Rezension: Nunu Kaller – „Fuck Beauty!: Warum uns der Wunsch nach makelloser Schönheit unglücklich macht und was wir dagegen tun können“

Fakten:
Taschenbuch, Kiepenheuer & Witsch (KiWi), erschienen: 11.01.2018, 256 Seiten, 12,99€
(auch als eBook zum Preis von 9,99€ erhältlich)

Autorin:
Nunu Kaller, Jahrgang 1981, geboren in Niederösterreich, aufgewachsen und immer noch wohnhaft in Wien, studierte Publizistik, Anglistik und Zeitgeschichte. Nach dem Studium arbeitete sie zunächst 2 J. als Journalistin, danach wechselte sie u. a. zu einer Umweltorganisation und später ins Social Media Business. Als Autorin veröffentlichte sie – ebenfalls bei KiWi – 2013 ihren Ratgeber „Ich kauf nix. Wie ich durch Shopping Diät glücklich wurde“. Sie ist sehr reisefreudig und sehr engagiert im Bereich Fair Trade Mode.

Handlung:
In einem Urlaub auf den Philippinen macht es bei Nunu Kaller „Klick“ – und zwar in dem Moment, wo sie auf einem Boot in paradiesischer Natur diese nicht genießen kann, weil sie sich Gedanken macht um ihre nicht vorhandene Bikini-Figur. Sie nimmt sich ab diesem Zeitpunkt vor, ihren Körper mehr zu achten und sich selbst und ihr Glück nicht immer in Kilos zu definieren. Und genau diese Einstellung möchte sie mit ihrem Buch auch anderen Frauen vermitteln.

Fazit:
Body Positivity ist gerade ein großes Thema – auch für ein Plus Size-Girl wie mich. Ich habe es seit einiger Zeit geschafft, viel gelassener mit meinem Gewicht umzugehen und wollte schauen, wie Nunu Kaller dies durch ihr Buch auch anderen Frauen vermitteln möchte.
Auf dem Cover ist der Rumpf einer Barbie-Puppe mit einem Maßband um die Taille zu sehen und gibt somit auch schon den Einblick, worum es in diesem Buch am meisten geht: Schlank sein, abnehmen und nur dann ist man schön – zumindest ist das das gängige Idealbild, das sich in die Köpfe der meisten Frauen weltweit gebrannt hat.
Die Autorin betrachtet in zahlreichen Kapiteln u. a. Schönheit, Schönheitsideale, Diäten, Gesundheit, Vorgaukeln von makelloser Schönheit durch Photoshop, Kleidung und einiges mehr. Die unterschiedlichen Betrachtungsweisen sind mal aus statistischer, mal aus wissenschaftlicher und ganz viel aus persönlicher Sicht dargelegt.
Das Buch ist sehr interessant und in einem flotten, jungen Stil geschrieben und hat eine sehr wichtige Message, die sich – vor Allem Frauen, die immer wieder mit ihrem Aussehen hadern – verinnerlichen sollten: „Du bist schön, so wie Du bist! Lerne Dich selbst zu akzeptieren!“
Viele Frauen verschieben das Glücklichsein und das Leben auf den Zeitpunkt, wenn sie erstmal ihr Wunschgewicht erreicht haben und wollen so schlank und makellos sein, wie es in den ganzen Frauen- und Mode-Magazinen immer wieder als „Muss“ gezeigt wird – es gibt quasi in der Öffentlichkeit kein anderes Körperbild außer jung, schön und schlank! Und wie die Frauen in den Magazinen sieht man eh niemals aus – Poren, Härchen, Muttermale, Zahnverfärbungen und Unebenheiten der Kurven werden Dank Photoshop direkt wegretuschiert. Selbst Mode in Plus Size wird im Online-Versandhandel oft präsentiert von unpassenden Models in Gr. 36. Aber die Problemzone befindet sich oft weniger am Körper als im eigenen Kopf. Am meisten hört man über Problemzonen und Gewichtsproblemen doch von den Frauen, die weder besonders viel Gewicht noch besonders viele echte Probleme haben.
Und wer meint, mit 30 kg Gewichtsabnahme löst man all seine Probleme, der schafft sich durch diesen Gedanken höchstens neue. Schlank ist nicht immer gleich schön. Ich bin selbst oft in Plus Size-Modeforen unterwegs und dort sind Frauen, die wirklich eine tolle Ausstrahlung haben. Ich kenne aber auch Frauen, die abgenommen haben, aber nun genauso aussehen wie vorher nur mit einigen Kilos weniger. Lebensglück und Lebensfreude vermitteln keineswegs nur schlanke Menschen. Wenn wir manchmal auswärts essen gehen und ich sehe dünne Frauen oft mit einem Salat und einem Mineralwasser da sitzen, die dann evtl. danach noch zum Sport hetzen, um den Salat wieder abzutrainieren, dann sehe ich weder einen Menschen, der genießen kann, noch einen, der Lebensfreude ausstrahlt. Wie Nunu Kaller in ihrem Buch auch immer wieder sagt, ist Gesundheit die eine Sache, aber eben nicht nur auf Kosten von Genuss und Lebensfreude. Denn der Verzicht darauf ist wiederum nicht gesund für die Seele.
Ich habe übrigens selbst vor ca. 12 Jahren um die 30 kg abgenommen, die ich heute wieder drauf habe. In der Zeit damals habe ich als Sporthasserin fast täglich Sport getrieben und nach einem bekannten amerikanischen Diätprogramm gelebt (WW). Um mein Gewicht zu halten, hätte ich das damals immer fortführen müssen, wenn vielleicht auch nicht ganz so exzessiv. Wirklich glücklicher war ich damals nicht, außer dass ich eine größere Auswahl beim Klamottenkauf zur Verfügung hatte. Wie es bei allen Diäten so ist, hat man die Kilos irgendwann wieder drauf – wenn man viel abgenommen hat, dauert es eben viel länger. Auch darauf geht Nunu Kaller in dem Buch ein: Diäten bringen langfristig nichts! Das ist ebenso ein Industriezweig, wie z. B. die Tabak-Branche.
Das Thema Gewicht wird in diesem Buch als zentraler Makel des weiblichen Körpers herausgestellt, andere vermeintliche Makel werden nur kurz erwähnt. Weil es zum Ende hin ein wenig anstrengend wurde, weil sich das Thema doch ziemlich oft im Kreise dreht und immer wieder beim Ausgangspunkt „Gewicht“ landet, gibt es von mir einen Punkt Abzug – aber immer noch eine klare Leseempfehlung mit 4**** Sternen.

Vielen Dank an den Verlag Kiepenheuer & Witsch für dieses Rezensionsexemplar!

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Rezension: Myriam Klatt – „Liebe geht immer“

Fakten:
Taschenbuch, Aufbau Taschenbuch-Verlag, erschienen: 09.03.2018, 319 Seiten, 9,99€
(auch als eBook zum Preis von 7,99€ erhältlich)

Autorin:
Myriam Klatt wurde 1984 in Düsseldorf geboren. Nach ihrem Studium in Literatur und Politik arbeitete die Journalistin zunächst als TV-Reporterin. Heute lebt sie als freie Redakteurin und Autorin in Berlin. Nach einem 6-monatigem Südamerika-Trip arbeitet sie nun an ihrem zweiten Roman.

