Meine Liebe zu Berlin – Teil 2: Die mentale Seite …

… Fortsetzung zu Teil 1 …

imageimageIch habe mich schon oft gefragt, warum ich mich, seit ich denken kann, so zu Berlin hingezogen gefühlt habe und ich bin überzeugt davon, dass ich, wenn ich eine hypnotische Rückführung in ein früheres Leben machen würde, auch in Berlin landen würde.
Einer meiner Zeitreise-Wünsche ist, mal das Berlin der 20er Jahre zu sehen und eine Zeitreise zum 09.11.1989 – dem Tag des Mauerfalls (den ich leider nur im TV erleben konnte) 🙂

Einer der Gründe für meine Liebe zu Berlin (und auch dem Brandenburger Umland) ist aber ganz sicher, dass mein Vater aus der Ecke, genauer gesagt aus Templin (80 km von Berlin entfernt) kam und ich damit ja mind. 50% Brandenburger Anteil in mir trage ;-).
DerBerliner Dialekt, die urige Berliner Schnauze (ebenso wie hanseatisch), war schon immer Musik in meinen Ohren – ich habe auch damals begeistert TV-Serien geschaut, die in Berlin spielten. Z. B. „Praxis Bülowbogen“ – witzig, dass ich ausgerechnet dort im Kiez gelandet bin ;-). Auch, wenn ich sicher bin, in den nächsten Jahren nochmal den Kiez zu wechseln.
Mit dem Kölschen Dialekt, obwohl der bei uns zu Hause damals permanent gesprochen wurde, konnte ich nie etwas anfangen – ich habe als Kind schon immer gefragt, wie das Wort richtig heißt und habe ausschließlich hochdeutsch gesprochen. Kölsch fand ich immer ein wenig unschön …

imageimageAuch die rheinische Mentalität war nie meine: Meine Ansichten beziehen sich natürlich nicht auf alle Rheinländer, aber bestimmte Phänomene konnte ich immer wieder beobachten. Der Rheinländer ist oft selbstverliebt, feiert sich gerne selbst und wird nie müde zu betonen, wie toll das Rheinland (vor allem Köln) ist – er hält sich gern für den Mittelpunkt der Erde. Selbst, wenn es eigentlich nichts zu feiern gibt, macht der Rheinländer ein Event daraus und plant beim Abstieg seines Lieblingsfußballclubs schon die Deutsche Meisterschaft in 2 Jahren.
Auch die so viel gepriesene rheinische Offenheit ist oft nur ein selbst gemachter Freifahrtschein, um andere auf plumpe Art und Weise zu verletzen. Man wird gerne von vorn angelächelt und bekommt von hinten das buchstäbliche Messer in den Rücken gerammt.. Da lobe ich mir die Berliner Schnauze – rau aber herzlich 🙂
Einige Kölner haben mir damals gesagt, die Berliner seien immer kauzig und unfreundlich – wenn ich jetzt allerdings zurückblicke, welche Kölner mir das so gesagt haben, wundert es mich gar nicht, dass genau diese Kölner diese Erfahrungen gemacht haben 😉 …
Ich habe die Berliner bisher als gesprächig, humorvoll, freundlich und hilfsbereit kennengelernt.

imageimageSicherlich haben vor etwa 1 J., als die Entscheidung gefallen ist, nochmal einen Neustart in einer anderen Stadt zu wagen, gedacht, ich würde spinnen. Ich hatte mehr oder weniger meine persönlichen Sicherheiten wie eine schöne Wohnung direkt am Rhein und einen sicheren Arbeitsplatz, war 25 J. beim gleichen Arbeitgeber und hatte den Status der Unkündbarkeit. Obwohl ich wusste, dass ich nach Berlin ziehe, habe ich die Kündigung noch eine Weile hinausgezögert, weil ich mir nicht sicher war, ob ich mir die „Hintertüre Köln“ zunächst noch durch eine 1jährige Beurlaubung offen halten wollte. Aber der Tag, an dem ich dann doch letztlich meine Kündigung abgegeben habe, war für mich kein bisschen wehmütig, sondern einfach nur eine Riesen-Erleichterung. Ich hatte den Ballast, jahrzehntelang im falschen Beruf gesteckt zu haben (mein Traumberuf war damals Journalistin, mir wurde aber verboten zu studieren) und in der falschen Stadt zu leben endlich abgeworfen. Mein Leben ging nochmal weiter und ich hatte die Chance, auf unterschiedlichen Ebenen nochmal neu durchzustarten. Man ist im Leben viel zu oft fremdgesteuert und es wurde höchste Zeit das zu ändern. Das wäre einfach nicht mein Leben gewesen, immer am gleichen Ort zu leben und im gleichen Beruf alt zu werden …

Die Job-Suche hat sich doch langwieriger gestaltet, als ich mir vorgestellt habe: Ich bin über 40 (rein theoretisch könnte ja meine biologische Uhr noch ticken) und Qualifikation und Berufserfahrung zählen heutzutage viel weniger, als die Tatsache, dass man eine billige Arbeitskraft sucht. Für mich, die ich seit meinem 16. Lebensjahr immer ununterbrochen in Vollzeit gearbeitet habe, war das eine ganz neue Situation: Ich musste erstmals im Leben bei der Arbeitsagentur vorsprechen und Leistungen beantragen. Wohl ist einem nicht dabei – vor Allem, wenn man weiß, dass man innerhalb eines Jahres eine Stelle gefunden haben muss und ansonsten – obwohl man fast sein ganzes Leben bisher gearbeitet hat – traurigerweise gleichgestellt wird mit Personen, die gar nicht die Absicht haben, überhaupt zu arbeiten 😦
Ich hatte dann das Glück, eine unbefristete Stelle zu ergattern und bin organisatorisch im kulturellen Bildungsbereich tätig, was mir ganz gut liegt, ich arbeite in einem monumentalen geschichtsträchtigen Gebäude in meinem Lieblingskiez in einem netten Kollegenkreis.

