Rezensionen an sich ….

Das Thema „Rezensionen an sich …“ wird, glaube ich, in jedem Literatur-Blog immer mal wieder gerne aufgenommen.
Auf der facebook-Seite irgendeines Blogs habe ich neulich die Diskussion mitbekommen, woran man angeblich die perfekte Rezension erkennt und dass diejenigen, die kurze Rezensionen verfassen, sich angeblich nicht ausreichend mit dem Buch auseinandersetzen und sich keine Mühe geben, und dass ja keiner sowas lesen will …
Ich musste doch sehr schmunzeln, wie unterschiedlich diesbezüglich Meinungen sein können 😉

Denn ich selbst habe mich nämlich für meinen Teil dafür entschieden, Rezensionen möglichst kurz zu halten und habe dafür auch meine Gründe – genauso, wie sicher viele andere ihre Gründe haben, anders vorzugehen.

Grundsätzlich schreibe ich Rezensionen immer direkt, nachdem ich ein Buch oder eine Kurzgeschichte ausgelesen habe, weil mir dann die Story noch immer präsent genug ist.
Da ich keine Ultra-Schnell- oder -Viel-Leserin bin, lese ich nie zeitgleich mehrere Bücher, weil ich selbst da sonst nicht ausreichend in die Story abtauchen kann und einem Buch dann auch nicht so viel ungeteilte Aufmerksamkeit schenken kann, wie es die Bemühungen des Autors wohl verdient hätten. Da ich leider nicht so extrem schnell lese, lese und rezensiere ich auch ausschließlich Bücher, die ich mir selbst aussuche bzw., die auf meiner Wunschliste stehen. Das erspart sowohl mir – vielleicht Genres lesen zu müssen, die mir nicht so liegen – als auch Autor oder Verlag evtl. Unannehmlichkeiten, weil sie sich etwas anderes erhofft hatten.

Meine Rezensionen bestehen aus kurzem Autoren-Porträt (nicht unbedingt ein Muss), einer kurzen Inhaltsbeschreibung und meinem persönlichen Fazit.
Sowohl Inhaltsbeschreibung als auch persönliches Fazit halte ich immer relativ kurz, weil ich dem Leser der Rezension nicht zuviel des Buches vorweg nehmen möchte, denn derjenige will und soll das Buch natürlich noch selbst lesen. Ich habe mich schon sehr oft darüber geärgert, in Rezensionen reingeschaut zu haben, die nahezu die ganze Story inkl. irgendwelcher Pointen sowie dem Schluss eines Buches in epischer Breite als Nacherzählung wiedergegeben haben. Ich finde das immer sehr schade und bin selbst der Meinung, dass das der Arbeit, die Autor/in beim Schreiben und Veröffentlichen ihres Buches aufgewandt hat, zu wenig Respekt entgegen bringt. Wenn man die ganze Story schon vorab durch die Rezension kennt, nimmt man dem Autor doch möglicherweise eher einen Leser, anstatt ihm einen neuen zu bescheren. Dennoch finde ich es wichtig, wenn der Leser in eigenen Worten kurz wiedergibt, wie er den Inhalt des Buches aufgefasst hat, weil ein Klappentext ja auch schon mal gerne eine ganz andere Aussagekraft hat.
Beim persönlichen Fazit einer Rezension, will ich jetzt eigentlich gar nicht detailliert wissen, was auf S. 123 im 5. Absatz Bewegendes passiert ist, sondern eigentlich einfach nur, was dem Rezensenten insgesamt gefallen hat (z. B., ob die Protagonisten sympathisch waren, man der Story folgen konnte usw.) und wenn ihm etwas nicht gefallen hat, warum das der Fall war.

Ich denke, jeder hat seine Gründe, wie er Bücher rezensiert und man sollte jedem Rezensent für den Aufwand, den er betreibt – egal, wie eine Rezension aussieht (Hauptsache, sie entspricht dem eigenen Eindruck und ist nirgendwo kopiert worden) – entsprechend Respekt zollen.

Mich würde aber hier auch speziell einmal die Meinung von Autorinnen und Autoren interessieren:
Wie sind Euch Rezensionen, von einer guten Bewertung Eures Werkes mal abgesehen, am liebsten?
Was und wieviel sollte enthalten sein von Eurem Buch und was lieber nicht?

Ich würde mich sehr über eine angeregte Diskussion freuen!

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2 Kommentare zu “Rezensionen an sich ….

