Doppel-Empfehlung: Nancy Salchow – „Das Leben, Zimmer 18 und Du“ (Band 1) und „Eins plus eins macht Leben“ (Band 2)

IMG_1399IMG_1400Fakten:
„DAS LEBEN, ZIMMER 18 UND DU“, erschienen 20.09.2013, Taschenbuch, Amazon Distribution, 9,99€
EINS PLUS EINS MACHT LEBEN“, erschienen 20.11.2013, Taschenbuch, Amazon Distribution, 9,99€

Autorin:
Nancy Salchow, Jahrgang 1981, geboren und beheimatet an der wunderschönen Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns, hat – wie die meisten anderen Autorinnen und Autoren – schon als Kind gerne geschrieben und davon geträumt, eines Tages von dieser Leidenschaft  leben zu können. Ihre Kreativität lebte sie im Schreiben von Songtexten für eigene und Musikprojekte anderer aus, bevor sie sich dann ab Ende 2010 hauptsächlich dem Schreiben von Romanen gewidmet hat und mit ihren Geschichten sehr erfolgreich an Schreibwettbewerben teilnahm. Seit September 2011 erscheinen ihre Romane als eBooks bei neobooks / Droemer Knaur (erhältlich auch via amazon.de), die die eBook-Charts im Sturm eroberten. Neben ihren beiden ersten autobiographischen Werken „Das Leben, Zimmer 18 und Du“ und die Fortsetzung dazu „Eins plus eins macht Leben“ ist 2013 noch der eBook-6-Teiler „Die Wildroseninsel“ von ihr erschienen. Nachdem sie bisher zum Großteil im Self Publishing veröffentlicht hat, darf sie sich nun über einen Print-Vertrag mit einem großen deutschen Verlag freuen und ihre Leser(inne)n sich ganz sicher wieder über romantischen und gefühlvollen Lesestoff.

Handlung:
Nancy Salchow erleidet Anfang 2013 ein Burnout. Da sie auch in der Vergangenheit bereits mit Depressionen gelebt hat und erkennt, dass es dieses Mal sehr ernst ist und alles, was ihr bisher noch Freude bereitet hat, dieses Mal keinen Halt und Hilfestellung mehr geben kann, begibt sie sich im Februar 2013 zur Behandlung in eine Spezial-Klinik. Auf einem sehr steinigen Weg begegnet sie dem Schicksal der Vergangenheit erneut, setzt sich mit vielen Dingen, die sie nie verarbeitet hat, auseinander, um letztlich eine Entscheidung zu fällen, die nicht nur ihr eigenes Leben verändert und in eine neue Richtung lenkt, sondern auch ein anderes Leben mit neuem Lebensmut und vor allem Liebe bereichert. Hiervon berichtet sie – immer gekoppelt mit ihren facebook-Postings aus dieser Zeit, wodurch sie Kontakt zur Außenwelt hielt – in Tagebuch-Form in „Das Leben, Zimmer 18 und Du“.
In „Eins plus eins macht Leben“ erzählt Nancy, wie es ihr in ihrem neuen Leben nach dem Verlassen der Klinik so ergangen ist, wie sie sich weiterhin mit der Vergangenheit und dem schlimmen Schicksal ihrer Familie befasst, das für ihre eigene Erkrankung und ihren Lebensweg sehr führend war, mit der Vergangenheit Frieden geschlossen und auch im neuen Leben erste Hindernisse überwunden und die Liebe hat siegen lassen.
Beide Bücher sind bewusst unlektoriert und unkorrigiert abgedruckt worden, weil es Nancy Salchow sehr wichtig war, den Inhalt genauso wiederzugeben, wie er aus ihren Gedanken zu Papier gekommen ist.

