Rezension: Anne Hertz – „Flitterwochen“

20130328-122900.jpgAutorinnen:
„Anne Hertz“ ist das Pseudonym, unter dem die beiden Schwestern Wiebke Lorenz und Frauke Scheunemann seit einigen Jahren äußerst beliebte ChickLit-Romane veröffentlichen.

Wiebke, 1972 in Düsseldorf geboren, absolvierte nach dem Studium der Anglistik, Germanistik und Medienwissenschaften in Trier ein Studium zur Drehbuch-Autorin an der Internationalen Filmschule in Köln. Bereits seit Ende der 90er Jahre sind einige tolle Frauen-Romane unter ihrem eigenen Namen, aber auch unter dem Pseudonym „Jana Sonntag“ erschienen. Seit einigen Jahren veröffentlicht sie auch sehr erfolgreiche Psycho-Thriller. Neben ihrer Tätigkeit als Autorin war und ist sie für diverse Frauen-Zeitschriften journalistisch – u. a. als Redakteurin und Kolumnistin – tätig. Sie lebt in Hamburg und ist Mutter einer kleinen Tochter.

Frauke wurde 1969 ebenfalls in Düsseldorf geboren. Sie studierte Jura (mit Promotion), arbeitete nach einem Volontariat beim NDR als Pressesprecherin aber auch als Journalistin und später als Referentin bei der Hamburger Kultur- sowie der Wissenschaftsbehörde. Als Autorin begeisterte sie bisher mit der bald vier Bände umfassenden zauberhaften Reihe um den putzigen Dackel Herkules. Sie ist verheiratet, Mutter von vier Kindern und lebt ebenfalls in Hamburg.

Handlung:
Die Grundschullehrerin Tine will auf dem Weg in die Osterferien, in denen sie ihren Freund Alexander auf den Seychellen heiraten will, nur noch kurz die Devisen für die Reise bei der Bank abholen. Durch ein unglückliches Missverständnis wird sie jedoch für eine Bankräuberin gehalten und befindet sich plötzlich mit der senilen Oma Strelow, deren frisch abgehobenen Ersparnissen, einer Urne und dem jungen, polnischen Betreuer Jan auf der Flucht Richtung Polen. Oma Strelow hat nämlich nur noch einen Wunsch: Die Asche ihres geliebten Ehemannes Heinzi in der Ostsee in ihrer ehemaligen Heimat Kolberg (ehemals Pommern) zu verstreuen. Für Tine beginnt das Abenteuer ihres Lebens und das Missverständnis mit dem Bankraub soll nicht das Einzige bleiben 😉 …

Fazit:
Zuerst die „nackten Fakten“: Erschienen bei Knaur am 01.03.2013, Softcover, 14,99 €, 320 Seiten – wovon allerdings 12 Seiten komplett unbedruckt sind, weil jedes Kapitel auf der rechten Seite beginnt, was zwar optisch mehr her macht, aber auch etwas über die Quantität hinwegtäuscht zumal der Schriftgrad auch eher groß gewählt ist, die Seiten recht dick sind und locker bedruckt. Dies tut dem Lese-Spaß aber natürlich keinen Abbruch :-).

Das Cover-Design ist den Vorgängern angepasst und sowohl hinsichtlich Farbwahl als auch Gestaltung wie immer sehr ansprechend gelungen und der Bezug zur Story hergestellt.
Die Veröffentlichung war eigentlich bereits für den Herbst 2012 angekündigt, was sich dann aber leider verzögert hat, aber umso mehr die Vorfreude steigerte.
Dieses Buch ist im Vergleich zu seinen Vorgängern eher ungewöhnlich, weil dieses Mal nicht die Romantik im Vordergrund steht, sondern eher der Humor und man wirklich oft lachen muss. Meiner Meinung nach genau deshalb das beste Anne Hertz-Buch überhaupt :-). Und natürlich im üblichen flotten Schreibstil mit viel Wortwitz.
Kurz nach dem Erscheinungstermin sind bei amazon.de einige negative Rezensionen publiziert worden, von denen mehr als eine das Adjektiv „unrealistisch“ in Bezug auf die Story trägt. Aber ist das eigentlich nicht genau der Grund, warum wir Bücher lesen?! Eben weil wir uns doch täglich in der Realität befinden und mit einem Buch abtauchen können in herrlich unrealistische Geschichten, wie sie uns selbst wahrscheinlich im Leben nie passieren, die uns ablenken und in andere Welten entführen?! Fantasy-Romane, Thriller usw. sind ebenso unrealistisch und trotzdem liest man sie, weil sich gerne von diesen Welten fangen lässt :-). Und hier ist es dieses Mal eben eine herrlich klamauk-artige Story mit einer gesunden Prise Romantik.

