Rezension: Franziska Seyboldt – „Müslimädchen – Mein Trauma vom gesunden Leben“

IMG_0999Fakten:
Paperback, Lübbe, 192 Seiten, erschienen 19,04.2013, 12,99€

Autorin:
Franziska Seyboldt, geboren 1984 im badischen Teil von Baden-Württemberg, zog es auf der Flucht vor ihren ökologisch korrekten Eltern zunächst zum Studium des Modejournalismus nach Hamburg. Seit 2008 ist Redakteurin und Kolumnistin bei der taz.de im Ressort „Gesellschaft und Kultur“. Sie lebt in Berlin.

Handlung:
Franziska Seyboldt verbringt ihre Kindheit und Jugend in den 80- bis 90er Jahren – dem Zeitalter von McDonald’s mit Styropor-Verpackungen, Barbie-Puppen und Playmobil aus Plastik, Levis-Jeans und Buffalos – zu ihrem eigenen Leidwesen wohl behütet in einem der wenigen Haushalte, wo damals schon die Worte Öko und Bio eine echte Bedeutung hatten. Mit viel Humor schildert sie Anekdoten aus ihrem jungen Leben bis hin zum rebellischen Erwachsenen-Dasein, wo Öko auf einmal schicker Trend in von ihr bewohnten Großstadt-WGs ist und sie selbst eigentlich endlich mal nichts lieber wollte, als ungestraft Pommes futtern, rauchen und Dinge, die im elterlichen Haushalt total verpönt waren …

Fazit:
Das Cover ist okay, Hintergrund ein Jute-Beutel – darauf ein Kinderfoto von Franziska – eingefasst von Weizen.
Inhaltlich ist das Buch ein absolutes Highlight: Humorvoll und unterhaltsam in Kolumnen-Form geschrieben – da ich selbst Kolumnen-Bücher immer mal wieder als „Zwischendurch-Lektüre“ schätze, hatte ich richtig viel Spaß beim Lesen. Franziska Seyboldt schildert mit viel Wortwitz, teilweise abstruse Situationen ihres Heranwachsens ohne TV-Gerät, dafür aber mit von gesunder Ernährung, chemiefreiem Leben und musikalisch und zudem auch noch esoterisch besessenen Eltern.
Das Buch ist leider viel zu schnell durchgelesen. Der Schreibstil von Franziska Seyboldt ist wirklich göttlich und ich hoffe, es gibt noch mehr von ihr in Buch-Form zu lesen in der Zukunft.
Bis dahin kann man ihre wunderbaren Kolumnen auch auf ihrer Website:  http://franziskaseyboldt.de/ und der Kolumnen-Seite von taz.de verfolgen: http://www.taz.de/!s=Franziska+Seyboldt/. Von mir gibt es für dieses Werk 5 von 5 möglichen Punkten für den Inhalt.
Wobei hier eine fette Kritik an den Lübbe-Verlag für den verhältnismäßig hohen Preis geht, weil das Preis-Leistungs-Verhältnis hier einfach nicht ausgewogen ist: Lediglich der Paperback-Umschlag (doppelter Taschenbuch-Umschlag) und das größere Taschenbuch-Format rechtfertigen den Preis von 12,99€ keinesfalls. Von den 192 Seiten sind 10 Seiten unbedruckt, weil jedes Kapitel auf der rechten Seite beginnt. Ich würde mal sagen, dass das den Eltern von Franziska Seyboldt ganz sicher nicht gefallen würde, hinsichtlich Nachhaltigkeit in Bezug auf Abholzen von Wäldern und Papierverschwendung 😉 …

Advertisements

Rezension: Tanja Wekwerth – „Ein Hummer macht noch keinen Sommer“

IMG_0994Fakten:
Taschenbuch, Goldmann, erschienen 17.06.2013, 285 Seiten, 8,99€

Autorin:
Tanja Wekwerth, geboren 1966 in Berlin, ist ein absolutes Multi-Talent. Obwohl sie schon immer schreiben wollte, studierte sie zunächst Sprachen in Paris, wo sie auch eine ganze Zeit lang als Übersetzerin und Model arbeitete und sich in die Stadt Paris verliebte. Später war sie dann als Stewardess tätig, was ihr nach Beendigung dieser Tätigkeit  ausreichend Stoff für ihren ersten Roman „Emma über den Wolken“ (erschienen 2001) lieferte. Weitere Romane von ihr sind:  „Das Haus der Hebamme“ (2004), „Esthers Garten“ (2006) und „Mitternachtsmädchen“ (2008). Sie gründete eine Familie und schrieb über das turbulente Familienleben mit Mann und drei Kindern 10 Jahre lang eine Kolumne für die Frauenzeitschrift „Laura“, die ebenfalls in Buchform – auf 6 Bände verteilt – erschienen ist. Nicht nur als Autorin beweist sie großes künstlerisches Talent, sondern ebenso als Fotografin und Malerin. Auf lettra.tv über youtube.de sind interessante Buchbesprechungen von ihr zu finden.