Fazit:
Es fällt mir sehr schwer, für diese beiden, sehr persönlichen Bücher eine „normale“ Rezension, wie bei den anderen Büchern, die ich gelesen habe, abzugeben, daher habe ich mich dazu entschieden – und hoffe sehr, dass Nancy mir das nicht verübelt – hier eine doppelte Lese-Empfehlung für beide Bücher auszusprechen.
Cover- und Titel-Auswahl sind perfekt gewählt – ebenso wie die Farbgestaltung und der Titel-Schriftzug, wo auf beiden Covern das Wort „LEBEN“ hervorgehoben ist.
Der Inhalt beider Bücher ist so gehalten, dass man sie einzeln und unabhängig voneinander lesen kann. Ich konnte Band 1 jedoch schon nicht mehr aus der Hand legen und habe ihn in einem Rutsch weg gelesen und hatte, wie viele andere Leser(innen) den Wunsch zu erfahren, wie es Nancy nach ihrem Start ins neue Leben so ergangen ist. Band 2 enthält zwar sehr viele Rückblicke auf Band 1, ist aber meiner Meinung nach wirklich wichtig und unbedingt empfehlenswert, um vieles in Band 1 einfach besser zu verstehen, weil trotzdem vieles darauf aufbaut.
Beide Bücher sind sehr, sehr persönlich – ohne dem Leser jedoch das Gefühl zu geben, voyeuristisch zu sein – und haben mich unbeschreiblich berührt. Sowohl der sehr menschliche und lesernahe, aber auch teilweise poetische Schreibstil von Nancy Salchow wie auch die offene Art, mit der Nancy mit ihrer Erkrankung und den Veränderungen und auch Hürden im neuen Leben umgeht, strahlen unglaublich viel Mut und Lebenswillen aus, und zwar so, dass auch andere hieraus neue Energie und Zuversicht für ihr eigenes Leben ziehen können. Ich habe selbst ein ganz schlimmes Jahr hinter mir und muss sagen, dass mir die Lektüre beider Bücher in gewisser Weise Mut gemacht hat.
Zudem verbindet mich mit Nancy und ihrem Partner nicht nur die gleiche Erkrankung (ich hatte selbst 2009 ein Burnout, wobei die Ursache zwar ganz woanders lag, als der Auslöser, aber man feststellen muss, dass es da doch einen sehr engen Zusammenhang gibt und ich seither durch Belastungssituationen auch immer wieder gefährdet bin), sondern auch die unglaublich große Tierliebe – „Tiere sind ganz einfach die besseren Menschen“. Und welche Kraft, Liebe und auch Verantwortungsbewusstsein einem depressiven Menschen das Zusammenleben mit seinen Tieren geben kann, kann wirklich nur jemand nachvollziehen, der selbst Tiere liebt und mit Tieren lebt.
Ich gebe für beide Bücher eine uneingeschränkte 5-Punkte-Leseempfehlung!!! Diese berührende Geschichte kann eigentlich niemanden kalt lassen. Bitte mehr solche Bücher, mehr solche Autoren und mehr Menschlichkeit unter Mensch und Tier 🙂

ANMERKUNG:
Gerade im Jahr 2013 ist amazon.de aufgrund der in der Presse publizierten Arbeitgeberpolitik sehr negativ ins Licht der Öffentlichkeit gerutscht, was jedoch ganz sicher in vielen Branchen so ist, so dass man sich als Verbraucher, Kunde, Leser oder Ähnliches immer und überall vor Augen halten muss, wo fange ich an zu boykottieren und wo höre ich auf?! Und schadet dieser Boykott dann nicht genau denjenigen, denen es möglicherweise sowieso schon schlecht geht?! Deren Arbeitsplätze dann nicht nur schlecht bezahlt sind, sondern mangels Kundschaft dann sogar gefährdet …
Man sollte bei aller Kritik jedoch auch nicht vergessen, dass amazon.de für viele junge Autorinnen und Autoren, die nicht direkt das Glück haben und einen großen Verlagsvertrag an Land ziehen, eine unglaublich große und zunächst auch oft erstmal die einzige Chance ist, ihre Bücher trotzdem zu veröffentlichen – wenn auch oft zunächst erstmal „nur“ als eBook. Durch Selbstmarketing und Leser-Nähe in sozialen Netzwerken nutzen sie die Möglichkeit, ihre Veröffentlichungen bekannt zu machen und zu testen, wie diese bei der Leserschaft ankommen. Für so manche(n) Schriftsteller(in) hat sich dadurch dann doch noch die Gelegenheit ergeben, mit einem Manuskript, was zunächst auf Ablehnung bei Literaturagenten oder Verlagen gestoßen ist, doch noch zum ersehnten Ziel – nämlich der ersehnten Publikationsvertrag eines Verlages – zu gelangen. Und ich bin der Meinung, dass man dies auf jeden Fall weiter fördern sollte, weil uns Lesern dadurch sicherlich schon viele gute Autorinnen und Autoren gar nicht in Augenschein getreten wären!!!!

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Rezension: Marian Keyes – „Glücksfall“

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Einband (Hardcover) Heyne, erschienen 28.05.2013, 607 Seiten, 19,99 €.