Handlung:
Charlotte hat fast alles im Leben, was sie sich wünscht: einen Job als Redakteurin bei einem TV-Sender, einen tollen Freund, der zudem noch ihr Chef ist und eigentlich ein ganz angenehmes Leben. Fehlt nur noch der Traumjob als Moderatorin – doch anstatt diesem Job, der gerade bei IHREM Sender vakant ist, serviert ihr Freund ihr knallhart die Kündigung, garniert mit der Aussage, dass sie für einen Moderationsjob ohnehin zu dick sei und er stattdessen eine hübsche, bekannte Moderatorin einstellt. Charlotte kündigt im Gegenzug die Beziehung, findet einen neuen Job bei einem Online-TV-Sender und beginnt ein straffes Selbstoptimierungsprogramm mit Coaching, Diät, Sport und Verzicht. Ausgerechnet in dieser Zeit lernt sie bei einer Reportage den Koch Lars kennen, der ihr nicht nur mit seinem leckeren Essen den Kopf verdreht. Aber ab wann ist man eigentlich optimal – und für wen oder was?

Fazit:
Auf dem Cover ist ein Papageien-Pärchen („Die Unzertrennlichen“) zu sehen, das auf dem Buchstaben des Titels sitzt – der Hintergrund ist korallenfarben mit gelben Erdbeeren, Orangenscheiben und Bonbons. Hat jetzt nicht direkt etwas mit der Geschichte zu tun, sieht aber hübsch aus.
Die Geschichte ist auf 319 Seiten mit 15 Kapiteln verteilt; das Schriftbild normal groß und angenehm lesbar – die Leselänge der Kapitel fand ich persönlich teilweise etwas zu lang. Jedes Kapitel endet mit einigen von Dr. Hagenbecks Selbsthilfe-Tipps – wer wissen will, was damit auf sich hat, muss das Buch lesen 😉
Myriam Klatt ist eine Followerin meines Blogs und als ich gelesen habe, dass sie einen Frauen-Roman veröffentlicht, ist dieser dann bei der Durchsicht der Verlagsvorschau – nachdem mir der Klappentext auch gleich zugesagt hat – auf meiner Wunschliste gelandet.
Die Story spielt in Berlin-Kreuzberg im hippen TV-Umfeld. Der Schreibstil der Autorin hat mir von der ersten Seite an gefallen und die Charaktere sind liebenswürdig entwickelt – von den drei Antagonisten, die die Geschichte erst noch richtig spannend machen, mal abgesehen – so wie es eben sein muss. Man schließt die Mitwirkenden wirklich fast alle gleich ins Herz – besonders Charlottes beste Freundin, die esoterisch-angehauchte Yoga-Lehrerin Matilda, die liebenswerte und weise alte Nachbarin Frau Mai, Charlottes neuer Chef Adrian, der einfach ein gestörtes Verhältnis zu Sprichworten hat und natürlich noch einige andere. Und dann natürlich Charlotte: Eine herrlich normale, lebensechte Protagonistin, die man gleich ins Herz schließt und sich gern im eigenen Freundeskreis wünscht. Innerhalb der Geschichte kommt ganz viel Humor zum Zuge, ebenso auch Parts, die zum Nachdenken anregen, denn der Tenor ist: „Liebe Dich selbst – und zwar nicht erst dann, wenn Du meinst, optimal zu sein! Andere lieben Dich genau deshalb, weil Du es vielleicht nicht bist!“
Parallel zu diesem Roman habe ich „Fuck Beauty! – Warum uns der Wunsch nach makelloser Schönheit unglücklich macht und was wir dagegen tun können“ von Nunu Kaller gelesen, wo eben das gleiche Thema mehr als Sachbuch bzw. Erfahrungsbericht behandelt wird. Und das hat super gepasst.
Der Roman von Myriam Klatt hat mich bestens unterhalten, zum Nachdenken angeregt und am Schluss mit einem zufriedenen Seufzer zurückgelassen, weil so ein bisschen Charlotte wirklich in jedem von uns steckt und ich auch selbst die Erfahrung gemacht habe, dass glücklich sein am Ende nicht vom Gewicht abhängt und man auch mit vielen Kilos weniger immer noch die gleichen Probleme mit sich herumträgt. Man sollte im Hier und Jetzt leben und das lieben und schätzen, was man hat und nicht, was man sein könnte – eben weil man oft den falschen Idealen hinterher hechelt, sich verbiegt für andere, anstatt man selbst und individuell zu sein.
Ich hoffe, dass diese weise Ansicht bei der Lektüre dieses Romans auch vielleicht bei einigen anderen wachgerüttelt wird.
Einziger kleiner Kritikpunkt ist, dass der Roman auffallend viele Schreibfehler enthielt – und damit meine ich keine 2 bis 5, sondern deutlich mehr – die hätten eigentlich im Lektorat auffallen sollen.
Ansonsten hat mich der Debüt-Roman von Myriam Klatt vollkommen überzeugt und begeistert, weil er alles hat, was ein guter Frauenroman so braucht, um glücklich zu machen.
Absolute Leseempfehlung mit 5***** Sternen – ich würde gerne mehr solche tollen Romane lesen.

Rezension: Manuela Inusa – „Die Chocolaterie der Träume“ (Valerie Lane, Bd. 2)

Fakten:
Taschenbuch, Blanvalet, Erscheinungsdatum: 15.01.2018, 336 Seiten, 9,99€ – auch als eBook erhältlich

Autorin:
Manuela Inusa wurde 1981 in Hamburg geboren, wo sie auch heute noch mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern lebt. Obwohl sie schon immer davon träumte, Autorin zu werden, führte ihr erster beruflicher Weg sie in Ausbildung und Beruf der Fremdsprachenkorrespondentin. Den Grundstein als Autorin legte sie zunächst durch zahlreiche Bücher im Selfpublishing bevor dann der Blanvalet-Verlag auf sie aufmerksam wurde und auch dort inzwischen bereits vier Bücher von ihr veröffentlicht wurden. Sie steht vor Allem für das Romantik-Genre. In ihrer Freizeit liest sie selbst gerne und reist – am liebsten in die USA – und ist Fan von TV-Serien. Erschienen ist neben diesem 2. Band in der „Valerie Lane“-Reihe aktuell: „Der kleine Teeladen zum Glück“ (Bd. 1, Laurie). Es folgen noch: „Der zauberhafte Trödelladen“ (Bd. 3, Ruby – ET: 18.06.2018), „Das wunderbare Wollparadies“ (Bd. 4, Susan – ET: 17.09.2018, „Der fabelhafte Geschenkeladen“ (Bd. 5, Orchid – ET: 18.02.2019).

Handlung:
Keira ist die stolze Besitzerin von „Keiras Chocolates“ in der Valerie Lane in Oxford. Ihren eigenen Laden und die Herstellung von süßen Leckereien liebt sie genauso von ganzem Herzen wie auch seit 8 Jahren ihren Freund Jordan, ein egoistischer, fitnessbesessener Zahnarzt. Der hat jedoch offenbar nichts Besseres zu tun, als ständig über Keiras Kurven zu mäkeln und ihr Abos für Fitness-Studios und Diät-Riegel zu schenken. Als Keira durch einen Zufall einem ungeheuerlichen Geheimnis von Jordan auf die Schliche kommt, wacht sie endlich auf, auch, wenn das heißt, einige ihrer Träume erstmal komplett zu begraben. Ihre Freundinnen aus der Valerie Lane stehen ihr in der schweren Zeit liebevoll zur Seite und auch ein langjähriger, männlicher Kunde spielt eine Rolle dabei, dass Keira zu ganz neuem Selbstbewusstsein gelangt.