Eine Reise nach Berlin hatte für mich früher immer etwas von „nach Hause kommen“. Eine Kölner Freundin fragte mich neulich, ob es jetzt für mich ein anderes Empfinden sei, in dieser Stadt zu leben oder nur zu Besuch zu sein. Das Leben hier fühlt sich für mich einfach richtiger an. Mir geht immer noch das Herz auf, wenn ich am Brandenburger Tor, an der Siegessäule oder anderen populären Berliner Orten bin, wenn ich mit der U-Bahn unterwegs bin, die hier im Optimal-Takt alle 3 Min. fährt (in Köln war der Optimal-Takt alle 10 Min.) oder, wenn ich in der Stadt bin und weiß, dass ich nicht in ein Hotel und ein paar Tage später wieder in die ungeliebte Heimatstadt abreisen muss, sondern einfach nach Hause in meine Wohnung zu meinen Katzen fahren kann.

Es gibt kaum eine Stadt, die so viel Geschichte und Architektur – sowohl älteren als auch neueren Datums – bietet. Ich liebe die alten Renaissance-Wohnhäuser ebenso wie die preußischen Ziegelbauten und auch die vielen interessanten Neubauten. Ich liebe die Nähe zur Ostsee (in 3 Std. ist man dort) ebenso wie unser Nachbar-Bundesland Brandenburg, das mich landschaftlich mit seinen tausend Seen und Wäldern so sehr an Kanada erinnert. Ich liebe Berliner Weiße grün (obwohl ich eigentlich Bier verabscheue) ebenso wie alle anderen Waldmeister-Getränke, die es hier so gibt. Ich liebe unendlichen kulturellen Möglichkeiten, die Berlin so bietet: Man hat ständig die Möglichkeit Lesungen, Theater, Konzerte usw. zu besuchen und auch sonst viel zu unternehmen. Nirgendwo gibt es so eine große gastronomische Vielfalt wie in Berlin. Wenn man nicht gerade mit dem Auto unterwegs ist, kann man wahnsinnig schnell von A nach B kommen mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Im Vergleich zu Köln sind nicht nur die Mieten vergleichsweise günstig, sondern auch die sonstigen Lebenskosten wie Essen gehen, Parkgebühren und vieles mehr. Man hat hier unendlich viele Shopping-Möglichkeiten, weil sich hier nicht nur alles – wie in Köln – auf zwei bis drei Shopping-Straßen in der Innenstadt konzentriert, sondern auch auf die einzelnen sehr großen Stadtbezirke und die Ladenöffnungszeiten sind auch besser als in NRW.

Klar, hat Berlin auch so seine Schattenseiten: Ich habe z. B. noch nirgendwo so viele nicht angeleinte Hunde gesehen, wie in Berlin – man muss leider ständig aufpassen, dass einem nicht mal ein Hund vor’s Auto läuft. Die Kriminalitätsrate ist leider ziemlich hoch hier. Die Straßen und Autobahnen sind ständig verstopft und die Verkehrsüberlastung wirft hier auch schon mal Pläne über den Haufen. Die Infrastruktur innerhalb der Verwaltung ist nicht gerade lobenswert: Durch extreme Personaleinsparungen und dadurch entstehende Überlastungen mit Krankheitsfolge sind zeitweise ganze Bürgerämter geschlossen und die Situation wird immer prekärer. Die Stadtbezirke sind riesig und man ist zu Fuß innerhalb des gleichen Bezirks auch schon mal recht lange unterwegs.

Natürlich vermisse ich – neben der Tatsache, dass ich mal nicht mehr einfach eben an die Gräber von meinem Kater Theo und meinem Papa kann, ganz doll meine Ersatzfamilie, einige liebe Freund(inn)en, liebe Ex-Kolleg(inn)en und meine Zahnarztpraxis auch einige Dinge aus dem Rheinland: einige Lieblingsrestaurants in Köln wie „Die Fette Kuh“, “ El Alli Oli“, „Bon’a me“, „Karawane“, dann die geräucherten Mettwürstchen der Metzgerei Stürmer auf der Severinstr. in der Kölner Südstadt, die tollen Eis-Sorten bei „Gelatissimo“ auf der Severinstr., Mett-Brötchen, Reibekuchen und noch so ein paar Sachen. Dafür ist Berlin das Paradies für Waldmeister-Getränke und Waldmeister-Eis 😉

Das sind jetzt alles nur Beispiele, die mir spontan eingefallen sind, nicht zu verallgemeinern und nicht auf die Goldwaage zu legen.

Insgesamt habe ich den Schritt, meinen Lebensmittelpunkt nach Berlin zu verlegen, bisher zu keiner Zeit bereut. Bereut habe ich lediglich, dass ich diesen Schritt nicht schon viel, viel früher im Leben gemacht habe 🙂image

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