Autorin
:
Marian Keyes, am 10.09.1963 in Limerick/Irland geboren, gilt seit der Veröffentlichung ihres 1. Romanes „Wassermelone“ im Jahr 1995 – dem 1. Roman über Claire, eine der fünf Walsh-Schwestern – als eine der Begründerinnen des Frauenliteratur-Genres „Chick-Lit“ und zählt seither zur Riege der internationalen Beststeller-Autorinnen. Wie ihre Protagonistinnen wuchs sie selbst ebenfalls in Dublin in einer Familie mit insgesamt fünf Kindern auf. Nach Abbruch ihres Jura-Studiums lebte sie einige Jahre in London, bevor es sie wieder in die irische Heimat zog, wo sie seit 1997 wieder mit ihrem Mann Tony lebt. Es folgten viele weitere, sehr erfolgreiche Frauen-Romane, davon insgesamt noch 4 weitere über die Schwestern aus der Walsh-Familie, in denen die Autorin auch autobiographische Themen wie Alkoholsucht, Depression, Leben mit vielen Geschwistern usw. aufarbeitete. Nicht minder erfolgreich ist sie außerdem als Kolumnistin für irische Zeitungen und Zeitschriften, u. a. der irischen Ausgabe des „Tatler“; auch diese Kolumnen wurden international in Buchform veröffentlicht. Außerdem veröffentlichte sie 2012 ein Buch mit Back-Rezepten mit dem Titel „Glück ist backbar“.

Handlung:
Helen, Jahrgang 1978, ist die jüngste der fünf Walsh-Schwestern und galt immer als besonders tough, wenn auch ein wenig schwierig, unfreundlich und schrullig. Im Gegensatz zu ihren Schwestern, die alle mindestens einen Ehemann aufweisen können und zudem fast alle bereits für Enkelkinder gesorgt haben, will Helen keine Kinder und ist eher Einzelgängerin, was sich auch besser mit ihrem manchmal etwas rauem Job als Privatdetektivin vereinbaren lässt. Durch die wirtschaftliche Rezession in Irland wird für Helen die Auftragslage so mies, dass sie nicht nur ihre Wohnung verliert, weil sie die Raten nicht mehr zahlen kann und wieder zu den Eltern ziehen muss, sondern auch ihr Leben entgleitet ihr immer mehr.
Ausgerechnet ein Auftrag ihres Ex-Freundes Jay Parker, der Manager der „Laddz“, einer Ex-Boyband aus den 90ern ist und deren Comeback initiiert, sorgt mit seinem Auftrag, deren plötzlich verschwundenen Sänger Wayne Diffney wiederzufinden, für eine Wendung in Helen’s Leben. Die Suche nach Wayne gestaltet sich für Helen immer mehr zu einer Suche nach sich selbst, bei der Helen sich eingestehen muss, dass die Hilfe in diesem Fall ihres neuen Boyfriends Artie nicht die einzige Hilfe ist, die sie wohl benötigen wird …