  1. LIebe Vera, eine gute Idee. Ich finde, wir Autoren werden zu selten nach unseren Wünschen gefragt.:_)) Nein, ein Scherz, aber irgendwie trotzdem auch so gemeint. Natürlich lese ich kurze, treffende Rezensionen lieber, als solche, die den Inhalt wiedergeben wie einst im Schulaufsatz „Was will der Autor uns damit sagen?“. Besonders wichtig ist mir, dass ich in der Rezension erfahre, welche Gefühle das Buch beim Leser ausgelöst hat und (wenn möglich), warum das so war. Da will ich auch nicht zwischen positiv und negativ unterscheiden. Beides ist mir wichtig, denn mein Hauptziel als Autorin besteht ja darin, Emotionen zu wecken. Bei einem meiner Bücher lese ich z.B. mehrfach davon, dass Leserinnen sich anfangs über meine Hauptfigur ärgern. Sie finden sie teilweise richtig anstrengend, zickig, neurotisch. Nicht unbedingt gut für eine Hauptfigur, oder? Absolut! Und gerade deshalb sind mir diese Hinweise so wichtig. Denn einerseits war es beim Schreiben des Buches tatsächlich meine Absicht gewesen, diese Figur anfänglich etwas nervig zu halten, damit man dann später besser ihre Entwicklung verfolgen kann. Andererseits bewege ich mich da auf einem ganz schmalen Grat, denn wenn eine Figur zu unsymaptisch ist, dann pfeffert der Leser das Buch in die Ecke. Ich darf den Bogen also nicht überspannen. Und was die richtige Dosis ist, das können mir nur Leserinnen und Leser verraten. Meine Hoffnung ist, dass sich die Leserinnen und Leser auch in Zukunft nicht davon abhalten lassen, ihre Meinung über ein Buch kundzutun.
    viele Grüße, Emilia Licht

  2. Liebe Vera,
    finde ich sehr gut, dass du eine solche Diskussion anregst und Fragen an Autoren richtest.
    Persönlich mag ich Rezensionen gerne kurz, knackig, packend – sowohl als Leser als auch als Autor. Formulierungen wie „Dieses Buch ist so toll, dass einem die Luft wegbleibt“, liest man als Autorin natürlich nicht ungern, haben aber wenig Infowert. Ich finde es sehr angenehm, wenn ich merke, dass sich ein Rezensent wirklich mit dem Buch beschäftigt hat. Das erfordert keine episch breite Inhaltsangabe – siehe kurz und knackig -, sondern lieber ein paar Hinweise zur Atmosphäre und zu den Figuren. Natürlich sollte nicht „gespoilert“ werden, was nicht nur für ausgewiesene Spannungsgenres gilt, sondern für alle Genres. Schließlich sollte jedes Buch spannend sein und spannend bleiben 😉
    Wenn ich ein Buch schreibe, denke ich natürlich durchaus dabei an spätere Leser – weniger an mögliche Rezensenten. Ich finde es wichtig, eine Vorstellung vom Leser zu haben, denn man kann und will es nicht jedem recht machen. Und meiner Meinung nach gilt das auch für Rezensenten.
    Wenn ein Rezensent in dem Stil schreibt „Wer … (das und das, dieses oder jenes) mag, dem wird dieses Buch gefallen“, tut er seinem Publikum (und auch Buchautoren) sicher einen größeren Gefallen, als einfach nur Lobeshymnen zu singen oder einen kompletten Verriss zu veröffentlichen. Natürlich sollten sowohl positive als auch negative Aspekte kurz begründet sein.
    Was die Person des Autors angeht, ist das ein bisschen schwierig. Einerseits denke ich mir als Autorin oft: „Was wollt ihr denn, es geht doch um das Buch – so spannend bin ich nicht.“ Andererseits stelle ich auf Lesungen immer wieder fest, dass Leser neugierig auf Autoren sind und ganz gerne mehr wissen wollen. Deshalb finde ich es gar nicht schlecht, wenn auch Rezensenten etwas zum Autor schreiben, das nicht nur dem Verlagstext entspricht. Vielleicht kann man so was durch eine Handvoll Fragen zur Person lösen … etwa solchen nach Schreibritualen, Zielen, die man mit der Veröffentlichung von Büchern oder einem bestimmten Buch verfolgt, evtl.Arbeitsweise, was der Autor sonst so treibt, wenn er nicht schreibt, und evtl. noch eine Frage zum konkreten Buch. Kurz und knapp, aber eben etwas anderes als die klassischen sechs bis zwölf Zeilen, die jeder Verlag in ein Buch und auf die Website setzt.
    Persönliche/private Blogger halte ich für sehr viel interessanter als die typischen Presse-Rezensionen – ich bin selbst Journalistin und weiß, wie in den meisten Redaktionen Rezensionen zu stande kommen. Und mir ist auch klar, dass es sehr viel Leidenschaft und persönlichen Engagements bedarf, das kontinuierlich durchzuziehen. Aber ich glaube, rund um Bücher geht es ebenso um Leidenschaft, Gefühle und spannende Charaktere wie in Büchern.
    Jede Menge Grüße
    Christine

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