Meine Liebe zu Berlin – Teil 1: Die Fakten …

imageSeit ich hier in Berlin lebe oder eigentlich auch schon seit ich meine Entscheidung, meiner Heimatstadt Köln den Rücken zu kehren und in die Hauptstadt zu ziehen, kundgetan habe, wurde ich immer wieder gefragt – warum ausgerechnet Berlin?

Sicher gibt es durchaus praktische Gründe: Ein Umzug in einer meiner anderen Lieblingsstädte Toronto, New York oder London gestaltete sich aufgrund des unermesslichen Aufwandes, der Job-Suche und meinen beiden Katzen zu schwierig. An deutschen Städten waren noch Hamburg und Leipzig in der engeren Auswahl, aber der Wunsch, in Berlin zu leben war immer übermächtig bei mir. Und ich habe es immer als enorme Weiterentwicklung und Herausforderung betrachtet, mal die Stadt zu wechseln – und nicht, wie bisher immer, nur innerhalb von Köln, wo ich aufgewachsen bin (aber nicht besonders dran gehangen habe), umzuziehen.

Ein anderer Grund war, dass 2013 für mich persönlich das allerschlimmste Jahr ever war. Manchmal wird man im Leben von extrem bösartigen Menschen mit Dingen konfrontiert, die einen Neubeginn erfordern, so dass man nicht nur den Scherbenhaufen seines Lebens komplett neu zusammensetzen muss, sondern auch sich selbst. Warum dann nicht mit dem Splitter anfangen, der schon seit Ende der 80er Jahre irgendwo an der Seite lag – nämlich dem „Berlin-Splitter“?! Dieser Umzug war das einzig Positive, das ich aus meinem persönlichen Horrorfilm von 2013 ziehen konnte …

Meine Liebe zu Berlin begleitet mich schon beinahe mein ganzes Leben lang – genau genommen seit meiner frühen Jugend 1982 bis 1985, wo ich Fan von Nena war. Nena, in deren Band-Keyboarder ich damals ein wenig verknallt war, startete damals ihre kometenhaften Karriere von Berlin aus und als BRAVO-Leserin bekam man immer wieder Fotos ihres Lebens in Berlin zu sehen. Die Autogramm-Adresse: Fabrik Rakete, Segitzdamm 22, 1000 Berlin 61 (wo heute eine Wohnsiedlung steht)  ist mir immer noch präsent. Seither waberte „Berlin“ in meinem Kopf und war immer so eine Art Sehnsuchtsziel für mich – sogar der Wunsch dorthin „abzuhauen“ und alle Pubertätsprobleme (wovon das größte damals auch „Eltern“ hieß) hinter sich zu lassen, gab es mal. Nicht auszudenken, wenn ich das wirklich gemacht hätte – aber wenn man dann einmal die Transit-Strecke live erlebt hat, mit der nötigen geistigen Reife, weiß man erst, wie naiv diese Idee war 😉

