Rezension: Marian Keyes – „Glücksfall“

IMG_1401Fakten:
Einband (Hardcover) Heyne, erschienen 28.05.2013, 607 Seiten, 19,99 €.

Autorin
:
Marian Keyes, am 10.09.1963 in Limerick/Irland geboren, gilt seit der Veröffentlichung ihres 1. Romanes „Wassermelone“ im Jahr 1995 – dem 1. Roman über Claire, eine der fünf Walsh-Schwestern – als eine der Begründerinnen des Frauenliteratur-Genres „Chick-Lit“ und zählt seither zur Riege der internationalen Beststeller-Autorinnen. Wie ihre Protagonistinnen wuchs sie selbst ebenfalls in Dublin in einer Familie mit insgesamt fünf Kindern auf. Nach Abbruch ihres Jura-Studiums lebte sie einige Jahre in London, bevor es sie wieder in die irische Heimat zog, wo sie seit 1997 wieder mit ihrem Mann Tony lebt. Es folgten viele weitere, sehr erfolgreiche Frauen-Romane, davon insgesamt noch 4 weitere über die Schwestern aus der Walsh-Familie, in denen die Autorin auch autobiographische Themen wie Alkoholsucht, Depression, Leben mit vielen Geschwistern usw. aufarbeitete. Nicht minder erfolgreich ist sie außerdem als Kolumnistin für irische Zeitungen und Zeitschriften, u. a. der irischen Ausgabe des „Tatler“; auch diese Kolumnen wurden international in Buchform veröffentlicht. Außerdem veröffentlichte sie 2012 ein Buch mit Back-Rezepten mit dem Titel „Glück ist backbar“.

Handlung:
Helen, Jahrgang 1978, ist die jüngste der fünf Walsh-Schwestern und galt immer als besonders tough, wenn auch ein wenig schwierig, unfreundlich und schrullig. Im Gegensatz zu ihren Schwestern, die alle mindestens einen Ehemann aufweisen können und zudem fast alle bereits für Enkelkinder gesorgt haben, will Helen keine Kinder und ist eher Einzelgängerin, was sich auch besser mit ihrem manchmal etwas rauem Job als Privatdetektivin vereinbaren lässt. Durch die wirtschaftliche Rezession in Irland wird für Helen die Auftragslage so mies, dass sie nicht nur ihre Wohnung verliert, weil sie die Raten nicht mehr zahlen kann und wieder zu den Eltern ziehen muss, sondern auch ihr Leben entgleitet ihr immer mehr.
Ausgerechnet ein Auftrag ihres Ex-Freundes Jay Parker, der Manager der „Laddz“, einer Ex-Boyband aus den 90ern ist und deren Comeback initiiert, sorgt mit seinem Auftrag, deren plötzlich verschwundenen Sänger Wayne Diffney wiederzufinden, für eine Wendung in Helen’s Leben. Die Suche nach Wayne gestaltet sich für Helen immer mehr zu einer Suche nach sich selbst, bei der Helen sich eingestehen muss, dass die Hilfe in diesem Fall ihres neuen Boyfriends Artie nicht die einzige Hilfe ist, die sie wohl benötigen wird …

Fazit:
Marian Keyes ist eine Autorin, deren Neuerscheinungen ich eigentlich immer gleich kurz nach Erscheinungsdatum kaufe – hier vor Allem die Bücher über die Walsh-Schwestern – ungeachtet, dass diese leider immer erst im teureren Einband erscheinen. Die Bücher von Marian Keyes schätze ich schon seit ihrem 1. Buch „Wassermelone“, über Claire, die älteste der fünf Walsh-Schwestern. Ich mag ihre Geschichten, ihren Humor und ihre Direktheit.
Das Cover des Buches mit dem glitzernden Schoko-Marienkäfer auf pinkfarbenem Hintergrund ist für mich sehr ansprechend gewählt – ideal für einen Frauen-Roman.
Die Story ist in 71 Kapitel sehr unterschiedlicher (meiner Meinung manchmal auch zu langer oder kurzer) Länge unterteilt, zusätzlich Prolog, Epilog und Danksagung, auf insgesamt 607 Seiten mit recht großzügigem Druckbild verteilt. Der Schreibstil ist angenehm, flüssig und witzig – typisch Marian Keyes eben.
Auch, wenn es auf den ersten Blick nicht so scheint, beschäftigt sich Marian Keyes in diesem Buch wieder einmal mit einem sehr ernsten Thema, was ihr persönlich keineswegs fremd ist – mit Depressionen.
Dies ist genau das, was meiner Meinung dieses Buch aber auch ganz positiv prägt: Dass die Depressionen nicht direkter Mittelpunkt des Buches sind, sondern eine meiner Meinung nach sehr spannend erzählte und interessante Story das Zentrum bildet und die Depression, wie auch im wirklichen Leben oft, zunächst eher unscheinbar nebenher verläuft, ignoriert und vertuscht wird.
Helen Walsh, die eigentlich als besonders robust und rau gilt und immer für ein wenig unfreundlich eingeschätzt wird, hat in Wirklichkeit einen sehr weichen verletzlichen Kern. Nicht zum ersten Mal wird sie, wie zuvor auch schon ihre Schwestern, mit Depressionen konfrontiert. Jeder, der selbst schon mal mit Depressionen zu tun hatte, oder diese bei nahestehenden Personen erlebt hat, kennt möglicherweise auch diesen von der Protagonistin Helen beschriebene Wunsch, morgens einfach nicht mehr aufzuwachen, von dieser Welt zu verschwinden – ohne jedoch wirklich den Mut aufzubringen, sich selbst umbringen zu wollen. Helen geht, allen psychischen und physischen Warnzeichen zum Trotz, zunächst ganz normal weiter ihrem Job nach bis – nicht nur in ihrem eigenen Leben – unvermeidliche Dinge passieren, die ihr bewusst machen, wie ernst die Situation ist und sie auch dieses Mal nicht ohne Hilfe auskommen wird.
Die Geschichte um das Verschwinden von Wayne Diffney ist spannend erzählt, erfordert aber angesichts Helen’s persönlicher Situation vom Leser auch einiges an Verständnis und Empathie für deren Erkrankung und die Auswirkungen.
Dies ist meiner Meinung auch der einzige Kritik-Punkt: Da die Depression zunächst nicht offensichtlich ist und neben dieser Story her läuft und es auch ansonsten wenig Erklärungen für Helen’s Zustand gibt, ist es für Personen, die selbst oder auch im näheren Kreis (Partner/Familie/Freunde/Bekannte/Kollegen) noch nie mit dieser Erkrankung konfrontiert wurden oder sich einmal überhaupt mit diesem Thema und der Belastung dieser Erkrankung auseinander gesetzt haben, kaum verständlich, wie jemand stundenlang herumliegen und die Decke anstarren kann oder sich ohne große Umwege aus dem Leben weg wünscht. Hier wäre meiner Meinung nach etwas mehr an Erklärung zu dieser Erkrankung für den zuvor genannten Personenkreis besser gewesen – die Erklärungen, die die Geschichte dazu enthält, sind zu kryptisch dargestellt, um Unbeteiligten Auslöser und Ausmaß von Depressionen sinnvoll zu verdeutlichen, so dass diese die persönliche Geschichte von Helen auch etwas besser einordnen können.
Hierfür gibt es von mir einen Punkt Abzug – also ganz starke 4 von 5 möglichen Punkten und eine Lese-Empfehlung für Alle, die die Walsh-Schwestern bereits kennen und schätzen gelernt haben 🙂

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