Der erste Lacher folgt dann gleich bei der Namenswahl der Hauptprotagonistin: Tine Samstag, Grundschullehrerin. Direkt kommt einem hierbei das Buch „Chill mal, Frau Freitag – Aus dem Alltag einer unerschrockenen Lehrerin“ in den Sinn. Diese Assoziation ist bestimmt nicht ganz unbeabsichtigt 😉 …

Wie in allen Anne Hertz-Romanen kann man die Geschichte von der 1. Seite an mitleben – was nicht zuletzt an der plastischen Beschreibung von Mitwirkenden und Handlungsorten liegt. Anne Hertz haben durch ihre gemeinsame Arbeit (4 Augen sehen mehr als 2) das Schreiben von ChickLit-Romanen geradezu perfektioniert.
Man hat durch die detaillierten Beschreibungen ein genaues Bild von jedem Mitwirkenden vor Augen und die Beschreibungen der polnischen Seebäder Kolberg und Misdroy gleichen einer virtuellen Stadtführung, die Interesse weckt, sich die beiden Orte auf jeden Fall einmal live ansehen zu wollen.

Neben Romantik und Humor haben in diesem Buch aber auch ernste Themen wie Demenz und deutsch-polnische Völkerverständigung einen Platz gefunden, auch wenn Jan’s polnische Großfamilie ein wenig klischeehaft dargestellt ist. Die Demenz-Ausfälle von Oma Strelow sind sehr realistisch beschrieben. Jeder, der schon mal mit Demenz-Patienten zu tun hatte, weiß, dass man im Umgang mit Betroffenen gerade am Anfang zwischen Schmunzeln, Unglauben und tiefer Betroffenheit schwankt und schon gar nicht darauf beharren darf, dass der Demenz-Patient Unrecht hat …

Ich habe mich mit diesem Buch glänzend unterhalten gefühlt, für mich bisher das witzigste aller Anne Hertz-Bücher! Eine himmlische Verwechslungskomödie mit einer Moral und mit viel Situationskomik, die absolut das Zeug zur Verfilmung hat – das Kopfkino für diese spritzige Lektüre hat auf jeden Fall schon mal bestens funktioniert – mal sehen, ob das jemand filmisch ebenso gut umsetzen kann 😉 …
Danke für so viel Lesespaß und so viele Lacher!!!  Von mir gibt es 5 von 5 möglichen Punkten dafür 🙂

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Reise-Bericht von der Leipziger Buchmesse 2013

Mein Buchmesse-Ausweis

Mein Buchmesse-Ausweis

Willkommen in Leipzig

Willkommen in Leipzig

Am vergangenen Freitag haben mein Mann und ich uns aufgemacht zu einem Kurz-Trip nach Leipzig, wo wir am Samstag dann die Buchmesse besucht haben.
Nach einer gemütlichen Autofahrt bei traumhaften Wetter haben wir dann am Nachmittag Leipzig erreicht, in unserem Zimmer im Marriott-Hotel Leipzig eingecheckt und uns dann auf den Weg gemacht, die Innenstadt zu erkunden. Wir waren noch nicht lange in der City unterwegs, als Jorge Gonzalez mit seinem Tross unseren Weg kreuzte – und er trug keine High-Heels 😉 …
Seit unserem letzten Besuch in Leipzig hat sich wirklich einiges getan bzw. ist noch in der Weiterentwicklung, was im Klartext heißt: Auch hier gibt es Baustellen ohne Ende, die zur Stadtverschönerung beitragen sollen – wenn denn alles mal fertig ist 😉 … Aber Leipzig ist wirklich eine ganz tolle Stadt, die mir damals auch schon sehr gefallen hat. Da ich auch großer Architektur-Fan bin, finde ich die Mischung aus sanierten Renaissance-Bauten, futuristischer Architektur und unsanierter Bauten sowie sozialistischer Architektur sehr spannend. Leipzig gehört durchaus zu den deutschen Städten, in denen ich mir vorstellen kann, zu leben.
Den Abend haben wir dann gemütlich nach einem leckeren Essen in der Hotel-Lounge ausklingen lassen.