Fazit:
Wie auch die anderen Teile dieser Buch-Reihe ist dieser hier wieder im besonderen Design gestaltet – in Anlehnung an das letzte und noch weitere Cover dieser Bücher über die Ladenbesitzerinnen in der Valerie Lane in Oxford. Hier steht ein wunderschöner Magenta-Ton, der sich im Titel in glänzender Schrift wiederfindet, im Vordergrund. Die Gestaltung von Cover und Titel ist auch wieder sehr gelungen.
Die Geschichte dieses Romans umfasst eigentlich 294 Seiten auf 26 Kapitel in perfekter Leselänge mit großzügigem Schriftbild verteilt. Garniert ist der Roman nach dem Ende auf den folgenden Seiten dann noch mit einigen von Kieras Pralinen-Rezepten und dem Dankeswort der Autorin sowie einer 33-seitigen XXL-Leseprobe aus dem nächsten Band (dem 3.) der Reihe „Der zauberhafte Trödelladen“, der sich dann mit Rubys Glück befassen wird. Die habe ich allerdings nicht gelesen, weil ich mich von der Handlung des nächsten Bandes dann lieber nach dem Erscheinungstermin in der Vollversion überraschen lassen möchte.
Beim 1. Teil der Reihe hatte ich noch ein wenig bemängelt, dass alles zu harmonisch, perfekt und süßlich ist. Auch dieser Roman ist wieder ein Buch mit echter „Feel good“-Garantie – jedoch behandelt er mit Keiras Beziehungskummer, Rubys Schwierigkeiten mit ihrem leicht dementen Vater oder der Altersarmut von Mrs. Witherspoon auch echte Probleme, die natürlich gelöst werden wollen. Daher hat mir dieser Band hier auf jeden Fall noch viel besser gefallen als der erste.
Zu den bereits bekannten, liebgewonnen Charakteren kommen in diesem Buch neue hinzu, die man auch direkt ins Herz schließt und denen man in den folgenden Teilen der Serie sicher noch begegnet: z. B.  Tobin Marks, erster männlicher Ladenbesitzer in der Valerie Lane, der den neuen Blumenladen führt – oder auch Humphrey, der Verlobte der alten Mrs. Witherspoon oder eben der Lehrer Thomas Finch. Man darf also gespannt sein, was die folgenden drei Bände den Leser*innen noch so bieten werden.
Der Schreibstil ist leicht und flüssig, so dass man das Buch auch leicht in einem Rutsch weglesen kann an einem dunklen Tag als Stimmungsheber.
Dieser 2. Teil der „Valerie Lane“-Reihe erhält von mir 5***** Sterne – und ich freue mich auf den nächsten Teil, der dann im Juni 2018 erscheint.

Ich bedanke mich herzlich beim Bloggerportal der Random House-Verlagsgruppe für dieses tolle Rezensionsexemplar!

Rezension: Anne Barns – „Drei Schwestern am Meer“

Fakten:
Taschenbuch, mtb (Mira-Taschenbuch), erschienen: 05.03.2018, 347 Seiten, 9,99€ – auch als eBook und Hörbuch erhältlich

Autorin:
Anne Barns ist – neben Anne Töpfer, Anna Rosendahl, Juliane Albrecht und Claire Bonamy – ein weiteres Pseudonym der Autorin Andrea Russo, die 1968 in Hanau geboren wurde. Trotz ihrer großen Leidenschaft fürs Backen, Kochen und Genießen – vor Allem von süßen Sachen – ist die ehemalige Förderschullehrerin sehr sportlich und läuft regelmäßig. Sie hat eine erwachsene Tochter und lebt gemeinsam mit ihrem Mann und ihrem Labrador in Oberhausen. Seit 2014 ist sie hauptberuflich Autorin.

Handlung:
Rina, eine junge Ärztin aus Berlin, freut sich auf zwei erholsame Sommerwochen gemeinsam mit ihren beiden Schwestern bei ihrer geliebten Oma Anni auf Rügen, wo die drei Schwestern nach dem Unfalltod der Eltern auch aufgewachsen sind. Und dann kommt alles anders: Noch bevor ihre beiden Schwestern eintreffen, findet Rina, die sich zudem gerade von ihrem Freund getrennt hat, ihre Oma nach einem Herzanfall bewusstlos vor und muss sie sogar reanimieren. Sorgenvolle Tage beginnen für die drei Schwestern. Nachdem ihre Oma nach dem künstlichen Koma wieder erwacht, ist sie geistig verwirrt und bringt ihre Enkelinnen – ob gewollt oder ungewollt – im ersten Redeschwall auf die Spur eines lange gehüteten Familiengeheimnisses, das das Leben von Oma und Enkelinnen nochmal kräftig durcheinanderwirbelt …

Fazit:
Das Cover zeigt hat etwas heimeliges mit der Torte und den goldfarbenen Bonbons, aber auch etwas nordisch kühles durch das weiße holz und Muschel und nimmt so schon ein wenig Bezug zur Geschichte.
Die Story selbst ist verpackt in 27 Kapitel bester Leselänge und in angenehm lesbarem Schriftbild auf 333 Seiten. Als besonderes Goodie gibt es dann noch auf den letzten 13 Seiten – noch vor dem Dankeswort der Autorin – lauter leckere süße und herzhafte Rezepte aus dem Buch zum Nachmachen – eine ganz tolle Idee, wie ich finde, weil einem beim Lesen doch ziemlich oft der Mund wässrig gemacht wird. Ich habe lediglich das Rezept für Omas Pfefferlinge ein wenig vermisst am Ende, weil ich ja eher der Fan von herzhaften Sachen bin 😉
Bisher hatten mich schon Bücher der Autorin begeistert, die sie unter einem ihrer anderer Pseudonyme veröffentlicht hat und auch hier konnte sie diesen angenehmen Schreibstil wieder unterbringen.
Dieses Buch, das u. a. schon aufgrund der Tatsache, dass es auf meiner Lieblingsinsel Rügen spielt, auf meiner Wunschliste wanderte, hat mich gleich von der ersten Seite an gefangen genommen. Die herrlich plastischen Beschreibungen der wunderschönen Landschaft rund um die Kreidefelsen sowie Strand und Meer machen ebenso Lust auf die Insel, wie auch die Beschreibungen der Städte Putbus und Bergen, die ich mir bei bisherigen Besuchen auf der Insel tatsächlich noch nicht angeschaut habe und auf die ich jetzt Dank des Buches total neugierig bin.
Der Plot des Buches ist bestückt mit wunderbaren Charakteren, denen man sich sofort sehr verbunden fühlt. Obwohl die Geschichte erstmal traurig startet, überzeugt die Warmherzigkeit und der Zusammenhalt der drei unterschiedlichen und sehr liebenswerten Schwestern die Leser von Anfang, dass einfach alles gut werden muss. Man hofft und leidet mit den drei Mädels, Omas bester Freundin Thea und vor Allem auch Oma Anni, die noch für eine besondere Überraschung sorgt.
Das Ende fand ich fast ein wenig zu kurz und plötzlich und ich finde es schreit geradezu nach einer Fortsetzung – nicht nur, weil ich mich sowieso schon so ungern von dieser wunderbaren Story und ihren Mitwirkenden getrennt habe, sondern auch, weil es noch so viele unbeantwortete Fragen gibt und man natürlich neugierig ist, was das weitere Leben noch mit Oma, den drei Enkelinnen und allen Anderen im Buch noch so vorhat …
Ein ganz wundervoller Roman – für mich sogar ein Lesehighlight in diesem Jahr – den ich im Rahmen einer von der Autorin gestarteten Facebook-Leserunde lesen durfte. Unter diesen Buchdeckeln ist eine mitreißende Familiengeschichte, Spannung, Liebe und eine wunderschöne Kulisse vereint. Von mir gibt es hierfür eine 5*****Sterne-Leseempfehlung – zum Glück habe ich auch noch das Vorjahresbuch der Autorin „Apfelkuchen am Meer“ zu lesen und hoffe, dass die Geschichte ebenso schön ist.