Fazit:
Marian Keyes ist eine Autorin, deren Neuerscheinungen ich eigentlich immer gleich kurz nach Erscheinungsdatum kaufe – hier vor Allem die Bücher über die Walsh-Schwestern – ungeachtet, dass diese leider immer erst im teureren Einband erscheinen. Die Bücher von Marian Keyes schätze ich schon seit ihrem 1. Buch „Wassermelone“, über Claire, die älteste der fünf Walsh-Schwestern. Ich mag ihre Geschichten, ihren Humor und ihre Direktheit.
Das Cover des Buches mit dem glitzernden Schoko-Marienkäfer auf pinkfarbenem Hintergrund ist für mich sehr ansprechend gewählt – ideal für einen Frauen-Roman.
Die Story ist in 71 Kapitel sehr unterschiedlicher (meiner Meinung manchmal auch zu langer oder kurzer) Länge unterteilt, zusätzlich Prolog, Epilog und Danksagung, auf insgesamt 607 Seiten mit recht großzügigem Druckbild verteilt. Der Schreibstil ist angenehm, flüssig und witzig – typisch Marian Keyes eben.
Auch, wenn es auf den ersten Blick nicht so scheint, beschäftigt sich Marian Keyes in diesem Buch wieder einmal mit einem sehr ernsten Thema, was ihr persönlich keineswegs fremd ist – mit Depressionen.
Dies ist genau das, was meiner Meinung dieses Buch aber auch ganz positiv prägt: Dass die Depressionen nicht direkter Mittelpunkt des Buches sind, sondern eine meiner Meinung nach sehr spannend erzählte und interessante Story das Zentrum bildet und die Depression, wie auch im wirklichen Leben oft, zunächst eher unscheinbar nebenher verläuft, ignoriert und vertuscht wird.
Helen Walsh, die eigentlich als besonders robust und rau gilt und immer für ein wenig unfreundlich eingeschätzt wird, hat in Wirklichkeit einen sehr weichen verletzlichen Kern. Nicht zum ersten Mal wird sie, wie zuvor auch schon ihre Schwestern, mit Depressionen konfrontiert. Jeder, der selbst schon mal mit Depressionen zu tun hatte, oder diese bei nahestehenden Personen erlebt hat, kennt möglicherweise auch diesen von der Protagonistin Helen beschriebene Wunsch, morgens einfach nicht mehr aufzuwachen, von dieser Welt zu verschwinden – ohne jedoch wirklich den Mut aufzubringen, sich selbst umbringen zu wollen. Helen geht, allen psychischen und physischen Warnzeichen zum Trotz, zunächst ganz normal weiter ihrem Job nach bis – nicht nur in ihrem eigenen Leben – unvermeidliche Dinge passieren, die ihr bewusst machen, wie ernst die Situation ist und sie auch dieses Mal nicht ohne Hilfe auskommen wird.
Die Geschichte um das Verschwinden von Wayne Diffney ist spannend erzählt, erfordert aber angesichts Helen’s persönlicher Situation vom Leser auch einiges an Verständnis und Empathie für deren Erkrankung und die Auswirkungen.
Dies ist meiner Meinung auch der einzige Kritik-Punkt: Da die Depression zunächst nicht offensichtlich ist und neben dieser Story her läuft und es auch ansonsten wenig Erklärungen für Helen’s Zustand gibt, ist es für Personen, die selbst oder auch im näheren Kreis (Partner/Familie/Freunde/Bekannte/Kollegen) noch nie mit dieser Erkrankung konfrontiert wurden oder sich einmal überhaupt mit diesem Thema und der Belastung dieser Erkrankung auseinander gesetzt haben, kaum verständlich, wie jemand stundenlang herumliegen und die Decke anstarren kann oder sich ohne große Umwege aus dem Leben weg wünscht. Hier wäre meiner Meinung nach etwas mehr an Erklärung zu dieser Erkrankung für den zuvor genannten Personenkreis besser gewesen – die Erklärungen, die die Geschichte dazu enthält, sind zu kryptisch dargestellt, um Unbeteiligten Auslöser und Ausmaß von Depressionen sinnvoll zu verdeutlichen, so dass diese die persönliche Geschichte von Helen auch etwas besser einordnen können.
Hierfür gibt es von mir einen Punkt Abzug – also ganz starke 4 von 5 möglichen Punkten und eine Lese-Empfehlung für Alle, die die Walsh-Schwestern bereits kennen und schätzen gelernt haben 🙂

Review zur Lesung von Andrea Sawatzki – „Tief durchatmen. Die Familie kommt“ – am 16.12.2013 in Berlin

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IMG_1386IMG_1391Am Montag, 16.12.2013, fand um 20 Uhr, in der „Clinker Lounge“ der Backfabrik in Prenzlauer Berg eine weitere Lesung von Andrea Sawatzki zu ihrem Weihnachtsroman „Tief durchatmen. Die Familie kommt“ statt.

Da wir leider für die erste Lesung in Berlin dazu, die am 11.11.2013 am Berliner Ensemble stattfand, keine Karten mehr bekommen haben, haben wir dieses Mal zum Glück rechtzeitig reagiert – und es hat sich gelohnt, denn es war eine wirklich tolle Lesung.

Die „Clinker Lounge“ befindet sich im Keller einer ehemaligen Großbäckerei in Prenzlauer Berg – eine wirklich tolle und interessante Location (http://www.backfabrik.de/clinker_lounge.html) mit Geschichte, wovon es in Berlin einige sehenswerte gibt. Veranstalter der Lesung war die BuchBox!-Kiezbuchhandlung (http://www.buchboxberlin.de).