Durch den Hinweis anderer Blogger hatte ich von der Möglichkeit erfahren, ein Presse-Ticket als Blogger zu ergattern, was auch perfekt funktioniert hat. Mein Mann hat zudem als Begleitung ebenfalls eine kostenlose Tageskarte erhalten. Da wir eigentlich den 1. großen Besucher-Ansturm am Samstag abwarten wollten, haben wir uns erst nach 10.30 Uhr auf den Weg Richtung Leipziger Messe gemacht, mussten aber feststellen, dass es an einem Samstag offenbar keinen 1. Ansturm gibt, sondern der ganze Samstag ein einziger Ansturm ist ;-). Der Shuttle-Bus zur Messe war voller kostümierter Cosplayer, deren Interesse hauptsächlich den Ausstellern im Bereich Manga/Anime galt – aber vor Allem natürlich dem Sehen und Gesehen werden. Manche haben sich wirklich irre viel Mühe mit ihren Kostümen gegeben – wirklich sehr beeindruckend – während bei manchen aber die sogenannte „Verkleidung“ eher etwas lieblos war. Nachdem wir im Presse-Bereich eingecheckt haben, Garderobe abgegeben und mit Messe-Katalog und Lesungsverzeichnis ausgestattet waren, sind wir losgestiefelt ;-).

Claudia Toman alias Anna Koschka

Claudia Toman alias Anna Koschka

Gabriella Engelmann (Lulu Rakete) & Jakob M. Leonhardt (Ben Schumann)

Gabriella Engelmann (Lulu Rakete) & Jakob M. Leonhardt (Ben Schumann)

Die Menschenmassen waren absolut unbeschreiblich, ebenso wie die Größe der Messehallen. Wir sind deutlich langsamer voran gekommen als geplant, an den Ständen hatte man wegen der Menschenmassen eher wenig Gelegenheit mal richtig zu schauen und Lesungen haben wir dann doch eher zufällig mitbekommen im Vorbeigehen, haben aber unser Interesse an politischen Lesungen festgestellt, u. a. nachdem die ehem. Piraten-Politikerin, Astrid Geisler, Auszüge aus ihrem Erlebnisbericht aus ihrer Partei-Zeit vorgetragen hat.
Es war unglaublich voll und die Lauferei war ziemlich erschöpfend. Im Fazit dazu muss ich dazu sagen, dass ich meine nächste Buchmesse – oder Messen überhaupt (nach den Erfahrungen der IAA in Frankfurt) – auf jeden Fall nicht mehr samstags, sondern nur noch an einem Wochentag besuchen werde, weil man da wahrscheinlich einfach mehr davon hat …
Schon seit längerer Zeit habe ich via facebook Kontakt zu den wunderbaren Autorinnen Gabriella Engelmann und Claudia Toman, mit denen ich mich auf der Buchmesse verabredet hatte zwecks persönlichem Kennenlernen. Gerne hätte ich auch Emma Bieling getroffen, die sich aber – klugerweise – zu Gunsten ihres kleinen Sohnes für einen Besuch am weniger frequentierten Freitag entschieden hatte. Zuerst trudelte ich nachmittags ein am Stand des arena-Verlages ein, wo ich eine glänzend gelaunte und echt liebe Gabriella Engelmann und ihren super-netten Co-Autor von dem wunderbaren Jugendbuch „Im Pyjama um halb vier“, Jakob M. Leonhardt, also quasi die Stimmen von „Lulu Rakete“ und „Ben Schumann“ treffen, ein bisschen quatschen und mein Buch signieren lassen konnte. Ich habe mich auch sehr gefreut, eine andere Bloggerin, Daniela Brose, von „Brösels Bücherregal“ dort persönlich kennenlernen zu dürfen.
Dann durfte ich auch endlich noch die bezaubernde Claudia Toman, vielen eher bekannt als „Anna Koschka“, Autorin des tollen Buches „Naschmarkt“ persönlich kennenlernen und möchte ihr und ihrem Freund Philipp Bobrowski auch nochmal ganz herzlich danken, dass das möglich war – und auch für die süße Widmung in meinem „Naschmarkt“.
Diese persönlichen Treffen haben den Tag sehr bereichert – DANKE 🙂