Rezension: Wladimir Kaminer – „Das Leben ist (k)eine Kunst: Geschichten von Künstlerpech und Lebenskünstlern“

Fakten:
Hardcover (Einband), Manhattan (Verlagsgruppe Random House), erschienen: 08.09.2015, 253 Seiten, 17,99€
weitere Formate: Taschenbuch, Goldmann Verlag (Verlagsgruppe Random House), erschienen: 18.09.2017, 256 Seiten, 9,99€;
eBook und Hörbuch

Autor:
Wladimir Kaminer wurde am 19.07.1967 in Moskau geboren. Nach der Schule absolvierte er zunächst eine Ausbildung aus Toningenieur für Theater und Rundfunk und studierte danach Dramaturgie am Moskauer Theaterinstitut. Seit 1990 lebt er in Berlin-Prenzlauer Berg, wo er 1995 auch seine Frau Olga kennenlernte und mit ihr eine Familie gründete. Zu dieser Familie gehören die inzwischen erwachsenen Kinder Nicole und Sebastian, die Familien-Katzen und auch Wladimirs Mutter, die sogar eine Wohnung im gleichen Haus hat – allen wurden inzwischen schon eigene Bücher von ihm gewidmet. Bekannt wurde er als Veranstalter der legendären Russendisko im „Kaffee Burger“ in Berlin, die er mittlerweile auch weltweit veranstaltet. „Russendisko“ ist auch der Titel seiner ersten Buch-Veröffentlichung im Jahr 2002, das 2012 mit Matthias Schweighöfer in der Hauptrolle verfilmt wurde. Es folgten über 20 weitere Bücher zu den unterschiedlichsten Themen, außerdem Tätigkeiten als Radio-Moderator, Kolumnist und Autor für verschiedene Zeitschriften und Magazine. Seine Hörbucher hat er alle selbst eingelesen.

Handlung:
Wladimir Kaminer hat in diesem Buch Geschichten gesammelt über die Kunst, das Leben und Lebenskünstler, die beides miteinander verbinden, aber auch über diejenigen, die damit gescheitert sind …

Fazit:
Dies ist ein klassisches Cover der Kaminer-Bücher der letzten Jahre, auf dem mal wieder ein Portrait-Foto des Autors zu sehen ist.
Das Buch lag jetzt schon längere Zeit auf meinem SuB, aber da ich mir ja vorgenommen hatte, nach Möglichkeit alle Kaminer-Bücher zu lesen, die mich eigentlich immer sehr begeistert haben, war dieses jetzt auch mal fällig. Die nachfolgend erschienenen Bücher habe ich nämlich bereits alle gelesen.
Die 35 Kapitel von sehr angenehmer Leselänge sind auf gut lesbarem Schriftbild auf 253 Seiten vereint.
Wie alle Kaminer-Bücher kann man dieses Buch mit seinen Kurzgeschichten ideal noch neben einem Roman lesen, da diese Kurzgeschichten alle in sich abgeschlossen sind. Der Stil ist wieder so, als würde einem ein guter Freund ein Stückchen aus seinem Leben oder dem anderer Leute berichten.
Ich glaube, irgendwann musste es aber dann doch mal passieren, dass mich ein Buch Wladimir Kaminer nicht so recht begeistern kann. Dies ist jetzt hier der Fall. Irgendwie konnte ich leider mit den Stories von Anfang nicht „warm“ werden. Die Geschichten waren für meinen Geschmack recht zäh und es kam keine gute Laune auf, so wie bei den anderen Büchern des Autors.
In den Geschichten dieses Buches ist wahnsinnig viel Sowjet-Ostalgie vertreten – für mich einfach too much. Keine Geschichte ist dabei, die mich so richtig zum Lachen gebracht oder berührt hat und der typische Kaminer-Humor, den ich so sehr mag, ist hier auch kaum vertreten.
Ich bin froh, dass ich die neueren Kaminer-Bücher bereits gelesen habe und dort so richtig gute Bücher dabei waren, die einen zum Lachen gebracht haben. Ich weiß, dass Wladimir Kaminer es definitiv besser kann, als dieses Buch hier zeigt – das hier war jetzt für meinen Geschmack nichts. Wladimir Kaminer läuft mit offenen Augen durchs Leben, das ihm bisher immer so viele tolle aktuelle Themen geliefert hat, über die er humorvoll berichtete – er hat es eigentlich nicht nötig, so weit in die Mottenkiste zu greifen wie in diesem Buch.
Leider gibt es von mir hierfür dieses Mal nur 3*** Sterne.

Ganz herzlichen Dank an die Random House-Verlagsgruppe (Manhattan) für dieses Rezensionsexemplar.

Rezension: Katharina Jensen – „An der Ostsee sagt man nicht Amore“

Fakten:
Taschenbuch, Heyne (Verlagsgruppe Random House), erschienen: 10.04.2017, 320 Seiten, 9,99€
(auch als eBook zum Preis von 8,99€ erhältlich)

Autorin:
Katharina Jensen ist das Pseudonym der deutschen Autorin und Journalistin Katharina Höftmann, die 1984 in Rostock geboren wurde. Nach dem Abitur studierte sie in Berlin Psychologie und Deutsch-Jüdische Geschichte und arbeitete zunächst u. a. als PR-Beraterin. Mittlerweile lebt sie mit Mann und zwei Kindern in Tel Aviv. Dort und auf Rügen spielen auch auch bisher veröffentlichten Krimis. Über ihr Leben in Israel ist bereits 2011 aus ihren Blog-Berichten das Buch „Guten Morgen, Tel Aviv! – Geschichten aus dem Holy Land“ im Heyne-Verlag erschienen. Außerdem veröffentlichte sie 2014, als eBook im Heyne-Verlag „Einfach weitertanzen: Von der Kunst erwachsen zu werden“ – ein Generationenporträt über Thirty-Somethings. Zu Rügen hat sie einen ganz besonderen Bezug, weil ihre Eltern dort seit den 90er Jahren ein Haus besitzen, wo sie selbst mit ihrer Familie auch immer wieder gerne die Ferien verbringt. Der nächste Rügen-Roman von Katharina Jensen mit dem Titel „Jeden Tag ein bisschen Meer“ erscheint am 11.06.2018.

