Rezension: Anne Hertz – „Die Sache mit meiner Schwester“

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Fakten:
Hardcover (Einband), Pendo Verlag (in der Piper Verlag GmbH), erschienen: 10.03.2014, 332 Seiten, 14,99€

Autorinnen:
„Anne Hertz“ ist das Pseudonym, unter dem die beiden Schwestern Wiebke Lorenz und Frauke Scheunemann seit 2006 sehr beliebte und humorvolle Frauen-Romane veröffentlichen.
Bereits im Jahr 2001 haben sie gemeinsam als Frauke und Wiebke Lorenz „Das Hexenkochbuch“ veröffentlicht – ein witziges Kochbuch für Frauen, die nicht so gut kochen können, aber „im Tiefflug durch das Tiefkühlregal trotzdem raffinierte Gerichte zaubern wollen“.

Wiebke, 1972 in Düsseldorf geboren, absolvierte nach dem Studium der Anglistik, Germanistik und Medienwissenschaften in Trier ein Studium zur Drehbuch-Autorin an der Internationalen Filmschule in Köln. Bereits seit Ende der 90er Jahre sind von ihr einige tolle Frauen-Romane solo unter ihrem eigenen Namen, aber auch aktuell unter verschiedenen Pseudonymen erschienen. Seit einigen Jahren schreibt sie auch sehr erfolgreiche Psycho-Thriller. Neben ihrer Tätigkeit als Autorin war bzw. ist sie für diverse Frauen-Zeitschriften journalistisch – u. a. als Redakteurin und Kolumnistin – tätig. Sie lebt mit ihrem Verlobten und ihrer kleinen Tochter in Hamburg.

Frauke wurde 1969 ebenfalls in Düsseldorf geboren. Sie studierte Jura (mit Promotion), arbeitete nach einem Volontariat beim NDR als Pressesprecherin aber auch als Journalistin und später als Referentin bei der Hamburger Kultur- sowie der Wissenschaftsbehörde. Als Autorin begeisterte sie bisher mit der vier Bände umfassenden zauberhaften Reihe um den putzigen Dackel Herkules. Außerdem hat sie bereits zwei Bände in der Kinderbuch-Reihe um den kriminalistisch tätigen Kater Winston im Loewe Verlag publiziert. Sie ist verheiratet, Mutter von vier Kindern und lebt ebenfalls in Hamburg.

Handlung:
Die beiden Schwestern Nele Krüger und Heike Bachmann schreiben seit Jahren unter ihrem Pseudonym „Sanne Gold“ erfolgreiche Frauenromane und scheinen trotz ihrer Verschiedenheit ein Herz und eine Seele zu sein – zumindest scheint das in der Öffentlichkeit immer so. Nele ist lebenslustiger Großstadt-Single mit wechselnden, auch schon mal verheirateten Partnern an ihrer Seite und lässt es gern mal krachen. Heike ist die Ruhigere der Beiden, die in einem noblen Hamburger Vorort als Architekten-Gattin und Mutter von drei wohlgeratenen Kindern immer alles unter Kontrolle hat. Keiner ahnt, dass die Schwestern seit Jahren nicht mehr miteinander reden und selbst ihre Erfolgsbücher inzwischen längst von einem Ghostwriter verfasst werden. Durch eine Vertrauensseligkeit Nele’s gerät diese Information in falsche Hände und gelangt ausgerechnet während einer Talkshow an die Öffentlichkeit, so dass noch während der Sendung die Lage zwischen den beiden Schwestern vollkommen eskaliert. Nach der gemeinsamen Flucht vom Studio-Gelände erleiden die beiden einen schlimmen Auto-Unfall in dessen Folge Heike schwer verletzt im Koma verweilt. Nele hat nun die Zeit, die sich längst hätte nehmen sollen, um sich auf die Reise in die Vergangenheit zu begeben und nach der Ursache für das katastrophale Zerwürfnis zwischen den beiden Schwestern zu suchen und vielleicht auch die Gelegenheit, die Weichen für die gemeinsame Zukunft neu zu stellen …

Fazit:
Da die Hertz-Sisters mit diesem Roman erstmals den Verlag gewechselt haben und dieses Buch zunächst als Einband erschienen ist, musste man sich als Leser/in dieses Mal auch an eine komplett andere Cover-Gestaltung gewöhnen. Dennoch finde ich die Cover-Gestaltung auch hier wieder sehr schön und gut gelungen. Die Farbauswahl auf dem Cover, wo mint-grün als Hintergrund dominiert mit Elementen in pink, schwarz und weiß, ist sehr kontrastreich, aber auch sehr ansprechend. Auf dem Cover sind zwei Frauen in Scherenschnitt-Form abgebildet, die sich gegenüber stehen und optisch auf den ersten Blick zwar sehr ähnlich sehen, aber im Detail doch einige Unterschiede erkennen lassen – also eben Heike und Nele.