Da wir auch zum Lager-Verkauf von MOMOX bzw. MediMops wollten – ganz in der Nähe der Messe-Hallen, sind wir dann leider nicht mehr zur Lesung von „Im Pyjama um halb vier“ geblieben. Der Lager-Verkauf war der absolute Hammer: Gebraucht-Bücher unterschiedlichster Qualität und unterschiedlichsten Alters so ziemlich aller Genres sowie CDs, DVDs, PC-Spiele etc. wurden jeweils zum Preis von 1 € pro Stück verkauft, weil die Lagerkapazitäten von MOMOX nicht mehr ausreichen. Auf der Buchmesse gab es dann sogar nochmal Gutscheine, womit jeder Besucher ein Buch gratis bekam. Der Verkauf fand in den ehemaligen Hallen des Quelle -Versandhauses statt und war unbeschreiblich. Wir waren ca. 1 Std. dort und haben nicht annähernd die Hälfte der Halle geschafft (da wir von der Messe so erschöpft waren, sind wir wie in Trance da durch gewandelt) – haben aber auch „nur“ ca. 20 Bücher gefunden (für mich waren da einige Jugend-Erinnerungen darunter, da ich ja leider damals fast meine ganzen Schneider-Bücher leichtsinnig vertickt habe), mein Mann hat sich mit Krimis eingedeckt und Geschenke für Freundinnen habe ich auch noch gefunden. Manche Leute sind mit ca. 10 Kisten vom Gelände runter – unglaublich …
Im Hotel angekommen, haben wir dann erstmal lecker in der Lounge gegessen, unseren schmerzenden Füße eine Pause gegönnt und Cocktails getrunken.

MDR-Hochhaus

MDR-Hochhaus

Wohnen am Wasser in Leipzig-Plagwitz

Wohnen am Wasser in Leipzig-Plagwitz

Am Sonntag haben wir uns nach dem Frühstück nochmal auf den Weg gemacht und sind noch ein wenig durch Leipzig gebummelt und im Einkaufszentrum im wunderbaren alten Hauptbahnhof gewesen. Die Architektur des Leipziger Hauptbahnhofs hat ein wenig Ähnlichkeit mit der Grand Central Station in New York und ist wirklich sehenswert.
Danach haben wir uns dann auf die Rückfahrt gemacht und dann zuerst noch in Leipzig-Plagwitz gestoppt, wo „Wohnen am Wasser“ vorbildlich umgesetzt wurde – was uns natürlich besonders interessiert hat. Zudem hat der Stadtteil – wie Leipzig überhaupt – auch wieder wunderschöne, im Ganzen erhaltene historische Straßenzüge. Man kann sich gar nicht sattsehen daran, auch wenn es zwischendurch immer wieder noch unsanierte Häuser gibt, aber auch dieser Sanierungskontrast ist sehr sehenswert.

Von Leipzig aus haben wir dann noch einen Abstecher in die Goethe-Stadt Weimar gemacht, wo wir auch noch nie waren und die nicht minder sehenswert ist – klein aber fein – und nicht umsonst zum Weltkulturerbe zählt. Dort haben wir dann noch gemütlich Kaffee getrunken in einem antiken Hotel, wo uns der Schauspieler Günter Lamprecht am Tisch gegenüber saß.

Danach ging es dann nonstop Richtung Heimat, wo wir von unseren beiden süßen Katzen erwartet wurden, die von der lieben Angie von http://www.cats-cologne.de/ liebevoll, perfekt und professionell versorgt wurden – DANKE nochmals dafür.