Als Einführung zur Lesung führte ein Mitarbeiter der BuchBox! mit Andrea Sawatzki ein kleines Interview zur Entstehung des Buches, ihre aktuellen und zukünftigen Projekte und den Protagonisten des Buches. Andrea Sawatzki gab bekannt, dass sowohl für ihr 1. Buch – ein Thriller – als auch für ihren aktuellen Weihnachtsroman bereits die Filmrechte verkauft hat und man sich auf die Verfilmungen freuen darf. Neben ihren Talenten als Schauspielerin und Autorin, ist Andrea Sawatzki ist übrigens auch noch als Sängerin mit einer Band unterwegs. Die Haupt-Protagonistin Gundula aus „Tief durchatmen. Die Familie kommt“ würde sie in der Verfilmung am liebsten gern selbst spielen. Als sie schilderte, wie sie sich den Mann von Gundula, Gerald, vorstellt, kam mir direkt der Schauspieler Jürgen Tarrach in den Sinn.
Zur Entstehung des Buches berichtete sie augenzwinkernd, dass sie zu Drehterminen immer mit den Deutschen Bahn fährt und somit – auch durch die vielen unbeabsichtigten Verspätungen – immer viel Zeit zum Schreiben hatte. Die Charaktere sind so beschaffen, dass sie in jeder Familie zu finden sein könnten – und JA – ich habe Parallelen (mehr als eine) gefunden 😉 …
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IMG_1394Im Buch „Tief durchatmen. Die Familie kommt“ erzählt die Protagonistin Gundula Bundschuh bissig darüber, wie sehr ihre eigenen Vorstellungen, das Weihnachtsfest mit ihrer Familie (die neben ihrem Mann Gerald und den 3 Kindern und den 2 Familien-Hunden an den Feiertagen auch noch die alles schlecht machende Mutter, den dementen Vater, den geizigen Bruder mit leicht dümmlicher Ehefrau und die nervige Schwiegermutter beherbergt) zu feiern, von der Realität abdriften. Frau Sawatzki hatte im Interview berichtet, dass ihr eigener Vater selbst unter Demenz gelitten hat und sich dadurch aus der Erinnerung heraus schon einige Szenen ergeben hätten. Da ich selbst weiß, wie das Leben mit einem dementen Familienmitglied abläuft, war vieles für mich durchaus nachvollziehbar. Gerade am Anfang der Erkrankung versucht man aus Unsicherheit noch vieles humorvoll hinzunehmen, was im späteren Verlauf zu Unglauben und Ohnmacht wird, weil einem der Mensch, den man kannte und liebte, durch die Krankheit schubweise immer mehr entzogen wird.
Die Geschichte ist mit ebenso viel Sarkasmus und Ironie wie auch Situationskomik gespickt und sehr kurzweilig und unterhaltsam.

Andrea Sawatzki, die auch das entsprechende Hörbuch selbst eingelesen hat, schlüpfte stimmlich gekonnt in die Rollen ihrer Protagonisten, so dass es nicht nur eine simple Lesung, sondern ein One-Woman-Hör- und Schauspiel war, dass die Besucher der Lesung geboten bekamen.

In der Pause ergab sich die Gelegenheit, das Buch, das mein Mann mir vor Ort zu meinem Geburtstag am folgenden Tag gekauft hatte, noch persönlich von Frau Sawatzki signieren zu lassen und sich kurz mit ihr zu unterhalten – und sie konnte bei mir, obwohl ich ihre Rollen eigentlich nie mag, sehr viele Sympathie-Punkte sammeln. Sie datierte dann noch die Widmung auf meinen Geburtstag und schrieb einen kleinen Glückwunsch dazu. Geboren ist sie übrigens in dem Ort, wo ich als Kleinkind meine allerersten Urlaube verbracht habe …

Nach der Pause konnte man dem tragikomischen Verlauf der Weihnachtsfeiertage mit Gundula und ihrer Familie weiterhin gebannt zuhören – ich freue mich darauf, diese sarkastische Familien-Geschichte – hoffentlich in diesem Jahr – selbst zu lesen.

Im kurzen Abschlussgespräch zu dieser Lesung mit dem Vertreter des Veranstalters verriet die Autorin noch, dass es zu dieser Geschichte wohl noch eine Fortsetzung geben wird, weil die Geschichte von Gundula und ihrem Mann Gerald ihrer Meinung noch nicht aus erzählt ist. Aber ebenso gerne möchte sie mal einen ganz bösen Psycho-Thriller oder Krimi schreiben. Sie berichtete, dass sie nach ihren letzten beiden Konzerten, die in dieser Woche noch stattfinden, dann auch in Ruhe mit ihrer Familie Weihnachten feiern wird – allerdings ganz anders 😉 …

Mehr Infos zum Buch selbst sind auf der Internet-Seite des Piper-Verlages zu finden: http://www.piper.de/buecher/tief-durchatmen-die-familie-kommt-isbn-978-3-492-05636-6 – das Buch kann bedenkenlos als Weihnachtsgeschenk empfohlen werden. Einfach klasse!

