteren Bruder Dietmar, ebenfalls Schlagzeuger, wahrscheinlich niemals Schlagzeuger geworden wäre. Nach dem Austritt aus dem Rampenlicht rollte Rolf sein Leben nochmal von hinten auf, machte Abitur nach und ging in die USA, um dort Schlagzeug zu studieren. Er lebte heute im norddeutschen Cloppenburg und unterrichtet selbst auch Schlagzeug. Außerdem ist er Drummer in einer Band namens „Peter und der Rolf“.

Dieses Buch hat er übrigens seinem 2002 im Alter von 50 Jahren an Leberversagen verstorbenen Band-Kollegen – und, wie Rolf immer wieder betonte: begnadeten Song-Schreiber und Texter, dem die Band sehr viel zu verdanken hatte – Carlo Karges gewidmet.

Ich selbst möchte an dieser Stelle auch mal Danke sagen: an Rolf Brendel, dass er so viele Jahre nach der Trennung der Band die ganzen Ereignisse nochmal Revue passieren ließ und aus seiner Sicht schriftlich für die Nachwelt  und unterstrichen durch wundervolle und auch zum Teil noch unveröffentlichte Fotos von Jim Rakete festgehalten hat! Dann Danke ich auch dem Blumenbar-Verlag bzw. dem Aufbau-Verlag, dass sie sich diesem außergewöhnlichen Buch-Projekt angenommen haben und es veröffentlicht haben – ich bin mir ganz sicher, dass damit auch 28 Jahre nach der Trennung nochmal ein neues Kapitel Erfolgsgeschichte der Band aufgeschlagen wird 🙂

IMG_2036IMG_2037Und außerdem bin ich unendlich dankbar, in den 80er Jahren aufgewachsen zu sein und das alles selbst erlebt zu haben – mein 1. Konzert – und das war eben Nena – war im März 1984 und vorher erhielt nach ganz langer Wartezeit eine Autogramm-Karte – sogar mit persönlicher Widmung.

Danke an alle Beteiligten für den wunderbaren Lesungsabend und die kleine Zeitreise – sogar mein Mann war begeistert von dem Abend 🙂
Dieser Abend war echt eine Bereicherung für mich 🙂

Mehr über das Buch findet Ihr auf der Internet-Seite des Verlages: http://www.blumenbar.de.

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