Marktplatz in Weimar

Marktplatz in Weimar

Goethe-Denkmal inmitten einer Baustelle

Goethe-Denkmal inmitten einer Baustelle

Rezension: Emma Bieling – „Rapunzel auf Rügen“

Autorin:
Die deutsche Autorin Emma Bieling hat mit „Rapunzel auf Rügen“ – nach „Cinderella auf Sylt“ – ihren 2. Frauen-Roman in Adaption zu einem Märchen mit moderner Insel-Romantik vermischt. Sie hat sich beruflich auf vielfache Weise sozusagen „dem Schreiben verschrieben“ ;-). Heimat ist für sie und ihre Familie sowohl ein idyllisches Dorf in Nordrhein-Westfalen als auch Sachsen-Anhalt.

Handlung:
Jessica Waldmann, wegen ihrer 1,25 m langen Haare auch „Rapunzel“ genannt, ist Schauspielschülerin in Berlin. Nach einigen finanziellen Problemen muss sie ihren großen Traum vorerst begraben und zieht auf die Insel Rügen, um auf einem Schiff für Seebestattungen als Service-Kraft ihr Geld zu verdienen. Bei dieser Arbeit lernt sie zufällig den Tierarzt Hendrik kennen und lieben und ihr Leben wird plötzlich in ganz andere See gelenkt …

Fazit:
Das Taschenbuch aus dem Aufbau-Verlag umfasst 255 Seiten, darunter zum Schluss auch eine kleine Lese-Probe von Emma Bielings ersten Roman „Cinderella auf Sylt“.
Die Story ist in Kapitel in angenehmer Länge unterteilt und in einem ordentlichen Schriftbild – nicht zu groß und nicht zu klein gedruckt. Vom Format her passt das Buch ideal in die Handtasche, weil es nicht zu dick ist.
Dies ist bisher das 1. Buch, das ich von Emma Bieling gelesen habe und ich fand es dahingehend spannend, mal wieder eine neue Autorin kennenzulernen und hier auch deren sprachliche Eigenheiten, spezielle Formulierungen etc.
Das Buch enthält alles, was einen guten Frauen-Roman ausmacht: eine freche, liebenswert-chaotische Protagonistin, einige Klischees, die bedient werden (schwuler Visagist, drogensüchtige Berlinerin, vom Schicksal gebeutelte Mitbewohnerin, grummeliger Chef, romantischer Tierarzt) und mit der Insel Rügen einen wunderbaren Handlungsort, wo man gleich Fernweh bekommt und sich am liebsten mal wieder auf den Weg dorthin machen will. Es ist somit ein ideales Urlaubslesebuch 🙂
Sehr ertappt habe ich mich gefühlt, als zum Ende hin der Inhalt von Rapunzels Handtasche beschrieben wird. Sind wir Frauen uns da wirklich alle so ähnlich 😉 …?! Das war zu 99% der Inhalt meiner Handtasche und ich behaupte immer, wenn ein Taschendieb mein Portemonnaie darin auf Anhieb findet, hat er mir definitiv etwas voraus 😉 …
An der Stelle, als Hendrik erstmals erwähnt wurde (blonde Locken, süßer (?!) Schnauzbart) habe ich mich aber irgendwie ein wenig auf Zeitreise gewähnt, denn ich bin ein Kind der 80er und das ist auch so ziemlich das letzte Zeitalter, wo ich mich erinnern kann, in dem Männer dieser Altersklasse (also nicht wirklich ältere Herren) noch freiwillig einen Schnauzbart getragen haben 😉 …
Das Buch ist so gehalten, dass ich mir durchaus vorstellen könnte, sympathischen Neben-Protagonisten wie Sarah oder Ortrud vielleicht nochmal in einem neuen Roman von Emma Bieling zu begegnen – auf ihrer Suche nach dem Glück des Lebens.
Das Buch ist absolut runde Unterhaltung und allen begeisterten ChickLit-Leserinnen nur zu empfehlen.
Ich freue mich, auch „Cinderella auf Sylt“ noch zu lesen ebenso wie noch weitere neue Bücher der Autorin.
4 von 5 möglichen Punkten gibt es von mir 🙂

Rezension: Gabriella Engelmann / Jakob M. Leonhardt – „Im Pyjama um halb vier“

Autoren:

Gabriella Engelmann:
1966 in München geboren, wohnhaft in Hamburg. Sie machte zunächst eine Ausbildung zur Buchhändlerin und blieb diesem Metier auch auf ihrem weiteren Berufsweg als Lektorin, Verlagsleiterin, Literatur-Scout und Autorin treu. Sie schreibt sowohl Kinder- und Jugendbücher als auch Romane für Erwachsene. Im Bereich Jugendbuch hat sie in den letzten Jahren vor allem durch die Adaption von Märchen in die heutige Zeit auf sich aufmerksam gemacht. Als Romane sind besonders ihre „Insel“-Romane zu erwähnen. Sie schreibt zudem auch noch unter dem Pseudonym Rebecca Fischer und entwickelt Stoff für Fernsehverfilmungen.