Vielen herzlichen Dank an Frau Sawatzki für die tolle, lebhafte, lustige und sehr unterhaltsame Lesung – es hat wirklich großen Spaß gemacht, Ihnen zuzuhören 🙂

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Rezension: Corina Bomann – „Eine wundersame Weihnachtsreise“

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Einband (Hardcover), Verlag Marion von Schröder (Ullstein-Gruppe), erschienen am 11.10.2013, 236 Seiten, 14,00€

Autorin:
Corina Bomann wurde am 07.03.1974 in Parchim (Mecklenburg-Vorpommern) geboren und dachte sich in der Kindheit Geschichten aus, die sie dann auch niederschrieb und von denen sich einige heute abgedruckt in Büchern wiederfinden. Corina Bomann schreibt unter ihrem eigenen bekannten Namen hauptsächlich Erwachsenen-Romane – hier vor Allem Historien-Romane, aber auch Bücher, die in fernen Ländern am anderen Welt spielen, aber auch Jugendbücher. Weiterhin schreibt sie in weiteren Genres unter Pseudonymen.

Handlung:
Die 23jährige Studentin Anna aus Leipzig ist absolute Weihnachtshasserin. Dennoch lässt sie sich von ihrem kleinen Bruder dazu überreden, das aktuelle Weihnachtsfest bei ihm, Mutter und Stiefvater in Berlin zu verbringen. Am Tag vor Heiligabend begibt sich Anna mit dem Zug auf die Reise Richtung Berlin. Durch ein eigenes Missgeschick strandet sie aber zunächst auf der verschneiten Ostsee-Insel Rügen und begibt sich von dort aus auf eine abenteuerliche Odyssee mit vielen Hürden. Es beginnt nicht nur eine Reise durch den tief verschneiten Osten Deutschlands nach Berlin, sondern auch eine Reise, bei der Anna auf viele spannende Persönlichkeiten mit ganz eigenen Weihnachtsgeschichten und Weihnachtsplänen trifft, aber vor allem auf dieser Reise wieder zu sich selbst findet und nicht nur an ihrem Reiseziel ankommt …

Fazit:
Die Cover-Gestaltung ist dem weihnachtlichen Thema angepasst, jedoch für diese eher moderne Weihnachtsgeschichte fast ein wenig zu romantisch gewählt.
Das Buch hat 236 Seiten, die Story ist unterteilt in 23. Kapiteln + Epilog – in angenehmer Kapitel-Länge und angenehmen Druckbild. Der Schreibstil ist flüssig, gut verständlich und modern.
Als ich das Buch das erste Mal in einer Buchhandlung in den Händen hielt, wusste ich bereits, dass das MEIN Weihnachtsbuch 2013 wird, das ich unbedingt haben möchte und anderen Weihnachtsbüchern auf dem SuB vorziehen werde, weil mich die Geschichte direkt angesprochen hat. Zudem spielt sie in meinem liebsten Teil von Deutschland – das war gleich noch ein Pluspunkt.
Die Story ist sozusagen ein Road-Trip zum Lesen mit dem Zusatz-Titel „Ein Unglück kommt selten allein“ und das alles eng verknüpft mit dem 80er Jahre Weihnachtshit „Last Christmas“ von Wham.
Diese Reise ist nicht nur eine Reise durch den Osten unserer Republik, sondern eine Reise durch skurrile Situationen, Generationen, Berufsgruppen und Nationen und führt Anna auf dem langen Weg zu einem ganz besonderen Ziel: Ihre eigene Kindheit, in der sich der Auslöser befindet für ihre Weihnachtsphobie. Das Buch bringt die ganze Gefühlspalette für den Leser mit: Humor, Bedauern, eine ganz kleine Prise Romantik und regt zum Nachdenken an und macht damit das Weihnachtsfest – nicht nur für die Protagonistin – zu etwas ganz Besonderem.
Obwohl ich aktuell noch mit ein paar Rezensionen im Rückstand bin, habe ich diese Rezension vorgezogen, da ich finde, dass dieses Buch eine absolute Lese-Empfehlung für die restliche Vorweihnachtszeit oder die Feiertage ist. Mich hat der Klappentext vorab nicht ge- oder enttäuscht – ich bin restlos begeistert von diesem Roman und gebe hierfür 5 von 5 möglichen Punkten – eines der schönsten Weihnachtsbücher, das ich in den letzten Jahren gelesen habe 🙂