Handlung:
Anne sollte eigentlich überglücklich sein: Hat sie doch gerade heimlich ihren Traummann, den reichen Italiener Fabio, in Berlin geheiratet. Doch noch vor dem Start in die Flitterwochen entdeckt Anne ein wichtiges Detail in Fabios Leben, das er ihr bisher erfolgreich verheimlicht hat. Geschockt und enttäuscht flüchtet sie noch im Hochzeitskleid ohne weiteres Gepäck in ihrem roten Mini nach Rügen in das kleine Dorf Zicker, wo sie in ihrer Jugend schöne Zeiten im Ferienlager verbracht hat. In ihrem unglücklichen Zustand trifft sie dort ausgerechnet zuerst auf Fritz, einem jungen Fischer, von dem sie damals ihren ersten Kuss bekam, und der von den Frauen ebenso enttäuscht ist, wie Anne nach ihrer ultra kurzen Ehe von den Männern. In der Ferienwohnung von Fritz‘ Eltern findet Anne so langsam wieder zu sich selbst und schöpft ausreichend Kraft, um ihr altes Leben in Berlin abzuwickeln und einen Neustart zu wagen – aber wo und mit wem? Doch nochmal mit Fabio oder lieber bei Fritz auf Rügen, mit dem sie inzwischen mehr als nur Schmetterlinge im Bauch verbinden? Ein dramatisches Ereignis in Annes Familie zeigt ihr den richtigen Weg …

Fazit:
Das Cover hat mich auf den ersten Blick ein wenig an das Cover von „Fünf am Meer“ von Emma Sternberg, das im gleichen Verlag erschienen ist, erinnert. Dieses hier ist allerdings angepasst an diese Geschichte, die an der Ostsee spielt und hübsch anzuschauen.
Die Geschichte umfasst 17 – teilweise etwas längere Kapitel + Danksagung – gepackt auf 320 Seiten. Mich hat beim Lesen das recht kleine Schriftbild zunächst ein wenig gestört (Gewohnheitssache), weil es nicht besonders augenfreundlich ist, vor Allem für Leute, die eh schon nicht so gut sehen können.
Der Klappentext des Romans hat mich direkt gereizt, weil diese Geschichte auf meiner Lieblingsinsel Rügen spielt und zu einem kleinen Teil auch in meiner Heimatstadt Berlin – also perfekt für mich.
Der Schreibstil der Autorin hat mich direkt gepackt, da er absolut humorvoll und voller Sprachwitz ist. Die Geschichte ist genau so gestrickt, wie ich solche Liebesromane mag: eine impulsive und etwas chaotische Protagonistin, die trotz Allem ihren Humor nicht verliert und auch ihr eigenes Handeln reflektiert und ihr bisheriges Leben in Frage stellt, größtenteils sehr liebevolle Nebencharaktere, eine turbulente und quirlige Handlung, ein bisschen Drama und Spannung, Veränderungen und Neuanfang – das alles in der wundervollen Kulisse meiner Lieblingsinsel Rügen und als I-Tüpfelchen noch ein wenig Handlung in Berlin – einfach toll.
Mich hat der Roman absolut begeistert, ich hatte viel Freude beim Lesen und habe mich sehr ungern von der Geschichte getrennt und den Schluss immer weiter hinausgezögert.
Ich freue mich schon sehr auf den neuen Rügen-Roman von Katharina Jensen „Jeden Tag ein bisschen Meer“, der im Juni 2018 erscheint und ganz sicher wieder einen Platz in meinem Bücherregal bekommt.
Mir persönlich hat das Debüt von Katharina Jensen im Liebesroman-Genre sehr, sehr gut gefallen und ich gebe hier gern eine 5*****-Leseempfehlung 🙂

Rezension: Manuela Inusa – „Der kleine Teeladen zum Glück“ (Valerie Lane, Bd. 1)

Fakten:
Taschenbuch, Blanvalet, Erscheinungsdatum: 16.10.2017, 287 Seiten, 9,99€ – auch als eBook erhältlich

Autorin:
Manuela Inusa wurde 1981 in Hamburg geboren, wo sie auch heute noch mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern lebt. Obwohl sie schon immer davon träumte, Autorin zu werden, führte ihr erster beruflicher Weg sie in Ausbildung und Beruf der Fremdsprachenkorrespondentin. Den Grundstein als Autorin legte sie zunächst durch zahlreiche Bücher im Selfpublishing bevor dann der Blanvalet-Verlag auf sie aufmerksam wurde und auch dort inzwischen bereits vier Bücher von ihr veröffentlicht wurden. Sie steht vor Allem für das Romantik-Genre. In ihrer Freizeit liest sie selbst gerne und reist – am liebsten in die USA – und ist Fan von TV-Serien. Aus der „Valerie Lane“-Reihe sind mittlerweile neben diesem bereits ein weiterer Roman erschienen („Die Chocolaterie der Träume“); weitere sind in Vorbereitung.

Handlung:
Laurie ist Besitzerin eines kleinen Teeladens mit Ausschank in der Valerie Lane, eine kleine, ruhige Seitenstraße in Oxfords Innenstadt mit romantischen kleinen Läden, zu denen u. a. auch Kiera’s Chocolaterie, Ruby’s Antiques, Orchid’s Gift Shop und Susan’s Wool Paradise gehören. Mit den anderen Ladenbesitzerinnen verbindet Laurie eine innige Freundschaft und die fünf Frauen treffen sich traditionell jeden Mittwoch-Abend in Laurie’s Tea Corner zum Quatschen, wo Laurie ihnen dann auch gesteht, dass sie bereits seit einem halben Jahr heimlich in ihren neuen Teelieferanten Barry verliebt ist. Die Freundinnen finden, dass dem jungen Glück ein wenig auf die Sprünge geholfen werden muss und stehen Laurie mit Rat und Tat – und machmal etwas zuviel davon – zur Seite …

Fazit:
Die Cover dieser Buch-Reihe sind im Corporate-Design gestaltet – d. h. jedes Mal ist der Laden der Protagonistin zu sehen, um deren Geschichte sich alles in dem betreffenden Band dreht. Dieses Cover ist wirklich wunderschön: Man sieht den „Laurie’s Tea Corner“, einen sehr einladenden Eckladen. Die Schrift des Titels ist in hübschen, glänzend blauen Buchstaben aufgedruckt.
Die eigentliche Geschichte dieses Romans umfasst 257 Seiten in 26 Kapitel verpackt. Im Anschluss folgen – neben dem Dankeswort – noch ein paar Tee- sowie ein Pralinen-Rezept aus dem Roman sowie eine ca. 20-seitige Leseprobe aus „Die Chocolaterie der Träume“, dem nächsten Band dieser Buch-Reihe, in dem es dann um Kiera gehen wird.
Dies war mein allererstes Buch, das ich von Manuela Inusa gelesen habe, obwohl ich noch weitere auf dem SuB habe.
Die Mitwirkenden dieses Romans, also auch somit auch dieser ganzen Reihe, sind wirklich allesamt sehr sympathisch und wahnsinnig nett, Personen ohne jeglichen Ecken und Kanten, die man einfach mögen muss.
Und so ist auch die ganze Geschichte: Wunderbar einfach, alle verstehen sich großartig und sind immer nett zueinander, es gibt keine großen Probleme und wenn werden sie unter den Freundinnen gemeinsam gelöst und Freud und Leid geteilt. Das verwegenste in der Story ist das Dasein von Gary, einem geheimnisvollen Obdachlosen aus Manchester, bei dem ich mir sicher bin, dass ihm noch in einem der weiteren Bände eine größere Rolle zugeteilt wird.
Ansonsten ist dies ein Roman, der ohne jeglichen Spannungsbogen auskommt und sich ganz entspannt weglesen lässt zur Aufhellung an einem tristen grauen Tag.
Für mich war es manchmal allerdings schon etwas zu viel Harmonie in der Geschichte, auch wenn mir die Story an sich ganz gut gefallen hat.
Dennoch werde ich auf jeden Fall noch die folgenden Bände der Reihe lesen, weil ich natürlich auch mehr über die anderen Ladenbesitzerinnen der Valerie Lane und deren Leben erfahren möchte.
Von mir wird dieser 1. Band der „Valerie Lane“-Reihe mit 4**** Sternen bewertet.

Ein großes Dankeschön an das Bloggerportal der Random House-Verlagsgruppe für dieses Rezensionsexemplar!