Handlung:
Sommer 2010 in Berlin: Es kreuzen sich die Wege von Natalie Schilling, Anfang 40, Single, ist unzufrieden mit ihrem Job als Buchkritikerin im TV und Koch-Kolumnistin, die den schwulen Psychotherapeuten Theodor Silberstadt aufsucht und sich prompt unglücklicherweise in ihn verliebt. Aber auch Theodor ist unglücklich: Auch sein Job bereitet ihm längst keine Freude mehr, Zynismus beherrscht ihn und dann trennt sich nach 25 Jahren auch noch sein Lebensgefährte, der erfolglose und ebenfalls nicht sonderlich glückliche Maler David, von ihm. Auch Theodor’s Mutter Hertha hatte andere Vorstellungen von ihrem Leben, hat sich aber mit Herz und Berliner Schnauze mit ihrem Leben arrangiert. Zu all diesen unzufriedenen Menschen gesellen sich zufällig der Apotheker und Möchtegern-Galerist Rudolf Euter mit seiner Tochter Rosie und dem Mops Feivel und das Leben bekommt für alle Beteiligten in jenem Berliner Sommer noch mal ganz neuen Drive mit glücklichen Wendungen …

Fazit:
Die Cover-Gestaltung hätte für mich persönlich nicht perfekter sein können: pink, Berliner Skyline und ein Mops – besser geht es gar nicht – das würde ich mir sogar im Großformat an die Wand hängen – einfach toll und passend ausgewählt – ich liebe es 🙂
Das Buch ist nicht in Kapitel unterteilt, lässt sich aber mit seinen 285 Seiten doch gut weglesen – ideale Sommerlektüre eben, für Strand, Flieger oder einen relaxten Urlaubstag.
Ich muss zugeben, dass ich mich zu Beginn des Buches etwas schwer tat, mit den ganzen unzufriedenen und unglücklichen Protagonisten „warm zu werden“ – das wollte mir erst nicht so recht gelingen. Manche Reaktionen von Natalie Schilling – z. B. im Hinblick auf ihre Ängste – fand ich sogar ein wenig überzogen. Ich bin jedoch unendlich froh, dass ich mir den Lesespaß, der im weiteren Verlauf des Buches feuerwerksmäßig gesteigert wird, nicht habe vermiesen lassen durch den Anfang. Mit dem Auftauchen der weiteren Protagonisten: Rudolf Euter, seiner Tochter Rosie und dem Mops Feivel geht ein Ruck durch das Buch und die Geschichte macht so richtig glücklich beim Lesen. Klar, ein Mops – egal, ob in Natura oder auf dem Papier – macht mich persönlich ja sowieso schon immer glücklich ;-). Ebenso kehrt das Glück in die Leben der mitwirkenden Charaktere zurück und führt zu einem Happy End für alle Beteiligte, von denen der ein oder andere auf dem Weg dorthin jedoch noch so manches Fettnäpfchen beschreiten muss. Das Ende hat etwas märchenhaftes.
Das Buch ist ein wunderbarer Sommer-Roman, locker und leicht zu lesen, der einfach glücklich macht.
Ganz toll ist auch Idee der Beschreibung von Locations und Sehenswürdigkeiten im Buch, das immer mal wieder einen kleinen Stadtführung (durch meine künftige Heimat) gleicht. Und wer nicht genug davon bekommen kann und sich selbst von den Örtlichkeiten überzeugen will, findet im Anhang zu dieser tollen Story nochmal fast alle Lokale und Läden mit Adressen und Beschreibung aufgelistet.
Danke an Tanja Wekwerth für diesen Lesespaß – 5 Punkte mit Sternchen und absoluter Leseempfehlung gibt es dafür von mir!!!
Hoffentlich folgen weitere tolle Bücher in dieser Art 🙂