3. Literatur-Salon bei Kerstin Hohlfeld, Gast-Autorin: Micaela Jary

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Am Freitag, 06.12.2013, fand zu Hause bei der Autorin Kerstin Hohlfeld zum 3. Mal in diesem Jahr der „Literatur-Salon“ statt – eine lose Veranstaltungsreihe, zu der Kerstin jedes Mal Autorenkolleginnen und -kollegen einlädt, die dort im Rahmen einer privaten Wohnzimmerlesung ihre aktuellen Werke vorstellen.  Nachdem ich Kerstin Hohlfeld durch unseren persönlichen Kontakt bereits als wunderbaren Menschen kennengelernt habe, stand es für mich außer Frage, dass sie auch eine hervorragende Gastgeberin ist. Da ich erst seit Kurzem in Berlin lebe, war es mir leider zuvor nicht möglich an den beiden vorausgegangenen Veranstaltungen mit den Autorinnen Tanja Wekwerth und Jeanine Krock teilzunehmen, was ich besonders schade finde.

Umso mehr habe ich mich darüber gefreut, dass ich an dem gestrigen Salon teilnehmen durfte, wo die Autorin Micaela Jary ihren aktuellen Roman „Das Bild der Erinnerung vorstellte. Mit dem Buch habe ich schon länger geliebäugelt und war daher um so dankbarer, es live und von der Autorin herself vorgestellt zu bekommen.

IMG_1338IMG_1337Nachdem sich alle Gäste miteinander bekannt gemacht haben und mit Getränken versorgt waren erfolgte der gemeinschaftliche Umzug in den Salon der wunderschönen Altbau-Wohnung.
Kerstin, als Gastgeberin, begrüßte nochmals alle ganz offiziell, danach bestritt Kerstin’s jüngste Tochter Mia gemeinsam mit einer Freundin das Vorprogramm im Rahmen eines kleinen weihnachtlichen Blockflöten-Konzerts mit kurzen weihnachtlichen Intros. Die Mädels hatten sichtlichen Spaß dabei 🙂

Anschließend begann Micaela Jary mit der eigentlichen Lesung, die sie gemeinsam mit ihrem Ehemann Bernd Gabriel hielt, so dass es nicht nur eine einfache Lesung war, sondern ein Live-Hörspiel, wo Micaela Jary sehr temperamentvoll den weiblichen Charakteren Leben einhauchte und Bernd Gabriel mit seiner wunderbar sonoren, dunklen Stimme die männlichen Charaktere vertonte. Mich wundert ja, dass er mit dieser tollen Stimme offenbar noch keine Angebote von Hörbuch-Verlagen oder als Synchron-Sprecher erhalten hat. Ich habe das Buch selbst bisher noch nicht gelesen, da ich es erst gestern nach der Lesung erworben habe. Die Geschichte spielt in unterschiedlichen Zeit-Epochen, beginnend im Berlin Mitte der 40er Jahre, weiter in den 60er Jahren London bis hin in die Gegenwart, dem Jahr 2010 in München. Durch ein altes, zuvor als verschollen gegoltenes Gemälde sind ganz unterschiedliche Personen über diese Epochen hinaus plötzlich auf verschiedenste Weise miteinander verbunden. Unwillkürlich kam mir persönlich da auch die aktuelle Kunst-Affäre um den Sohn des Münchener Kunst-Sammlers Gurlitt, der von seinem Vater tausende Kunst-Werke sogenannter entarteter Kunst, die in den Zeiten des Nationalsozialismus verschwand, offenbar erbte und über Jahrzehnte hortete und versteckt hielt, bis zu dem Zeitpunkt, wo er selbst Geld benötigte und begann, Teile dieser Kunst-Sammlung zu veräußern.
Die Lesung war von der Autorin liebevoll mit einer Musik-Auswahl aus diesen Zeit-Epochen arrangiert worden – hier u. a. mit Stücken der Comedian Harmonists und der Andrew Sisters.
Pünktlich zum Lied „Rum and Coca Cola“ von den Andrew Sisters (http://de.musicplayon.com/play?v=387143) servierten Kerstin und ihr Mann überraschend ihren Gästen selbiges Getränk – eine originelle Idee, die wirklich super angekommen ist 🙂
Da die Lesung in einem Jugendstil-Haus in der Gegend stattfand, wo auch der Großteil des Berliner Parts der Story spielt, hätte man sich kein besseres Ambiente wünschen können. Direkt kam mir die Vorstellung in den Kopf, wie genau diese Lieder schon vor ungefähr 80 Jahren auf Schellack-Platten in solchen Häusern gehört wurden und wie geschichtsträchtig solche Wohnhäuser sind und welche Geschichten sie wohl berichten würden, wenn sie es könnten …
Nach der Lesung berichtete die Autorin noch ein wenig von den nicht einfachen Recherche-Arbeiten, da gerade aus dem Jahr 1946, wo das Buch seinen Anfang hat, wenig Dokumentationsmaterial existierte und sie sich durch das Lesen von Biographien und dem Betrachten alter Fotos oder Dokumente, wie dem Tagebuch einer Nonne, die in einem Hospital, welches auch in dem Buch erwähnt wird, zu jenem Zeitpunkt tätig war, ein eigenes Bild dieser Zeit machen musste. Nach dem Kriegsende 1945 war Deutschland  mit seinem Wiederaufbau mehr oder weniger sich selbst überlassen und stand nicht mehr so sehr im öffentlichen Interesse.
Ich habe mich dann auch sehr gefreut, mir das Buch nach dem Kauf auf der Lesung gleich noch der Autorin selbst signieren lassen zu können.

