Rezension: Kerstin Hohlfeld – „Herbsttagebuch“

IMG_1198Fakten:
Taschenbuch, Gmeiner-Verlag, erschienen 09.07.2012, 344 Seiten, 11,90€

Autorin:
Kerstin Hohlfeld wurde 1965 in Magdeburg geboren und absolvierte nach dem Abitur sowie einer Berufsausbildung erfolgreich ein Theologie-Studium in Naumburg und Berlin. Nach unterschiedlichen Jobs und weiteren Berufsausbildungen widmet sie sich heute ausschließlich der Leidenschaft, der sie bereits als Kind nachging und mit der sie sich – nur 50 km von der ehem. Zonen-Grenze entfernt lebend – in fremde Welten träumen konnte: Dem Schreiben. Als Mutter von 3 Kindern lebt sie mit diesen, ihrem Mann und 2 Katern heute in Berlin. „Herbsttagebuch“ ist nach „Glückskekssommer“ der 2. Band, in der 4 Teile umfassenden Reihe, um die liebenswerte, junge Schneiderin Rosa Redlich aus Berlin. Als Fortsetzung dazu ist im Juli 2013 noch „Winterwünsche“ erschienen. Der 4. Band – mit dem Frühling als Thema – ist in Planung und soll im Februar 2015 erscheinen. Zunächst werden weitere Roman-Projekte von Kerstin Hohlfeld verwirklicht, u. a. der Roman „Wendezeit“, der im April 2014 veröffentlicht wird, ebenso wie ein Frauen-Roman, der im Herbst 2014 im Ullstein-Verlag erscheint.

Handlung:
Die junge Schneiderin Rosa Redlich hat nun eigentlich alles, was ihr Herz begehrt und womit sie glücklich ist: Den liebevollen jungen Arzt Basti als Freund an ihrer Seite, eine Familie, tolle Freunde, einen Job, den sie liebt und der sie ausfüllt mit wunderbaren Kolleginnen und ein schönes Zuhause in einer gemeinsamen Wohnung mit ihrer besten Freundin Vicki. Wie ein Tsunami rauscht eines Tages der attraktive Regisseur Leopold Weidenhain in Rosa’s Leben und spült sie nicht nur beruflich mit einem Engagement als Kostümbildnerin für sein neues Stück am Berliner Musical-Theater in eine verblendete Glamour-Welt, sondern auch gefühlsmäßig wird auf einmal alles andere unwichtig, was einmal Bedeutung für sie hatte. Schafft es vielleicht ausgerechnet Augusta von Liesen, eine jung verstorbene Ur-Großtante ihrer Freundin Vicki, deren Tagebuch Rosa zufällig in die Hände gefallen ist und deren Geschichte und die Nachforschungen über ihr Schicksal Rosa seither keine Ruhe lassen, Rosa wieder auf den Boden der Tatsachen und in die Welt der Menschen zu holen, die ihr wirklich etwas bedeuten?!

Fazit:
Die Cover-Gestaltung mit dem Herbstlaub und den roten Schuhen (Rosa Redlich liebt High Heels) ist themengerecht.
Das Schriftbild ist genauso angenehm wie im 1. Band und der Inhalt in insgesamt 13 Kapitel unterteilt, die teilweise etwas kürzer hätten sein können.
Auch in diesem Band wird man wieder ein wenig durch Berlin geführt und ich habe mich hier besonders gefreut, Locations darin zu finden,  in denen ich selbst auch schon war.
Das Buch ist fesselnd geschrieben und man befindet sich gleich mittendrin in dieser neuen Geschichte um Rosa Redlich und lebt deren Leben einfach eine Zeit lang mit, als wäre man Teil davon, z. B. als Freundin. Hätte ich die Möglichkeit gehabt, hätte ich Rosa gerne an manchen Stellen zur Seite genommen und mal ordentlich ins Gewissen geredet und mich schützend dazwischen gestellt, wenn sie auf dem Weg war, mal wieder eine neue Dummheit zu begehen.
Die Haupt-Protagonisten waren – wie auch im Vorgänger-Band – wieder sehr sympathisch, bis auf Leopold Weidenhain, der aber ein besonderes Prickeln in die Geschichte gebracht hat.
Ganz besonders hat mir die Nebenhandlung um Vicki’s jung verstorbene Großtante Augusta gefallen, die sich so wunderbar in die Hauptstory eingefügt hat und eine besondere Spannung verliehen hat. Schon als Kind habe ich solche geheimnisvollen Geschichten geliebt und fand vielleicht gerade deshalb damals von Enid Blyton die „Tina und Tini“-Reihe mit kindgerechten Detektiv-Geschichten besonders spannend.
Somit enthält diese Geschichte eigentlich zwei (Love-)Stories – die von Rosa und die von Augusta.
Als Essenz aus dieser Geschichte kann man sicherlich herausziehen, dass man sich nicht zu leicht blenden lassen sollte und sich nicht auf einmal um jeden Preis Wünsche erfüllt, die man eigentlich nie hatte. Man sollte nie für die Erfüllung eigener Bedürfnisse „über Leichen gehen“, sondern immer bedenken, welche lieben Menschen man bei zu impulsivem Handeln möglicherweise verletzt oder sogar für immer verliert durch puren Egoismus und manchmal doch besser auf dem Weg bleiben sollte, auf dem man sich eigentlich wohl gefühlt hat.
Rosa Redlich ist ein ganzes Stück weit erwachsener geworden und ich freue mich schon, sie in dem 3. Band „Winterwünsche“ dabei weiter begleiten zu dürfen.
Eine uneingeschränkte 5 Punkte-Leseempfehlung gibt es hierfür *****