Rezension: Jana Voosen – „Pantoffel oder Held?“

IMG_0947Fakten:
Taschenbuch, Heyne, erschienen 10.06.2013, 351 Seiten, 8,99€

Autorin:
Jana Voosen wurde am 06.05.1976 in Hamburg geboren. Nach dem Abitur in Wuppertal absolvierte sie zunächst eine Ausbildung in einer Bank. Dann folgte Schauspielunterricht in Hamburg und New York und neben Engagements an Hamburger Theatern, arbeitete Jana Voosen für sehr viele deutsche TV-Produktionen – aber auch Filme: Die bekanntesten Serien-Rollen hatte sie u. a. in der früheren ARD-Vorabend-Serie „Marienhof“, sowie in der ZDF-Serie „Notruf Hafenkante“ und „Klinik am Alex“ (SAT1). Noch während ihrer Schauspielausbildung arbeitete Jana Voosen, die auch Theaterstücke geschrieben hat, an ihrem ersten von nunmehr 9 Romanen. Weiterhin sind Kurzgeschichten von ihr in unterschiedlichen Anthologien veröffentlicht worden. Auch ihr Vater, Wolfgang Voosen, betätigt sich mittlerweile als Autor im Krimi-Genre und hat bereits gemeinsame Lesungen mit seiner Tochter gehalten.

Handlung:
Franzi, Mitte 30, Mitarbeiterin in einer Werbeagentur und ohnehin das schwarze Schaf in ihrer Familie, registriert sich nach der Trennung von ihrem Freund Fabian in der Online-Kontaktbörse „Dreamteam“, ein Kunde ihrer Agentur, dessen neueste absolut revolutionäre Kampagne, den richtigen Partner auch hinsichtlich biologischer Übereinstimmungen zu finden, sie selbst betreut. Anstatt des Traumprinzen folgenden etliche Dates mit zahlreichen Fröschen. Doch außerhalb der Online-Dating-Landschaft hält das Leben für Franzi die eine oder andere Überraschung in der Liebe bereit …

Fazit:
Die Cover-Gestaltung ist absolut perfekt gewählt, wie man beim Lesen des Buches feststellen kann und das Cover dann auch erst so richtig versteht 😉 – wirklich niedlich – die Farbauswahl ist absolut passend für ein Buch dieses Genres.
Das Buch hat insgesamt 20 nie zu lange Kapitel plus Einleitung und Nachwort verteilt auf in angenehmen Schriftbild bedruckten 351 Seiten.
Das Grundgerüst ist in den meisten Büchern von Jana Voosen – ebenso wie der Handlungsort Hamburg – immer ein wenig ähnlich: Von den Männern und der Liebe enttäuschtes Mädel zwischen Ende 20 und Mitte 30 begibt sich auf die Suche nach der neuen großen Liebe; die Stories sind allesamt witzig, sexy, humorvoll. Jana Voosen vermag mit ihrem besonderen Humor und ihrem ganz speziellen Schreibtalent dieses Gerüst in jedem ihrer witzigen Bücher mit einer ganz bezaubernden Geschichte zu dekorieren, die durch die Berufe der Protagonisten, deren Freunde und Familien und den immer wieder neuen Begebenheiten viel Farbe und Leben eingehaucht bekommt. Nicht umsonst habe ich bis jetzt alle 9 Romane von Jana Voosen mit großer Begeisterung verschlungen und sie befinden sich, wie alle meine Lieblingsbücher, auch jetzt noch immer in meinem Bücherregal. Für jede Neuerscheinung von Jana Voosen wird mein SuB nach hinten geschoben und die Neuerscheinung beim Lesen vorgezogen. Das spricht nur FÜR die Bücher von Jana Voosen und den tollen Inhalt.
In „Pantoffel oder Held?“ war mein Lieblingscharakter jedoch nicht die Protagonistin Franzi, sondern die mit so viel Herz beschriebene Oma Anni, die immer die Sprichworte verhunzt. Einfach klasse und auch bei der Lektüre dieses Buches musste ich wieder sehr viel lachen. Ebenso musste ich sehr schmunzeln über Franzi’s Freundin Kim – eine junge, übermüdete Mutti – die jedes Treffen bei ihren Freundinnen verschläft, weil sie dort endlich mal ungestört ohne Kindergeschrei schlafen kann.
Ich gebe für dieses Buch 5 goldene Punkte – perfekter Lese-Spaß für Mädels, die gern Chick-Lit mit ein wenig Tiefgang lesen und humorvoll unterhalten werden wollen.
Die Vorfreude auf das nächste Buch von Jana Voosen ist schon da 🙂