Rezension: Natalie Tenberg – „Bollywood und Rübenkraut“

IMG_1585Fakten:
Taschenbuch, Heyne, erschienen 10.06.2013, 224 Seiten, 8,99€

Autorin:
Natalie Tenberg, Jahrgang 1976, ist ehemalige Redakteurin der taz und freie Journalistin und lebt mit Mann und zwei Töchtern in Berlin-Pankow. Geboren und aufgewachsen ist sie in Krefeld, gemeinsam mit ihrer Schwester Gabi, als Töchter einer indischen Mutter und eines niederrheinischen Vaters. Ihr BWL-Studium absolvierte sie im niederländischen Maastricht. Die Familie besuchte immer ca. zwei Mal pro Jahr den indischen Familienzweig, ein Spagat zwischen der niederrheinischen und der quirligen indischen Kultur in Bombay.  Auch heute werden die Kontakte noch durch moderne Kommunikationsmedien wie facebook, What’sApp und regelmäßige Besuche gepflegt.

Handlung:
Ehestifter der Eltern von Natalie Tenberg ist eine deutsche Airline, der es auch zu verdanken ist, dass Natalie und ihre Schwester neben ihrem „normalen“ Leben am Niederrhein regelmäßig ein Stück indische Kultur bei den Großeltern in Bombay miterleben dürfen.  Vom Kennenlernen der Eltern, den kulturellen Eigenheiten in Indien, landestypische Missverständnisse von Indern in Deutschland und Deutschen in Indien, lustige und bewegende Begebenheiten mit unzähligen Verwandten und Nenn-Verwandten, der wirtschaftlichen Entwicklung Indiens bis hin zur Verbreitung der Bollywood-Kultur in Deutschland – eine Zeitreise von 1970er Jahren bis heute in beide Kulturen gibt es in diesem Buch zu lesen …

Fazit:
Das Titelbild ist – ebenso wie der Titel selbst –  großartig ausgewählt – bunt wie Bollywood – und das Stehen zwischen Niederrhein und der indischen Kultur wird gut und humorvoll veranschaulicht.
Die 224 Seiten des Buches sind in kolumnenartige Kapitel + Epilog und Danksagung unterteilt. Beginnend  beim Kennenlernen der Eltern, der eigenen Kindheit mit zwei vollkommen verschiedenartigen Großmüttern, deren Kennenlernen, bis hin die Jetzt-Zeit und der technischen und wirtschaftlichen Entwicklung Indiens und der Einzug von Bollywood-Kultur und Chai-Tee in Deutschland 😉
Natalie Tenberg schafft es, trotz der großen Anzahl der erwähnten Familienmitglieder des indischen Clans, dass der Leser nie den Überblick verliert. Die strukturierten Übergänge in den einzelnen Kapiteln, die kolumnenartig erstellt sind, weisen darauf hin, dass hier eine Journalistin am Werk war. Die Beschreibungen sind sehr plastisch, so dass man sich die Begebenheiten und die Familienmitglieder sehr gut bildlich vorstellen kann.
Thematisch war es wirklich mal etwas Anderes, weil man über deutsch-indische (Familien-)Beziehungen sehr wenig lesenswertes Material findet und die Multi-Kulti-Geschichten deutscher Autoren bisher meist von deutsch-türkischen oder deutsch-italienischen (Familien-)Beziehungen handelten.  Obwohl das Buch verhältnismäßig kurz ist, bin ich immer wieder über Schreibfehler gestolpert. Bis über die Hälfte des Buches ist ziemlich sachlich geschrieben, was aber auch daran liegt, dass im ersten Teil auch einige Begebenheiten (z. B. aus Erzählungen der Eltern oder anderen Verwandten) nacherzählt werden, danach wird der Schreibstil witziger und spritziger (ab dem Teil, wo mehr eigene, aktuellere Erlebnisse wiedergegeben sind) – so wie es bei einem Buch mit einem so lustigen Titel auch sein sollte. Sehr gerne würde ich erfahren, wie es mit der indischen Verwandtschaft Natalie Tenberg’s in der aktuellen Generation noch weitergeht.
Ich habe das Buch gerne gelesen, fand die Thematik witzig und spannend und gebe eine 4 Punkte-Leseempfehlung hierfür 🙂

 

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