Erstmals in Berlin war ich dann im Herbst 1988. Meine Cousine, die inzwischen leider verstorben ist (und mir hier sehr fehlt) und damals von Potsdam nach West-Berlin ausgereist ist, lebte in Kreuzberg und ich durfte sie besuchen. Da von mir seit Beginn meiner Ausbildung verlangt wurde, dass ich absolut alles in meinem Leben (Lehrbücher, Schulmaterial, Kleidung, Führerschein, Auto usw.) selbst bezahle (im Gegensatz zu meinen Brüdern), habe ich sehr sparsam mit meinen ersten drei Ausbildungsgehältern gewirtschaftet und dann einen Flug nach Berlin gebucht. Damals durften aufgrund der Alliierten-Regelung nur die British Airways und die Air France in Berlin landen, die dadurch eine Monopol-Stellung im Flugverkehr hatten und dementsprechende Preise verlangten: Für den Jugend-Spartarif Köln-Berlin-Köln habe ich damals exorbitante 380 DM bezahlt.
Mein erster Berlin-Besuch war ein absolutes Highlight für mich: Den 1. Abend verbrachten wir gleich mit einem Bummel über den KuDamm und Besuch im Europa-Center und einem Zug durch die Kreuzberger Kneipen. Für mich, die ich erstmals alleine auf Reisen war, war das Freiheit und der Duft der großen weiten Welt – ähnlich, wie meine Schulabschlussfahrt nach London. Ich muss aber dazu sagen, dass ich damals mit 16 Jahren schon deutlich selbstständiger war, als manche unmittelbare männliche Verwandte es heute mit Mitte 50 sind 😉
Das habe ich damals unter Beweis gestellt, als ich dann am folgenden Tag – nach einer Bahnfahrt durch die ganzen stillgelegten und von der Stasi bewachten Geister-Bahnhöfe – ganz alleine mit einem Tagesvisum über den innerstädtischen DDR-Grenzübergang Bahnhof Friedrichstraße im Tränenpalast nach Ost-Berlin eingereist bin, da meine Cousine ja Einreiseverbot hatte.Ich kann mich noch erinnern, dass die Stadt dort, als ich den Bahnhof verließ, einen ganz anderen Geruch hatte – sehr eigen – den es heute nicht mehr gibt: Ein Gemisch aus Kohleöfen und Zwei-Takter-Abgasen. Dort habe ich mich mit meinem Cousin aus Potsdam getroffen. Den Osten Berlins habe ich dennoch erst 1990 kennengelernt, da wir an jenem Tag verbotenerweise und total verwegen (ich habe damals Blut und Wasser geschwitzt bei jedem Volkspolizei-Wartburg auf der Straße) nach Potsdam zu meinem Onkel und Tante gefahren sind – das Tagesvisum war nämlich eigentlich nur innerhalb des Ost-Berliner Stadtgebietes gültig 😦 …
Abends war ich noch mit meinem Cousin, der wenige Wochen später zur NVA eingezogen wurde, ordentlich feiern in Potsdam und er und meine Tante haben mich dann kurz vor Mitternacht wieder am Bahnhof Friedrichstraße abgesetzt, wo auf der anderen Seite meine Cousine mit einer Freundin auf mich wartete, um unsere Kreuzberger Kneipentour vom Vorabend fortzusetzen.
Am nächsten Nachmittag endete mein erster Berlin-Trip leider mit meinem Heimflug nach Köln und ich hatte mein Herz verloren – nicht in, sondern an Berlin ❤

Nach der Wende war ich dann fast jedes Jahr mindestens 1x jährlich in Berlin – eher jedoch öfter – und konnte mitverfolgen, wie sich die Stadt entwickelt und verändert: Ich habe den Fernsehturm noch mit Hinweis-Schildern für Besucher ausschließlich in osteuropäischen Sprachen erlebt; habe den „Palast der Republik“ (auch „Erichs Lampenladen“ genannt) noch stehen sehen und auch den asbestbedingten Rückbau erlebt; habe gesehen wie DDR-Architektur wie das „Palasthotel“ und das „Hotel Unter den Linden“ weichen mussten; habe den Neubau des legendären Hotel Adlon verfolgen können; konnte erleben, wie sich die Hackeschen Höfe vom Sanierungsfall zum Szene-Viertel entwickeln; kenne den Potsdamer Platz noch als größte Baugrube Europas und habe gesehen, wie sich dort neues Leben entwickelt – wie der historische Kaisersaal des alten Hotel Esplanade auf Luftkissen verschoben wurde und später in den Bau des Sony-Centers integriert wurde; wie die Entscheidung für Berlin als deutsche Hauptstadt gefallen ist und für den Bau des neuen Regierungsviertels der Verlauf der Spree verändert wurde; habe die Geschichten um Zoo und Tierpark verfolgt und den Eisbär Knut aufwachsen sehen und viele andere Zoo-Tiere regelmäßig besucht; hatte eine grandiose Zeit bei der Fußball-WM 2006 in Berlin; durfte noch den Flughafen Tempelhof aktiv als Fluggast erleben; habe in den Eröffnungswochen des Ritz Carlton dort zu einem Schnupper-Spottpreis nächtigen dürfen und noch so vieles mehr, was man einfach nur in Berlin erleben kann – es gibt keine Stadt, die sich so rasant verändert und weiterentwickelt wie Berlin, also genau richtig für mich, denn ich hasse Stillstand …
Wenn irgendeine deutsche Stadt den Titel „Weltstadt“ tragen darf und zumindest ein bisschen mit den ganz großen Weltstädten wie New York mithalten kann, dann wirklich nur BERLIN 🙂

(to be continued – Fortsetzung folgt …)

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