Rezension: Franziska Seyboldt – „Rattatatam, mein Herz – Vom Leben mit der Angst“

Fakten:
Hardcover, Kiepenheuer & Witsch, erschienen: 11.01.2018, 253 Seiten, 18,00€ – auch als eBook erhältlich

Autorin:
Franziska Seyboldt, geboren 1984 im badischen Teil von Baden-Württemberg, zog zunächst zum Studium in Modejournalismus und Medienkommunikation nach Hamburg. Seit 2008 lebt sie in Berlin und ist dort Redakteurin und Kolumnistin bei der taz.de im Ressort „Gesellschaft und Kultur“, wo sie sich u. a. in ihrer Kolumne „Psycho“ bereits mit psychischen Erkrankungen beschäftigt hat. Neben dem Kinderbuch „Theo weiß, was er will“ hat sie mit „Müslimädchen“ zuvor schon mal einen Einblick in ihr Leben gewährt.

Handlung:
Die taz-Redakteurin Franziska Seyboldt leidet bereits seit ihrer Kindheit unter einer Angststörung und entschließt sich erst im Erwachsenen-Alter, sich dieser endlich zu stellen und sie öffentlich zu machen, wozu ihre Kolumne „Psycho“ in der taz ihr endlich einen passenden Boden bietet. Mutig schildert sie in ihrem Buch ihr eigenes Leben mit der Angst und welche Mittel sie ergreift, damit es ein Leben ohne Angst wird.

Fazit:
Das Cover ist recht minimalistisch gehalten: Raues Umweltpapier und darauf diese zackigen gelben, leicht verschwommenen und alle etwas unterschiedlichen Spitzen. Diese kann man im übertragenen Sinne als Angst interpretieren: Grell, spitz und immer ein wenig anders in Erscheinung tretend.
Der Minimalismus des Covers setzt sich auch im Buch fort: Der Text verteilt sich auf 253 Seiten und 45 Kapitel – und das sehr großzügig verteilt: Die Ränder sind in alle Richtungen breit gehalten, das Schriftbild ist recht groß mit 1,5zeiligem Druck gewählt; da jedes Kapitel rechtsseitig beginnt, sind zahlreiche Seiten links vollkommen unbedruckt. In seinem Erscheinungsbild kommt das Buch sehr hochwertig daher, der Verkaufspreis ist hier allerdings mit 18€ dennoch recht hoch angesetzt.
Was jedoch gar nicht minimalistisch ist, ist das Thema und somit der Inhalt dieses Buches, bei dem es nicht um einen Ratgeber, sondern einen persönlichen Erfahrungsbericht handelt.
Franziska Seyboldt leidet bereits seit ihrer Kindheit unter einer Angststörung – erstmals in Erscheinung getreten bei einem Arztbesuch, wo sie ihn Ohnmacht fiel. Sie erkennt diese aber erst viel später als solche, wie es bei den meisten Patienten mit einer Angststörung der Fall ist. Ich weiß leider selbst zu gut, wovon die Rede ist, denn auch ich habe damals vor meinem BurnOut die Panik-Attacken als Kreislaufstörung oder Folge des Bluthochdrucks versucht zu erklären. Auch die Angst vor Kontrollverlust und die eigene Meinung, als Person nicht richtig zu sein, wie man ist, scheint unter vielen Angstpatienten sehr verbreitet, so auch bei Franziska Seyboldt. Sie beschreibt Situationen aus der Kindheit, Schule, Beruf und Privatleben in denen die Angst übermächtig ist, z. B. Redaktionskonferenzen im Job oder Flugreisen. Aber auch Tage oder gar Wochen, in denen sie es schafft, sich einen dicken Panzer zuzulegen und der Angst somit Paroli zu bieten. Sie sucht Rat bei Psychologen und findet für sich neue Wege, der Angst zu begegnen. Mal setzt sie sich poetisch mit ihr auseinander, mal betrachtet sie sie freundschaftlich und mal mit Ignoranz – sie setzt sich immer wieder in Dialogen mit ihr auseinander, so lange bis die Angst ihre Überlegenheit verliert. Der Umgang mit der Angststörung wird einfacher für sie, als sie sie öffentlich macht, sich selbst mutig dazu bekennt und in ihrer Kolumne „Psycho“ in der taz darüber schreibt und nicht mehr versucht es zu verheimlichen, was ich persönlich auch sehr wichtig finde – der Umgang mit psychischen Erkrankungen sollte nicht immer tabuisiert werden. Ein tolles Buch über ein ernstes Thema, in dem trotz Allem der Humor nicht zu kurz kommt. Wirklich sehr lesenswert – nicht nur für Betroffene. Einziger Kritikpunkt ist, dass oft Personen genannt werden, die man nicht zuordnen kann, weil sie weder vorher noch nachher mal erwähnt wurden und auch nicht bekannt ist, in welcher Beziehung sie zur Autorin stehen oder standen – das fand ich teilweise etwas verwirrend. Tolles Buch und eine 4****-Leseempfehlung von mir.

Entschuldigt meine längere Abwesenheit bedingt durch eine traurige Entwicklung

Liebe Leser*innen meines Blogs,

eigentlich hatte ich angekündigt, Euch künftig – d. h. nach dem Januar – einen monatlichen Rückblick zu liefern, aber manchmal hat das Leben genau dann, andere, fast schon unmenschliche Aufgaben für uns …

Am vergangenen Samstag, 03.02.2018, mussten wir – nach einer sehr emotionalen Woche voller Hoffen und Bangen – um 12 Uhr für immer Abschied nehmen von unserem geliebten Kater Toni, worunter wir auch sicher noch eine ganze Weile zu leiden haben. Wir vermissen unseren kleinen Mann so unendlich.

Wie ja die meisten von Euch bereits mitbekommen hatten, litt Toni von Geburt an unter einem angeborenen, schweren Gendefekt, dessen Folgen ziemlich schnell fortgeschritten sind: Er hatte nie eine Stimme, konnte also nicht miauen (bis auf ein leises „Ch Ch“), konnte nicht schnurren, hustete, litt seit seiner 10. Lebenswoche immer wieder unter Verstopfung – was wir aber Dank eines Medikaments seines Neurologen seit Juni 2017 im Griff hatten, litt unter Bewegungsstörungen, die immer schlimmer wurden – zuletzt ist er überwiegend vorwärts gerobbt auf dem Parkettboden.

Der Gendefekt wurde im Januar 2017 im Rahmen einer Muskel- und Nervenbiopsie durch seinen Neurologen diagnostiziert. Die Gewebeproben sind in der Tierpathologie der LMU München untersucht worden, wo man dann feststellte, dass er – sowie zwei seiner Geschwister – einen Gendefekt hat, der bisher in dieser Form noch nie bei Katzen aufgetaucht ist. Dieser Gendefekt ist ähnlich wie MS oder ALS und lähmt das Zusammenspiel zwischen Muskeln und Nerven im Ganzen Körper. Sein Bruder ist bereits kurze Zeit später an den Folgen der Darmlähmung bei einer OP verstorben und seine Schwester dann im Oktober. Toni, der von Anfang offenbar am meisten von dem Gendefekt betroffen war, hat erstaunlicherweise am längsten damit überlebt.
Nach der Diagnose waren wir sehr niedergeschlagen und haben unser ganzes Leben darauf ausgerichtet, ihm das Leben so schön und leicht wie möglich zu machen. Wir haben die Wohnung umgestaltet mit behindertengerechtem Katzenklo, Teppiche für ihn ausgelegt, damit er besser laufen kann (er konnte mit den Hinterbeinen nicht mehr auf den Fußballen laufen, sondern nur auf den Zehen), ihn mit Medikamenten versorgt, waren immer wieder beim Tierarzt, haben uns ständig Sorgen um seinen Stoffwechsel gemacht (das hat unseren Tag bestimmt) und seine Hinterlassenschaften weggewischt und Teppiche und Katzenkissen gewaschen, wenn er es nicht bis zum Katzenklo geschafft hat und Wickelunterlagen in der Wohnung für ihn verteilt. Auf Reisen haben wir im letzten Jahr komplett verzichtet. Und wir haben das alles gern gemacht und hätten das auch noch mit Liebe weitere 20 Jahre für ihn getan. Zwischendurch war sogar mal eine Besserung zu verzeichnen und ihm hat die Tatsache, dass auf einmal die kleine verspielte Milly da war, nochmal so richtig Aufwind gegeben und ihn glücklich gemacht. Er war trotz seiner schweren Erkrankung immer ein richtiges Gute Laune-Paket und hat uns in den letzten Monaten sehr viel Freude gemacht und oft zum Lachen gebracht.