Jakob M. Leonhardt:
Vollständiger Name: Jakob Musashi Leonhardt, Jahrgang 1975, sowohl in Tokyo als auch in Hamburg beheimatet. Geht neben seiner Tätigkeit als Jugendbuchautor weiteren Tätigkeiten als Musiker und Sounddesigner nach.

Handlung:
Die 16jährige Lulu aus Hamburg macht sich via facebook auf die Suche nach Ben Schumann, dem besten Freund ihres großen Schwarms Marco.
Sie findet zwar einen Ben Schumann, der aber, wie sich dann rausstellt, in München lebt und nicht der Gesuchte ist.
Dennoch entsteht zwischen den beiden Teenies ein inniger Chat-Kontakt, der keinen von beiden mehr los lässt, aber auch Geheimnisse birgt …

Fazit:
Das Buch umfasst 237 recht großzügig bedruckte Seiten, die als locker durchzulesenden Chat-Schriftwechsel verfasst sind.
Meine ersten Bücher in diesem Stil, die ich gelesen habe, waren „E-Mail für Holly“ und „Liebe per Mausklick – noch mehr E-Mails für Holly“, die ich ebenfalls klasse und sehr angenehm zu lesen fand, weil man die Geschichte in dieser Form wirklich gut mitleben kann.
Ähnlich geartete Bücher im E-Mail-Stil, wie „Gut gegen Nordwind“ / „Alle sieben Wellen“ von Daniel Glattauer, deren Zielgruppe ich alterstechnisch auf jeden Fall eher entspreche, fand ich trotz der ganzen guten Kritiken nicht so schön und berührend wie „Im Pyjama um halb vier“, bin aber froh, dass ich mittlerweile noch einige andere Leser gefunden habe, denen es damit ähnlich erging.
Bei diesem Buch hier habe ich mir bewusst viel Zeit gelassen und das Ende des Buches so lange wie möglich hinausgezögert (ist immer ein gutes Zeichen bei mir 😉 ) – ganz einfach aus dem Grunde, weil ich es so schön fand und Lulu und Ben ungern wieder loslassen wollte. Die Protagonisten Lulu und Ben wecken bestimmt bei vielen älteren Leser/innen sowas wie einen Beschützerinstinkt, so auch bei mir. Manchmal möchte die Beiden einfach mal zur Seite nehmen, trösten und beraten. Dabei kann ich mit Anfang 40 gut und gern die Mutter der Beiden sein und entspreche ja eigentlich auch nicht der Zielgruppe des Buches …
Beim Lesen der 1. Seite dachte ich noch: „So einfach war das Leben mit 16.“ – ein paar Seiten später allerdings: „Ja, so kompliziert war das damals alles mit 16.“ Das Buch spiegelt meiner Meinung nach die ganze Bandbreite des typischen Achterbahn-Gefühlslebens von Jugendlichen wieder – ich glaube daran, wird sich auch bei allen Generationen wenig verändern …
Sehr schön finde ich die Idee der Autoren, die beiden sympathischen Charaktere Lulu und Ben auf facebook weiterleben und den interessierten Leser weiterhin an deren Leben teilhaben zu lassen. Im Übrigen schreit dieses Buch, aber auch geradezu nach einer Fortsetzung 🙂
Mich hat vor Allem das Ende der Geschichte sehr nachdenklich gestimmt und sehr berührt.
Empfohlen wird dieses Jugendbuch vom Verlag ab 12 Jahren, aber so richtig erfreuen können sich auch Alle daran, die im Herzen und im Geist jung geblieben sind 🙂
5 von 5 möglichen Punkten – ich freue mich, Lulu und Ben durch facebook nicht ganz aus den Augen zu verlieren.