Nach der Lesung gab es ein köstliches vegetarisches Buffet und Gelegenheit zum Gedankenaustausch unter allen Gästen. Ich persönlich habe mich ganz besonders gefreut, die beiden Stutzke-Mädels Monika und Kerstin – und rekordverdächtigen Viel-Leserinnen 😉 – von dem wirklich tollen, mit viel Liebe zum Detail geführten Blog „Lesendes Katzenpersonal“ (http://lesendes-katzenpersonal.blogspot.de) endlich persönlich kennenzulernen, nachdem wir uns bisher nur virtuell über Facebook kannten. Wir haben nett geplaudert, da uns nicht nur die Liebe zu den Büchern sondern ebenso zu den Katzen verbindet und wir haben uns ganz sicher nicht das letzte Mal auf einer Lesung getroffen. Ein Dankeschön an die Beiden, dafür, dass ich sie kennengelernt habe. Auf dem Blog der beiden Mädels findet Ihr auch nochmal einen ganz ausführlichen Bericht von dieser Lesung mit ganz vielen Fotos – nicht zuletzt auch von Kerstin’s beiden hübschen Norwegischen Waldkatern ❤

An dieser Stelle nochmal ein großes Dankeschön an die Autorin Micaela Jary und ihren Mann Bernd Gabriel für eine tolle Geschichte, die in der Lesung richtig lebendig wurde; an die wunderbare Gastgeberin Kerstin Hohlfeld und ihren Mann für die große Mühe, das tolle vegetarische Essen und das harmonische Ambiente; an Kerstin’s Tochter Mia und ihre Freundin für die musikalische und verbale Weihnachtsdarbietung und an die anderen Gäste einfach dafür, dass man mal wieder neue Leute kennengelernt hat.
Ich freue mich schon auf den 4. Literatur-Salon – dieses Mal dann in einem ganz anderen Genre 😉 …

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Sorry – in eigener Sache …

Nun war es längere Zeit etwas ruhiger hier.

Bedingt durch einen größeren Umzug, berufliche und private Neuorientierung und einer anderen, sehr belastenden und krank machenden Sache, hatte ich mich für eine Weile zurückgezogen.
So langsam bin ich nun in meinem neuen Leben angekommen, habe in den letzten Wochen neue wunderbare Menschen kennengelernt, die mein Leben und den Kreis echter Freunde noch bereichern, tolle Veranstaltungen besucht und dadurch Kraft und Energie bekommen, neue Ideen zu verwirklichen und auch alte Ideen, wie diesen kleinen unbedeutenden Hobby-Blog, endlich wieder etwas zu beleben.

Derzeit bin ich mit drei Rezensionen im Rückstand und wollte auch noch einen Review geben auf die Veranstaltungen, die ich in der letzten Zeit so besucht habe.
Zudem bin ich aktuell auch wieder Testleserin eines noch unveröffentlichten Manuskriptes …

Bei allem Stress habe ich dann auch den eigenen Blog-Geburtstag verschwitzt, der am 01.11. (gleichzeitig der 4. Todestag meines Vaters) war, und für den ich mir noch eine nachträgliche Aktion einfallen lassen werde.

Nochmals sorry und noch eine schöne Adventszeit.

Nun berichte ich aber erstmal über eine wunderbare Lesung, die ich gestern besucht habe 🙂