Anfang letzter Woche war Toni plötzlich verändert – während er sonst immer trotz seiner Behinderung total wild mit unseren anderen Katzen Joelle und Milly gerauft hat und das auch immer gern mit der alten Queen Mary wollte, hatte er auf einmal kein Interesse daran und hat mehr herumgelegen. Das hat Joelle und die kleine Milly, die ihn immer wieder zum Toben animieren wollten, sogar etwas verwirrt. Mittwoch-Abend waren wir dann mit ihm im Notdienst in unserer Tierarzt-Praxis, die eigentlich geschlossen hatte. Da Tonis Krankengeschichte dort ausgiebig bekannt ist, konnten wir den Praxis-Chef überzeugen extra für Toni nochmal in die Praxis zu kommen. Er hat dann hohes Fieber und eine Lungenentzündung diagnostiziert und ihm Antibiotika, Fiebersenker und einen Muntermacher gespritzt, woraufhin es Toni dann auch erstmal besser ging. Da der Mann am folgenden Tag auf Dienstreise war, habe ich mir kurzfristig frei genommen, was sehr gut war, denn so konnte ich nochmal einen sehr intensiven gemeinsamen Tag mit Toni verbringen, dem es dann langsam wieder schlechter ging. Am Freitag war er wieder beim Arzt, hat nochmals Antibiotika bekommen und die Lunge wurde geröntgt, die wohl sehr stark belegt war und die Tierärztin, die ihn da behandelte, hat uns schon keine große Hoffnung mehr gemacht. Wir haben immer so sehr auf seinen Stoffwechsel geachtet, aber dass er ein Problem mit der Lunge haben würde, hatten wir nicht auf dem Schirm, obwohl wir uns im Nachhinein erinnern konnten, dass der Neurologe damals sagte, dass Herz oder Lunge wahrscheinlich irgendwann überlastet sind. Abends ging es ihm dann noch schlechter und ich habe nochmal mit der Praxis telefoniert und vereinbart, dass wir Samstag-Vormittag mit ihm in die Praxis kommen, wenn keine Besserung erkennbar ist, weil wir ihn und uns nicht länger mit dem Leid quälen wollten. Er war extrem kurzatmig und hat sich kaum noch bewegt und nur noch ganz selten kleine Häppchen gefressen, aber wir haben uns trotzdem noch an jeden Strohhalm geklammert, der uns ein wenig Hoffnung gegeben hat. Wir wussten zwar, dass ihm aufgrund der Erkrankung kein langes Leben beschert sein würde, aber wenn man dann weiß, dass es nicht mehr weitergeht, steht für einen selbst die Welt still.

Wir haben uns die Entscheidung am Samstag wirklich nicht leicht gemacht und im Vorlauf schon viel geweint – weil die Frage im Raum steht, ob man sein geliebtes Tier evtl. zu früh aufgibt oder ob man es ggf. viel zu lange leiden lässt? Aber die Tierärztin am Samstag, die Toni auch bereits kannte, hat nochmal bestätigt, dass es keine Chance auf Besserung mehr gab – auch im Hinblick auf seine ganzen bisherigen Erkrankungen. Eine Lungenklappe hat durch den Gendefekt bei ihm nicht richtig funktioniert und dadurch sind wohl bei jeder Mahlzeit und beim Putzen Futter und Haare in die Lunge gelangt, was letztlich zur Ablagerung und zur Entzündung geführt hat. Seine Lunge war nur noch zu 1/3 funktionsfähig und die Wahrscheinlichkeit – eben auch an diesem Wochenende – zu ersticken, wäre groß gewesen. Die Beruhigungsspritze, die die Tiere vor der eigentlichen Euthanasie-Spritze erhalten, damit die Atmung ruhiger wird, hat bei Toni direkt zum Tode geführt, woran man sehen konnte, wie schwach die Lunge noch war. Das war der schlimmste Moment von allen und den bekommen wir so schnell nicht mehr aus dem Kopf. Die Tierärztin war sehr mitfühlend und meinte auch, dass wir sehr, sehr viel für Toni getan haben.

Für mich stand von Anfang an immer fest, dass unsere Katzen nach ihrem Tod immer eine Einzeleinäscherung bekommen und die Urne bei uns aufbewahrt wird. Wir haben nun eine schöne, schlichte Urne (ein schwarzes Herz mit weißen Sprenkeln) ausgewählt – ohne Foto oder Schrift, die wir wohl Anfang kommender Woche beim Tierbestattungsinstitut abholen können. Bei unserem Kater Theo haben wir 2012 leider entschieden, dass er im Garten von damaligen Kölner Freunden bestattet wird, neben deren Katze. Leider haben die uns aber nach unserem Umzug nach Berlin ohne Gründe die Freundschaft aufgekündigt, was ich sehr traurig finde. Aber manche Kölner kommen irgendwie nicht damit klar, dass es Menschen gibt, die weit jenseits von Köln nun mal viel glücklicher sind, während sie selbst unglücklich sind, aber keine Veränderungen zulassen.

Toni hatte durch seine Krankheit und die Pflegebedürftigkeit eine besondere Präsenz in unserem Leben. Er fehlt uns so sehr, wir vermissen den kleinen Kerl ständig und weinen beide immer noch um ihn, obwohl der Mann das eigentlich immer rational sehen wollte, überwiegen die Emotionen. Ohne unsere anderen Katzen, die sich alle Mühe geben um uns abzulenken, wären wir in ein ganz tiefes Loch gefallen: Mary setzt immer wieder ihr Allheilmittel bei uns ein und tretelt auf uns. Sie ist jetzt viel aufgeschlossener – sie mochte ja nach den Erfahrungen damals mit Theo irgendwie keine Kater und hatte immer ein wenig Angst vor Toni. Und Joelle und Milly sorgen immer wieder für ein temporeiches Unterhaltungsprogramm mit Clownerien, Akrobatik und Stunts und sind beide sehr anhänglich. Vermissen tun sie Toni offenbar nicht – ich glaube, sie haben gemerkt, dass er krank ist und es ihm sehr schlecht geht. Milly und Joelle hatten sich seit Mitte der Woche nur noch aufeinander konzentriert beim Spielen. Mary hat damals auch bei Theo gemerkt, dass er krank ist.