Die Story ist verteilt auf 332 Seiten und insgesamt 20 Kapitel von sehr angenehmer Länge und in einem sehr angenehm zu lesenden Schriftbild – für meinen Lesegenuss so absolut perfekt 🙂

Mit ihrem letzten Buch „Flitterwochen“ hatten die Hertz-Schwestern ja erstmals ein Buch vorgelegt, das etwas anders war, als die Vorgänger – bei „Flitterwochen“ stand aber ganz klar der Humor im Vordergrund.

In „Die Sache mit meiner Schwester“ war nun das Basis-Thema mit dem Zerwürfnis der beiden Schwestern und den daraus resultierenden schlimmen Folgen wie der Unfall und die Genesung von Heike, aber auch die Auseinandersetzung mit der gemeinsamen Vergangenheit in Verbindung mit den Auswirkungen auf das eigene Erwachsenenleben ein wirklich sehr ernstes Thema.
Die Story ist komplett aus Nele’s Perspektive erzählt und wird zwischendurch sinnvoll unterbrochen durch Tagebucheintragungen von Nele (aber auch Heike) aus deren Jugend in den späten 80er Jahren.
Hass-Liebe unter Schwestern ist ebenso Thema wie Neid, Rache, Eifersucht, Sorge um die jüngere Schwester, aber auch wie unterschiedlich die Beiden das gleiche traurige Ereignis in ihrer Jugend versucht haben zu verarbeiten und wie sich das auf sie selbst, ihr weiteres Leben und auch ihre Familie ausgewirkt hat.

Trotz dieses ganzen ernsten und auch teilweise traurigen Backgrounds kommt hier zu keinem Zeitpunkt der wie immer humorvolle und wirklich tolle Schreibstil von Wiebke Lorenz und Frauke Scheunemann – alias Anne Hertz – zu kurz und ermöglicht auch hier dem Leser gleich am Anfang wieder, direkt in die Geschichte einzusteigen und diese mitzuleben. Die Personen in den Handlungssträngen sind ebenso plastisch und präzise beschrieben wie Handlungsorte und man kann sich während des Lesens wieder alles sehr gut bildlich vorstellen. Wie ich schon öfter betont habe, ist das genau so ein Punkt, der Anne Hertz ausmacht: Sie haben das Schreiben von Frauen-Romanen in der gemeinsamen Zusammenarbeit noch perfektioniert!

Ich habe mitgefiebert, mitgelitten, aber auch wieder mitgelacht – die Story bietet wirklich alle Facetten des Lebens 🙂

Dennoch muss ich leider einen kleinen Punktabzug geben: Das Ende ist meiner Meinung viel zu schnell – fast wie unter Zeitdruck – herbeigeschrieben worden 😦 – ich hab mich als Leserin am Schluss noch mit einer ganzen Reihe Fragen alleine gelassen gefühlt. Das Ende war zwar grundsätzlich, wie ich es mir auch gewünscht habe, aber irgendwie sehr abrupt und lässt viele Details, von denen ich überzeugt bin, dass es anderen Leser/innen ähnlich damit ergeht, leider offen. Sehr hätte ich mir gewünscht, gerade am Ende auch nochmal eine Aussage von Heike zu hören oder auch, wie im Detail die Versöhnung der Schwestern und die Gespräche, die dazu geführt haben, gelaufen ist, aber auch noch einige andere Begebenheiten sind leider am Ende nur sehr kurz oder sogar gar nicht mehr erwähnt worden.

Insgesamt wieder ein wunderbares Buch von Anne Hertz mit einer uneingeschränkten Lese-Empfehlung von mir, aber aufgrund des abrupten Endes mit insgesamt nur 4 sehr starken von insgesamt 5 Punkten.

Ein ganz großes Dankeschön an LovelyBooks, dass ich an dieser Lese-Challenge teilnehmen konnte und an den Pendo Verlag, der anlässlich dieser Lese-Challenge sehr großzügig 50 Lese-Exemplare zur Verfügung gestellt hat – DANKE 🙂

 

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