Viele Unverbesserliche werden jetzt sicherlich denken oder sagen, dass er ja „nur“ ein Tier war! Für uns gibt es nicht „nur ein Tier“ – er war eine sehr wertvolle, kleine  Persönlichkeit, die mit uns gelebt hat und die wir nicht weniger, wenn nicht sogar mehr, als manche Menschen geliebt haben und er hat unser Leben – wenn auch leider nur für kurze Zeit – so sehr bereichert! Unser kleiner Held und Traumkater, der jetzt ein kleiner Engel ist ❤

Durch diesen ganzen Kummer ist alles andere total bei uns in den Hintergrund geraten: Ich konnte sogar meine schlimmen Rückenschmerzen mit zeitweiligen motorischen Ausfällen im li. Bein total ausblenden (die jetzt leider gerade wieder schlimmer denn je sind – so lange ich kann, vermeide ich den Arzt-Besuch), weil Toni wichtiger als alles andere war. Ich habe mich allerdings auch in dieser schlimmen Zeit leider nicht ablenken können, habe nicht mehr gelesen seither und bin auch noch die Rezension schuldig zu „Rattatatam, mein Herz – vom Leben mit der Angst“ von Franziska Seyboldt, das ich längst ausgelesen hab, aber irgendwie fehlen mir gerade die Worte zum Rezensieren. Wir wollten eigentlich auch am Mo., 05.02. auf die Buch-Präsentation dieses Buches hier in Berlin gehen, aber da das Thema „Angst“ bei uns zuvor so präsent war, brauchten wir jetzt erstmal ein wenig Abstand.

Bitte seht mir nach, dass es momentan bei mir so ruhig ist. Ich wollte Euch nur nicht im Dunklen lassen, warum das gerade so ist und hoffe auf Euer Verständnis!

Bis bald, ganz liebe Grüße von VERA

Rezension: Marie Adams – „Glück schmeckt nach Popcorn“

Fakten:
Taschenbuch, blanvalet, erschienen: 20.11.2017, 318 Seiten, 9,99€ – auch als eBook erhältlich!

Autorin:
Marie Adams ist ein Pseudonym der deutschen Autorin Daniela Nagel, die darunter im September 2016 auch bereits „Das Café der guten Wünsche“ veröffentlicht hat. Sie wurde 1977 in Köln geboren, wo sie auch heute noch mit ihrem Mann und ihren fünf Kindern samt Haustieren lebt. Sie hat an der Fernuniversität Hagen Neuere Deutsche Literatur und Philosophie studiert und schrieb bereits während des Studiums Drehbücher für die ZDF-Serie „Streit um Drei“ sowie ein erstes Spielfilmdrehbuch. Während der Familiengründungsphase schloss sie ihr Studium mit ihrer Magisterarbeit, die ebenfalls das Thema „Drehbücher“ behandelte, erfolgreich ab. Sie schrieb u. a. Filmkritiken für das Online-Portal „Cinezone“ und Werbetexte für „Kino & Co.“. Neben dem Sachbuch „Fünf Kinder? Sie Ärmste! Ein Survival-Guide für gelassene Mehrfachmütter“ hat sie unter ihrem realen Namen die beiden humorvollen Familienalltagsromane „Das Leben ist kein Kindergeburtstag“ und dessen Fortsetzung „Irgendwas ist doch immer!“ veröffentlicht.

Handlung:
Die fast 30jährige Martha betreibt – gemeinsam mit ihrer besten Freundin Susanna – ein kleines, feines Programm-Kino in der Kölner Innenstadt, das von Filmliebhabern und -kritikern gleichermaßen geschätzt wird. Nach einer schlimmen privaten Enttäuschung konzentriert sich ihr ganzes Leben auf dieses Kino. Und auch dieses Glück wird getrübt, als ihre Freundin schwanger wird und zu ihrem Freund nach Hamburg zieht und Martha eine neue Hilfe für ihr Kino benötigt. Sie stellt den 3 Jahre jüngeren Filmstudenten Erik ein, ein absoluter Optimist, der gerade an seinem Abschlussfilm für die Hochschule arbeitet und vor guter Laune sprüht. Nur zu gern würde Erik, der ein Auge auf seine Chefin geworfen hat, die missmutige Martha überzeugen, dass es Happy Ends nicht nur auf Kino-Leinwand gibt. Aber das erweist sich als schwerste Aufgabe seines Lebens …

Fazit:
Sowohl Farbgebung als auch Motiv des Covers sind ansprechend gewählt. Die beiden Popcorn-Sorten nehmen in gewisser Form Bezug auf den Roman und seine Mitwirkenden, wobei das dunkle Popcorn sicherlich die pessimistische Protagonistin Martha und das helle Popcorn den optimistischen Erik darstellen soll. Die Schrift des Titels ist leicht nach außen geprägt, was ich sehr hübsch finde.
Grundsätzlich lese ich ja lieber Romane, die eine Aufteilung in kurze Kapitel haben, aber hier ist die eigentliche Story auf 315 Seiten aufgeteilt in nicht zu lange Leseabschnitte + Dankeswort – man kann sich bequem von Abschnitt zu Abschnitt lesen, was auch in Ordnung ist.
Der Schreib- und Sprachstil der Autorin hat mir im 1. Roman auch schon gut gefallen, in diesem Roman gab es allerdings ein paar, wenn auch wenige Situationen, wo ich nicht so ganz folgen konnte, weil plötzlich irgendeine Aussage dastand und man darin keinen Sinn erkennen konnte, auch vorher nicht.
Sehr schön fand ich die Idee der Autorin als Setting ein altes Kino zu nehmen – auch, wenn ich nicht wirklich ein Kino-Fan bin, so war dies  jedoch mal eine tolle Abwechslung zu den ganzen Cafés usw., die sonst als Handlungsorte in Romanen dienen. Der Aktionsradius der Geschichte befindet sich allerdings auch zu 80% nur im Kino. Von den im Buch erwähnten Filmen kannte ich leider nur sehr wenige.
Ich hatte mich sehr auf dieses Buch gefreut und ich bin mir sicher, es hätte eine richtig schöne Geschichte werden können, wenn hier nicht mit Martha eine höchst unsympathische und verbitterte Protagonistin gewählt worden wäre. Zwar wird der Leser während der Lektüre öfter als einmal daran erinnert, warum Martha so traurig, biestig und vom Leben enttäuscht ist, aber irgendwie hat mir das nicht gereicht als Erklärung, zumal sich der Handlungsspielraum hier über einen Zeitraum von mehreren Monaten erstreckt (und ausnahmsweise mal nicht auf wenige Tage oder ein paar Wochen wie in den meisten Romanen). In dieser Geschichte ist die Protagonistin irgendwie zugleich Antagonistin. Ihre Art hat mir leider stückweise sogar die Lesefreude genommen. Für mich ist es immer wichtig, eine Protagonistin sympathisch zu finden und ihre Geschichte irgendwie mitleben zu können und das kam hier nicht auf. Im echten Leben hätte ich Menschen wie Martha, die mit ihrem Pessimismus die Schuld für ihr eigenes Unglücklichsein immer nur bei anderen suchen, längst keinen Platz mehr eingeräumt, weil mich so etwas herunterzieht. Die Wendung kam leider sehr, sehr spät und die richtig großen Emotionen für einen Liebesroman haben mir ein wenig gefehlt.
Für das tolle Setting mit dem schönen alten Kino in meiner Ex-Heimatstadt Köln und so wunderbar erfrischenden liebenswürdigen Nebencharakteren wie Marthas bester Freundin Susanna, dem sehr optimistischen Filmstudenten Erik und seiner reizenden Familie oder auch der neuen Aushilfe Eva, die der Geschichte dann doch noch etwas Wärme gegeben haben, gibt es von mir wirklich sehr knappe 4**** Sterne (Tendenz 3,5).

Herzlichen Dank an das Bloggerportal der Random House Verlagsgruppe, die mir dieses Rezensionsexemplar freundlicherweise zur Verfügung gestellt haben!